Startseite  - Kontakt  - Impressum
 
 
 
Feier-Tage
 

Weihnachten

Vorbemerkung      Szenisches Spiel      Nachbemerkung

 

Das Weihnachts-DieLämmer

Vorbemerkung

Psst. Ich möchte Ihnen etwas „mitteilen“. Ich muss das etwas leiser sagen, weil … das ist ein bisschen prekär. Also ich mein – wenn das rauskommt. Ne, raus ist das schon – aber: Wenn das so bekannt wird, dann – vielleicht sind dann die Kirchen noch leerer. Oder schlimmer noch: Dann kommt vielleicht keiner mehr! Dann hamm wir das Lamm! Äh - „die Lämmer“!

Also: Das mit der „Weihnachtsgeschichte“ stimmt so überhaupt nicht! Alles nur ausgedacht. Von dem Lukas. (Und dem Matthäus.) Ich habe es überprüft und: Es stimmt. Also es stimmt, dass sie nicht stimmt, die Weihnachtsgeschichte. Jesus ist gar nicht in Bethlehem geboren – schon gar nicht in einem Stall. Also, wenn das bekannt wird – dann müssen alle Krippenspiele abgeschafft werden oder zumindest: verboten werden.

Und dann – vielleicht gibt es dann bald kein Weihnachten mehr. Und keine Adventskalender. Oder nur noch ganz individuelle. Also meiner hätte dann bloß 11 Türchen – im April. Und dann: hätte ich Geburtstag. Und zwar ehrlich! Und ich bekomme Geschenke! Wer aber spendet dann noch für „Brot für die Welt“? Und wer schenkt dann den Kindern was? Wie kommen wir aus dieser Nummer wieder raus? Wenn uns die Kinder anklagen: Lügner! Alle Erwachsenen erzählen uns einen vom Pferd! Ja oder zumindest einen vom Esel!

Apropos Kinder. Ich darf das heute Abend hier nur unter Vorbehalt erzählen. Weil am späten Abend so gut wie kein Kind anwesend ist. „Sie“ wollen erst einmal die Reaktionen abwarten. In der Presse und so. Man hat sogar schon versucht, mich anzu-wulffen. Also angerufen und mich „gebeten“, meine Informationen zurückzuhalten … (Aber das nur „Jenseits des Protokolls“)

Also – es stimmt … nix. Bethlehem, der Stall, die Hirten, die heiligen drei Könige – obwohl das hat sich ja der Matthäus ausgedacht. … Nicht der Lothar – der andere – der aus der Bibel.

Warum machen die so was? Die lachen sich im Himmel heute noch kaputt darüber, dass wir das jedes Jahr in der Kirche erzählen und sogar spielen. So ähnlich wie „Der 90. Geburtstag“. Nur länger. Der 2000. Geburtstag. Oder sitzen die vielleicht in der Hölle? Verdient hätten sie es, oder? Jetzt, wo alles raus kommt. Belügen verjährt nie. Zumindest vor Gott nicht.

Aber – ich wüsste zu gern, was sie damals geritten hat, so einen Stuss zu schreiben. Oder: Ist das gar kein Stuss? Ich meine, Lukas war ein gebildeter Mann. Der wohnte in Griechenland, sprach mehrere Sprachen und schrieb sein Evangelium ungefähr im Jahr 90. Also nach Jesu. Nach Christus meine ich. Nach seinem Tod. Oder Auferstehung müsste man ja in diesem Fall sagen. Auf jeden Fall nicht mehr in der „Jesus-Zeit“, sondern schon in der „Christus-Zeit“.

Lukas gehörte der sogenannten 2. Christen-Generation an. Lukas jedenfalls kannte Jesus gar nicht. Er hatte nur sehr viel von ihm gehört. Und war schwer beeindruckt von seinem Leben, seinen (mündlich überlieferten) Reden und Taten. Dorothee Sölle hatte einmal gesagt: „In der Schilderung der Evangelien (also auch des Lukas) erscheint Jesus als ein Mensch, der seine Umgebung mit Glück ansteckte, der seine Kraft weitergab, der verschenkte, was er hatte.“ Und so verlor er sein Leben – für die Menschen, die er liebte. Er starb, damit wir Menschen Frieden gewännen, den Frieden von Gott. Er opferte sich, damit alle Sünder von ihrer Schuld befreit werden. Das war den Leuten damals wichtig. Wichtig an Jesus. Nicht wie und wann er geboren wurde! Geboren wurden wir alle. Aber auferweckt! Das war was Besonderes. Auch für Lukas.

