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Weltreligionen
 

Warum glauben wir überhaupt?

Schön, dass wir uns hier treffen. Es ist heute ein einmaliger Tag, denn in dieser Zusammensetzung werden wir uns womöglich nicht mehr sehen. Wir wissen es nicht. Wir wollen es vielleicht auch gar nicht wissen. Aber häufig wollen wir wissen, was danach passiert. Oder – was bis dahin passiert und wie wir bis dahin sinnvoll leben sollen. Leben wir „anders“ weiter, werden wir wiedergeboren, ist alles zu Ende?

Religionen suchen seit jeher Antworten auf diese Fragen und die damit verbundenen Konsequenzen für das irdische Leben. Darum glauben wir – andere glauben deshalb anders – wieder andere glauben deshalb auch nicht. Ist Religion nur etwas für Grenz­erfahrungen oder auch und gerade für den (lebensnotwendigen) Alltag. Gibt es „den“ Glauben und welcher ist der beste für mich? Muss ich einer Religion/Glaubensgemeinschaft beitreten oder geht es auch individuell? Was glauben die „anderen“ und kann ich etwas von ihnen lernen? Muss ich mich vor ihnen in Acht nehmen?

Die Auseinandersetzung mit „Weltreligionen“ soll uns helfen, andere und uns selber besser zu verstehen, Ängste abzubauen und über unsere eigene „Religionsbrille“ hinweg zu sehen.

Es steht uns m.E. heute nicht mehr zu/an, andere christlich zu „missionieren“, aber es ist notwendiger denn je, etwas über andere Religionen zu wissen. Auch um seinen eigenen Standpunkt genauer zu kennen. Mein Wissen stammt aus viiiielen Büchern, dem Internet, Filmen und vielem mehr. Dennoch weiß ich auch nicht alles über (Welt-)Religionen; ich stelle hier nur meine Recherchen zur Verfügung in der Hoffnung, einigen einige neue Einblicke zu geben, die sie möglicherweise vorher noch nicht hatten. Diese neuen Erkenntnisse werden mit Sicherheit auch für das Christentum gelten, das kann ich hier schon mal versprechen.

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Was ist eine Religion?

Eine Religion: sammelt oder verbindet sie?

Das Wort Religion kann auf zwei lateinische Be­griffe zurückgeführt werden: Relegere (sorgsames beachten, also das Gegenteil von vernachlässigen), vielleicht weil man alle versammeln will, die sich auf Gott beziehen. Oder religare (verbinden), vielleicht weil sich Gott an den Menschen (und umgekehrt) bindet, der ihm antwortet. Möglicherweise suchen wir Menschen auch etwas „Verbindliches“, etwas, das uns den rechten Weg zeigt, weil wir orientierungslos geworden sind. Das Leben ist wie gesagt sehr kurz und wir suchen nach dem Sinn des Lebens, nach der richtigen Einstellung, nach dem richtigen Weg hier auf Erden, um ein erfülltes Leben zu führen und möglicherweise im Paradies (oder wie es auch immer heißen mag) fortzuführen.

 

Versuch einer Definition: Eine Religion ist der Glauben an ein (oder mehrere) göttliche(s), übermenschliche(s) oder geistige(s) Wesen und die Bräuche (Riten) und moralischen Gesetze (Ethik), die diesem Glauben entspringen. Die Glaubenslehre gibt einer Religion die Seele und den Geist, die Riten und Rituale geben ihr die Form und die Ethik ist das Herz einer Religion.

 

Seit wann gibt es „Religionen“?

Als vorgeschichtliche und antike Kulturen untergin­gen, verschwanden mit ihnen auch ihre Religionen. Archäologen und Historiker konnten aber durch inten­sive Grabungen und Forschungen einiges über sie heraus­finden. Die ältesten Hinweise auf Mythen, religiöse Ri­ten, Priester und Gottheiten reichen weit zurück.

Frühe Bestattungen

Ein Hinweis auf Religiosität in der Frühzeit sind Gräber. Menschen bestatten schon seit tausenden von Jahren ihre Toten. Die frü­hesten bekannten Grabstätten wurden von Neandertalern (vor rund 200.000 Jahren) angelegt. Sie befinden sich in der Nähe von Siedlungsplätzen und ent­halten meist Werkzeuge und Nahrungsmittel als Beigaben. Manchmal liegt das Skelett auf der Seite in der so genannten Höckerstellung, die Beine sind angewinkelt. Der Cro-Magnon-Mensch (vor rund 170.000 Jah­ren) bestattete seine Toten mit wertvollen und symbolträchtigen Beigaben wie Schmuck, Statuet­ten, Blumen und Perlen. Diese ersten Bestattungsrituale legen die Vermutung nahe, dass Nean­dertaler und Cro-Magnon-Menschen an ein Leben nach dem Tod glaubten, für das symbo­lische oder wertvolle Dinge nötig waren.

Höhlen zum Beten?

Wandmalereien in den Höhlen, die von Cro-Magnon-Menschen benutzt wurden, sind die ältesten bekannten Zeugnisse mensch­licher Kunst. Die Bedeutung der meisten Zeichnungen, die Tiere darstellen, ist bis heute nicht entschlüsselt. Vielleicht wollte man die Höhlen nur schmücken? Vielleicht hatten die Bilder aber auch sakrale Bedeutung und dienten zur Beschwörung einer erfolgreichen Jagd.

Die im 5.-2. Jahrtausend v. Chr. aufgestellten Megalithe bewei­sen, dass die Menschen der Früh­zeit nicht nur mit der Beschaf­fung von Nahrung beschäftigt waren. Die Steinblöcke finden sich fast überall auf der Welt - in Frankreich, England (Stonehenge), Syrien, auf Mali und in Indien. Bisher konnten Archäologen noch nicht genau herausfinden, welche Völker die Steine bearbeiteten und aufstellten. Dienten die Steinsäulen, Steinreihen und Steinkreise als Grabmale, zur Bestimmung der Zeit oder stellen sie eine Kultstätte dar?

 

Die älteste bekannte Religion ist die der Mesopotamier. Sie haben die Schrift erfunden und zahlreiche Texte über ihre Glaubensvorstellungen hinterlassen. Ihre Religion kannte gute und böse Götter und die Menschen dienten beiden, denn auch die bösen Gott­heiten waren unsterblich und mächtig.

 

Religion - eine Erfindung des Menschen?

Die Tiere brauchen keine Religion. Sie kennen die Angst vor dem Tod nicht. Sie sind sich der Endlichkeit ihres Lebens nicht bewusst. Das Rätsel des Todes ist das Grundrätsel jeder Religion, weil es das Grundrätsel unseres Daseins ist. Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod, an Auferstehung, Seelen­wanderung und ewiges Leben im Paradies ist eine der stärksten Triebkraft der Religion. Wenn der Mensch un­sterblich wäre, hätte er wahrscheinlich auch keine Religion!?

