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Paulus

Vom Saulus zum Paulus: Wer kennt nicht diesen Spruch. Waren das zwei Menschen? Oder war es wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde? Der Böse und der Gute? Fest steht:

  • Das Leben des Paulus erfährt eine radikale Wende: Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin. (1Kor 15,10)
  • Paulus gründet Gemeinden und begleitet sie mit Briefen: ... so liegt mir alles daran, auch euch in Rom das Evangelium zu verkündigen. (Röm 1,15)

Dieser Glaube verändert ...

  • das Leben in der Gemeinde: Weist die zurecht, die ein unordentliches Leben führen,
  • ermutigt die Ängstlichen, nehmt euch der Schwachen an, seid geduldig mit allen. (1Thess 5,14)
  • das Leben in Haus und Familie: Wer im Herrn als Sklave berufen wurde, ist Freigelassener des Herrn. (1Kor 7,22)
  • das Leben in der Polis: Und selbst wenn es ... so genannte Götter gibt, so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. (1 Kor 8,5)

Allgemeines

Paulus – ein Mann der Gegensätze. Ein Pharisäer und Christenverfolger ersten Ranges und ein berufener Apostel und Verkünder der Wahrheit in und von Gottes Sohn Jesus Christus, der ihm auf dem Weg nach Damaskus, wo er Christen verhaften wollte, in einem Licht begegnete und sein ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellte. Seine inspirierten Briefe an die verschiedenen Gemeinden, die wir heute in der Bibel haben, sind aktueller denn je ... Paulus ist die am besten bezeugte urchristliche Gestalt im Neuen Testament.

Dennoch bleiben für denjenigen, der sich mit seiner Person und seinem Leben

beschäftigt, viele Fragen offen. Die echten Paulusbriefe geben uns einen unmittelbaren und authentischen Einblick in sein Denken und sein Leben. Allerdings hält sich Paulus mit biographischen Auskünften eher zurück. Die andere Quelle ist die wohl in den späten achtziger Jahren vom Evangelisten Lukas verfasste Apostelgeschichte. Sie enthält eine Fülle von Informationen über das Wirken des Paulus, muss aber als historische Quelle kritisch gelesen werden, da sie nicht immer mit den Selbstaussagen des Paulus übereinstimmt, eine genauere Kenntnis der paulinischen Theologie vermissen lässt und ein legendenhaft ausgeschmücktes Idealbild der Urkirche vermittelt, das nur bedingt der geschichtlichen Realität entspricht.

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Lebenslauf

Weil Paulus in seinen Predigten und Briefen manchmal aus seiner eigenen Biographie erzählt, kann man seinen Lebenslauf recht genau nachzeichnen, auch wenn sich nicht alles bis aufs Jahr genau rekonstruieren lässt. Die Paulusbriefe in der Bibel sind nicht chronologisch sortiert, sondern nach ihrer Länge. Die Jahreszahlen sind deshalb alles ungefähre Angaben (und alle selbstverständlich n. Chr.)

 

Überblick

1? - 10  Paulus wird als Saulus in Tarsus geboren. Er ist ein Kind strenggläubiger Eltern. Über seinen Vater hat er die doppelte „Staatsbürgerschaft“ – und einen Doppelnamen: Als Benjaminit trägt er den Namen des jüdischen Königs Saul aus dem Stamm Benjamin und zusätzlich den lautverwandten Beinamen Paulus (= der Kleine). Saulus besitzt das Bürgerrecht von Tarsus und Rom. 

10 - 32  Saulus lebt in Jerusalem; dort wird er zum Zeltmacher bzw. Sattler ausgebildet.

25? - 32  Ausbildung zum pharisäischen Schriftgelehrten bei Rabbi Gamliel I. in Jerusalem. 

32  Saulus verfolgt im Auftrag des Hohen Rates die Christen; vor Damaskus erscheint ihm Jesus Christus. Saulus berichtet später, er habe von Christus den Auftrag erhalten, die frohe Botschaft von Jesus Christus vor allem Nichtjuden, den sog. „Heiden“ zu bringen. Er hält sich fortan zur christlichen Gemeinde. Seine Freunde nennen ihn jetzt fast nur noch Paulus – mit diesem Namen wird er selbst sich auch in seinen Briefen immer vorstellen. 

32 - 34 Paulus wird von der christlichen Gemeinde als Missionar in Arabien und Damaskus eingesetzt. 

34  Bei einem zweiwöchigen Aufenthalt in Jerusalem lernt Paulus Petrus und Jakobus kennen.

34 - 48   Paulus wirkt in Tarsus und Syro-Kilikien. 

48 Paulus wird von Barnabas nach Antiochien geholt; zusammen gehen sie auf die erste große Missionsreise.

Auf dem Apostelkonzil in Jerusalem kommt es zum Streit zwischen Paulus, Petrus und Barnabas. Paulus fordert von seinem Verständnis des Evangeliums her, dass die Nichtjuden, die an Christus glauben, nicht mehr an das jüdische Ritualgesetz gebunden sind. Es kommt zunächst zu einer Kompromisslösung; auf Dauer wird sich aber die Einsicht von Paulus durchsetzen.

49 - 56 Paulus betreibt auf eigene Verantwortung Heidenmission, bleibt aber in Verbindung mit der Urgemeinde in Jerusalem. Er geht auf die zweite und dritte Missionsreise

56 - 57 Paulus wird in Jerusalem wegen Aufruhrs des Volkes angezeigt und von den Römern festgenommen. Weil der Prozess verschleppt wird, sitzt Paulus von da an zwei Jahre lang im Gefängnis.

59 Paulus beruft sich auf sein römisches Bürgerrecht und möchte, dass sein Fall vor dem Kaiser in Rom verhandelt wird. Er wird deshalb nach Rom gebracht – das ist seine letzte Reise.

60 - 62 In Rom steht Paulus unter Hausarrest. Er knüpft Kontakt zur bereits bestehenden christlichen Gemeinde in Rom. Er darf Freunde empfangen und Briefe schreiben. Es ist unklar, ob Paulus den Kaiser je sehen durfte. 

62? - 68? Im Zuge der Christenverfolgung unter Kaiser Nero wird Paulus ermordet. Er stirbt als Märtyrer.

 

Die ersten Jahre

Paulus wurde irgendwann im ersten Jahrzehnt unserer Zeitrechung in Tarsus in Kilikien (Südosten der heutigen Türkei) geboren. Zu Lebzeiten des Paulus ist Tarsus eine bedeutende Handelsstadt und Hauptstadt der römischen Provinz Cicilien. Sein jüdischer Name war laut Apostelgeschichte Saul (hebr. Scha-ul), in seinen Briefen nennt er sich selbst Paulos. Der Vater ist Pharisäer und Zeltmacher in Tarsus. Von seinem Vater erbt Paulus sein Gewerbe als Zeltmacher und vor allem das römische Bürgerrecht, was ihm im Laufe seines Lebens noch sehr hilfreich sein wird. Über die Mutter ist so gut wie nichts bekannt.

Als Diasporajude sprach er gut griechisch und war mit der hellenistischen Kultur vertraut, allerdings weniger mit der griechischen Philosophie. Dagegen war er in den heiligen Schriften des Judentums und ihrer rabbinischen Auslegung bestens bewandert.

