Startseite  - Kontakt  - Impressum
 
 
 
E_K_D
 

Martin Luther: Mensch - Mönch - Mannomann

Einleitung

Kaum ein Deutscher ist auf der Welt so bekannt wie Mar­tin Luther (1483-1546). Denn er hat dazu beigetragen, die christliche und politische Welt nachhaltig zu verändern. Luther brach die Macht der Kirche, die in seinen Tagen in Europa herrschte und den Menschen vorschrieb, wie sie im Namen Gottes rich­tig zu leben hatten. Dort hieß es: Wer sich daran nicht hält, dem droh­t die Verdammnis.

Luther dagegen war der Meinung, dass jeder Mensch selbst ein Leben führen könne, das Gott gefällt, ohne die Kirche als Vermittler. Er nahm den Menschen auch die Angst vor dem Jenseits: Gott werde schon selbst er­kennen, wer Strafe verdient habe. Für die Erlösung sollte der Glaube allein reichen. Man brauche nicht den Papst mit seiner Beichte, dem Fasten, dem Ablass und anderen „guten Werken“. Diese Lehre Luthers führte zur soge­nannten Reformation und zur zweiten großen Spaltung der christlichen Kirche (nach der in Orthodoxe und Katho­liken von 1054): in die katholische und die evangelische Konfession. Seitdem gibt es den evangelischen Feiertag „Reformationstag

Der Charakter der Schriften und Reden Luthers haben während seiner Lebenszeit starke Veränderungen erfahren. Luthers Leben lässt sich grob in vier große Abschnitte unterteilen.

Der erste Lebensabschnitt, der Luthers Kindheit, seine Universitätszeit und seine Zeit als Augustinermönch umfasst, ist vor allem durch die Suche nach religiöser Erkenntnis gekennzeichnet. Luther wird später Universitätsprofessor in Wittenberg.

Als er endlich zur entscheidenden Erkenntnis gelangt, sieht er, dass in der Welt und der Kirche viele Fehler entstanden sind. Er begehrt gegen die Missstände in der Kirche auf und löst dabei heftige Reaktionen aus.

Daraufhin muss sich Luther auf Weisung seines Kurfürsten auf der Wartburg verstecken, die Bewegung der Reformation hat aber schon einige der Mächtigen des Landes erfasst und ist nicht mehr aufzuhalten. Luther kann nach Wittenberg zurückkehren, um seine Widersacher zu bekämpfen und seine Ideen praktisch umzusetzen.

In den letzten Jahren ist der Reformator zwar nicht weniger tatkräftig, jedoch zeigen sich nun auch Resignation und seine Neigung zum Jähzorn in den Schriften und Worten des alternden Reformators. Mannomann – bloß keine Ausrede – das war nicht schön! Daher wird dieser Luther oft verschwiegen.

Luther-jung Luther-Junker Jörg Luther-alt

Luther-Maske   Katharina von Bora

 

nach oben

 

Kindheit und Ausbildung

Martin Luthers Kindheit und Jugend

Martin Luther (geboren als Martin Luder; er nennt sich später erst Luther) wurde am 10.11.1483 im thüringischen Eisleben geboren. Luthers Vater, ein Bauernsohn, zieht 1484 kurz nach Luthers Geburt von Eisleben nach Mansfeld und gründet ein eigenes Kupferbergbau-Unternehmen. Die Mutter Luthers, Margarete Luder, hatte eine große Kinderschar zu versorgen und war Luther eine strenge Erzieherin.

Er besucht in Mansfeld die Lateinschule, in der noch mittelalterliche, barbarische Lehrmethoden vorherrschen. Luther wird als stiller, zurückhaltender und durch die strenge Ordnung eingeschüchterter, jedoch auch sehr begabter Schüler, beschrieben. 1497 geht Luther nach Magdeburg an die Schule der „Brüder vom gemeinsamen Leben“ und von dort 1498 nach Eisenach zu Verwandten der Luthers. Dort lernt er an der städtischen Pfarrschule in Eisenach. Insbesondere durch die Übersetzung vieler lateinischer Gebete, Messgottesdienste und anderer religiöser Texte kam Luther in seiner Schulzeit immer mehr mit religiösen Thematiken in Berührung.

Martin Luthers Urteil über seine Schulzeit fiel hart aus: Sie sei Hölle und Fegefeuer gewesen.

Um sich den Lebensunterhalt zu verdienen, ging er mit den anderen Kindern als Currendesänger von Haus zu Haus. Allerdings erlaubte die finanzielle Situation der Familie es, dass Luther 1501 ein Studium an der Universität Erfurt beginnen kann. Vater Hans Luther hofft, dem begabten Sohn mit einem Jurastudium zu einer guten Existenz als Jurist zu verhelfen.

 

Studium und Sinneswandel

Luther schrieb sich 1501 an der Universität Erfurt ein. Beginn des damaligen Grund­studiums der freien Künste, später der Rechtswissenschaft. Man musste zur Zeit Luthers, bevor man sich einer höheren Fakultät zuwandte, erst die sogenannten sieben freien Künste erlernen.

Sie bestanden im ers­ten Schritt aus dem Trivium, den drei Fächern Grammatik, Dialektik und Rhetorik, im zweiten aus dem Quadrivium, den Fächern Arithmetik, Geometrie, Musik und Astrono­mie. Auch dabei ging es darum, möglichst viel auswendig zu lernen. Allerdings wurde der Stoff von den Studenten auch besprochen, begründet und gerechtfertigt. Es gab zwei Studienabschlüsse, zuerst den des Bakkalaureus, dann den des Magister Artium, des Meisters dieser Künste. Erst damit konnte man ein wirklich hohes Studi­um beginnen: Theologie, Medizin oder Jura.

Dies tut Luther auch und erhält 1502 das Bakkalaureat, den ersten akademischen Grad. 1505 wird er Magister. Der stolze Vater hoffte nun, dass das Jurastudium ebenso gut verlaufen und sein Sohn bald eine geachtete Stellung als Jurist innehaben würde, von nun an siezte er ihn.

Luther jedoch - so berichtet die Legende – gelobt in einem Sturm am 2. Juli 1505, Mönch zu werden. Auf dem Weg nach Erfurt wird er während eines Gewitters in Stotternheim fast von einem Blitz erschlagen. In seiner Not ruft er: „Hilf du, heilige Anna! Ich will ein Mönch werden.“

Martin Luther wurde gerettet. Dankbar für die Rettung gelobt er, Mönch zu werden. So ändert sich sein Leben plötzlich wie von einem Donner­schlag auf den nächsten. Gott hat ihm einen neuen Weg gewie­sen; er muss Gott nun sein Leben widmen, dann wird er vielleicht gnädig aufgenommen und erlöst. Das ist seine (neue) Einstellung.

Der Vater war über den Schritt seines Sohnes verärgert; er duzte seinen Sohn wieder.

 

Martin Luther: „Guter Jurist, böser Christ“

 

Mönch und Theologe

Der Weg zu einem neuen Glauben

Am 17. Juli 1505 nimmt ihn das Erfurter Augustiner-Kloster als Novizen auf.

Dies tut er zur Überraschung seiner Freunde, die ihn als lebensfrohen Gesellen kannten. Er tritt dem Bettelorden der Augustiner im Erfurter Kloster bei und bekommt eine Tonsur[1]. Für ihn bedeutete dies vor allem das Studium der griechischen und hebräischen Originale der Bibel (Bibelhumanismus).

Luther wird zum Priester geweiht. Am 2. Mai 1507 liest er seine erste Messe (Primiz). Sein Vater hatte sich wieder ein wenig mit ihm versöhnt – war zumindest stolz auf seinen Sohn.