Menschen benötigen Bezugspunk­te, um ihre Überzeugungen fest in einem System zu verankern, gleichzeitig müssen sie aber noch für die übernatürliche Dimension ihres Lebens offen bleiben, Reli­gionen beschäftigen sich - von ihrem Selbstverständnis her - auch mit dem Übernatürlichen und geben ihm einen Rahmen. Sie schaffen ein System von Glau­benssätzen und Ritualen. Dieses System eint eine Gemeinschaft und bildet zugleich die Grundla­ge für ihr moralisches Verständnis und ihr geistiges Leben. Die Philo­sophen sind sich nicht einig über die Rolle der Religion: Einige meinen, dass sie eine Erfindung des Menschen sei, andere sehen in ihr einen Beweis für die Kom­munikation eines Gottes mit dem Menschen. Wie auch immer: Alle Religionen müssen sich – so denke ich jedenfalls – daran messen lassen, ob sie für den Menschen hilfreich sind oder nicht. Ob sie Antworten geben auf die Fragen von heute, ob sie Hilfestellungen geben und welche konkreten, ... Ob sie einzelnen Vorteile und Macht verschafft oder ob alle Menschen durch die Religion dem „Reich Gottes“ näher kommen.

Wünschenswert wäre, dass all jene religiösen Weltanschauungen verschwinden, die ein zivilisiertes, tolerantes Miteinander der Men­schen stören oder gar die Barbarei fördern. Religionen haben nur so lange ein Existenzrecht, wie sie zur Friedlichkeit in der Welt beitragen. Wo das Gegenteil der Fall ist, wo eine Religion zur Quelle des Fanatis­mus wird und gegen die Menschenrechte verstößt, muss sie bekämpft werden - freilich mit gewaltlosen Mitteln! Gewaltlosigkeit ist viel­leicht der einzige Fundamentalismus, der einer taumelnden Welt noch Halt geben kann.

 

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Gemeinsames (fast) aller Religionen

Religionen geben vor allem ein Haufen wichtiger Antworten auf die wirklich großen Fragen, die alle zu beantworten suchen:

1. Was ist unser Platz in der Welt?

2. Wie leben wir richtig?

3. Wie sollen wir beten?

4. Was passiert nach dem Tod mit uns?

5. Warum gibt es das Böse?

 

Was ist unser Platz in der Welt?

  • „Das Leben ist eine sexuell über­tragbare tödliche Krankheit“ - hinter dieser scherzhaften Be­merkung verbirgt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens. Alle Religionen zeigen uns unseren Platz in der Welt. Ihn zu finden heißt, den Sinn des Lebens zu erkennen.
  • Reli­gionen bewahren uns davor, das Falsche zu tun. Das Falsche tun heißt sündigen. Religionen bewahren uns vor Unkenntnis, also davor, nicht zu wissen, was man tun soll. Religionen bewahren uns vor dem Leiden, also davor, immer unglücklich zu sein. Religionen retten uns. Das ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Und darum geht es letzten Endes, wenn wir nach unserem Platz in der Welt suchen: um Erlösung.

 

Wie leben wir richtig?

  • Alle Religionen leh­ren uns, einander zu helfen, wann immer wir können. Alle Religionen lehren uns, aufrichtig zu sein. Alle Religionen lehren uns, nicht zu schlagen, zu töten, zu stehlen oder zu betrügen. Alle Religionen lehren uns, zu verzeihen und über die Fehler der anderen hinwegzusehen, denn auch wir sind nicht ohne Fehler. Alle Religionen lehren uns, unsere Familien zu lieben, unsere Eltern zu achten und neue Familien zu gründen, wenn wir erwachsen sind. Es ist wirklich erstaunlich, dass die Religionen überall fast die gleichen Ansichten über ein richtiges Leben haben.
  • Richtig zu leben heißt auch zu lernen, mit Fehlern umzuge­hen. Religionen zeigen uns, wie wir uns wieder aufraffen und von neuem beginnen können, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Religionen sind immer da, um uns wieder auf den rechten Weg zu helfen.
  • Wenn es mit rechten Dingen zugeht, führt der Glaube Menschen zu einer Gemeinschaft zusammen, die nicht auf Glauben beschränkt bleibt. Vielmehr werden sie, wenn sie Glaubende sind, dazu bereit, ihr Leben miteinander zu teilen, für einander einzustehen und einander zu dienen. Welche Gelegenheiten werden dazu von Religionen geschaffen?

In den einzelnen Religionen gibt es die unterschiedlichsten Namen für diese Lehren über das richtige Leben. Bei den Taoisten heißt die Lehre Tao, bei den Juden Thora, bei den Buddhisten Dharma, bei den Hindus Yoga, bei den Christen Evangelium und bei den Muslimen Koran. Alle diese Lehren ähneln einem Weg. Alle Religionen leh­ren, dass wir, wenn wir auf dem richtigen Weg bleiben, nicht nur die Welt, sondern auch uns verändern und beschützen können. Die Frage ist nur, wie und wo werden wir Menschen dazu heute abgeholt?

 

Wie sollen wir beten?

  • Durch Gebete zeigen uns die Religionen, wie wir ausdrücken können, was wir im Herzen fühlen.
  • Alle Religionen haben Gebete, denn in jeder Religion gibt es Menschen, und alle Menschen müssen ihrem Staunen und ihrer Furcht, ihrem Dank und ihrem Verlangen, ihrem Suchen und ihrem Finden die passenden Worte geben.

 

Was passiert nach dem Tod?

  • Religionen bewahren uns davor, beim Gedanken an unseren Tod verrückt zu werden. Reli­gionen lehren uns, dass der Tod, obwohl er das unwiderruf­liche Ende unseres Körpers bedeutet, nicht unser völliges Ende ist.
  • Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod, an Auferstehung, Seelenwanderung und ewiges Leben im Paradies ist die stärkste Triebkraft der Religion. Wenn der Mensch un­sterblich wäre, hätte er wahrscheinlich auch keine Religion.
  • unterschiedliche Vorstellungen von einer unsterblichen, einer neuen Seele oder Ähnliches helfen uns zu verstehen, dass nach unserem Tod irgend etwas irgendwie weitergeht.
  • Der Glaube an ein Leben nach dem Tod wirft die Frage auf, wie dies denn aussieht. Auf diese Fra­ge gibt es keine Antwort, denn niemand kehrte zurück, um darü­ber zu berichten. Doch Religio­nen in vielen Epochen haben sich ihre Vorstellungen davon gemacht. Häufig ist die Annahme, dass ein Gericht nach dem Tod darüber entscheidet, ob der Ver­storbene ins Paradies, einen Ort der Freude, oder in die Hölle, einen Ort der Bestrafung, kommt.

Die alten Ägypter und Griechen lebten wie viele andere Völker auch in Erwartung und Angst vor einem letzten Gericht. Die Vertreter der großen Offenba­rungsreligionen (Judentum, Christentum und Islam) glauben ebenfalls an ein ewiges Leben. Wie dieses Leben aussieht, hängt von dem Urteil eines solchen Gerichts ab. Wird tatsächlich gerichtet oder werden wir (aufge-)richtet?