Als Jude lernt Paulus nach den Geboten Gottes vom Sinai, der Tora zu leben. Er reist nach Jerusalem und studiert bei einem berühmten und geachteten Rabbi Gamliel I. in Jerusalem.

Streng und eifrig tritt Paulus für die Gebote Gottes ein. Paulus hört von Juden, die sich zu Jesus Christus bekennen und sagen: „Jesus, der am Kreuz gestorben ist, ist auferstanden und erschienen. Jesus ist der Messias.“

 

Ein gefährliches Gerücht...

In Jerusalem erlebte Saulus, wie Jesus von Nazareth auftrat, der schließlich wegen Gotteslästerung gekreuzigt wurde. Als guter Pharisäer fand Saulus das Todesurteil durchaus gerechtfertigt: Immerhin hatte dieser Jesus zuletzt behauptet, er könne den Menschen ihre Schuld vor Gott vergeben und ließ es zu, dass man ihn den Sohn Gottes nannte.

 

Drei Tage nach der Hinrichtung Jesu tauchten plötzlich immer mehr seiner Jünger auf, die behaupteten, Jesus sei von den Toten auferstanden. Er sei wahrhaftig der Sohn Gottes. Einer dieser Jünger war Stephanus. Er predigte gegen den Tempelkult und redete statt dessen vom Heiligen Geist. Für Saulus war klar: Diese gefährliche Sekte gehörte beseitigt. Er passte auf die Kleider der anderen auf, als Stephanus ebenfalls wegen Gotteslästerung von der erbosten Menge spontan gesteinigt wurde.

 

 

Den Christen auf der Spur...

Die Gangart gegen die Christen wurde immer härter. Einige flohen nach Damaskus, um der „Verfolgung“ in Jerusalem zu entgehen. Saulus griff jetzt aktiv in das Geschehen ein. Er spürte sie in ihren Häusern auf und verhaftete sie. Bald galt er unter den Christen als einer der gefährlichsten Kopfjäger.

 

Paulus will seine Landsleute von diesem Glauben abbringen. Ohne Mitleid und mit viel Eifer verfolgt er die Christen. Weil er sah, dass die Christen sich immer mehr ausbreiteten, ließ er sich vom Hohen Rat in Jerusalem Empfehlungsschreiben an die Synagogen in Damaskus ausstellen. Denn dort war inzwischen eine richtige Hochburg der Anhänger des „neuen Weges“ entstanden...

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Damaskuserlebnis

Diese feste Überzeugung des Paulus brach in einem einzigen Augenblick völlig zusammen, und zwar durch eine Erfahrung, die als Damaskuserlebnis in die Geschichte eingegangen ist. Paulus selbst spricht von dieser Erfahrung ohne jede anschauliche Schilderung als „Offenbarung Jesu Christi“ durch Gott (Gal 1,12.15f), als „Sehen“ des auferweckten Jesus (1 Kor 9,1), als „Erscheinen“ des Auferstandenen (1 Kor 15,8), das er gleichberechtigt neben die Ostererfahrung der Jünger Jesu stellt.

Die Erfahrung des Paulus auf seinem Weg nach Damaskus wird in der Apostelgeschichte geschildert, wo er die Christen, die er dort finden würde, fesseln und nach Jerusalem bringen wollte. Unterwegs umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel, sodass er zu Boden stürzte und eine Stimme hörte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Er antwortete: „Wer bist du, Herr?“ Dieser sagte: „Ich bin Jesus, den du verfolgst, steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst.“ Paulus war plötzlich blind, und seine Gefährten führten ihn nach Damaskus hinein.

Drei Tage ist Paulus blind, alles bleibt dunkel um ihn. Eine harte Lektion für einen Pharisäer. War nun sein ganzes Leben, Arbeiten und Studieren umsonst? Nein! Paulus bekehrte sich durch Jesus.

Die Apostelgeschichte berichtet weiter von einem Jünger Jesu, namens Hananias. Er kommt im Auftrag Jesu Christi zu ihm, legt ihm die Hände auf und sagt: „Du sollst wieder sehen können und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.“ Paulus wurde wieder sehend und ließ sich taufen. Paulus blieb bei den Jüngern Jesu in Damaskus und verkündete Jesus in den Synagogen und sagte: „Er ist der Sohn Gottes.“ Es heißt von Paulus, alle, die ihn hörten, gerieten in Aufregung und sagten: „Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen?“

Paulus beschreibt seine innere Verfassung vor seiner Christusbegegnung:

Ich bin ein jüdischer Mann, geboren in Tarsus in Kilikien, erzogen in dieser Stadt (= Jerusalem) zu Füßen Gamaliels (= berühmter Schriftgelehrter), war angehalten worden, das Gesetz der Väter mit Strenge zu wahren, in Eifer und Leidenschaft ein Kämpfer für Gott, wie ihr es heute noch seid. Ich habe den Glauben der Christen gehasst und verfolgt und wollte sie töten. Ich fesselte Männer und Frauen und warf sie in die Gefängnisse ... Der Hohepriester und der Ältestenrat gaben mir Vollmacht, und ich reiste nach Damaskus, um auch die Christen jener Stadt zu binden und zur Bestrafung nach Jerusalem abzuführen. (Apg 22,1-5) – Mit glühendem Hass verfolgte ich die Kirche Gottes und wollte sie vernichten. (Gal 1,13)

Ich habe Ernst gemacht mit dem jüdischen Glauben und bin in die strenge Gemeinschaft der Pharisäer eingetreten. Ich habe meine ganze Kraft eingesetzt, die christliche Gemeinde zu verfolgen, von der ich meinte, sie führe unser Volk in die Irre. Wenn einer das Gesetz der Juden erfüllt hat, dann bin ich es. (Phil 3,5f.)

Der Mann weiß was er schreibt. Der ehemalige Pharisäer Paulus von Tarsus war ein hoher Schriftgelehrter und selbsternannter Verteidiger des wahren Glaubens. Eine Art Theologieprofessor mit knallharten Ansichten und null Toleranz gegenüber den frühen Christen, die in Jesus Gottes Sohn sahen. Wenn sich nun jemand auf Gesetz, Disziplin, Untadeligkeit und Wissen hätte etwas einbilden können, dann Paulus. Und dann passiert etwas für ihn total Unerwartetes – Jesus begegnet ihm! Nicht durch die Theologie, sondern hautnah in dramatischer Weise und mit den Ohren hörbar. Paulus ist wohl bald vom Pferd oder Kamel gefallen und es war ihm vermutlich ziemlich mulmig zumute. Jesus stellt sich als derjenige vor, den er verfolgt. Und als „Begrüßungsgeschenk“ erblindet Paulus erst einmal. Aus Gottes Sicht war er das ja ohnehin schon (Apostelgeschichte 9,3-9).

Er kehrte um von seinem falschen Weg und verkündigte das Evangelium. Und zwar mit einer Überzeugungskraft und Weisheit die bis heute seinesgleichen sucht in der Christenheit. Er wurde zu einem gesegneten Werkzeug des ewigen Gottes und ein Apostel der Gnade.