Im Herbst 1508 legt Luther sein endgültiges Mönchsgelübde ab. Beginn starker innerer Glaubenskämpfe. Wie bekomme ich einen gnädigen Gott, wie kann ich vor Gott bestehen, trotz all der Sünden? Diese Fragen beschäftigten Luther, es war die Frage seines Lebens. Die mittelalterliche Theologie malte den Gläubigen den strafenden Gott vor Augen, vor dem sich alle Menschen zu verantworten haben.

Zu Luthers Zeit beherrschte der Glaube an Gott und die Kirche das Leben der Menschen. Über altem Handeln stand die Drohung der ewigen Verdammnis und zuvor des Fegefeuers. Auf dieser Angst beruhte die Macht der Kir­che. Sie wurde von Rom aus durch den Papst regiert und versprach den Menschen, dass sie nicht in die Hölle kä­men, wenn sie ein gerechtes, gottgefälliges Leben nach den kirchlichen Vorgaben lebten. Die Kirche bot außer­dem die Möglichkeit, jeden Christen durch gute Werke, die Beichte oder sogar durch die Zahlung von Geld von seinen Sünden loszusprechen – so wäre wenigstens das Fegefeuer verkürzt. Das Ende sei nahe, hieß es. Das Jüngs­te Gericht, der Tag, an dem Jesus die Menschen entweder in den Himmel oder die Hölle schicken würde, könne je­den Tag kommen.

So lebten die Menschen nicht nur in ständiger Angst – es herrschte unter vielen geradezu eine Endzeitstimmung. Viele meinten, wie auch Luther, das Ende der Welt sei wirklich nahe. Schließlich lauerte der Tod um die Ecke. Seit über 100 Jahren kam es in Europa immer wieder zum Ausbruch der Pest. Diese Krankheit machte keinen Unter­schied zwischen Mann und Frau, Arm und Reich, Jung und Alt, Gut und Böse. Sie schien wie eine göttliche Strafe für die angeblichen Sünden der Menschen. Allein im Jahr 1450 starben in Magdeburg 8.000 Menschen an der Pest, jeder dritte Bewohner der Stadt. Als Luther in Erfurt studierte, kam es auch dort zwischen 1503 und 1505 zu einer Pestwelle, der noch viele weitere folgen sollten.

Viele Menschen verzwei­felten daher, auch in ihrem Glauben. Sie verstanden nicht, warum Gott etwa ihre unschuldigen Kinder mit dem Tod strafte. Au­ßerdem mussten sie erle­ben, dass ausgerechnet die, die den rechten Glau­ben predigten, sich gar nicht an ihre eigenen Re­geln hielten. Die meisten Bischöfe und Priester lebten in Saus und Braus, fuhren in Kutschen, trugen goldbestickte Kleider und hatten Kinder. Sie predigten nicht nur öffentlich Wasser und tranken heimlich Wein, wie es hieß, sondern manche pre­digten gar nicht erst und tranken den Wein sogar öffent­lich. Viele Menschen konnten nicht verstehen, wie solche Männer die rechten Vermittler der christlichen Lehre sein sollten. Ihr Glaube war erschüttert.

Der Generalvikar Johann von Staupitz weist ihn auf Christus hin und rät Luther zum Studium der Theologie. Im November 1510 schickt von Staupitz Martin Luther gemeinsam mit einem Ordensbruder nach Rom, um dort über Angelegenheiten des Augustiner-Ordens zu verhandeln. Er war enttäuscht vom mangelnden Ernst der Geistlichen und abgestoßen von den Skandalgeschichten, die man vom Papst zu erzählen wusste. In Rom sollte der Petersdom gebaut werden – viel Geld war dazu notwendig. Der Ablass, den man an Gläubige verkaufte, damit sie sich von der Strafe im Fegefeuer freikaufen konnten, bot eine gute und sichere Einkommensquelle. Der Dominikaner Johannes Tetzel verstand dieses Geschäft wie kein anderer. Später reimt man: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ Finanziell ist der Ablasshandel ein Er­folg für die Kirche. Geistlich ist er ein Armuts­zeugnis.

Luther erkannte die Geschäftemacherei, ihn störte aber noch mehr, dass sie den Aussagen der Bibel widersprach.

Martin Luther wird 1511 ins Kloster von Wittenberg versetzt. Er übernimmt an der dortigen Universität den bisher von Staupitz betreuten Lehrstuhl für Theologie. 1512 promoviert Luther zum Doktor der Theologie und erhält nun an der Wittenberger Universität „Leucorea“ die Bibelprofessur. Er hält Vorlesungen über die Psalmen (1514/15), den Römerbrief (1515/16), den Galaterbrief (1516/17) und den Hebräerbrief (1517/18).

 

Der Kampf für einen neuen Glauben

Diese Zeit ist durch ein starkes Ringen Luthers um religiöse Erkenntnis geprägt. Die für ihn entscheidende religiöse Erleuchtung soll er beim intensiven Studium des Römerbriefes erlangt haben: der Mensch erlange Gerechtigkeit allein durch die Gnade Gottes, nicht durch gute Werke (Röm. 1,17):

Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht: „Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.“ (Luthers Übersetzung)

Die Datierung der reformatorischen Entdeckung wird historisch auf den Zeitraum 1513-1518 datiert. Luther hat, wie er selbst berichtet, diese für ihn entscheidende Erkenntnis in der Studierstube seines Wittenberger Klosterturms gemacht. Der Zeitpunkt dieses auch als Turmerlebnis bezeichneten Ereignisses ist jedoch umstritten.

Im Laufe der Vorbereitungsarbeit dieser Vorlesungen entwickelte Luther allmählich immer mehr eigene Ansichten über die Auslegung der Bibel, die zunehmend nicht nur von denen der Kirche abwichen, sondern diese auch in Frage stellten und kritisierten.

 

Die 95 Thesen

Schon vor dem 31.10.1517 hatte Luther sich in Predigten gegen den Ablasshandel ausgesprochen. Nachdem er eine Instruktionsschrift für Ablasshändler gelesen hat, formulierte er seine Kritik in 95 Thesen. Am 31. Oktober 1517 formulierte und prangerte Luther in einem Schreiben in lateinischer Sprache an die Bischöfe von Mainz und Magdeburg die Ablasspredigten des Johann Tetzel an; seinen Briefen legt er 95 Thesen bei, die sich gegen den Ablasshandel wenden. „Aus Liebe zur Wahrheit und im Verlangen, sie zu erhellen“, so leitet Luther seine 95 Thesen ein. Dass Luther an besagtem Tag seine Thesen mit lauten Hammerschlägen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll, gehört wohl eher in das Reich der Legenden. Und von Reformation oder gar einer neuen Kir­che ist überhaupt in keiner These die Rede.

 

Einige Thesen

28. These: Fällt die Münze klingelnd in den Kasten, können Gewinn und Habgier zunehmen. Die Fürbitte der Kirche aber liegt allein in Gottes Ermessen.

43. These: Man muss die Christen lehren: Wer einem Armen gibt oder einem Bedürftigen leiht, handelt besser, als wenn er Ablässe kaufte.

62. These: Der wahre Schatz der Kirche ist das heilige Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.

94. These: Man muss die Christen ermutigen, darauf bedacht zu sein, dass sie ihrem Haupt Christus durch Leiden, Tod und Hölle nachfolgen.

95. These: Und so dürfen sie darauf vertrauen, eher durch viele Trübsale hindurch in den Himmel einzugehen als durch die Sicherheit eines Friedens.

 

[1] Ausgeschorene Stelle im Haar als Zeichen eines Mitglieds der Geistlichkeit

 

nach oben

 

Weitreichende Konsequenzen

Die Reaktionen

Luther hatte die Thesen außer den Bischöfen nur an wenigen Freunden gesandt. Somit erwartet und erhält er auch nicht sofort eine Reaktion. Jedoch bereits Ende 1517 sind dank des Buchdruckes viele Kopien der Thesen in Leipzig, Nürnberg und Basel im Umlauf. Es gibt sowohl stürmische Zustimmung als auch völlige Ablehnung aus vielen Teilen der römischen Kirche. Die Buße, so konnten die Menschen in der ersten These lesen, bezieht sich auf das ganze Leben. Das Bußmonopol der Kirche war gebrochen, ihre Macht begann spätestens jetzt zu wanken. Die Reformation hat mit diesen Schriften Luthers ihren Anfang genommen.