Die Griechen stellten sich mit dem Elysium einen paradiesi­schen Ort in der Unterwelt vor, der allerdings nur Helden und Götterlieblingen bestimmt war. Die Bibel spricht vom Garten Eden mit köstlichen Früchten. Der Koran weist auf eine Oase mit sprudelnden Quellen hin, wo die Männer von verführerischen Jungfrauen verwöhnt werden. Die Darstellungen von Hölle und Paradies in der katholischen Kirche des Mittelalters sollte die Menschen erziehen: Die Bösen schmoren im ewigen Feuer, während die Guten Lobgesänge anstimmen. So sollten die Men­schen zu einem vorbildlichen Leben auf der Erde angeleitet werden. Im Gegensatz zu diesen Vorstellungen ist das buddhis­tische Nirvana kein Paradies, sondern das Aufhören jeglicher Bindungen an das Dasein.

  • Die Botschaft, dass der Tod nicht unser völliges Ende ist, beruht in Wirklichkeit auf einer tieferen Hoffnung: der Hoff­nung, dass die Liebe niemals stirbt. Die Liebe ist das Beste, was wir kennen. Die Liebe ist das einzige, von dem wir wünschen, das es nie vergehen möge. Und die Religionen lehren uns, dass sie nie vergeht.

 

Gemeinsame Elemente der Religionen Religion erleben: Riten und Rituale

Riten und Rituale sind für eine Religion elementar, weil durch sie der Glaube zu einer spür­baren Erfahrung werden kann. Die Glaubensinhalte beschäftigen unser Gehirn, doch erst durch die religiösen Riten bekommt unser ganzer Körper etwas zu tun. Hier wären konkrete Beispiele nötig bzw. man müsste sie neu entwickeln und fragen, ob die Religionen es schaffen, die Riten für die Menschen zu aktualisieren, also sie (lebens-)wichtig und interessant zu gestalten.

Religiöse Riten und Rituale

  • bestimmen den religiösen Kalender und die Feiertage,
  • legen fest, wie man wichtige Ereignisse in seinem Leben feiert,
  • konzentrieren und disziplinieren den Geist auf spirituelle Weise.

 

Schöne Feiertage!

Zu allen Religionen gehören auch Feiertage. Durch ihre Feier- und Festtage wird eine Religion erst zu dem, was sie ist.

Kalender und Festtage

Mit einem eigenen Kalender und genau festgelegten Festtagen definiert eine Religion sich selbst, sie grenzt sich damit von anderen Religionen und auch von der säkularen Kultur ab. Als das Christentum sich vom Judentum abspaltete und der Buddhismus vom Hinduismus, signalisierten sie das nicht zuletzt damit, dass sie einen neuen Kalender aufstellten.


Riten des Übergangs

In jeder Religion werden die wichtigen Ereignisse und Übergänge im Leben - Geburt, Er­wachsenwerden, Heirat, Elternschaft und Tod - von Riten und Ritualen begleitet. Mit ihnen wird die Bedeutung dieser besonderen Ereignisse anerkannt und auch verstärkt. Sie dienen als Riten des Übergangs und helfen den Gläubigen, den Wendepunkt zwischen vorher und nachher besser zu bewältigen. Auch hier gilt: Sind sie noch aktuell oder aktuell genug? Betreffen sie die Glaubenden?

Riten des Übergangs leisten Folgendes:

  • Die Gläubigen fühlen sich verbunden mit den alten Traditionen und Pflichten ihres Glau­bens. Die religiöse Auffassung vom Lauf des Lebens wird gefestigt.
  • Der Wert der Familie als eines vorrangigen religiösen Werts wird ins Zentrum der Auf­merksamkeit gerückt.

Diese Riten sind so stark, dass auch Menschen, die kein streng gläubiges Leben führen, an den Wendepunkten ihres Lebens auf die Religion zurückkommen, um diese besonderen Ereignisse segnen zu lassen.

 

Gebete

Alle Religionen kennen Gebete. Die Menschen beten, um ihre Dankbarkeit auszudrücken, um für eigene Sünden um Vergebung zu bitten und um anderen Menschen zu vergeben. Sie beten, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Sie beten, um ruhig zu werden und Weisheit zu erlangen. Sie beten, um ihre Ehrfurcht auszudrücken und ihre Freude über das Geheimnis des Lebens und die Schönheit der Welt. Sie beten, um von Leiden erlöst zu werden. Sie beten auf Knien, im Stehen, mit geschlossenen Augen oder mit zum Himmel gerichteten Blick. Sie beten allein oder in Gemeinschaft. Sie beten zu festgesetzten Zeiten einen vorgeschriebenen Text oder sie beten, wann immer ihnen danach ist.

  • Während des christlichen Gottesdienstes läuten immer die Glocken, wenn das „Vaterunser“ gebetet wird zum Zeichen an alle, die nicht in der Kirche sein können, um dieses wichtigste Gebet der Christen evtl. mit den Gottesdienstbesuchern zeitgleich zu beten.
  • Viele buddhistische und hinduistische Glaubensgemeinschaften kennen stundenlange Gebete. Die Gläubigen finden Trost und Erleichterung vom Stress, wenn sie sich im Gebet nach innen wenden und dort frei von Gedanken die große Leere erfahren. Diese Leere schafft eine innere Ruhe und befreit von den Zwängen des Alltags.
  • Fünfmal am Tag beten die Muslime zu Allah. In ihrem Gebet prei­sen sie Gott, danken und bitten um Hilfe. Der Zweck des Gebets besteht darin, das Leben als Ganzes - und den (gottesfürchtigen) Platz des Menschen darin - im Bewusstsein zu haben.
  • Das traditionelle jüdische Gebet muss drei Mal am Tag gesprochen werden (auch wenn das Mittags- und Abendgebet oft zusammengelegt werden). Am Sabbat und an den Festtagen kommen noch besondere Gebete dazu. Bei einem jüdischen Gottesdienst ist ein minyan erforderlich, das sind zehn jüdische erwachsene Männer. Für liberale Juden besteht ein minyan aus zehn jüdischen Erwachsenen, gleich welchen Geschlechts.

Gleichgültig wie, wann oder wofür: Menschen beten, um mit dem, was sie und ihre Religion als heilig empfinden, ins Gespräch zu kommen.

 

Religion und Ethik

So wie die Glaubensinhalte einer Religion Weisheit verleihen und die Riten eine bestimmte Form, gibt die Ethik ihr eine bestimmte Tugend. Die ethischen Verhaltensregeln betreffen den Einzelnen und die Gemeinschaft als Ganzes. Manche ethischen Lehren richten sich direkt an die Gläubigen und erklären ihnen, wie sie ihr Leben zu leben haben, während andere erläutern, wie sich die Gesellschaft organisieren soll.