 

Gesetz und Evangelium

Vor allem beschäftigte ihn die Frage, welche Funktion dann die Gesetze aus dem Alten Testament in der Beziehung zu Gott hatten. Denn nach dem Gesetz galt, dass derjenige, der am Holz hängt, ein von Gott Verfluchter ist. Was war passiert, dass sich Gott selbst an das Holz vom Kreuz hängen ließ? Was hatte das zu bedeuten? Später sollte dies den Kern seiner Predigten ausmachen. Doch zunächst galt es zu verkünden, dass Jesus vom Tod auferstanden ist, dass er doch der Christus, der lang erwartete Messias ist.

Er lässt sich taufen und verkündet von nun an die Frohe Botschaft von Jesus Christus von Jerusalem bis Rom. Aus dem Verfolger wird ein Verkünder. In seinen Missionsreisen, Briefen und Predigten lehrte er die Wahrheit in der Person Jesu Christi. Und zwar auf eine grandiose Art und Weise.

Von nun an stehen Tod und Auferstehung Jesu im Zentrum seines Denkens: der als Sühne gedeutete Kreuzestod als der eigentliche Grund des Heils, die Auferweckung durch Gott als der machtvolle Erweis der heilsgeschichtlich endgültigen Bedeutung Jesu.

Paulus nach seiner Begegnung mit Christus, dessen Geist und Denken er immer mehr in sich aufgenommen hat:

Ich bin ein freier Mensch und niemandem unterstellt und habe mich doch in meiner Freiheit zum Knecht aller gemacht, um möglichst viele für Christus zu gewinnen. Ich habe mich in den Glauben und die Gedanken der Juden zurückversetzt, um den Juden möglichst nahe zu sein und für Christus Juden zu gewinnen. Ich bin zwar selbst frei vom jüdischen Gesetz, aber ich habe mich seinen Vorschriften und Ordnungen gefügt, um denen nahe zu sein, die unter dem Gesetz leben, weil ich sie gewinnen will. Ich gehöre zwar selbst keineswegs zu den Menschen, die ohne Gottes Gebot und ohne seine Ordnung leben, sondern zu denen, die das Gesetz ihres Lebens von Christus haben. Aber ich habe mich als ein weltoffener Mann unter die weltlich Denkenden begeben, um sie zu gewinnen. Den Engen, den ängstlich Frommen habe ich mich angeglichen in meinem Wort und in meinem Auftreten, um die Engen für die Weite und die Ängstlichen für die Freiheit zu gewinnen. Ich habe mich allen angepasst, um auf diese und jegliche mögliche Weise Menschen zum Glauben und zum Leben zu führen. (1 Kor 9,19-22)

Ich sage die Wahrheit ... : Tiefe Trauer ist in mir, unaufhörlicher Schmerz in meinem Herzen (um meine Brüder aus dem jüdischen Volk, das den Weg zu Christus nicht gefunden hat). Ich wünsche mir, ich selbst wäre verstoßen und von Christus verlassen, wenn dadurch meine Brüder zu ihm fänden, mit denen ich doch blutsverwandt bin. (Röm 9,1-3)

Die Damaskuserfahrung ist aber für Paulus nicht nur „Bekehrung“, sondern auch und vor allem Berufung durch Gott, nämlich zur Verkündigung der nun erkannten frohen und befreienden Botschaft, des gesetzesfreien Evangeliums an die Heiden (Gal 1,16 u.ö.). Das Damaskusereignis wird in der Apostelgeschichte in erzählerischer und theologischer Entfaltung dreimal thematisiert (Kap 9, 22 und 26), seine Datierung ist unter den Experten umstritten (zwischen 31 und 35).

Was für Christen eine so große Freude war, war für Paulus´ frühere Freunde natürlich eine bittere Enttäuschung und ein gotteslästerlicher Verrat. Erwartungsgemäß endete Paulus´ Aufenthalt in Damaskus damit, dass er um sein Leben laufen musste: In einem Korb wurde er durch eine Fensteröffnung in der Stadtmauer hinuntergelassen und konnte so fliehen.

Gemäß Gal 1,17 ging Paulus unmittelbar nach seiner Berufung für drei Jahre nach „Arabien“, womit nach damaligem Sprachgebrauch das Land der Nabatäer gemeint war, das sich von der arabischen Halbinsel östlich Palästinas bis nach Damaskus erstreckte. Ob er dort schon missionierte, ist nicht sicher, aber zu vermuten. Ein erneuter Aufenthalt in Damaskus endete mit einer dramatischen Flucht (2 Kor 11,32).

Drei Jahre verbringt er abgeschieden in der Einsamkeit, bevor er dem Petrus und den übrigen Aposteln in Jerusalem begegnet. Durch sein Bekehrungserlebnis und den damit beschriebenen „Dienstauftrag“, das Evangelium in der ganzen römischen Welt zu verbreiten, tituliert sich der Heilige selbst in seinem Brief an die Römer 11,13 (und öfter) als Apostel (Gesandter) der Heiden oder Apostel der Völker.

Nach eigenen Angaben (Gal 1,18f) reiste Paulus erst nach dieser Zeit nach Jerusalem, „um Kephas kennenzulernen“, verweilte aber dort nur zwei Wochen. Anschließend hielt er sich 14 Jahre missionierend in Syrien und Kilikien mit den Stadtzentren Antiochien und Tarsus auf, ohne dass wir von ihm Einzelheiten erfahren. Die Apostelgeschichte setzt für diese Zeit die sog. 1. Missionsreise an, wahrscheinlich „eine von Lukas in Szene gesetzte summarische Darstellung“ (Gnilka) ihm zugänglicher Überlieferungen.

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Wie Paulus zum „Apostel der Völker“ wurde

Drei Missionsreisen führen ihn u. a. nach Athen, Kleinasien, ja bis nach Europa und zum Schluss in die Hauptstadt der damaligen Welt, nach Rom. Er hält durch viele Briefe regen Kontakt zu den von ihm gegründeten Gemeinden und setzt sich leidenschaftlich für das Evangelium ein. Was er für das Evangelium erleiden musste, darüber spricht er im 2. Korintherbrief (11,23): „Fünfmal erhielt ich von Juden die 39 Hiebe, dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag und trieb ich auf  hoher See.“

Über den Weg des Paulus nach Rom berichtet ausführlich die Apostelgeschichte. Sein letzter Weg, ein gut erhaltenes Stück römischer Straße, befindet sich auf dem Gelände der Abtei von Tre Fontane im Südosten von Rom. Hier soll nach römischer Tradition der Völkerapostel hingerichtet worden sein. Eine Säule wird als jene verehrt, an die er dabei gefesselt war. Unter Kaiser Nero erlitt Paulus um das Jahr 67 n. Chr. den Tod durch das Schwert. Drei Quellen entsprangen, so heißt es, als sein abgeschlagenes Haupt dreimal aufschlug. Sie sind längst ausgetrocknet. Nur die Quelle seiner Inspiration sprudelt munter weiter.

Mit seiner Botschaft von Kreuz und Auferstehung, mit seinem Evangelium von der Freiheit, die zur Liebe befreit, und mit der Lehre vom Glauben, der das Handeln gerecht macht, hat Paulus die Sache Jesu voll und ganz vertreten.