Die Bischöfe reagieren jedoch vorerst noch nicht drastisch. Sie berichteten dem Papst über den „Rebellen“ in den eigenen Reihen und weisen Luthers direkte Vorgesetzte an, mäßigend auf den Aufmüpfigen einzuwirken. Die von Luther angeprangerten Fehler erkennend, begrüßen einige Bischöfe sogar anfangs die Reformvorschläge.

 

Von Luder zu Luther

Diese Erkenntnisse waren für Martin Luther eine Befreiung. Viele Schriften wurden seitdem von ihm verfasst. Als äußeres Zeichen seiner Wandlung und Befreiung änderte er auch seinen Namen: Seinen ursprünglichen Nachnamen „Luder“ änderte er ca. um das Jahr 1517 in „Luther“, vermutlich weil Luther etymologisch dem griechischen Wort für „der Freie“ Eleutherius näher stand.

 

Außerdem haben viele Leute Schind mit dem Namen Luder betrieben …

 

Die Lutherrose

Die Lutherrose verwendete Luther ab 1530 als Siegel. Sie ist ein „Merkzeichen“ seiner Theologie.

Lutherrose

Das schwarze Kreuz im Mittelpunkt erinnert an Jesus Christus.

Das rote Herz steht für den Glauben „von ganzem Herzen“.

Die weiße Rose für Fröhlichkeit und Frieden, die im Glauben zu finden sind.

Der blaue Hintergrund zeigt: Dies ist nur ein Anfang, ein Vorgeschmack auf die himmlische Freude bei Gott.

Der goldene Ring schließlich ist das Zeichen für Gottes Ewigkeit: Sein Wort gilt auf Dauer.

 

Das Vorbild für dieses Siegel findet sich im Löwen- und Papageien-Fenster der Augustinerkirche des Augustinerklosters zu Erfurt, in dem Martin Luther zwischen 1505 und 1512 als Augustinermönch gelebt hat.

 

Weitreichende Konsequenzen

Nach reformatorischer und lutherischer Auffassung ist die Taufe das Sakrament, das einen Menschen in den Kreis der Nachfolger und Nachfolgerinnen Jesu aufnimmt. Darin sind alle Gläubigen gleich – gleichermaßen Vorbilder füreinander, wie Angewiesene auf die Vergebung anderer. Martin Luther hat das auf die kurze, scheinbar widersprüchliche Formel vom „Sünder und gleichzeitig Gerechten“ (lateinisch: simul iustus et peccator) gebracht. Aus diesem Widerspruch kann sich ein Mensch selber nie ganz befreien – das kann nur Gott.

Ein scheinbarer – und ebenfalls typisch evangelischer – Widerspruch ist es, dass sich der befreite Mensch aufgerufen fühlen darf, in seinem eigenen Leben Heiligkeit einziehen zu lassen. Wer sich – als fehlbarer Sünder! – im Glauben und aus Gnade angenommen fühlen kann von Gott, findet zu seiner gottgewollten Natur als Mensch – und das ist ja immerhin eine Gott ebenbildliche.

 

Theologische Schriften

Das größte Werk dieses bedeutenden Mannes war die Rückgabe der heiligen Schrift (sola scriptura) an das Volk und die Lehre, dass das Heil allein aus Glauben (sola fide) an Jesus Christus (solo Christo) und ohne Zutun von menschlichen Werken (sola gratia) erlangt wird. Dieses „Turmerlebnis“ wird als Rechtfertigungslehre bezeichnet. Diese Botschaft fand schnelle Ausbreitung in ganz Europa und viele Menschen fanden dadurch zum Glauben an Christus.

Sola Scriptura

Allein die Bibel ist die Grundlage christlichen Glaubens. Was Kirche und Gläubige im Laufe der Jahrhunderte an Lehren, Regeln und Glaubenssätzen verfasst haben, steht auf einem anderen Blatt.

Solus Christus

Allein Jesus Christus vermittelt, was Heil bedeutet. Mit seinem Leben und Sterben erreicht die frohe Botschaft (so die wörtliche Bedeutung von „Evangelium“) vom gnädigen Gott diese Welt. Dagegen verblasst jeder menschliche Würdenträger und jedes noch so strahlende weltliche Idol.

Sola Fide

Allein im Glauben richtet sich der Blick so auf Jesus Christus, dass man sich als Sünder angenommen fühlen kann vor Gott. Dafür braucht es keinerlei äußerlichen Hilfsmittel, Kultübungen oder Rituale.

Sola Gratia

Allein aus Gnade darf sich jeder angenommen fühlen von Gott. Wer meint, er könne sich beim Blick in den Spiegel des Heils gewiss sein, verkennt sich als Mensch. Eigene Leistung und gute Taten sind eine Folge davon, aber keine Voraussetzung dafür.

 

1522: Luther veröffentlicht das Neue Testament

1528: Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis. Für Luther ist das Abendmahl das tiefste Erlebnis der sichtbar geworde­nen Gnade Gottes, denn in der Einsetzung des Abendmahls komme es zu „Leibsbrot“ und „Blutswein“.

1529: Die wichtigsten Lehren fasst Luther zusammen: im Großen Katechismus für „Pfarrherrn und Prediger“, im Kleinen Katechismus für die „Hausväter“ und alle Gläubigen in den Gemeinden. Der Kleine Katechismus erläutert die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser sowie Taufe und Abendmahl.

1530: Auf dem Augsburger Reichstag vertritt Luthers Freund Melanchthon die Ideen der Reformation. Am 25. Juni verliest Melanchthon ein erstes öffentliches Bekenntnis zum Protestantismus (confessio augustana).

1534: Luther veröffentlicht seine erste deutsche Gesamtübersetzung der Bibel.

 

Kirchenmusik

Neu ist der gemeinsame Gesang in der Kirche. Er gilt als Verkündigung – wie die Pre­digt. Luther schreibt Texte und Melodien, die Allgemeingut werden, etwa „Ein feste Burg ist unser Gott“ oder „Vom Himmel hoch“ (aus Trauer über den Tod seiner Tochter Magdalena. Die ersten evan­gelischen Gesangbücher erscheinen 1524.

Luther schreibt um, übersetzt, dichtet neu, komponiert. Sein Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ wird später zur Hymne der Reformation. Wer an die Erlösung durch Christus glaubt, so Luther, „der kanns nicht lassen, er muss fröhlich und mit Lust davon singen und sagen, dass es andere auch hören und herzukommen“. Er hat den Beinamen „Die Nachtigall aus Wittenberg“.

In der Reformationszeit war das Singen wichtig. Luther hat dafür selbst Lieder gedichtet. Sie enthalten in aller Kürze das Wichtigste des evangelischen Glaubens. Martin Luther wusste: Die Menschen prägen sich durch das Singen die neue Lehre gut ein. Die Lieder waren auch für den Gottesdienst von Bedeu­tung. Durch das Singen war die Gemeinde besonders aktiv an ihm beteiligt.

Im Laufe der Zeit entstand eine vielfältige Kirchenmusik. Komponisten machten die evangelische Kirchenmusik in der ganzen Welt berühmt. Hervorzuheben ist Johann Sebastian Bach. Er lebte 1685 bis 1750 und schrieb viele Lieder und Konzerte speziell für die Kirche.

 

Neues Selbstbewusstsein

In einer auf Deutsch verfassten, leicht verständlichen Schrift erklärt Luther 1518 seine (eher für die wissenschaftliche Diskussion gedachten) Thesen; beim einfachen Volk wächst Luthers Popularität.