 

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Unterschiede zwischen den Religionen

Die Religionen auf der ganzen Welt sind zwar unterschiedlich, sie sind aber trotzdem alle Religionen. Der springende Punkt ist: Was die Religionen gleich, nämlich zur Religion macht, sind die Fragen, die alle von ihnen stellen und beantworten. Was die Religionen unterscheidet, sind die Fra­gen, die nur einige von ihnen stellen und beantworten.

 

Einige Religionen glauben an einen Gott, andere Religionen glauben an unzählige Götter

  • Religionen, die an viele Götter glauben, fällt es leichter, das Schlechte auf der Welt zu erklären, als Religionen, die nur an einen Gott glauben. Viel-Götter-Religionen können sagen: „Das Schlechte kommt von den bösen Göttern, und das Gute kommt von den guten Göttern.“ Das erinnert uns an den Zauberer von Oz, wo alles Schlechte und Unheimliche von der bösen Hexe des Westens und alles Gute von der guten Fee des Nordens kommt.
  • Ein-Gott-Religionen lehren, dass das Gute von Gott kommt und das Schlechte von den Menschen, die sich von Gott abgewandt haben. Diese Religionen erklären, dass Gott den Menschen die Freiheit gegeben hat, Gutes oder Schlechtes zu tun. Die Freiheit der Menschen, sich für das Schlechte zu entscheiden, ist die Quelle, der das meiste Übel der Welt entspringt. Gott ist gut, aber er schenkte den Menschen die Freiheit, schlecht zu sein. (Eigenverantwortung des Menschen – Geheimnisse der Weltreligionen)

 

Einige Religionen glauben an Götter, andere Religionen glauben, dass es keine Götter gibt

  • an Götter glauben: ohne Erklärungsbedarf
  • Die Buddhisten erklä­ren, dass wir, um die Welt zu verstehen, begreifen müssen, dass nichts wirklich existiert, dann werden wir frei und glücklich und gelassen sein. Diese tiefe Zufriedenheit und wirkliche Gelassenheit, die wir finden, wenn wir erkannt haben, dass nichts wirklich ist, heißt Nirwana. Der Buddhis­mus erinnert uns daran, dass nicht alle Religionen auf der Welt Gott brauchen, um an ihr Ziel zu gelangen.
  • Die Existenz Gottes beweisen? Lange Zeit versuchten Gläu­bige, die Existenz Gottes zu beweisen. Doch ein Gottes­beweis ist nicht möglich und würde uns eine Freiheit neh­men, mit der uns ein gött­liches Wesen ausgestattet haben mag: nämlich die Freiheit zu entscheiden, ob wir glauben oder nicht. Diese Entscheidungsfreiheit unter­scheidet den Menschen von allen anderen Lebewesen.

 

Einige Religionen sagen, dass wir alle weltlichen Dingen abstreifen müssen, und andere Religionen sagen, dass es darauf ankommt, die Welt zu verändern

Von allen Religionen können wir lernen, wie wir uns von den weltlichen Dingen befreien und wie wir die Welt verändern sollen; aber jede Religion greift entweder das eine oder das andere auf und versucht es durchzusetzen.

  • Religionen, die erklären, wie wir die Welt verändern sollen, glauben, dass jeder einzelne von uns sich nur befreien kann, wenn wir alle frei werden. Am nachdrücklichsten vertritt das Judentum diesen Gedanken, aber auch bestimmte Zweige des Christentums und des Islams bekennen sich zu dieser Idee.
  • Buddhismus und Hinduismus sind zwei Religionen, die lehren, wie wir uns von allem Weltlichen befreien. Bei den Hindus heißt diese Befreiung Mokscha. Mokscha bedeutet, „davon erlöst zu sein, als jemand oder etwas anderes wiederge­boren zu werden“. Wer Mokscha erreicht, ist von allem auf der Welt befreit: Er muss nicht mehr zur Schule gehen oder die Matheprüfung wiederholen, er braucht keine Spritzen mehr zu bekommen oder krank zu werden, er hat nie mehr Schmerzen und ist auf immer vom Tod befreit. Die höchste Freiheit aber, die man durch Mokscha erlangt, ist die Erlösung davon, nach dem Tod als etwas oder jemand anders wiedergeboren zu werden. Die Vorstellung, so oft wiedergeboren zu werden, bis man erlöst wird, nennt man Reinkarnation. Im Buddhismus wird die Befreiung von der Welt Erleuchtung genannt. Erleuchtung bedeutet zu verstehen, warum die Welt so und nicht anders ist, warum es das Leiden und den Schmerz gibt. Erleuchtung bedeutet zu begreifen, dass nichts wirklich ist.

Die Religionen, die uns zeigen, was wir aus diesem Leben auf der Erde machen sollen, sagen zu den Religionen, die uns erklären, wie wir uns von der Welt befreien können: „Wie könnt ihr tatenlos zuschauen, wie hungernde Menschen ver­hungern und geknechtete Menschen unterdrückt bleiben? Wir sollten nicht nur untätig herumsitzen und darauf warten, dass wir sterben und von der Erde verschwinden, sondern wir sollten unser möglichstes tun, um die Welt zu verbessern, solange wir leben.“

Darauf entgegnen die Religionen, die uns vor allem zur Befreiung von allem Weltlichen erziehen wollen: „Seid doch nicht dumm. Wenn ihr glaubt, ihr könntet die Welt verändern, irrt ihr euch. Es gab immer Leiden auf der Welt, es gibt Leiden auf der Welt, und es wird immer Leiden auf der Welt geben. Daran könnt ihr überhaupt nichts ändern. Wenn ihr versucht, die Welt zu verändern, indem ihr die Menschen befreit und allen zu einer warmen Mahlzeit verhelft, werdet ihr euer Leben lang nichts als enttäuscht, zornig und niedergeschlagen sein. Je eher ihr das begreift, desto gelassener, weiser und glücklicher werdet ihr sein.“

Wer mit einer Die-Welt-verändern-Religion groß gewor­den ist, denkt vielleicht, dass die Befreiung-von-der-Welt-Religionen unrecht hätten, weil sie am Schlechten in der Welt nichts ändern wollen. Und umgekehrt, wer mit einer Befreiung-von-der-Welt-Religion aufgewachsen ist, mag denken, dass alle Die-Welt-verändern-Religionen unrecht hätten, weil sie die Menschen in den Wahnsinn treiben, indem sie ihnen raten, Dinge zu ändern, die nicht zu ändern sind.

Die Befreiung-von-der-Welt-Religionen lehren, dass wir im­mer wiedergeboren werden, und alle Die-Welt-verändern-Religionen lehren, dass dieses Leben unser einziges ist. Ob wir nur ein Leben oder viele Leben haben, unterscheidet die Religionen ganz gewaltig.

Beide Religionsströmungen haben ihre Vor- und Nachteile. Für die Einmaliger-Einsatz-Religionen ist es sehr wichtig, was wir tun, um die Welt zu verändern, weil wir nur ein einziges Mal die Chance dazu haben.