Bei Paulus steht das Hin- und Hergerissensein eines Menschen im Vordergrund – Glaube lebt von der normativen Kraft gelebter christlicher Überzeugung

Ohne Paulus gäbe es kein Christentum, Christentum ist ohne Paulus undenkbar!

Hat Paulus den Glauben Jesu entstellt? Seine Briefe enthalten erstaunlich wenig von der Lehre Jesu – keine Gleichnisse, kein Vaterunser – und abgesehen von Tod und Auferstehung praktisch keinerlei Informationen über sein Leben. Vom Gehorsam gegenüber der Tora des Mose frei zu sein, war ein wichtiges Thema bei Paulus, das Jesus nie gelehrt hatte, während Paulus das zentrale Thema Jesu, das Reich Gottes, zu vernachlässigen scheint. Kreuzigung und Auferstehung Jesu galten Paulus als der Höhepunkt der Jesus-Geschichte, der seine Welt auf den Kopf gestellt hatte und alles andere überstrahlte. Jesu Lehre richtete sich an Juden in Palästina, während Paulus diese Botschaft auf die heidnische Welt zuschneiden musste.

„Man sieht nur, was man weiß“ (Goethe); von Paulus können wir lernen, dass man nur sieht, wenn man glaubt. Durch Glauben bekommt man eine tiefere Sicht des Wissens, man blickt hinter die Dinge.

 

Jerusalemer Apostelkonvent

Von herausragender Bedeutung nicht nur für Paulus selbst, sondern für die Kirchengeschichte insgesamt, ist der sog. Jerusalemer Apostelkonvent (auch Apostelkonzil genannt), der allgemein auf das Ende des fünften Jahrzehnts datiert wird. Dabei trafen nach Angabe des Paulus (Gal 2,1-10) die als „Säulen“ in Ansehen stehenden Verantwortlichen der Jerusalemer Gemeinde, Jakobus (nicht das Mitglied des Zwölferkreises, sondern der „Bruder des Herrn“ aus Mk 6,3), Petrus und Johannes, mit Paulus und seinen Begleitern Barnabas und Titus zusammen, um sich über die Rechtmäßigkeit eines Christseins ohne Beschneidung und ohne die Ritualgesetze der Thora zu verständigen, das einer Partei konservativer Judenchristen von Anfang an ein Dorn im Auge war. Paulus konnte sich mit seiner Position offiziell durchsetzen, wäre aber auch nicht zu einem Kompromiss bereit gewesen, wie seine Aussage gegenüber den heidenchristlichen Galatern zeigt: „Wer euch ein anderes Evangelium verkündigt, als ihr [von mir] angenommen habt, der sei verflucht!“ (Gal 1,9). Als Petrus sich bei einer späteren Gelegenheit in Antiochia den Judaisten gegenüber opportunistisch verhielt, widerstand ihm Paulus „ins Angesicht“ (Gal 2,11) und wies ihn öffentlich zurecht (sog. Antiochenischer Zwischenfall).

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Missionsreisen

Nach seiner Bekehrung wendet sich Paulus – im Gegensatz zu der Darstellung des Galaterbriefes, wo der Verfasser ausdrücklich sagt, er habe sich nicht sogleich an „Fleisch und Blut“ gewandt, sondern habe sich zunächst nach Arabien begeben (Gal 1,17) – an die christliche Gemeinde in Damaskus, wo er durch Ananias von seiner Blindheit geheilt wird. Nach einem missglückten Anschlag auf das Leben des soeben zum Christentum bekehrten Paulus begibt sich dieser nach Jerusalem zu den dortigen Aposteln (2 Kor 11, 32).

Schon bald darauf kommt es zu einer ersten Missionsreise (Apg 13,2ff), die Paulus gemeinsam mit seinem Gefährten Barnabas unternimmt und die die beiden christlichen Missionare auf die Insel Cypern führt, wo es ihnen sogar gelingt, den dortigen römischen Statthalter namens Sergius Paulus zum Christentum zu bekehren (Apg 13,12).

Antiochia

Im multikulturellen Antiochia begannen die Christen tatsächlich, ihre Botschaft nicht nur den anderen Juden, sondern auch den Heiden zu verkünden. Nur zehn Jahre nach dem Tod Jesu war die erste gemischte Gemeinde gegründet. Das Christentum war nicht mehr nur eine von vielen neuen jüdischen Bewegungen, hier begann es sich aus einer Gruppierung im Judentum zu einer Weltreligion zu entwickeln, und hier entstand auch die Bezeichnung „christlich“.

Die Nachricht, dass der Herr nun auch zu den Heiden gebracht wurde, erreichten Jerusalem früh genug. Eigentlich sollte es ein Anlass zur Freude gewesen sein: Eine der großen Hoffnungen des Judentums war ja, dass eines Tages alle Nationen mit ihnen gemeinsam den einen wahren Gott anbeten würden. Allerdings setzte diese Vision voraus, dass die Heiden sich der Tora des Mose – einschließlich der Beschneidung – unterwerfen. Dies war für Paulus allerdings nicht zwingend erforderlich. Allerdings lehrte er die bekehrten Heiden, sich im Bereich der persönlichen Moral am Judentum zu orientieren. Der größte Unterschied zwischen Heiden und Juden betraf die Sexualmoral. Paulus bestand darauf, dass die Heidenchristen diese jüdischen Maßstäbe respektierten, „dass ihr euch von Unzucht enthaltet, dass ein jeder von euch lernt, seine Frau in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu besitzen, nicht in zügelloser Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen.“ (1 Thess 4,3-5)

Nach dem Apostelkonzil in Jerusalem bereist Paulus, dessen Wirken der ganze restliche Teil der Apostelgeschichte gewidmet ist (Apg 15,36ff), fast den gesamten Mittelmeerraum. Der Apostel wird vom Verfasser der Apostelgeschichte in erster Linie als Wundertäter und Missionar (und nicht etwa als eigenständiger theologischer Denker) dargestellt, der den Weg, den – so die Apostelgeschichte – erstmals Petrus beschritt, weiter erfolgreich fortsetzt.

Bei der zweiten Missionsreise, die den Apostel nach Mazedonien und Achaia führt, betritt Paulus zum ersten Mal europäischen Boden. Durch den Hass und die Eifersucht der Juden wird Paulus ins Gefängnis gebracht, aber durch wunderbare Umstände (ein Erdbeben!) und durch Gottes allgegenwärtige Hilfe wieder daraus befreit. In Athen verkündet der Apostel auf dem Areopag die Botschaft von der Auferstehung, die im Mittelpunkt seiner Verkündigung steht (von der Gerechtigkeit allein aus Glauben hat der Paulus der Apostelgeschichte nie etwas gehört).

 

Gefangenschaft

Nach der Rückkehr nach Antiochien über Ephesus und Caesarea schließt sich eine weitere Missionsreise an, die den Apostel wieder, nach einem längeren Aufenthalt in Ephesus, wo er in den Aufstand der Silberschmiede verwickelt wird,  nach Mazedonien und Hellas führt. Es folgt die letzte Reise nach Jerusalem. Böse Vorahnungen quälen den Apostel, der bald darauf nach seiner Ankunft in Jerusalem auf Veranlassung fanatischer Diasporajuden, die wie überall so auch hier sein Werk behindern, festgenommen wird.