Gegen Luther wurde 1518 ein gerichtliches Verfahren eingeleitet, in dem gegen ihn die Anklage der Ketzerei und Aufwiegelung gegen die kirchliche Obrigkeit erhoben wurde. Die Anklage ging dabei vornehmlich von Anzeigen aus, die von Deutschland aus in Rom eingingen.

Während eines Disputes bestreitet Luther 1519 die Unfehlbarkeit des Papstes.

Da sich Luthers Landesherr Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen – nicht zuletzt auf Grund von Luthers Verdiensten um die aufstrebende Universität Wittenberg – für ihn einsetzte, blieb es Luther zunächst erspart, den Weg nach Rom antreten zu müssen: Er wurde im Auftrag des Papstes von dem sehr renommierten Theologen Thomas von Cajetan vom 12.-14. Oktober 1518 in Augsburg verhört. Luther weigerte sich jedoch, der von Cajetan vorgebrachten Forderung, er solle seine Thesen widerrufen, nachzukommen, so dass es – da Friedrich der Weise Luthers Auslieferung nach Rom verweigerte – zu einer weiteren Verhandlung zwischen Luther und Johannes Eck kam. Eine erneute Ablehnung eines Widerrufs Luthers sowie die Verschärfung seiner Kritik an der Unfehlbarkeit der Kirche und insbesondere des Papstes, führten zum endgültigen Zerwürfnis mit der Kirche.

Am 15. Juni 1520 („Exsurge Domine”) und am 3.1.1521 („Decet Romanum ponti­ficem”) drohte man Luther durch eine sog. „Bannandrohungsbulle” mit dem Verlust seiner Bürgerrechte und dem Ausschluss aus der Kirche. Im Oktober werden in einigen deutschen Städten die Schriften Luthers auf den Scheiterhaufen geworfen. Luther verbrennt daraufhin zwei Monate später in Wittenberg öffentlich die päpstliche Bann-Bulle.

Luthers Auftreten auf dem Reichstag

Luthers Auftreten auf dem Reichstag in Worms wird als sachlich, klug und überlegt beschrieben. Er muss zweimal vor dem Kaiser erscheinen, jedes mal wird ihm nahegelegt, seine Lehren zurückzunehmen, Luther jedoch sieht keinen Beweis gegen seine Thesen und Ansichten, der ihn bewegen könnte, seine Thesen zu widerrufen: „wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, dass sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“

Nachdem er den Verhandlungssaal verlassen hat, ruft er erleichtert „Ich bin hindurch.“ Und er ist auch erst einmal hindurch: Luther wird entlassen, jedoch nicht verhaftet, da ihm der Schutzbrief für 21 Tage freies Geleit zusichert. Als Luther schließlich zwei Tage lang am 17. und 18. April 1521 vor dem Reichstag in Worms zum wiederholten Male jeglichen Widerruf und jegliche Abmilderung seiner Kritik an der Kirche ablehnte, wurde im Wormser Edikt die (vorher lediglich angedrohte) Reichsacht über ihn und alle seine Anhänger verhängt.

Luther begibt sich am 25. April 1521 auf die Rückreise. Luthers Situation war bedrohlich: Vom Papst exkommuniziert, vom Kaiser geächtet, war er nun „vogelfrei”, also als recht- und ehrlos. Damit einher ging, dass an vielen Universitäten eine Verurteilung der Lehre Luthers ausgesprochen wurde und seine Schriften (z.B. in Köln) demonstrativ öffentlich verbrannt wurden.

Von Staupitz entlässt Luther aus seiner Gehorsamspflicht gegenüber dem Augustiner-Orden, um ihn vor der Inquisition zu schützen. Luther trägt jedoch weiterhin die Mönchskutte. Er flüchtet von Augsburg nach Wittenberg, Cajetan verlangt Luthers Auslieferung. Im Dezember lehnt Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen es gegenüber Papst Leo X. ab, Martin Luther der kirchlichen Gerichtsbarkeit in Rom zu überstellen.

 

nach oben

 

Ritter Jörg und die Lutherbibel

Auf der Rückreise von Worms lässt Kurfürst Friedrich der Weise Luther am 4. Mai 1521 auf die Wartburg bei Eisenach „entführen“ (Luther hatte vorher davon Kenntnis, es handelte sich um eine Inszenierung). Dies geschieht einerseits um Luthers Sicherheit zu garantieren, andererseits um ihn kurzzeitig von der Bildfläche verschwinden zu lassen – sogar das Gerücht vom Tode Luthers geht um. Auch dient diese Aktion dem Kurfürsten vor allem dazu, sich selbst nicht zu gefährden, da der Fürst ja einem Geächteten und Ketzer Unterschlupf gewährte.

Luther lebt nun inkognito auf der Wartburg: er nennt sich Junker (Jungritter) Jörg und „pflegt Haupthaar und Bart“. Luther jedoch leidet unter der Verbannung: „im Reich der Vögel“, wie er sagt, hat er an allerlei körperlichen Gebrechen zu leiden. Auch die vielen teils von ihm selbst, teils durch andere berichteten Kämpfe mit dem Satan, wie der sprichwörtliche Wurf mit dem Tintenfass, mögen ihm in dieser Zeit arg zu schaffen gemacht haben...

 

Die Übersetzung des Neuen Testamentes

Luther widmet sich im Dezember 1521 einer neuen Aufgabe: Er übersetzt in nur elf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Bis zu Luther gab es nur unvoll­kommene Übertragungen ins Deutsche, die auf dem Umweg über das Lateinische entstan­den waren. Luther übersetzt lebensnah und bildhaft, mal wörtlich, mal sinngemäß. Er schaut „dem Volk aufs Maul“, wie er sagt, und prägt mit seiner Bibel die deutsche Sprache. Viele Worte und Wendungen werden Allgemeingut: Luther wirft auf dem Papier Perlen vor die Säue, erkennt die Zeichen der Zeit, tappt im Dunkeln, ent­deckt den Stein des Anstoßes und ist ein Herz und eine Seele – alles Wortschöpfungen aus der Luther-Bibel. Am Anfang des Neuen Testaments stehen die „Evangelien“, das bedeutet „Gute Nachricht“. Bald nennen sich Martins Anhänger „evangelisch“.

Das später noch von Melanchthon und anderen Spezialisten bearbeitete Werk erscheint 1522. Dieses sogenannte „Septembertestament“ findet in den evangelischen Gebieten einen reißenden Absatz und wird dort zum Volksbuch, somit stellt es einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache dar. Es folgen später erst Teile des Alten Testamentes, 1534 erscheint die Gesamtausgabe der Bibel in deutscher Sprache, die ebenfalls große Verbreitung findet.

Der erzwungene Rückzug hat sich mehr als gelohnt. Luther ist es gelungen, eine Bibel fürs Volk zu schaffen. Illustriert wird das Werk mit Bildern aus der Cranach-Werkstatt. Das „Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt“ aus der Offenbarung des Johannes, also der Antichrist, ist als Drache mit der päpstlichen Krone (Tiara) dargestellt. Diese Provokation verursacht einen Riesenskandal im Reich. In der nächsten Ausgabe ist die Krone wegretuschiert, sie taucht aber in späteren Auflagen wieder auf. Damit wird ganz Deutschland vor Augen geführt: Luther steht im endzeitlichen, apokalyptischen Kampf gegen den Papst, gegen den Antichristen, die Inkarnation des Bösen.

 

Die Ereignisse in Wittenberg während der Abwesenheit Luthers

Die reformatorischen Ideen wurden nun in Wittenberg, das zum Zentrum der Reformation geworden ist, auch praktisch umgesetzt. Demonstrativ heiraten 1521 drei Priester, auch der Gottesdienst wird reformiert. Luther sieht diese Veränderungen aus der Ferne mit Wohlwollen, er hält engen Briefkontakt zu seinen Mitstreitern in Wittenberg.