Den Immer-Wieder-Religionen liegt nicht so sehr am Herzen, die Welt zu verändern, dafür machen sie die Menschen viel gelassener und weniger hek­tisch. Gleichwohl erziehen beide Religionsströmungen die Menschen zur Nächstenliebe. Beide Religionsströmungen tra­gen dazu bei, dass die Menschen auf Erden Gutes tun, aber beide Religionsströmungen unter­scheiden sich fundamental.


 

In einige Religionen kann man eintreten, in andere muss man hineingeboren werden

  • Religionen, denen die Abstammung eines Menschen wich­tiger ist als sein Glaube, nennen wir Stammesreligionen. Stam­mesreligionen dulden als Mitglieder nur Menschen, die von Geburt an zu ihrem Stamm gehören.

Viele der Stammesreligionen sind klein, weil die meisten Volksstämme klein sind, aber es gibt eine riesige Stammesreli­gion auf der Welt, und das ist der Hinduismus. Der Hin­duismus ist die Religion der indischen Stämme. Das Kastensystem, in das ein Hindu hineingeboren wird, verhindert es, dass „Nicht-Inder“ Hindu werden können. Heutzutage sagen einige Hindus, dass jeder, der will, Hindu werden kann.

Stammesreligionen haben den Vorteil, dass in ihnen die Religion und das Leben eng miteinander verbunden sind.

Der Nachteil an Stammesreligionen ist, dass sie den Men­schen keine Wahl lassen.

  • Andere Religionen nehmen jeden auf, der an ihre Lehre glaubt. Deshalb werden sie offene Religionen genannt.

Das Christentum ist ein Beispiel für eine offene Religion. Jeder, der glaubt, Jesus war Gottes Sohn, der zur Erde kam, für unsere Sünden starb und von den Toten auferstand, kann Christ werden.

Aber auch bei offenen Religionen gibt es Nachteile. Manche offenen Religionen lassen die Menschen nicht einfach eintre­ten, sondern versuchen, sie zum Eintritt zu zwingen! Einer anderen Religion beizutreten, nennt man Konversion, und je­mand, der seinen Glauben gewechselt hat, wird Konvertit ge­nannt. Religionen, die sich um Konvertiten bemühen, kön­nen einem ziemlich lästig fallen und versuchen hin und wieder sogar, Leute mit Gewalt zu zwingen, ihrer Religion beizutre­ten. (Ureinwohner Amerikas, Kreuzzüge)

  • Die jüdische Religion ist beides: Stammes- und offene Reli­gion. Man kann auf zwei Arten Jude werden. Entweder man ist das Kind einer jüdischen Mutter. (Manche Juden sagen, es genügt auch, wenn nur der Vater Jude ist.) Oder man versichert, dass man an die jüdische Religion glaubt. Das Judentum ist also eine offene Religion, weil jeder, der will, eintreten kann. Es ist aber zugleich eine Stammesreligion, denn wenn man eine jüdische Mutter hat, ist man selber auch Jude, egal, was man sagt oder tut oder glaubt. Man kann glauben, dass die jüdische Religion ein Haufen Unsinn ist, aber wenn man eine jüdische Mutter hat, bleibt man Jude.

Der größte Unterschied: Offene Religionen wurden normalerweise durch die Lehren eines einzelnen bedeutenden Stifters begründet. Offene Religionen sind mehr darum besorgt, die Lehren ihres einen großen Stifters richtig auszule­gen, während Stammesreligionen sich mehr den Kopf darüber zerbrechen, ob die Stammesmitglieder auf die richtige Weise leben.


 

Zusammenfassung Alle Religionen auf der Welt sind wie verschiedene Wege auf ein und denselben Berg

  • Wie man weiß, gibt es nie nur einen Weg, um einen Berg zu besteigen. Wenn der Berg wirklich groß ist, führen immer viele Wege zu seinem Gipfel. Berge sind einfach zu groß für nur einen Aufstieg. Mit den Religionen ist es ebenso. Gott ist eine so große Vorstellung, eine so wichtige Sache, ein so bedeutendes Wesen, dass ganz egal, wie viele Wege wir auch beschreiten, um Gott und Gottes Lehren zu verstehen, wir sie nie alle gehen können. Man bedenke aber auch: es gibt Wege, die führen zum Absturz

oder ein weiteres Bild:

  • Religion ist wie eine solche wundervolle Musik. Jede Reli­gion ist wie eine Stimme in Gottes Lied für die Welt. Jede Religion singt eine Strophe und spielt bestimmte Noten, die sich in das große Lied, das Lied des Universums, einfügen. Und der Gesang, in den wir gemeinsam einstimmen, lobt Güte und Hoffnung und Mut, verkündet Liebe, Wohlwollen und Weisheit und preist den Himmel und die Schöpfung und Gott. Dieses große Lied ist besonders schön, weil alle Religio­nen der Welt verschiedene Strophen singen. Die Religionen sind wie Instrumente in einer Symphonie, wie Sänger in einem Chor.

 

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Warum viele Menschen religiös sind (oder auch nicht mehr)

Für Menschen, die wirklich glauben, bietet Religion etwas Tiefergehendes: Manches davon ist konkret fassbar, manches nicht. Was Religion zum Beispiel elementar erfahrbar macht, ist Hoffnung - Hoffnung, dass es morgen besser ist als heute, Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende bedeutet, Hoffnung, dass das Gute siegen wird. Die Religion ist wie ein Kompass, der die Menschen heil durch eine Welt der Unmenschlichkeit und der Enttäuschung führt.

 

Mit großen und kleinen Problemen fertig werden

Die meisten Religionen gehen davon aus, dass es ein Haupthindernis gibt, das die Menschen davon abhält, ihr wahres Menschsein zu verwirklichen. Wer es schafft, dieses Hindernis zu überwinden, kann die höchste Belohnung erlangen, welche die Religion jeweils verspricht.

Das Hindernis wie das Ziel sind je nach Religion verschieden:

  • Im Buddhismus ist das Leiden das größte Problem. Es wird gelöst, wenn man den Weg der Erleuchtung geht, an dessen Ziel es kein Leiden mehr gibt.
  • In den abrahamitischen Religionen ist die Sünde das Problem. Judentum, Christentum und Islam bieten einen Weg der Erlösung von der Sünde. Die Wege sind jeweils verschie­den, doch das Ziel ist das gleiche.
  • Im Hinduismus ist die ewige Wiedergeburt das Problem. Die Lösung besteht in einem Weg der Befreiung (moksha) von dem ewigen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt.
  • Im Zoroastrismus ist die Reinheit das Problem. Man muss in seinem Leben gegen das Böse kämpfen, um nach dem Tod errettet zu werden. (Der Zoroastrismus war die Religion der Perser, bevor dort der Islam vorherrschend wurde.)