 

Aufruhr in Jerusalem

Diesmal war alles zu spät. Als Paulus von seinen drei Missionsreisen wieder zurück nach Jerusalem fuhr, war sein Name nicht nur in der christlichen Gemeinde wohlbekannt, sondern auch bei den Juden. Und diese schafften es, dass Paulus von den Römern verhaftet wurde. Ein Verhör vor dem Hohepriester verlief zunächst ergebnislos. Schließlich gab es eine Verschwörung von über vierzig Männern, die nichts mehr essen und trinken wollten, bis sie Paulus getötet hätten.

In der Zwickmühle

Als die Römer von der Verschwörung Wind bekamen, verlegten sie Paulus von Jerusalem nach Cäsarea. Am liebsten hätten sie ihn einfach kräftig durchgepeitscht und dann wieder laufen lassen. Aber als römischer Bürger hatte Paulus Anspruch auf einen ordentlichen Prozess. Felix, der römische Statthalter in Cäsarea, verschleppte den Prozess zwei Jahre lang, weil er die Juden nicht verärgern wollte. Erst seine Nachfolger Festus rollte den Fall neu auf. Da berief sich Paulus auf den Kaiser: Er hatte als römischer Bürger das Recht, seinen Fall dem Kaiser vorzutragen.

Alle Wege führen nach Rom...

Per Schiff wurde Paulus nach Rom gebracht. In Rom gab es bereits eine christliche Gemeinde. Paulus hatte an sie bereits einen Brief geschrieben, bevor er nach Jerusalem gefahren war: Er plante, von Rom aus eine Missionsreise nach Spanien zu unternehmen. Deshalb stellte er sich und sein Verständnis des Evangeliums der römischen Gemeinde ausführlichst vor. Der Brief an die Römer ist für die Kirche bis heute eines der wichtigsten Stücke in der Bibel, in dem man das Evangelium von Jesus Christus am kompaktesten findet.

 

Aufruhr

Die Anklage war vernichtend: Aufrührer und Sektenführer. Dennoch konnte der Hohe Rat der Juden die Römer nicht überzeugen. Das Todesurteil wollten sie nicht über Paulus fällen, zumal er ihnen in den Gesprächen, die sie mit ihm führten, nicht als Aufrührer erschien.

Als gute Diplomaten taten sie – nichts. Sie ließen Paulus im Gefängnis und verschleppten den Prozess, um die Juden nicht durch eine Freilassung zu verstimmen. Schließlich berief sich Paulus als römischer Bürger darauf, dass sein Fall vor dem Kaiser verhandelt werden sollte. So wurde er nach Rom gebracht.

Nach dem Prozess vor dem Statthaltergericht in Cäsarea und der Verhandlung vor dem römischen Statthalter Felix und dessen Nachfolger Festus beruft sich Paulus als römischer Staatsbürger auf den Kaiser und wird nach einer Rede vor dem König Agrippa nach Rom überführt.

Auch im Zusammenhang mit der Überführung nach Rom werden uns vom Verfasser der Apostelgeschichte noch viele wundersame Dinge von Schiffbruch und Rettung, giftigen Natterbissen, die keine Wirkung haben, Krankenheilungen usw. erzählt.

Nur über das Lebensende des Paulus lässt uns Lukas im unklaren. Immerhin erfahren wir, dass Paulus gleich nach seiner Ankunft in Rom trotz seiner Ketten Gelegenheit bekommt, sich mit den dortigen Juden zu unterreden und ihnen „von Morgen bis Abend“ Zeugnis „aus dem Gesetz des Mose und aus den Propheten in Bezug auf Jesus“ zu geben.

Ungewissheit besteht allerdings über das weitere Geschick des Paulus. Wird er zum Märtyrertod verurteilt, wie in den apokryphen Paulusakten berichtet wird? Oder reist der Apostel von Rom aus noch weiter nach Westen, um auch dort zu missionieren?

Der Bericht der Apostelgeschichte bricht abrupt ab.

 

Jerusalem

In Jerusalem entsteht die erste Christengemeinde. Von hier aus verbreitet sich das Evangelium in die Welt. Der Apostel Petrus war an der Gründung der Gemeinde beteiligt. Sie bestand aus vielen Juden, die Christen geworden waren.

Troas

Von dieser Gemeinde ist wenig bekannt, weil Paulus keinen eigenen Brief an sie schreibt.

Philippi

Hier gründet Paulus mit seinen Begleitern Silvanus und Timotheus die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden. Am Ort bestand eine kleine jüdische Gemeinde. Lydia, eine Purpurhändlerin nahm als erste den christlichen Glauben an. Die Gemeinde in Philippi bedeutete Paulus sein ganzes Leben lang sehr viel.

Im Brief des Apostels Paulus an die Philipper lesen wir im 4. Kapitel Verse 4 bis 7:

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.“

Thessalonich

Von der Gemeindegründung in Thessalonich berichten die Apostelgeschichte und die zwei Briefe an die Thessalonicher. Wieder war die jüdische Synagoge, das Gotteshaus der Juden, der Ausgangsort für das Wirken des Paulus. Er findet hier Anhänger, aber auch Gegner. Als Paulus die Gemeinde wieder verlassen hat, schickt er nach einiger Zeit seinen Begleiter Timotheus zurück nach Thessalonich. Denn es ist schwer für die Gemeinde am Glauben festzuhalten. Aber sie hält durch. Paulus ermutigt die junge Gemeinde in seinen Briefen.

Im 1. Brief an die Thessalonicher lesen wir im 1. Kapitel Verse 6 und 7:

„Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn; ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt. So wurdet ihr ein Vorbild für alle Gläubigen in Mazedonien und in Achaia.“

Im 2. Brief lesen wir im 3. Kapitel Verse 13 bis 15:

„Ihr aber, Brüder [und Schwestern], werdet nicht müde, Gutes zu tun. Wenn jemand auf unsere Mahnungen in diesem Brief nicht hört, dann merkt ihn euch, und meidet den Umgang mit ihm, damit er sich schämt; doch seht ihn nicht als Feind an, sondern weist ihn als euren Bruder [eure Schwester] zurecht!“

 

Athen

Trotz einer langen Rede, Areopagrede genannt, scheitert Paulus hier zunächst und es entsteht keine Christengemeinde.

Korinth

Korinth war eine der bedeutendsten Hafenstädte zur damaligen Zeit mit Zugang zu zwei Meeren. Es lebten viele verschiedene Menschen in dieser Handelsstadt, die berühmt war für ihre Töpferei und Keramik. In der Stadt gab es eine große jüdische Gemeinde. Zur Christengemeinde, die durch Paulus um das Jahr 50 entsteht, gehörten 100-150 Mitglieder aller gesellschaftlichen Schichten, auch Hafenarbeiter und Sklaven. Das christliche Ehepaar Aquila und Priscilla, die aus Rom ausgewiesen worden waren, helfen Paulus bei seiner Verkündigung. Paulus bekam auch Ärger in Korinth: Juden ärgerten sich über seine Worte, Ungläubige lachten über ihn.