Lukas hatte nämlich auch von den Freunden Jesu gehört, die fest daran glaubten, dass Jesus auferweckt wurde. Und Lukas glaubte ihnen das. Ehrlich. Immer mehr wollten glauben, was im Alten Testament schon mehrfach angekündigt wurde: Es wird einen Messias geben, einen „endzeitlichen Heilsbringer“ wie viele Juden sagen würden. Nicht alle Juden. Aber zur damaligen Zeit – immer mehr. Und dazu auch immer mehr Nichtjuden. Ihr Menschensohn, wie Jesus sich einmal selbst nannte, war der Messias. Das glaubten die. Alle Macht bei Jesus. Oder besser: Jesus Christus, dem Auferstandenen.

„Alle Menschen in Israel sollen erkennen, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Retter der Welt gemacht hat“. So hat Lukas das in der Apostelgeschichte geschrieben. Damit hat er die „Niederlage“ (also den Tod am Kreuz) in einen Sieg verwandelt. Und die messianische Hoffnung Israels hatte sich damit erfüllt. Für die „neuen Juden“, also die „Christen“.

Lukas hatte inzwischen damit begonnen, die gehörten Geschichten zu sammeln und aufzuschreiben. Und hier und da ein bisschen zu „kommentieren“. Oder sollte man besser sagen: zu missionieren.

Lukas war nicht nur Schriftsteller mit einer guten Portion Phantasie. Er war auch Historiker, der zurück blickte, der die Weltgeschichte bis dahin zumindest grob kannte und in seine Schriften – mehr oder weniger genau – mit einbezog. Zum Beispiel die Volkszählung, Kaiser Augustus, Zacharias, Johannes den Täufer und wohl auch die Zerstörung des Tempels im Jahre 70 durch die Römer. Seine Adressaten waren gebildete Griechen und griechische Juden. Lukas wollte ihnen Mut machen in dieser düsteren Zeit der Unterdrückung und Zerstörung. Er wollte die Christenheit vermehren und aufhellen. Er war also auch – so würde man zumindest heute sagen: Theologe. Ja und Theologen, die dürfen alles! Also auch Geschichten erzählen, die gar nicht stimmen. Wenn sie denn einen theologischen Sinn machen. Diese nennt man dann „kerygmatische Erzählung“[1], also eine Dichtung des Glaubens. Jemand hat das mal so ausgedrückt: Eine Legende, die „in konkrete geschichtliche Umstände hineingestellt, mit zeitgenössischen Farben gemalt und auf Geschichte bezogen“ ist.

So – und jetzt zurück zur weihnachtskerygmatischen Erzählung. Was hatte sich Lukas nur dabei gedacht? Die ganzen wichtigen Dinge über Jesus hat er und seine drei Kollegen aufgeschrieben; wie … die Bergpredigt:

  • Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Oder:
  • Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Oder noch besser:
  • Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

 

Aber auch Themen wie „Das Reich Gottes“:

  • Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
  • Dein Reich komme. Wie im … Vaterunser gebetet.
  • Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

 

Die ganz wichtigen Dinge hat Jesus den Menschen in Gleichnissen erzählt und ihnen das bildhaft erklärt:

  • Das Himmelreich gleicht einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

So ein Reich! So eine Perle! So eine Vision! Und Jesus war der Meinung: Wir sind kurz davor! Oder sogar schon mittendrin! Und dann so was. So eine Geburtsgeschichte gebildeten Leuten zu erzählen? Ich weiß es nicht. Aber – stellen wir uns mal vor: Wir lebten zur Zeit des Lukas und könnten noch einmal dabei sein – zum Zeitpunkt seiner genialen Idee von der „Weihnachtsgeschichte“ …

[1] vgl.: Steinwede, Dietrich, S. 54

 

nach oben

Szenisches Spiel

Rückblick

1. Szene

Wir befinden uns in einem Haus in Achaia, Griechenland; Lucanus sitzt in seinem Garten. Auf dem Tisch liegt ein Haufen mit handgeschriebenen Blättern.

A: Sei gegrüßt Lucanus. Was macht die Arbeit?

L: Ich grüße dich auch, Aggelos. Ja, du weißt ja, ich arbeite seit geraumer Zeit an einem neuen Projekt. Ich sammele Berichte über Jesus Christus, dem Messias wie wir ja inzwischen alle glauben.