 

Freude finden

Viele Menschen finden Freude an der Religion. Hindus nennen das vollendete Glück moksha. Christen nennen diesen Zustand Ekstase, einen Moment, in dem der Glaubende eine innere Vision Gottes hat und sich mit Gott eins fühlt. Juden nennen die Freude, die sie bei einer intensiven Erfahrung der Torah empfinden, simha. Diese Freude entsteht, wenn man sich dem Göttlichen öffnet, ganz darin eintaucht und dadurch die Schönheit und die Wunder des Lebens in allen seinen Formen erfährt. Die Freude besteht schließlich auch darin, dass man als Lebender selbst teil hat an diesem Wunder.

 

Verantwortlich handeln

Für viele Menschen ist Religion ein Wegweiser für eine bessere Welt. Sie erinnert die Menschen daran, dass sie den Armen, den Obdachlosen und den Verwaisten helfen sollen. Sie ist wie ein Antreiber, auch wenn die von Gott aufgegebene Pflicht, Gutes zu tun, manchmal müde macht und eine Last ist.

 

Leid annehmen

Das Leid ist Teil des Lebens. Die Krankheit eines geliebten Menschen, den Tod eines Kindes und Hunderte andere Niederlagen müssen wir Menschen Tag für Tag hinnehmen. Wir haben keine Wahl und haben auch nicht die Macht, das Schicksal positiv zu beeinflussen. Wenn man das Leid nicht verursacht hat und auch nichts dagegen ausrichten kann, welche Lektion kann man dann wenigstens daraus ziehen - abgesehen von »Augen zu und durch«?

Jede Religion beantwortet die Frage nach dem Leiden unterschiedlich:

  • Das Christentum lehrt, dass Gott den Menschen dadurch hilft, dass er im Leid bei ihnen ist. Es ist bereits ein großer Trost, dass Gott den Menschen in der schwierigsten Zeit nicht allein lässt. Doch der christliche Glaube geht noch weiter: Gott ist barmherzig, und auch die gläubigen Christen sollen dem anderen ihr Mitleid zeigen. Das persönliche Leiden kann auf diese Weise sogar noch sein Gutes haben. Nicht an Gott zu verzweifeln, wenn es einem schlecht geht, ist ziemlich schwierig, doch die Christen glauben, dass diese Erfahrung für einen reifen Glauben wesentlich ist.
  • Am Ende eines jüdischen Trauergottesdienstes lauten die letzten Worte am Grab folgen­dermaßen: Adonai natan, adonai lakach, y'hi shem adonai m'vorach (Gott hat gegeben und Gott hat genommen. Gelobt sei der Name des Herrn). Dieser einfache Satz enthält eine seelische Wahrheit: Es ist viel einfacher, Gott zu preisen, wenn er gibt, als wenn er nimmt. Doch man muss verstehen lernen, dass Geben und Nehmen Gottes Werk ist, dass das Leben ein Geschenk ist, dass es von Gott nur ausgeliehen wurde und wir es eines Tages zurückgeben müssen.
  • Der Theravada-Buddhismus lehrt, dass das Leid nur eine Einbildung ist, die aus unseren Wünschen resultiert. Wir machen uns selbst unglücklich, weil wir den Schmerz nicht annehmen wollen, der entsteht, wenn wir uns zu sehr an die Dinge, die Menschen und die Gefühle hängen. Wir ersehnen Dinge und werden traurig, wenn wir sie nicht bekommen. Wir lieben Menschen, und ihr Tod bereitet uns Schmerzen. Nach dem Theravada-Buddhis­mus können wir nur Frieden finden, wenn wir unsere Begierden, Hoffnungen und Träume aufgeben. In diesem Zustand der Erlösung finden wir das Glück, das wir in unserem Leben suchen.

 

Geschichte: Der Buddha half einmal einer Frau, die gerade um ihr Kind trauerte. Sie kam zu ihm und suchte Trost. Er legte ein klitzekleines Senfkorn in ihre Hand und sagte ihr, sie solle von Haus zu Haus gehen und von allen Nachbarn, die noch nie einen geliebten Menschen verloren haben, ein Senfkorn mitnehmen. Sie kam wieder, hatte nur dieses eine kleine Korn in der Hand und die tröstliche Gewissheit, dass jeder schon einmal mit dem Tod in Berührung gekommen war.

  • Für viele Hindus besteht ein tieferer Sinn darin, zu leiden. Ziel der Hindus ist es, vom ewigen Kreislauf der Wiedergeburt, der durch die Abhängigkeit von Wünschen aufrechter­halten wird, erlöst zu werden. Das Leid in diesem Leben ist das Ergebnis der Handlungen in einem früheren Leben (Karma). Auch wenn sich ein Hindu vom Leid zu befreien versuchte, entkäme er doch nicht dem ewigen Kreislauf. Im Gegenteil: Viele Hindus glauben, dass sie als niedere Wesen wiedergeboren werden, wenn sie das Leid nicht annehmen. Auch wenn man manches verbessern könnte, käme es im nächsten Leben umso schlimmer.

 

Gesund sein

Viele Religionsanhänger glauben, dass ihre Religion sie nicht nur glücklich, sondern auch gesund macht. Östliche Religionen haben ein tiefes Verständnis für den Zusammenhang zwi­schen Glauben und Gesundheit. Hinduistische, buddhistische und taoistische Riten bringen Körper und Geist in Einklang. Viele dieser Praktiken haben auch im Westen Eingang gefunden. Yoga beispielsweise kommt aus dem hinduistischen Glauben und ist mittlerweile auch bei uns äußerst populär.

  • Yoga vermittelt auch dem westlich orientierten Menschen ein allgemeines Gefühl des Wohlbe­findens, es verbessert die Aufmerksamkeit, Beweg­lichkeit und Stärke.
  • Die Kraft des Gebets: Neuere medizinische Studien legen nahe, dass Beten eine heilende Wirkung haben kann. Der Zusammenhang mag vielen Wissenschaftlern nicht einleuchten, doch manche sehen durchaus eine Verbindung. Menschen, für die andere um Genesung beten, scheinen sich schneller von Krankheiten zu erholen, als diejenigen, für die nicht gebetet wird.

 

Religionsverdrossenheit

Wir sind politikverdrossen, wir sind religionsverdrossen; Religion be-„trifft“ uns nicht (mehr) – Religionen haben uns heute nichts mehr zu sagen. Das und vieles mehr hören wir immer mehr und widerspricht im Grunde genommen dem, was eben gesagt wurde, nämlich, dass Religionen die wichtigsten Lebenspunkte des Menschen hilfreich und  sinngebend begleiten möchten. Die Religionen – vor allem die westlichen Religionen müssen sich fragen lassen, warum so viele Jugendliche (aber auch ältere Menschen)

  • nicht mehr in die Kirche gehen
  • nicht mehr an Gott glauben bzw. glauben, nicht mehr zu glauben
  • mit Religion „nichts mehr am Hut“ haben (wollen);

sie andererseits jedoch Halt und Orientierung suchen in

  • zweifelhaften, da autoritären religiösen Sekten
  • ihren Peergroups (Gruppen Gleichaltriger)
  • Computerspielen und anderen Nervenkitzeln
  • radikalen Gruppierungen.