Im 1. Brief an die Gemeinde in Korinth lesen wir im 16. Kapitel Verse 13 und 14:

„Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“

Im 2. Brief an die Gemeinde in Korinth lesen wir im 5. Kapitel Vers 1:

„Wir wissen, wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.“

Im 2. Brief lesen wir im 7. Kapitel Verse 5 und 6:

„Überall bedrängten uns Schwierigkeiten: von außen Widerspruch und Anfeindungen, im Innern Angst und Furcht. Aber Gott, der die Niedergeschlagenen aufrichtet, hat auch uns aufgerichtet.“

Ephesus

Hier hielt sich Paulus längere Zeit auf. Ephesus hatte einen wichtigen Hafen und war die Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Es gab dort bereits Christen, die eventuell aus anderen Gegenden zugewandert waren. Paulus wollte die Verbreitung der Frohen Botschaft durch Reisende, Geschäftsleute und Besucher erreichen. Sein Wirken war in der Stadt besonders erfolgreich, er schrieb viele Briefe und von Ephesus sind uns die meisten Namen seiner Mitarbeiter bekannt. Paulus empfing hier Gruppen, die aus den von ihm gegründeten Gemeinden geschickt wurden und mit Problemen zu ihm kamen.

Im Brief an die Epheser lesen wir im 2. Kapitel Vers 11 bis 14:

„Erinnert euch also, dass ihr einst Heiden wart und von denen, die äußerlich beschnitten sind [den Juden], Unbeschnittene genannt wurdet. Damals wart ihr von Christus getrennt, der Gemeinde Israels fremd und von dem Bund der Verheißung ausgeschlossen; ihr hattet keine Hoffnung und lebtet ohne Gott in der Welt. Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen. Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder.“

Rom

Rom war schon immer das heimliche Ziel des Paulus. Dort gab es bereits eine Christengemeinde, aber sie war besonders wichtig für die weitere Entwicklung der Kirche. Von Rom aus wollte er bis nach Spanien. Paulus kam in Rom an – allerdings als Gefangener. Anscheinend wurde Paulus aber in leichter Haft gehalten, sodass er trotzdem in Rom seinen Glauben verkünden konnte. Er wurde in Rom für seinen Glauben hingerichtet.

Im Brief an die Römer lesen wir im 8. Kapitel Vers 11:

„Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.“

Im 12. Kapitel Vers 18 schreibt Paulus:

„Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!“

Und im 15. Kapitel Vers 30 steht:

„Ich bitte euch, meine Brüder [und Schwestern], im Namen Jesu Christi, unseres Herrn, und bei der Liebe des Geistes: Steht mir bei, und betet für mich zu Gott.“

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Paulus und seine Briefe

Überblick

Paulinische Schriften reichen chronologisch am nächsten an Leben, Tod und Auferstehung des Jesus von Nazaret heran: große zeitliche, sachliche und emotionale Nähe des Paulus zu Jesus.

Das Corpus Paulinum umfasst 14 Briefe (Zuordnung auch aufgrund der Adressaten oder des inhaltlichen Bezugs, z. B. Hebr nicht von Paulus, aber paulinische Gedanken; Tim und Tit = Gemeindeoberhäupter, „pastores“).

  • sog. Gefangenschaftsbriefe: Eph, Phil, Kol
  • 2 Petr 3,15: Hinweis auf Sammlung; heutige Sammlung wohl unvollständig, da einzelne Briefe verloren gingen (1 Kor 5,9; 2 Kor 2,3f.)

7 echte Briefe als Protopaulinen:

Röm, Phil, 1 Thess, Phlm, 1 Kor, 2 Kor, Gal

außerdem:

Deuteropaulinen: 2 Thess, Eph, Kol

Tritopaulinen: 1 Tim, 2 Tim, Tit, Hebr

 

Die echten Paulusbriefe

Der Brief an die Römer

Die Entstehung/ das Alter der römischen Christengemeinde ist historisch nicht bekannt, der Römerbrief ist das erste Dokument; 56/58 n. Chr. vor der Reise nach Jerusalem (Kollekte in Griechenland) geschrieben: Ankündigung eines Besuches mit seelsorgerlicher Absicht und einer Weiterreise nach Spanien; wegen Länge und Inhalt an erster Stelle: „Testament des Paulus“ – ausführliche Erklärung der „Lehre Christi“; gemischte Gemeinde aus Judenchristen und Heidenchristen, deshalb auch Heil der Heiden und Rettung Israels als Thema.

Der Brief an die Philipper

Gemeinde gegründet um 50 n. Chr.; gilt als erste christliche Gemeinde Europas; Brief im Gefängnis geschrieben, wahrscheinlich in Ephesus um 55 n. Chr.; Paulus schildert seine Pläne und warnt vor fehlerhaften Auslegungen der Botschaft Jesu Christi: Paulus als Persönlichkeit und Christ wird deutlich; Höhepunkt im Christuslied (Philipperhymnus 2,6-11)

Der erste Brief an die Thessalonicher

Ältester uns erhaltener Paulusbrief; Gemeinde von Paulus gegründet um 50/55 n. Chr. zusammen mit Timotheus, den er auch zur Information später dorthin schickt; ein seelsorgerlicher Gemeindebrief mit Erläuterungen zur Missionspredigt vor Heiden bis zur Erwartung der Wiederkunft Christi.

Der Brief an Philemon

Kürzester Brief und kürzestes Buch des NT (um 55 n.Chr.) mit ganz persönlichem Inhalt; Philemons Sklave Onesimus ist entflohen, Paulus bittet um Wiederaufnahme. Bedeutung: Beitrag zur Lösung des Sklavenproblems innerhalb der Urkirche und persönliches Dokument

Der erste Brief an die Korinther

Gründung der Gemeinde um 50/51 n. Chr. bei einem Besuch in der Hafenstadt; Fragen und Sorgen der jungen Christen als Veranlassung (vermutlich zwischen 53 und 55 n. Chr. in Ephesus), Vermeidung von drohenden Spaltungen; Alltagsfragen werden behandelt und mit elementaren Einsichten beantwortet, die für das Leben und den Glauben der Christen maßgebend sind: das Kreuz (1,18-2,5), die Auferstehung Christi (15,1-28), das Wirken des Geistes Gottes (2,10-16; 12,1-31), Ordnung der Gemeinde (3,5-4,21; 12,27-30; 16,15-18) und der rechte Gebrauch der Geistesgaben (12,1-11; 27-31; 14,1-40); einmaliges Zeugnis für die Christusbezogenheit des Paulus.

Der zweite Brief an die Korinther

Es gibt Gegner in der Gemeinde, die Autorität des Paulus wird in Frage gestellt; Besuch Korinths von Ephesus aus (2,5; 7,12), danach weiterer Besuch geplant, aber stattdessen dieser Brief, durch Titus überbracht (2,4); Aussöhnung mit der Gemeinde (7,6-16); drei Hauptthemen: Rolle als Apostel in der Gemeindearbeit (1-7), Aufruf einer Sammlung für die Armen in Jerusalem (8-9), leidenschaftliche Auseinandersetzung mit den Gegnern (10-13) mit Verdeutlichung des apostolischen Selbstverständnisses (Gemeinde und Amt); „Tränenbrief“.