Besonders hervorzuheben ist auch noch das Wirken Philipp Melanchthons, der 1521 mit seinem Werk „Loci communes“ die erste Formulierung der lutherischen Lehre schafft und somit das Wirken der Reformation auch theologisch exakt begründet.

 

Luthers Rückkehr nach Wittenberg

Nach dem ersten „Bildersturm“ in Wittenberg unter Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt kehrt Luther am 6. März 1522 aus der Verbannung zurück und übernimmt das „Zepter der Reformation“. Er macht sogar einige Reformen rückgängig, da er die Gefahr sieht, dass die Menschen zum neuen Glauben gezwungen werden. Dies will er jedoch verhindern. Luther bringt mit seinen „Fastenpredigten“ die reformatorische Bewegung, die er ins Radikale abgleiten sah, wieder zurück auf seine gemäßigte Linie.

Zwar ist die Rückkehr des Geächteten gefährlich, jedoch erreichen die Reformatoren im Hinblick auf Luthers Sicherheit weitere Teilerfolge: der 2. Nürnberger Reichstag erklärt den Bann gegen Luther für undurchführbar. Zwar wird 1524 auf dem 3. Nürnberger Reichstag dieser Bann erneuert, doch hat sich die Reformation bis dahin so gefestigt, dass eine Verhaftung Luthers nun wenig wahrscheinlich ist.

In den folgenden Jahren geht Luther daran, durch Schriften und Predigten seine Lehren praktisch umzusetzen. In der Schrift „Von der weltlichen Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig ist“ formuliert Luther die Grundlagen seiner politischen Ethik, in diesem Werk kommt wiederum die gemäßigte Einstellung Luthers zum Tragen. In den Jahren 1522 bis 1524 ist vor allem Luthers Predigttätigkeit hervorzuheben. Er führt Predigtreisen in ganz Mitteldeutschland durch, so im Herbst 1522 sogar in Erfurt und Weimar. Er sieht es als sehr wichtige Aufgabe an, den Menschen das Evangelium zu verkünden und zu erläutern.

Auch führt Luther mit den Schriften „Von der Ordnung des Gottesdiensts in der Gemeinde“ und „Formula missae“ (Form der Messe) die schon vorher angedachte Reform des Gottesdienstes durch.

Die Neuordnung des Sozialwesens wird mit der Einführung des „gemeinen Kastens“ erreicht. Die kommunalen Sozial- und Bildungsaufgaben werden durch Einzug des Vermögens der alten Kirche finanziert.

Die Neuordnung des Schulwesens stellt eine der dringendsten Aufgaben Luthers dar. Hatten doch vor seiner Rückkehr manche Professoren und Schüler mit ihrer Interpretation von Luthers Lehren den Schulbetrieb fast völlig lahm gelegt. Die Reformation benötigt aber gut ausgebildete Pfarrer, Lehrer und Beamte. In der Schrift „An die Ratsherrn aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ verpflichtet er die Obrigkeiten, eine gute Ausbildung der Jugend zu garantieren.

Der Reformationsgedanke verbreitet sich: 1523 treten Nonnen und Mönche aus ihren Klöstern aus. In Brüssel wird ein Anhänger Luthers verbrannt. 1524 beginnen die Bauernaufstände. Im Oktober legt Luther endgültig die Mönchs­robe ab.

 

nach oben

 

Martins Ehe und weitere Auseinandersetzungen

Noch während die Bauern kämpfen, entschließt sich Luther zur Heirat. Ist es Liebe? Oder will er vor allem ein Zeichen setzen? Als Mönch hat er einst Ehelosigkeit gelobt, inzwischen befürwor­tet er die Priesterehe. Seine Frau Katharina von Bora ist eine ehemalige Zisterzienser-Nonne. Luther lernt sie 1523 in Wittenberg kennen. Katharina von Bora (1499-1552) heiratet Luther am 13. Juni 1525, als sie 26 ist, und wird zur Managerin im gemeinsamen Haus.

Im Schwarzen Kloster in Wittenberg entsteht ein Modell für Ehe und Familie: Martin predigt und lehrt und schreibt, Katharina organisiert und hält das Geld zusammen. Der Professor be­kommt inzwischen Gehalt von der Universität, aber Bares ist stets knapp. Für das Familien­unternehmen Luther legt Katharina Gärten an, hält Vieh und braut Bier. Außerdem beherbergt Luther Studenten in seinem Hause, um die Haushaltskasse aufzubessern.

Katharina fasst ihren Alltag so zusammen:

„Ich bin erstens Ackerbürgerin, zweitens Bäuerin, drittens Köchin, viertens Kuhmagd, fünftens Gärtnerin, sechstens Winzerin und Almosengeberin an alle Bettler in Wittenberg, siebentens aber bin ich die Doktorissa, die sich ihres berühmten Gatten würdig zeigen soll.“

Für den Hausherrn ist klar, wer daheim das Sa­gen hat: seine Frau, die er mit „Herr Käthe“ an­redet. Ein Jahr nach der Hochzeit bringt die „Lutherin“ das erste Kind zur Welt, Johannes. Fünf Geschwister werden folgen, von denen zwei Mädchen jung sterben.

Luther war ein liebevoller Vater, der auch einmal Windeln wusch und nichts dagegen hatte, wenn die Kleinen in seiner Studierstube spielten. Das habe er dem Papst voraus, triumphierte er.

 

Martin Luther: „Wer nicht liebt Weib, Wein und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.“


Tischreden und Sprüche Luthers

Kennzeichnend für das Familienleben der Luthers sind auch die vielen aufgezeichneten Tischreden des Reformators, in denen Luthers Sprache und Volksverbundenheit deutlich wird. Studenten und andere Gäste sitzen immer mit am Tisch. Einige schreiben auf, was sie von Luther zu hören bekom­men – die „Tischreden“, die später veröffentlicht werden.

 

Weitere Sprüche Luthers

Worauf du nur dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott.

Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.

Der Glaube bringt den Menschen zu Gott, die Liebe bringt ihn zu den Menschen.

Der Glaube ist der Anfang aller guten Werke.

„Und wenn die Welt voll Teufel wär` und wollt uns gar verschlingen, fürchten wir uns nicht, denn ein feste Burg ist unser Gott, er hilft uns frei aus aller Not.“

„Wenn morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

„Das Paradies ist überall.“

Iß, was gar ist, trink, was klar ist, red, was wahr ist.

Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt.

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Bäumchen pflanzen.

Das passt wie die Faust aufs Auge.

Kümmere dich nicht um ungelegte Eier!

Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen.

Fürbitten heißt: jemanden einen Engel senden.

Wer trinkt ohne Durst, wer isst ohne Hunger, stirbt umso junger.

Warum furzet und rülpset ihr nicht? Hat es euch nicht geschmecket?

„Ein Rausch ist zu ertragen, die Trunkenheit aber nicht.“

 

Abendmahls-Verständnisse der Reformationszeit

Nach der Lehre der Altgläubigen (Römisch-Katholischen) wird in der Eucharistiefeier, die den Mittelpunkt jeder Messe darstellt, Jesu Opfertod durch den geweihten Priester nachvollzogen, wobei sich eine stoffliche Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi vollzieht (Transubstantiation).

Luther lehnte die katholische Messopfer- und Wandlungslehre ab. Doch ist für ihn Jesus Christus in Brot und Wein wirklich anwesend (Realpräsenz). Brot und Wein haben dadurch einen doppelten Charakter. Für Ulrich Zwingli ist das Abendmahl eine Erinnerungsfeier, in der Brot und Wein lediglich Hinweiszeichen auf Christi Leiden und Sterben sind. Philipp Melanchthon betonte die personale Gegenwart Christi im Vollzug des Abendmahls und vertrat damit eine Art Zwischenposition zwischen Luther und Zwingli.