Wenn Religionen darauf keine Antworten finden, wenn sie es nicht mehr schaffen, die Menschen für ihre Anliegen zu be-“geistern“, sie dort anzusprechen, wo sie Antworten auf ihre Fragen suchen, ihnen einen wichtigen Lebenssinn und Orientierung anbieten innerhalb der Religion, dann stellt sich die Sinnfrage für die Religion selbst. Dann werden wir allerdings auch um einiges ärmer werden, denn die gebotenen Alternativen sind meist doch wirklich kurzatmig, radikal gefährlich, menschlich enttäuschend oder nichtssagend albern. Ich bin eigentlich davon überzeugt, dass es eine große Chance der Religionen gibt, dem Menschen mehr menschlichen Fortschritt und Hoffnung an die Hand zu geben, wenn es gelingt, Religion als unverzichtbaren Halt und Lebensweg „nahe“ zu bringen. Dabei spielen die Eltern (Erziehungsberechtigte) eine nicht unerheblich große Rolle, denn:


Heilige Väter und heilige Mütter!

Um eine Religion weiterzugeben, braucht es mitunter Theologen, die ihre Glaubensgrundsätze formulieren, Exegeten, die ihre Texte studieren, Prediger, Professoren, Katecheten, Schriftsteller und Herausgeber, die ihre Botschaft verbreiten. Aber jede Religion setzt vor allem darauf, dass die Eltern ihre Kinder religiös erziehen.

Sie dürfen mit ihrer Aufgabe allerdings nicht alleine gelassen werden, sondern benötigen die besondere Unterstützung innerhalb der Religionen.

 

Was erwarten wir von den Religionen?

Diese Frage kann nur jeder selbst beantworten. Mein Antwortversuch lautet:

Mit Hilfe der Religion und meinem (persönlichen) Glauben möchte ich im heute (also im Hier und Jetzt – und nicht auf der Grundlage der Lebensumstände vor 2000 Jahren) einen sinnvollen Weg gehen können, der mich befähigt, meinen Lebensalltag motiviert, mit Freude, verantwortungsvoll und im Zusammenleben mit anderen zu bewältigen sowie mich dem Reich Gottes immer ein Stückchen näher zu  bringen.

 

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Notwendigkeit zum Dialog zwischen den Religionen

Wirklichen Religionen im Unterschied zu Pseudoreligionen ist gemeinsam, dass sie nicht auf Weltvergötterung hinauslaufen, sondern Verehrung einer unüberbietbaren Wirklichkeit sind, die das Geheimnis aller Wirklichkeit ist.

Ein (Vor-)Wort für (uns) Christen:

Die christliche Botschaft versteht sich nicht als Überbietung der anderen Religionen, sondern als Dienst an ihrer tiefsten Wahrheit. In allen wirklichen Religionen geht es letztlich um ein Geborgensein in der Gemeinschaft mit Gott, über die hinaus nichts Größeres gedacht werden kann.

Selbst wo wie im Buddhismus nicht einmal ausdrücklich von „Gott“ die Rede ist, wird doch als die tiefste Bestimmung des Menschen das Eingehen in das Nirvana bezeichnet, das namenlose, alles Begreifen übersteigende Seligkeit und ein Geborgensein und Errettetsein aus aller Bedrohung bedeutet. Müsste man nicht auch hier sagen, dass nichts noch Größeres gedacht werden kann?

Sowohl die jüdische Religion wie das Christentum als auch der Islam sprechen von Gott, indem sie von der Welt sagen, sie sei „aus dem Nichts geschaffen“. Wenn man diese Aussage radikal interpretiert, – und nur so lässt sie sich überhaupt verstehen – dann bedeutet sie: In allem, worin sich etwas in unserer Welt vom Nichts unterscheidet, also in jeder Hinsicht, in der es überhaupt ist, geht es völlig darin auf, dass es ohne Gott gar nicht sein kann. Dies ist eine unüberbietbare, nicht mehr steigerungsfähige Abhängigkeit.

Wohltuend wird das Verständnis der Allmacht Gottes erst, wenn offenbar wird, dass eben dieser in allem mächtige Gott für uns ist. Denn dagegen kommt dann keine Macht der Welt mehr an.

Christus steht nicht gegen die Religionen (Exklusivismus, als müssten die anderen Religionen als falsch angesehen werden); er steht auch nicht über den Religionen (Inklusivismus, als hätten die anderen Religionen nur Teile der Wahrheit und würden von der christlichen Botschaft überboten); ferner steht er auch nicht neben den Religionen (Pluralismus, als seien alle Religionen gleichbedeutend und keine könne einen Absolutheitsanspruch erheben), sondern nach der christlichen Botschaft ist Christus in den Religionen (vgl. Apg. 17,23)[1] dafür sei die Bezeichnung „Interiorismus“[2] vorgeschlagen.

Was ergibt sich daraus für das Verhältnis zu den anderen Religionen? Es kann nicht der Sinn des Christentums sein, andere Religionen zu ersetzen. Der Dienst des Christentums an den Wahrheiten besteht gerade darin, ihre Unüberbiet­barkeit und Unersetzbarkeit definitiv an den Tag zu bringen. Es gilt, dass Christus nicht gekommen ist, um zu herrschen, sondern um zu dienen (vgl. Mt 20,28)[3].

Christliche Mission und Aufgabe kann also nicht darin bestehen, mit anderen Religionen zu streiten, sondern nur darin, in freundlichem Gespräch und aufmerksamem Hinhören aufeinander die unterschiedlichen Ansichten miteinander zu vergleichen und einander Verständnisfragen zu stellen. Es könnte ja sein, dass wir Christen dadurch sogar den eigenen Glauben besser verstehen lernen...

Christliche Mission besteht daher im Dialog: „In Anbetracht der Spaltungen, Missbräuche und Konflikte, zu denen die Religionen, auch das Christentum, im Laufe der Geschichte geführt haben, versucht der Dialog, der einigenden und befreienden Kraft, die jeder Religion innewohnt, zum Durchbruch zu verhelfen und so die Bedeutung der Religionen für das Wohl der Menschheit, für die Gerechtigkeit und für den Frieden in der Welt hervorzuheben.“[4]

Die Spaltungen, Missbräuche und Konflikte kommen immer nur aus einem Missverständnis von Religion. Wird dagegen Religion nicht als menschliche Leistung, sondern als ein letztes Geborgensein verstanden, dann kann gerade die christliche Botschaft dieser einigenden und befreienden Kraft, die jeder Religion innewohnt und eigentlich eine unüberbietbare Wirklichkeit ist, dadurch zum Durchbruch verhelfen, dass sie die Bedeutung der Religionen „hervorhebt“.