A: Deshalb bin ich gekommen, Lucanus. Ich wollte dir etwas Wein, Oliven und von meinen Zitrusfrüchten bringen, die du so gerne isst. Vielleicht helfen sie dir beim Schreiben. (lacht)

L: Die kann ich gebrauchen. Danke schön. Ich glaube, ich brauche sowieso mal eine kurze Pause. Warte, ich hole zwei Gläser für den Wein und etwas Brot. (holt alles vom Regal und schenkt ein). So hier – ein Glas für dich.

A: Danke schön. Auf dich. Und uns Christen. Ich habe gestern noch gehört, dass es doch immer mehr werden hier im griechischen Raum. Und da hast du einen großen Anteil daran, mein lieber Lucanus.

L: Das ist richtig mein guter Freund, im Gegensatz zur Augustineschen Dynastie, die ja so langsam aber sicher zerfällt. Damals zur Zeit Jesu war sie ja richtig groß. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Das macht Mut.

A: Ja. Aber so richtig gut geht es den Juden und Christen ja noch nicht. Erst vor ein paar Jahren wurde den Juden ihr Allerheiligstes genommen: der Tempel in Jerusalem. Einfach zerstört und – weg ist er. Das war schon ein großer Schlag.

L: Aber bedenke. Ich glaube, es gibt inzwischen etwas Größeres als den Tempel: den Messias. Mit ihm ist Gott zu uns Menschen gekommen. Seit über 1000 Jahren warten die Juden darauf und jetzt ist es erfüllt was in der Hebräischen Bibel gesagt wurde. Bei Micha 5 steht: „Und du, Bethlehem, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“

A: O.K., nicht alle Juden glauben, dass Jesus dieser Messias ist. Aber es werden immer mehr. Auch viele Nichtjuden, gerade hier in Griechenland glauben das schon. Deshalb finde ich es wichtig, noch mehr über ihn und seine Taten zu erfahren. Ich find es toll Lucanus, dass du eine „Biographie“ über ihn schreiben willst.

L: Na ja Biographie ist ein wenig übertrieben. Aber ich möchte schon, dass möglichst viele über das Leben Jesu bescheid wissen.

A: Was weißt du eigentlich über die Anfänge von unserem Messias, Lucanus?

L: Ja – da stehe ich ein wenig auf dem Schlauch. Das ist ja jetzt schon … etwa 100 Jahre her. Es gibt keinen mehr, der mir dazu etwas sagen kann, weißt du? Aber ich finde es eh viel wichtiger, was er gerade in den letzten Lebensjahren gesagt und gemacht hat. Und darüber habe ich einige Dinge gesammelt – wie du siehst. (zeigt auf einen Stapel Blätter)

A: Weißt du was, Lucanus? Heute Abend komme ich wieder und bringe meine beiden Freunde Babylas und Charalambos mit. Babylas ist der Älteste von uns und weiß vielleicht noch etwas mehr von früher. Und Charalambos war zumindest mal in Jerusalem gewesen. Was hältst du davon? Dann könnten wir mal zusammenschreiben, was wir noch so alles wissen oder kennen.

L: Das ist eine gute Idee, Aggelos. Ich habe noch genügend Papier da zum Schreiben. Und ein bisschen Wein findet sich bestimmt auch noch. Bis heute Abend!

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Lied: EG 546, 1 (Stern über Bethlehem)

(am Ende setzen sich die übrigen Schauspieler um den Tisch)

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

2. Szene

Gleicher Ort. Am Tisch sitzen Lucanus, Aggelos, Babylas und Charalambos mit etwas Brot und Wein.

„So – jetzt geht’s erst richtig los: Kerzen an, Wein auf den Tisch, und los geht’s.

 (Allen wird Wein eingeschenkt vom Erzähler)

 

A: So Freunde, lasst uns anfangen. Auf ein gutes Gelingen. Zum Wohl (heben die Gläser und trinken) Lucanus, du kannst am besten schreiben und formulieren, du schreibst das Protokoll, also den Bericht. Überschrift: Die Geburt Jesu.

L: Gut. (schreibt) Die Geburt Jesu. Jesus wurde in der Stadt Nazareth geboren. Anwesend waren seine Mutter Maria und sein Vater … Wie hieß der noch mal?

C: Der hieß Josef.

B: Ich hab mal gehört, der soll gar nicht der Vater gewesen sein?