Hinter den heftig geführten Kontroversen, die uns heute reichlich spitzfindig anmuten, verbergen sich tief greifende Unterschiede in der Auffassung von Gott und Wirklichkeit, Glauben und Denken.

 


Weitere Auseinandersetzungen

Martin Luther hat sich im Verlaufe seines Lebens mit vielen Leuten angelegt und auseinandergesetzt. Neben dem rechten Glauben auch mit vielen Leuten und Gruppen. Mannomann – das war nicht immer nur angenehm …

 

Die Bauern

Mit Luthers Ideen verbün­deten sich auch die Bauern. Viele Menschen schöpften neue Hoffnung und Mut, als sie von Martins Ideen hörten, vor allem die Ärmsten der Armen. Das waren damals die Bauern. Sie hofften auf Gerechtigkeit. Zwar hatten die Bauern den größten Anteil an der Bevölkerung, im Prinzip waren sie aber völlig rechtlos. Die Bauern mussten hohe Abgaben an den Adel und an die Geistlichkeit zahlen. Ihnen blieb gerade bei Missernten nur sehr wenig zum Leben übrig. Als Leibeigene durften sie nicht heiraten, wen sie wollten. Sie durften nicht einfach umziehen und fanden auch vor Gericht kein Gehör. Die Bauern fühlten sich von Martins Worten aufgefordert, sich endlich von der Leibeigenschaft zu befreien. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan“, hörten sie von Martin.

Der meinte mit Freiheit aber etwas ganz anderes: die Freiheit des Menschen, der von seinen Sünden erlöst wird. Martin meinte nicht die Befreiung von der Leibeigenschaft. So entstand die wüste Schrift „Wider die Mordischen und Reuberischen Rotten der Bawren“, die bis heute eine der umstrittensten Schriften des Reformators darstellt. Deshalb waren die Bauern von Martin bitter enttäuscht, weil er die Bauern nicht richtig unterstützte.

Thomas Müntzer, Priester und ehemaliger Anhänger Luthers, wurde 1525 zum Führer der Bauernerhebungen in Mitteldeutschland, die bereits 1524 im Südwesten aufgeflammt waren. Die Bauern litten unter den Mächtigen, den Fürsten wie den Geistlichen und waren nun bereit, sich auch gewaltsam zu wehren.

Luther erkannte zwar ihre Not, rief sie aber zu Gehorsam auf und mahnte die Fürsten. In seinen Predigten wendete sich Luther gegen jede gewaltsame Handlung. Er erntete jedoch nur Ablehnung seitens der Bauern, die auf seine Unterstützung gehofft hatten. Thomas Müntzer warf ihm vor, das Wort Gottes komme nicht nur aus der Bibel, sondern es spreche auch aus den Herzen der einfachen Menschen.

Die Bauern aber erfuhren am 15. Mai 1525 in der Schlacht bei Frankenhausen eine vernichtende Niederlage. Die Bauernaufstände hatten sich zum Bauernkrieg ausgeweitet. Im Juni wurden die Aufstände blutig niedergeworfen. Luther verlor viele Anhänger in der Bevölkerung. Später gesteht Luther ein: „Ich habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen, denn ich habe geheißen, sie tot zu schlagen. All ihr Blut ist auf meinem Hals.“

 

Der Papst

Den Kampf gegen die Feinde der Reformation führt Luther auch in den letzten Jahren an. Mit der Schrift „Wider das Papsttum zu Rom vom Teuffel gestifft!“ vollführt er 1545 seinen letzten Schlag gegen die römische Kirche. „Wer Gott hören will, der lese die Heilige Schrift, wer den Teufel reden hören will, der lese des Papstes Dekrete und Bullen.“, meinte er.

 

Der Teufel

Luther glaubte beinahe wie besessen an den Teufel. Er berichtete selbst, wie ihn auf der Wartburg der Teufel ver­führen wollte. Seine Suche nach dem richtigen Weg zu Gott war verknüpft mit einer tiefen Angst vor der Verdammnis in die Hölle und damit vor dem Teufel.

Zwar war der Teufelsglaube im Mittelalter allgemein ver­breitet, doch fühlten sich wenige so bedroht wie Luther. Er war ein zutiefst abergläubiger Mensch, der überall das Wirken des Bösen vermutete. Dagegen hatte er verschie­dene Mittel zur Hand. Wenn der Teufel sich wirklich zeigte, sollte man entweder beten oder ihn direkt nach Christus fragen. Wenn das aber nicht half, so „weise man ihn flugs mit einem Furz“ ab, wie er schrieb, oder man sage ihm: „Teufel, ich habe in die Hosen geschissen, hast du es auch gerochen und zu meinen anderen Sünden in dein Register geschrieben?“

Wie an den Teufel glaubte Luther auch an Hexen, an Zau­berei und Spuk. So meinte er etwa, dass es Zauberinnen gäbe, die Unwetter und Verwüstungen im Haus bewirken oder aus einer Meile Entfernung einen Menschen zu ei­nem Hinkenden machen könnten. Er forderte, alle Zaube­rinnen zu töten.

 

Die Juden

Und er glaubte leider auch an einen verderblichen Einfluss der Juden, ja, er erwies sich am Ende seines Lebens als einer der schlimmsten Judenhasser der Geschichte. Am Anfang ging er noch auf die Juden ein, weil er meinte, sie würden seinem Weg zum „richtigen“ Glauben folgen. Als sie das aber nicht taten, machte er bis zum Ende seines Lebens immer wieder Vorschläge, wie man gegen die Juden vorgehen sollte. Am besten sollte man sie aus dem Land treiben. Luthers Judenhass zeigt, wie er seinen Glau­ben verstand: Wer nicht von seinem Weg zu überzeugen war, musste des Teufels sein und vernichtet werden.

Luthers Verhältnis zu Andersgläubigen, insbesondere zu den Juden, verschlechtert sich in seinen letzten Jahren sehr. Hatte er 1523 noch mit der Schrift „Dass Jesus ein geborener Jude sei“ eine versöhnliche Haltung gezeigt, so verurteilt der alternde Reformator nun alle, die sich nicht bekehren lassen wollen. Aus dieser Stimmung mag auch 1543 die stark antijüdische Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ entstanden sein.

 

nach oben

 

Luthers Ende

Luthers letzten Lebensjahre

In den letzten Lebensjahren hat Luther mit verschiedenen körperlichen Leiden zu kämpfen. Außerdem trifft ihn der Tod seiner Tochter Magdalena 1542 schwer. Luther setzt seine Predigttätigkeit jedoch trotz vielerlei Enttäuschungen und seiner vielen Leiden fort. Seine Lehrtätigkeit an der Wittenberger Universität führt er ebenfalls bis an sein Lebensende weiter, die letzte Vorlesung endet jedoch mit den Worten: „Ich bin schwach, ich kann nicht mehr.“

In Torgau wird 1544 die erste neugebaute protestantische Kirche eingeweiht. Evan­gelischer Gottesdienst wurde schon seit 1521 in Wittenberg gefeiert.

 

Luthers Tod

Der von Krankheiten gezeichnete Luther bricht am 17.01.1546 zur letzten Reise seines Lebens in seine Geburtsstadt Eisleben auf, um dort Streitigkeiten in der Mansfelder Grafenfamilie zu schlichten. Die Verhandlungen enden erfolgreich.

Luther hat aber nicht mehr die Kraft nach Wittenberg zurückzukehren. Er stirbt am 18. Februar 1546 in Eisleben. Auf dem Sterbebett betet er: „In Deine Hände befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, Herr, Du treuer Gott.“ Seine letzten Worte sind überliefert: „Wir sind Bettler. Das ist wahr.“ Nachdem der Sarg zwei Tage in Eisleben aufgebahrt wurde, wird er über Halle und Bitterfeld nach Wittenberg überführt. Am 22. Februar wird Luther in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt, die Grabrede hält Johannes Bugenhagen.