Der Brief an die Galater

Provinz Galatien im heutigen Zentralanatolien (Türkei) wird von Paulus zweimal besucht; Gemeindegründungen um 50 n. Chr.; Brief entstand zwischen 53 und 55 n. Chr. in Ephesus (Apg 19,1-20,1); Entscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, wahrer Glaube bringt Freiheit (Evangelium von Jesus Christus)

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Paulusbild

Paulus ist eine schillernde Figur und fordert bis heute zu unterschiedlichen Reaktionen und Stellungnahmen heraus. Die einen sind fasziniert, andere fühlen sich von Paulus immer wieder vor den Kopf gestoßen. Paulus selbst ist in sich voller Spannungen. Er hat uns kein abgerundetes theologisches System hinterlassen. Er war überhaupt kein abstrakter Denker, sondern ein von Christus Ergriffener.

Zu seinen Lebzeiten eckte er immer wieder an und lag quer zu kirchlichen Tendenzen, und das ist bis heute so geblieben. Schon sehr früh wurde er in der Kirche nicht mehr richtig verstanden. Bereits im 2. Petrusbrief, der vermutlich nach 120 geschrieben wurde, heißt es: In den Briefen unseres geliebten Bruders Paulus „ist manches schwer zu verstehen, und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen“ (2 Petr 3,16). Und das Paulusbild, das uns in der Apostelgeschichte begegnet, die um das Jahr 90 entstanden ist, unterscheidet sich wesentlich von dem Bild, das uns aus den Paulusbriefen entgegenkommt; der Paulus der Apostelgeschichte ist sozusagen gezähmter, den institutionellen Notwendigkeiten der entstehenden Großkirche eingeordneter. Aus all diesen Gründen ist es ratsam, dass man sich fragt, was von diesem Paulus in uns ist.

Wir können selbst zum „Leib Christi“ (1 Kor 12,27) werden und damit eine „Existenzumwandlung“ erfahren!

Paulus und die Frauen

„Der Mann wurde nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann“ (1 Kor 11,9). Mit diesen und ähnlichen Argumenten begründet Paulus seine Anordnung, dass Frauen im Gottesdienst ihren Kopf verhüllen sollen. „Die Frauen sollen in der Versammlung schweigen … Wenn sie etwas wissen wollen, dann sollen sie zu Hause ihre Männer fragen“ (1 Kor 14,34f). Diese Sätze sind für viele Frauen heute unüberwindbare Hürden für eine offene Begegnung mit den Briefen des Apostels.

Zur Entkrampfung können Beobachtungen in den übrigen Texten der paulinischen Literatur beitragen: Ein ganz anderes Bild bietet sich nämlich, wenn man beachtet, wie viele Frauen der Apostel als wichtige Mitarbeiterinnen beim Aufbau der Gemeinden nennt. Da ist zunächst eine Junia, die er sogar als Apostelin bezeichnet (Röm 16,7; leider hat sich in die Übersetzungen später der gar nicht existente Männername „Junias“ eingeschlichen). Weiters ist eine Diakonin namens Phöbe zu erwähnen, die selbst für Paulus zur Patronin wurde (Röm 16,2). Etliche Frauen lobt der Apostel, weil sie „viel Mühe auf sich genommen haben“ (Röm 16,6.12). Diesen Ausdruck verwendet er auch mehrfach für sein eigenes apostolisches Wirken (1 Kor 15,10; u.a.) und auch für den Einsatz jener, die leitende Funktionen innehatten (1 Thess 5,12). Das Ehepaar Priska und Aquila gehörte wohl zu seinen wichtigsten Mitarbeitern (Röm 16,3; u.a.); ihre Wohnung war Treffpunkt von Hausgemeinden (Röm 16,5; 1 Kor 16,19).

Das negative Image, das Paulus als Frauenfeind hat, widerspricht seiner Beliebtheit, die er seit der Antike bei vielen religiös interessierten, theologisch wachen, kirchlich engagierten Frauen genießt.

Ein Mann mit großen Stärken und starken Schwächen

Der Blick ins Neue Testament zeigt einen Mann in seinem Widerspruch,

  • mit großartigen Visionen der Freiheit von Männern und Frauen,
  • aber auch mit kleinlichen Vorschriften für Frauen um des lieben Friedens willen.

Die Exegese unterscheidet heute mehrheitlich zwischen

  • Briefen, die Paulus eigenhändig verfasst hat,
  • Briefen, die in seinem Namen – nach seinem Tode – von Schülern verfasst worden sind,
  • und der Apostelgeschichte des Lukas, die im zweiten Teil dem Missionar Paulus gewidmet ist.

Unter dem Aspekt des Frauenbildes finden sich in den Briefen der Paulusschule tendenziell restriktivere Tendenzen als in den ursprünglichen Schreiben, während die Apostelgeschichte die Nähe des Paulus zu Frauen, seinen Einsatz für sie und seine Unterstützung durch sie betont.

Paulus ist ein männlicher Typ mit einer männlichen Sprache („Brüder“), der vor allem mit Männern zusammengearbeitet hat; aber durch seine Theologie, seine Mission und seine Spiritualität, seine Betonung der Taufe und des Glaubens, seinen Einsatz für Bildung und Caritas, mehr für Frauen, ihr Selbstbewusstsein und ihre Freiheit getan hat, als alle anderen Figuren des Urchristentums. Wie wichtig in seinem Kirchen- und Menschenbild Frauen sind, wird oft übersehen.

Weitere Aspekte

Der Anwalt fraulicher Freiheit

Paulus entwickelt eine starke Theologie der Taufe und des Glaubens. Weder im Glauben noch in der Taufe gibt es einen Unterschied zwischen Mann und Frau. Das hat Paulus aus der urchristlichen Tauftheologie aufgenommen und theologisch im Zeichen der Freiheit reflektiert. Die Beschneidung, die Paulus programmatisch den Heidenchristen nicht auferlegt, unterscheidet zwischen Mann und Frau, die Taufe nicht.

Der Gegner weiblicher Lehre

In 1Kor 14,33-36 (vielleicht einer Interpolation) und in 1Tim 2,11-15 (einem höchstwahrscheinlich nachpaulinischen Schreiben) wird Frauen das öffentliche Lehren in der Kirche verboten – nicht, weil sie dumm bleiben sollen oder nichts zu sagen hätten, sondern weil sich andere Sprecherrollen herausgebildet haben, nämlich die gestandener Männer, die als Bischöfe fungieren sollen (1Tim 3). Der Erste Korintherbrief argumentiert mit dem „Gesetz“ und dem allgemeinen Brauch, der Erste Timotheusbrief auf widersprüchliche Weise mit der Schöpfungs- und Sündenfallgeschichte.

Der Förderer weiblicher Diakone

In der Exegese des Ersten Timotheusbriefes ist bis in die heute führenden Bibelübersetzungen hinein strittig, ob im Passus über die Diakone in 1Tim 3,11 deren Frauen oder weibliche Diakone gemeint sind – was immer deren besondere Aufgabe unter dem Vorzeichen des Lehrverbotes von 1Tim 2,11-15 gewesen sein könnte.