A: Doch, doch, Babylas. Das ist auch gut so, denn: Sollte der Messias nicht ein Nachfahre von König David sein?

B: Ist Josef denn ein Nachfahre von König David gewesen?

L: Das wäre ja ein toller Zufall! Oder vielleicht ist das ja ein Zeichen? Zuerst Kaiser Augustus als Weltenherrscher. Dann Johannes der Täufer. Und jetzt – zur Krönung sozusagen: ein wahrhaftiger Nachfolger von König David. Das ist ja ein Ding! Wir halten also fest: (schreibt auf) Josef ist der Vater und aus dem Geschlecht des König Davids.

B: (heben die Becher und prosten sich zu) Lucanus, komm schenk noch mal ein, so könnte es gewesen sein!

A: Aber dann können wir nicht sagen: „… wurde in Nazareth geboren.“ Bei Micha 5 heißt es doch: Der Messias wird in Bethlehem geboren!

B: Weißt du wie weit es von Nazareth bis Bethlehem ist? Ich glaub, das sind mehr als 100 km. Warum sollte Josef so etwas seiner Frau – noch dazu hochschwanger – antun, dorthin zu gehen?

A: Also – wenn der Messias aus Bethlehem kommen soll, dann muss das Kind auch dort geboren sein.

C: Aber das wissen Maria und Josef doch noch gar nicht. Wie wärs denn … mit der Volkszählung. Damals musste man doch ab und an in seinen Heimatort, um sich dort in diese „Steuerlisten“ einzutragen. Und Josef stammt aus Bethlehem – also musste er dort hin.

B: Ausgerechnet zu dieser Zeit? Aber gut, wenn es unserer Geschichte hilft, Charalambos … das wäre zumindest eine Erklärung oder besser ein Grund, warum Maria und Josef nach Bethlehem reisten. Lucanus, komm schenk noch mal ein, so könnte es gewesen sein! (heben die Becher und prosten sich zu)

L: Ich hab das schon mal nachgeforscht: Es gab verschiedene Steuerlisten. Und in Galiläa (also auch in Nazareth) galten andere Gesetze als in Jerusalem (also in Bethlehem). Außerdem wurden die erst viel später durchgeführt.

C: Ja, aber wer weiß das noch so genau. Und: Weil keiner bei der Geburt dabei war, brauchen wir ein Motiv für den Gang nach Bethlehem.

A: Und für den weiten Weg können Maria und Josef ja einen Esel mitnehmen. Für das Gepäck und so.

L: Ja das ist gut. Den Esel habe ich sowieso noch mal in der Geschichte vom Einzug in Jerusalem erwähnt. Das hat einen gewissen Wiedererkennungswert – und macht die Sache dadurch auch glaubwürdig.

B: Na siehst du. (heben die Becher und prosten sich zu) Lucanus, komm schenk noch mal ein, so könnte es gewesen sein!

A: Hatten die denn noch Verwandte in Bethlehem? Ich mein, wo haben die denn geschlafen und: Wo ist denn dort das Jesuskind geboren?

C: Soweit ich gehört habe, gab es keine verwandtschaftlichen Kontakte mehr. Sie werden wohl in einem Gasthof übernachtet haben. Wir könnten ihn ja „Zum Goldenen Esel“ nennen!

A: Ach Quatsch. Du hast wohl schon zu viel Wein getrunken, Charalambos?! Wenn wirklich alle zur Volkszählung mussten – und das haben wir ja jetzt einmal angenommen – dann waren so viele unterwegs, dass Maria und Josef bestimmt nicht die ersten waren, die dort angekommen sind.

B: Genau – und deshalb könnte es doch sein, dass nichts mehr zu finden war und – ich stelle mir das gerade vor: (unterstützt seine Rede mit großer Gestik) Maria bekommt die Wehen – Josef wird panisch – schaut sich um und: sieht eine verlassene Futterkrippe mit Stroh.

L: Ja, das klingt gut. Jesus – der sich immer für die Armen und Benachteiligten eingesetzt hat, wird ganz zu Beginn seines Erdenlebens ebenfalls unter ärmlichen Umständen geboren. Das prägt doch geradezu. Möglicherweise hat Gott das auch so zeigen wollen, dass „sein geliebter Sohn“ eben nicht so ein „irdischer König“ ist, sondern ein ganz wehrloses Kind entspricht seinem Idealbild vom „himmlischen Herrn“.