 

Legendenbildung

Es ist wie immer: Ist jemand berühmt, gibt es zahlreiche, meist nachher eingefügte Legenden. So ist es auch bei Martin Luther.

  • Die Thesen am Wittenberger Schloss – sie sind wohl eine Legende.
  • Die Teufelserlebnisse, das Tintenfass – ist wohl auch nur eine Legende.

Luther hat viele Tischreden gehalten, aber die ein oder andere Rede stammt möglicherweise gar nicht von Luther:

  • „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?“ – angeblich aus Luthers Tischreden, dort wie auch anderswo in der Gesamtausgabe jedoch nicht feststellbar. Christoph Drösser, DIE ZEIT 6/2001 1. Feb. 2001
  • „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ – Der früheste Beleg für den Satz findet sich in einem Rundbrief der hessischen Kirche vom Oktober 1944. Alexander Demandt

 

Luthers Erbe

Gute Taten statt guter Werke

Gute Taten statt guter Werke – das klingt natürlich spitzfindig. Aber in allen Religionen geht es schließlich auch darum, sich richtig – und damit gottgefällig – zu verhalten. Das haben Protestanten und Katholiken gemeinsam – sie gehen das Thema aber ganz unterschiedlich an. Der Reformator Martin Luther hatte erlebt, dass er als Mensch einfach nicht gut genug sein kann, um sich des Wohlwollens seines Gottes sicher zu sein. Keine Heldentat kann Gott nachhaltig beeindrucken oder beeinflussen, so seine feste Überzeugung. Dass man Gott durch möglichst viele „gute Werke“ milde stimmen kann, wie es damals hieß, hielt Luther für ein großes Missverständnis.

Es bedeutet aber auch, dass ein Mensch die liebevolle Zuwendung Gottes selbst durch die übelsten Verbrechen nicht verlieren kann. Nach protestantischem Glauben wendet Gott sich allen Menschen aus Gnade zu, und nur aus Gnade – und das heißt, völlig unabhängig von menschlicher Bemühung und Leistung. In guten Taten können und sollten sich allerdings auch Protestanten üben – um ihrer Mitmenschen willen, aber nicht, um die eigene Haut zu retten. Die Kirche, gegen die Martin Luther damals protestierte, hatte es in genau diesem Punkt übertrieben. Die guten Werke wurden mehr und mehr als finanzielle Abgaben an die Kirche eingeworben – und vermeintlich auch im Himmel gutgeschrieben. Dass das mit einer christlichen Lebensführung nicht viel zu tun hat, sieht die katholische Kirche heute auch so. Dennoch verknüpft sie diese nach wie vor mit festen Regeln und Vorgaben.

Um diese unterschiedlichen Blickwinkel auf Glauben und Kirche, die sogenannte Rechtfertigungslehre, drehte sich der große Konflikt zwischen der Kirche und den Reformatoren, der schließlich zur Gründung der evangelischen Kirchen führte.

 

Die Bibel – ein offenes Buch

So selbstverständlich es heute ist, dass wir die Bibel auf Deutsch lesen können: Diese Tatsache ist eine evangelische Errungenschaft! Die mittelalterliche Kirche kannte nur lateinische, altgriechische oder hebräische Ausgaben biblischer Texte. Damit blieb die Heilige Schrift natürlich eine Lektüre für sehr gebildete Experten. Indem er sie erstmals ins Deutsche übersetzte, hat Martin Luther ein Tabu gebrochen. Dabei hat er bewusst „dem Volk aufs Maul geschaut“, wie er sagte, um eine allgemein verständliche Sprache zu sprechen.

Seither kann jeder lesen, was drin steht, die Texte auslegen und zitieren – eine unmittelbare Voraussetzung für das „Priestertum aller Gläubigen“. Auch dass die Messe nicht mehr auf Latein gehalten wurde, haben die Protestanten eingeführt. Überhaupt ist der sogenannte Wortgottesdienst, mit (langer) Predigt und Bibelauslegung, etwas typisch Evangelisches. So spielt das gepredigte Wort Gottes die Hauptrolle, nicht die Liturgie oder das Abendmahl. Reformation heißt demnach: „wirkliche Erneuerung“ der Kirche. Unsere Aufgabe.

 

nach oben

 

Literatur und Anhang

 

Bibel – Luther-Übersetzung, Stuttgart 1999

Brockes, Detlev – Allein der Glaube. Martin Luther und der Reformationstag, 2008

Butt, Christian – Evangelisch. Was ist das?, Stuttgart 2011

Dennerlein, Norbert – Luthers Kleiner Katechismus – für Leute von heute, Gütersloh 2007

Dieterich, Veit-Jakobus – Martin Luther. Sein Leben und seine Zeit, München 2008 

Hülsmann, Matthias – Konfession: evangelisch. Basiswissen, Gütersloh 2009

Landgraf, Michael – Martin Luther. Ein Bilderbuch zum Selbstgestalten, Stuttgart 2012

Milstein, Werner – Die Entdeckung des Evangeliums. Männer der Reformation, Hamburg 2010

Schilling, Heinz – Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs, 2013

Stahl, Michael – Wie Martin Luther auf den Reformationstag kam, 2010

Veit-Jakobus, Dietrich - Martin Luther: Sein Leben und seine Zeit, 2008

Venzke, Andreas – Luther und die Macht des Wortes, Würzburg 2007

 

 

Hörspiele zum Thema:

Forte, Dieter – Martin Luther und Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung, 3 CDs, audio-Verlag 2003

Martin Luther - Allein aus Glauben: Werk und Leben des Reformators

Luthers Tischreden

 

Filme zu Luther:

Martin Luther I

Martin Luther 1-5 - Paket

Kinofilm

 

im Internet:

http://www.ekd.de/glauben/95_thesen.html  (95 Thesen)

http://www.ekd.de/themen/luther2017.html (Luther 2017)

http://www.kreativerunterricht.de/html/martin_luther.html

http://www.br.de/themen/kultur/inhalt/religion/luther/martin-luther-reformation100.html

http://www.br-online.de/imperia/md/content/bayern/collegerad/religion/29.rtf

http://www.br-online.de/imperia/md/content/bayern/collegerad/ethik/97.rtf

http://gutenberg.spiegel.de/autor/392 (Texte Martin Luthers)

http://www.kirche-entdecken.de/frontend/lutherspiel.php (Lutherspiel - ab 31.10.2013)

http://www.hallo-luther.de/informationen

http://www.martinluther.de/kids/ (Luther für kids)

http://www.projektwerkstatt.de/religion/luther/luther_zitate.html (Luther-Zitate)

http://www.theologe.de/theologe3.htm Widersprüche zwischen Martin Luther und Jesus von Nazareth

 

nach oben

 

Landkarte: Luthers Wirkungsstätten

 

 

nach oben

 

Tabellarische Übersicht

 

Geburt bis Ausbildung

10.11.1483

Geburt von Martin Luther in Eisleben als zweites von neun Kindern

11.11.1483

Taufe von Martin

1488 bis 1497

Mansfelder Stadtschule

1497 bis 1498

Magdeburger Domschule

Ab 1498

Musikalisch-poetische Ausbildung am Franziskanerstift Eisenach. Luther gilt als guter Sänger.

1501

Aufnahme eines Jura-Studiums Universität Erfurt: Grundkenntnisse in Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Studium der Lehre des Aristoteles

Januar 1505

Examen Magister Artium beendet Luthers akademische Grundausbildung

Sommer 1505

Beginn des Jurastudiums

02. Juli 1505

In Todesangst gelobt Martin Luther während eines Gewitters bei Stottern- heim, Mönch zu werden. und tritt wenige Tage später in den Orden der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein. Beginn des Theologiestudiums.