Es gibt eine alte Geschichte von einem König, der einen schönen Ring und drei Söhne hatte. Jeder Sohn wollte den Ring gern haben. Als der König eines Tages starb, hinterließ er seinen Söhnen drei Ringe. Er hinterließ ihnen auch einen Brief, in dem stand: „Meine lieben Söhne, nur einer dieser Ringe ist echt, die beiden anderen sind Fälschungen. Den echten Ring erkennt ihr daran, dass sein Besitzer zu allen Menschen freundlich und großzügig ist.“ So verbrachte jeder der Söhne den Rest seines Lebens damit, gut zu sein, um zu beweisen, dass er den echten Ring besaß.

Mit den Religionen ist es genauso. Nicht durch Beschimpfungen und Geschrei beweist ihr, dass eure Religion wahr ist, sondern indem ihr nach ihr lebt.

Welcher Religion wir angehören, hängt bei den meisten von uns vom Elternhaus und von dem Land ab, in dem wir geboren und aufgewachsen sind. Ich denke, dass das eigentlich auch so bleiben sollte. Aber je mehr wir voneinander wissen, desto mehr können wir voneinander lernen, und um so leich­ter fallen uns in unserem eigenen Leben und in unserem Verhalten gegenüber anderen Achtung und Toleranz. Dies aber hilft uns ganz sicher, überall auf der Welt den Frieden und die Freundschaft zu stärken, was eines der Ziele aller großen Religionen ist.[5]

In einem wirklichen Dialog muss ich in der Lage sein, die Auffassung des jeweils anderen so korrekt mit eigenen Worten wiederzugeben, dass der andere bestätigen kann, verstanden worden zu sein. Nicht der Dialog stört den Frieden, sondern dass man anderen Auffassungen zuschreibt, die sie gar nicht haben.

 

Zu diesem Dialog sollen im Folgenden die wichtigsten Daten und Fakten der einzelnen Religionen  vorgestellt werden, um in den nächsten Einheiten die Religionen intensiver kennen zu lernen.

Denn nur wer etwas von den anderen Religionen weiß, kann mitreden. Ansonsten gilt die Erkenntnis von Dieter Nuhr: „Wer keine Ahnung hat – einfach mal Fresse halten“.

 

[1] Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

[2] nach Pater Knauer

[3] ... so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

[4] Ergänzende Normen der 34. General­kongregation der Gesellschaft Jesu

[5] vgl. Dalai Lama – Vorwort: Wie buchstabiert man GOTT

 

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Literatur

Bücher

Arden, Paul: Gott – Himmlisches, erklärt bei einer Taxifahrt

Bedürftig, Friedemann: Weltreligionen (100 Bilder – 100 Fakten)

Both, Daniela – Was glaubst du denn?, Münster 2000

Bowker, John: Religionen der Welt, München 2007

Campbell, Stan: Espresso-Bibel – In 60 Minuten durch das Alte und Neue Testament, Freiburg 2006 (auch als Hörbuch: 1 CD)

Clement, Catherine: Theos Reise, 2001 (Hörspiel: 4 CDs)

Fischer, Anke – Die sieben Weltreligionen, München 2006

Gellmann, Marc u.a.: Religionen der Welt für dummies, Weinheim 2008

Geo kompakt 16 : Glaube und Religion, 08/2008

Heinlein, Sylvia / Guhr, Constanze: Sara will es wissen, Pattloch 2008

Keene, Michael – Was Weltreligionen zu Alltagsthemen sagen, Mülheim 2005

Langbein, Walter-Jörg: Die Geheimnisse der sieben Weltreligionen, Köln 2007

Malherbe, Michel: Religionen – Entdeckungsreise mit fleurus, Köln 2006

Menke, Franz: Die Religionen der Welt – den Kindern erklärt, 2006

Schmidt-Salomon, Michael: Wo bitte geht´s zu Gott?, Aschaffenburg 2007

Schulz-Reiss, Christine: Was glaubt die Welt? – Die fünf Weltreligionen

Schwikart, Georg: Gott hat viele Namen, Düsseldorf 2008

Smart, Ninian: Atlas der Weltreligionen, Köln 2000

spiegel 52/2008: Abraham – Wem gehört der Urvater der Religionen?

spiegel special: Weltmacht Religion, Nr. 9/2006

Staguhn, Gerhard – Gott und die Götter: 6 Weltreligionen, München 2006

stern-Serie: 6 Weltreligionen, 2004

Tworuschka, Monika: Religiopolis – Weltreligionen erleben, Leipzig 2006

Tworuschka, Udo (Hg): Die Welt der Religionen, Gütersloh 2006

Tworuschka, Udo u.a.: Die Weltreligionen Kindern erklärt, Gütersloh 1996

Tworuschka, Udo: Die Weltreligionen und wie sie sich gegenseitig sehen, Darmstadt 2008

Tworuschka, Udo: Heilige Stätten, Darmstadt 2004

was ist was 105: Weltreligionen, 1998

Weitz, Burkhard: Nachgefragt – Weltreligionen, 2007

 

Hörspiele/Hörbücher

Beck Wissen (Heinz Halm) - Der Islam (2 CDs)

Die Tagesschau erklärt die Welt – Kultur und Religion (1 CD)

Gott und die Götter (Staguhn) – Die sechs Weltreligionen (10 CDs)

membran – Die Bibel – Das Alte Testament für Kinder (10 CDs), 2006

membran – Die Bibel – Das Neue Testament für Kinder (10 CDs), 2006

P.M. History – Die Kreuzzüge (3 CDs)

Road University – Buddhismus (1 CD)

Theißen, Georg – Der Schatten des Galiläers (2 CDs) – auch als Buch

Wieso – Weshalb – Warum: Unsere Religionen (1 CD)

Zitelmann – Die Geschichte des Christentums (2 CDs)

Zitelmann - Die Weltreligionen (5 CDs)

 
 

DVDs

Die großen Erlöser – Jesus

Die großen Erlöser – Mohammed

Jerusalem – Der Mythos einer heiligen Stadt (spiegel-Beigabe)

Spurensuche – Die Weltreligionen auf dem Weg (Hans Küng)

 

Software

Tworuschka, Udo: Religiopolis – Weltreligionen erleben, (CD) Leipzig 2005

Fit in Religion: 3 Weltreligionen, KHSweb.de

Lexikon der Weltreligionen

Kinder entdecken das NT (Geschichten & Lexikon des Neuen Testaments)

 

Internet

Verschiedene Artikel zu „Religion“ unter http://www.wikipedia.de/

www.relilex.de (religiöses Lexikon)

www.kindernetz.de (Informationen zu den Weltreligionen für Kinder)

Lernspiel Weltreligion (www.planet-schule.de)

www.unsere-zehn-gebote.de/ (für Erwachsene und Kinder)

www.hagalil.com/kinder/kidz/ (Jüdische Kinderseite)

www.judentum-projekt.de (Projekt des Lessing-Gymnasium Döbeln)

 Religion.orf.at (Weltreligionen vorgestellt + einzelne Artikel)

 

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