B: (heben die Becher und prosten sich zu) Lucanus, komm schenk noch mal ein, so könnte es gewesen sein!

C: O.k. Da haben wir ja jetzt schon einiges zusammen. Aber jetzt stellt sich doch die Frage: Wie haben die Menschen das erfahren, dass der Messias erschienen ist? Sind die Engel wieder durch das Land geflogen und haben es überall herumposaunt – so wie bei der Bekanntgabe eines richtigen … äh ich mein eines irdischen Königs, oder was?

A: Richtig. Ausgewählten Menschen müsste Gott es doch schon damals mitgeteilt haben. Aber wie? Und vor allem: Wem?

B: Wie wäre es denn damit: Gott erzählt es den ganz armen Menschen zuerst. Das würde sie und ihr Selbstbewusstsein enorm stärken, in ihrer so schwierigen und fast hoffnungslosen Zeit. Und damals, wer waren die, oder einer der ärmsten Leute rund um Bethlehem? Na?

(Aggelos und Charalambos zucken mit den Schultern)

L: Na sag schon, an wen denkst du, Babylas?

B: An die Hirten. Ich stelle es mir so vor: Sie bewachten die Schafe auf dem Feld. Es war dunkel. Sie waren müde und hatten auch ein bisschen Angst. Und da – plötzlich wird es hell – tatatata: Die Engel kommen und rufen: „Fürchtet euch nicht! Euch kann nichts mehr geschehen, denn der Messias ist da. Er wird euch retten und ins Himmelreich führen.“

L: Die Engel. Die Hirten … Ich mein, König David war auch ein Viehhirte. Da wäre schon wieder eine Parallele. Ich glaub, das passt schon alles wunderbar zusammen.

B: (heben die Becher und prosten sich zu) Lucanus, komm schenk noch mal ein, so könnte es gewesen sein!

C: Ja, so sehe ich das auch, Lucanus. Eine historische … na ja ich will mal sagen … Fast-Wahr-Geschichte.

A: Ich denke mal, wenn die Hirten das gehört haben, dann haben sie auch die Krippe gefunden, denn sie wollten ja auch nachsehen, ob das alles stimmt.

B: Oder ob sie das alles nur geträumt haben.

C: Hatten sie nicht und deshalb haben sie es auch überall weitererzählt. Als Mutmachgeschichte sozusagen.

L: Ja, Freunde. Da haben wir es doch. Maria und Josef bekommen – zunächst in Bethlehem alleine gelassen – überraschend Besuch und haben sich – ich will jetzt mal sagen – tierisch gefreut. So etwas wird Maria wohl ihr Leben lang nicht vergessen haben.

A: Und Josef auch nicht. Lucanus, so musst du das aufschreiben. Jetzt ist es schon spät. Aber du hast dir ja fleißig Notizen gemacht und wie ich dich kenne, wirst du das schon in eine schöne Geschichte verwandeln.

C: Wo du grad sagst verwandeln: Diese Geschichte wird die Welt verwandeln – so schön ist sie.

B: Abwarten und Tee trinken. Nein. Prost! Wir trinken noch den letzten Wein aus. Und morgen liest du uns mal deine Geschichte in der Kirche vor. (heben die Becher und prosten sich zu) Lucanus, komm schenk noch mal ein, so könnte es gewesen sein!

L: Abgemacht! Wo du grad sagst „Kirche“: Warum gibt es keine Ameisen in Kirchen? Na? Weil die InSekten sind… Hahahahaha …

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Lied: EG 546, 2 (Stern über Bethlehem)

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

3. Szene

„Das war ein bewegender Abend. Und die haben noch lange gesessen und gefeiert. Am nächsten Morgen, gleicher Ort. Alle Beteiligten sind noch ´ein bisschen müde`“

Lucanus – evtl. den Zuschauern stehend zugewandt:

L.: Liebe Freunde. Mir und meinen Mitarbeitern ist es in den letzten Tagen nach anstrengender Arbeit gelungen, die Geschichte Jesu um ein großes Stück voran zu bringen und zu ergänzen. Aus allen Unterlagen und Erinnerungen heraus habe ich einen – wie ich finde – vorzeigbaren Text geschrieben: Von der Geburt Jesu, wie sie damals stattgefunden haben mag:

„Also, ich kürz jetzt mal die Einleitung mit der geschichtlichen Einordnung ein wenig ab: Zunächst die Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers durch den Engel Gabriel (Zacharias ist ungläubig und kann daraufhin nicht mehr reden), blablabla … Engel Gabriel bringt die Nachricht der Schwangerschaft auch zu Maria … Maria besucht während der Schwangerschaft noch mal Elisabeth und Zacharias, blablabla … Maria bedankt sich und singt lalala … Jetzt die Geburt Johannes des Täufers blablabla … Auch Zacharias singt und lobt (er kann ja jetzt wieder sprechen) lalala … so und jetzt kommt´s; das Wesentliche:

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,

damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Ja – so wird es gewesen sein. So gefällt es mir. So werde ich das jetzt ins Reine schreiben. (geht zu Tisch zu den anderen). Prost Aggelos, Prost Babylas, Prost Charalambos.

 

nach oben

Nachbemerkung

Ja, ja: Prost – Wein – so könnte es gewesen sein, oder? Klingt doch irgendwie sympathisch. Wein haben die damals alle getrunken und wie Alkaios von Lesbos schon sagte: „in vino veritas“ – im Wein, da liegt ja auch die Wahrheit. Ein Stück. Ein Weihnachtsstück – ist daraus geworden. Und wird heute immer noch so oder so ähnlich erzählt und wiedergegeben. Übrigens von einem Stall hat Lukas nie gesprochen – das konnten Sie ja gerade hören. Ehrlich. Das haben wir uns immer nur so dazugedacht. Wegen der Krippe. Die muss ja in einem Stall stehen! Ja, ja – so geht das.

Apropos dazu gedacht: Frau Käßmann geht sogar noch weiter. Sie sagt:

„Diese Geschichte von der jungen Familie, die keinen Platz in der Herberge findet, berührt die Herzen auf der ganzen Welt. Und von dieser Geschichte aus lassen sich viele neue Weihnachtsgeschichten erzählen.“[1]

Einmal erfunden. Immer – und immer wieder neu – erfunden. (Also gelogen wollte ich jetzt – wo wir ein wenig weitergebildet sind, nicht mehr sagen.) Und wo Sie jetzt grad sagen „Weihnachten“: Ich könnte Ihnen jetzt noch einen Vortrag darüber halten, dass Weihnachten „aller Wahrscheinlichkeit nach“ im Herbst statt­gefunden haben muss. Wegen der Schafe auf dem Feld.

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, … Aber das führt jetzt wirklich zu weit. Apropos Tannenbaum, wir könnten mal wieder ein Lied singen …

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Lied: EG 546, 3 (Stern über Bethlehem)

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Auf jeden Fall ist es eine schöne Geschichte. Eine wunder-schöne Geschichte sogar. Sie will mit den Augen des Glaubens gesehen werden. Sie ist dann wahr, – auch wenn das, was sie erzählt, nicht alles so war. So gesehen sind die Hirten, die von der Krippe zurückkehrten, Verwandelte. Neue Menschen, Menschen der Freude und des Friedens. So wie wir es nach dem Ostergeschehen sein sollen. Oder werden sollen. Oder schon sind … ???

Nun – Sie merken schon – das ist viel schwieriger zu vermitteln. Die Geschichte einer Geburt ist daher viel einfacher zu erzählen und zu erfahren als die große Herausforderung einer Auferstehungsgeschichte.

Dann doch lieber eine (kerygmatische) Weihnachtsgeschichte. Sie wissen schon: Nicht ganz wahr aber: doch. Hier kann ich (also in dem Fall: Lukas) in ausgewählten Bildern schon alles das vorwegnehmen, was später erst wichtig … sein … wird für das Kind. Und die Biografie sieht auch besser aus, wenn man weiß, wie und wo sie begonnen hat.

Das wollte Lukas uns ganz bestimmt auch so sagen. Und das kann man ruhig glauben. Und feiern. So war das also. Aber bitte: Sagen Sie es noch nicht weiter. Wir müssen erst einmal abwarten wie die Reaktionen so sind. In der Presse. In dem Presbyterium, und, und, und.

Ach wissen Sie was? Behalten Sie das alles für sich. In Ihrem Herzen. Und ich bekomme in zwei Tagen doch noch Geschenke. Ja – und die Kinder auch. Es bleibt wie es ist. So etwas kann uns nicht erschüttern, oder?

In diesem Sinne: Ihnen allen – und ganz be-stimmt – ein frohes Fest!

 

nach oben


 

[1] Margot Käßmann, Meine schönsten Weihnachtsgeschichten aus aller Welt, S. 7f.)