 

Paulus und die Sexualität

Ehe und Sexualität

Paulus lehnt sexuelle Freizügigkeit und Prostitution, die ihm im reichen Korinth begegnet ist, als „Unzucht“ ab. Der Verkehr mit einer Dirne beschmutze den eigenen Leib, der als Tempel Gottes über den Tod hinaus der allerhöchste Wert und damit schutzbedürftig sei (1 Kor 6,13 EU). Damit richtet er sich gegen die, die sich auf griechische Ideale beziehen und meinen, „alles ist mir erlaubt“, und hält dagegen, „aber nicht alles ist nützlich“. Der Unzucht könne keine Sonderstellung zugewiesen werden. Wie die Ehe, die gottgewollte Einheit von Mann und Frau, vereinige auch außerehelicher sexueller Verkehr zu einem Leib und beschmutze damit den Leib Christi.(1 Kor 6,16 EU).

Wer sich nicht wie der unverheiratete, vielleicht verwitwete Paulus der Sexualität ganz enthalten könne, solle eine Ehe eingehen, um sich von der Unzucht abzuwenden (1 Kor 7,2 EU). Paulus betont den Wert der Ehe als in der Schöpfung vorgesehener Einheit, die ein Teil des Leibes Christi ist. Beide Partner verfügen über den gemeinsamen Leib und sind damit voneinander abhängig (1 Kor 7,4 EU), wobei der Mann das Haupt der Frau sei, gleich wie Christus das Haupt des Manns (1 Kor 11,3 EU). Ehen mit Ungläubigen werden von ihm nicht abgelehnt, weil der „unheilige“ Partner vom gläubigen Partner gerettet werden könne (1 Kor 7,12-14 EU). Scheidungen lehnt Paulus anhand des Ehescheidungsverbotes Jesu ab, außer, die Initiative geht vom nicht-christlichen Partner aus (sog. Paulinisches Privileg, 1 Kor 7,15 EU). Die Erhaltung der Einheit Ehe hat bei Paulus oberste Priorität. Ist die Scheidung jedoch vollzogen, solle eine Versöhnung erreicht werden oder die Frau ehelos bleiben (1 Kor 7,10 f. EU).

Ehelosigkeit sei eine Begabung, die nicht jedem Menschen möglich sei. Wer diese Begabung besitze, müsse jedoch die Chance ergreifen und sich nicht von Widerständen abhalten lassen (1 Kor 7,7 ff. EU), wie dies zur Zeit Paulus’ gerade gegen unverheiratete Frauen der Fall war. Dies gelte auch für die Witwen, die dem Zwang zur Wiederverheiratung nicht nachkommen müssten. Es könne jedoch auch die Ehe eine Begabung sein.

 

Paulus´ Theologie und Leben sind geprägt vom Gegensatz zwischen „vorher“ (Gesetz) und „nachher“ (Christus).

In drei Sätzen lässt sich zusammenfassen, was Paulus für die christliche Religion gewesen ist:

  1. Durch seine Missionsarbeit hat er sie auf einen neuen Boden, in die eigentliche Welt der griechisch-römischen Kultur verpflanzt.
  2. Er hat den Jesusglauben nicht nur über die Enge des Judentums hinausgehoben, sondern vom Judentum selbst losgerissen und damit der christlichen Gemeinschaft zuerst das Selbstbewusstsein einer neuen Religion gegeben.
  3. Er ist der erste christliche Theologe gewesen und hat durch seine Theologie die entstehende Religion entscheidend umgewandelt ...

Es herrscht immer noch die alte Vorstellung, die katholische Kirche sei die „Petruskirche“ und die evangelische die „Pauluskirche“.

Paulus brachte als erster die Askese ins Christentum. Er hielt den Leib für den Sitz der Sünde und ließ wenig Gutes an ihm (1. Kor 9,27): „Ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.“ Sein Hass auf Körper und Sinnlichkeit drang tief in seine Schriften hinein.

Materiellem Besitz hingegen war er nicht abgeneigt. Jedenfalls sah er das Thema Armut und Reichtum anders als es sein Jesus getan hatte. Zwar schimpfte er gern über die Geldgier der anderen, war aber selber der Ansicht (2. Thess 3,10): „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.“

Jesus hatte noch von den Vögeln geschwärmt, die nicht säen und nicht ernten und trotzdem von Gott genährt werden.

 

Paulus, der Begründer des Christentums

Zum Schluss gilt es noch einen Irrtum oder ein Missverständnis zurückzuweisen: Paulus wird gelegentlich als der eigentliche Begründer des Christentums angesehen, ohne ihn sei die Jesussekte nie zu einer eigenständigen Religion geworden. Paulus selbst hätte dies als baren Unsinn weit von sich gewiesen. Und in der Tat: So sehr die Art und Weise, wie Paulus zum Glauben kam, einmalig und höchst individuell war, der Kerngehalt seiner Verkündigung stimmt mit dem überein, was in der Urkirche auch schon vor seiner Berufung geglaubt wurde. Ja, Paulus nahm durch sein Damaskuserlebnis gerade den Glauben an, den er vorher bekämpft hatte. Ausdrücklich bezieht er sich auf die ihm schon vorgegebene urkirchliche Überlieferung, wenn er in 1 Kor 15, 3-5 das Bekenntnis von Tod und Auferstehung Christi zitiert und hinzufügt, dass auch er empfangen habe, was er den Korinthern als Heilsbotschaft verkündet hat. Auch die Heidenmission – so sehr er sie vorantrieb – ist nicht seine „Erfindung“, sondern wurde schon vor ihm praktiziert. Ohne die ungeheure Bedeutung des Paulus für die gedankliche Entfaltung des christlichen Glaubens zu schmälern, wird man feststellen müssen, dass es das Christentum auch ohne ihn gäbe. Andererseits wird man als Glaubender sagen: Dass es ihn gab, war ein Geschenk Gottes an die Kirche und damit an die ganze Menschheit.

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Literatur

 

Bauer, Jörg – Paulus. Vollmächtiges Werkzeug Gottes, München 2014

Bibel – Luther-Übersetzung, Stuttgart 1999

Detering, Hermann – Der gefälschte Paulus. Das Urchristentum im Zwielicht, Patmos 2012 (ebook)

Prinz, Alois – Der erste Christ. Die Lebensgeschichte des Apostel Paulus, Basel 2007

Tomkins, Stephen – Paulus und seine Welt, Freiburg 2007

 

im Internet:

http://www.ekd.de/paulus/

http://www.theologe.de/theologe5.htm (Wie Paulus die Lehre des Jesus verfälschte)

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46266072.html (Paulus hat Jesus nicht verstanden)

http://www.glauben-und-wissen.de/M29.htm (Der umstrittene Paulus)

http://euve31294.vserver.de:8080/vulgata/informationen/copy2_of_lehrerkommentar  (Der Apostel Paulus - Erläuterungen zum Inhalt)

https://www.zdf.de/kultur/gods-cloud/paulus-104.html (Mediathek: Paulus – Gefährliche Mission. Vom Saulus zum Paulus – vom Christenverfolger zum wichtigsten Missionar der frühen Kirche. Das ist die Geschichte des Mannes, der dem Christentum seinen unverkennbaren Stempel aufdrückt hat.)

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