17. Juli 1505

Eintritt in den Orden der Augustiner-Eremiten in Erfurt. Gegen den Willen des Vaters

27. Februar 1507

Weihe zum Diakon

04. April 1507

Priesterweihe

1508

Wird an die Universität Wittenberg (Lehrstuhl für Moralphilosophie) entsandt. Große innere Glaubenskämpfe

März 1509

Oktober

Bakkalaureat in Theologie

zurück in Erfurt; lehrt an der dortigen Universität

1510 / 1511

Romreise. Generalbeichte. Um Sündenvergebung zu erlangen, rutscht Luther auf dem Bauch die Heilige Treppe am Lateran hinauf, zweifelt also noch nicht an der damals üblichen Bußpraxis in Rom. Er klagt aber bereits über den dortigen Sittenverfall.

September 1511

Rückkehr ins Wittenberger Kloster für ein theolog. Doktorat.

1512

Promotion zum Doctor theologiae, erhält den Lehrstuhl „Lectura in Biblia“ an der Universität Wittenberg. Seine Vorlesungen gehen über die Psalmen, den Römerbrief, den Galater­brief und den Hebräerbrief. Insbesondere die Briefe des Paulus sollten Luthers Denkweise prägen.

Frühjahr 1513

Turmerlebnis: Luthers Entdeckung im Frühjahr (nach seiner eigenen Schilderung) in Römer 1,17 – Erlangung der Gerechtigkeit allein durch die Gnade Gottes, nicht durch gute Werke. (Rechtfertigungslehre) – andere Quellen: zwischen 1515-1518

um 1514

Der Rat der Stadt Wittenberg beruft Luther zum Prediger an der Stadtkirche.

 

Stürmische Jahre

Ab 1515

Luther übt erstmals öffentliche Kritik am Petersablass (der Dominikanermönch Johannes Tetzel verkauft Ablassbriefe zugunsten der Fertigstellung des Petersdoms. Damit könne man seine Sünden tilgen und ins Himmelreich gelangen.)

31.10.1517

Luther veröffentlicht seine 95 Thesen wider den Missbrauch des Ablasses. Diese Handlung/dieses Datum steht heute für den Beginn der Reformation.

1518

Luther erklärt in einer in Deutsch verfassten, leicht verständlicher Schrift seine Thesen, seine Popularität beim einfachen Volk wächst. Luther fordert die „Exkommunikation von als Hexen verdächtigten Frauen.“

Im Sommer kommt Philipp Melanchthon als Professoer nach Wittenberg und wird bald Luthers Mitstreiter.

12. – 14. Oktober 1518, Augsburg

Luther wird durch den päpstlichen Gesandten Kardinal Cajetan verhört und weigert sich, seine Schriften zu widerrufen. Wird der Ketzerei bezichtigt.

Nacht des 21.10.1518

Flucht aus Augsburg nach Wittenberg

04. – 14. Juli 1519

Leipziger Disputation: Luther zweifelt öffentlich die Unfehlbarkeit des Papstes und der Konzile an: Er betont, dass das Hören auf die Bibel und die individuelle Gewissensfreiheit mehr bedeuten als autoritative Entscheidungen der Kirche. Dies war faktisch der Bruch mit der katholischen Kirche.

1520

Veröffentlichung weiterer Schriften: „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Bes­serung“. Eine Art politisches Reformprogramm, in dem Luther sich für Bildung von allen ausspricht, nicht nur als Privileg für Klerus. Er fordert die Abschaffung von Zölibat und Kirchenstaat, eine Einschränkung des Zinsnehmens und das Verbot des Bettelns, dafür aber eine geregelte Armenfürsorge.

„Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“. Für Luther gibt es nur zwei Sakramente (Taufe, Abendmahl) und ein sakra­mentales Zeichen (Beichte). Ein Sakrament sei kein göttliches Gnadenmittel sondern ein sichtbares Zeichen göttlicher Verheißung.

15. Juni 1520

Papst erlässt eine Bannandrohungsbulle gegen Luther. Aus dem Zusammenhang gerissene und teilweise verdrehte Sätze Luthers werden ohne Begründung und Widerlegung verdammt. Luther erhält eine Frist von 60 Tagen zur Unterwerfung andernfalls die Androhung zum Kirchenbann (Ausschluss aus der Kirche).

Oktober 1520

In einigen Städten werden die Schriften Luthers auf den Scheiterhaufen geworfen.

Veröffentlichung der Schrift: „Von der Freiheit des Christenmenschen“ – gewidmet Papst Leo. Im Mittelalter galt, dass der Mensch nur durch die Einfügung in die Ordnung und die Erfüllung vielfältiger, von der Kirche definierter formaler Pflichten Teil am Heil Christi erwerben könne. Luther verweist dagegen auf Paulus („Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen“ Gal. 5,13). Der Mensch müsse also im Hier und Jetzt frei sein im Glauben.

10. Dezember 1520

Unter dem Jubel seiner Wittenberger Freunde verbrennt Luther die Bannan­drohungsbulle des Papstes und bezeichnet den Papst als „Antichrist“

Ende 1520

Dank der Erfindung des Buchdrucks waren bereits 81 Einzelschriften und Schriftsammlungen Luthers erschienen, vielfach in andere Sprachen übersetzt, in insgesamt 653 Auflagen.

03. Januar 1521

Der Kirchenbann tritt in Kraft.

17. bis 18. April 1521

Wormser Reichstag: Luther verweigert den Widerruf seiner Schriften. Mit dem Wormser Edikt ver­hängt Kaiser Karl V. die Reichsacht über Luther.

04. Mai 1521

Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise lässt Martin Luther zu seiner Si­cherheit „entführen“.

Mai 1521 bis

März 1522

Unter dem Namen „Junker Jörg“ hält sich Martin Luther auf der Wartburg bei Eisenach versteckt.

Herbst 1521

Übersetzung des neuen Testaments von Latein ins Deutsche

Drei Priester heiraten demonstrativ.

1522

Veröffentlichung der deutschen Übersetzung des neuen Testaments

06. März 1522

Luther kehrt aus der Verbannung nach Wittenberg zurück. In einer mehrtägigen Predigtreihe beendet Luther die Unruhen und den Bildersturm in der Stadt Wittenberg. (Invokavitpredigten).

 

Schriften & Lehren; Familie

1522 – 1524

Luther führt viele Predigtreisen in Mitteldeutschland durch, sogar in Erfurt und Wismar

1523

Luther übersetzt den ersten Teil des Alten Testaments

Der Reformationsgedanke verbreitet sich: Einige Nonnen und Mönche treten aus ihren Klöstern aus.

1523

Erste lateinische Messordnung „Form ula Missae et Communionis pro ecclesia Wittenbergensi“

1523

Luther verfasst die Schrift „Dass Jesus ein geborener Jude sei“. Luther schließt Gewalt gegen Juden aus, da auch Jesus aus Gottes Volk stammt. Er hofft aber, dass die Juden sich „besser“ bekehren ließen, wenn die Reforma­tion sich erst durchgesetzt habe.

1524

Veröffentlichung der Lutherchoräle mit Eigenkompositionen Luthers Kirchenmusik entwickelt sich zu einem wichtigen Bestandteil des re­formatorischen Gottesdienstes und prägt nachhaltig die Geschichte des geistli­chen Liedes auf dem europäischen Kontinent.

1524

Erscheinung des Wittenberger Gesangbuches. In der Vorrede unterstreicht Luther die Bedeutung der Musik für die reformato­rische Bewegung. Damit stellt er sich gegen ein streng innerlich-geistiges Glau­bensverständnis, nach dem der Mensch auf alles Äußerliche, also auch auf Kunst und Musik verzichten soll.

1524

Auseinandersetzungen mit radikaleren Reformern, insbesondere Andreas Karlstadt und Thomas Müntzer.

09. Oktober 1524

Luther gibt seine Lebensform als Mönch auf. Eine konsequente Handlung, da Luther die Auflösung der Klöster verlangt.

1524 – 1526

Großer Bauernkrieg. Luther unterscheidet den „weltlichen“ vom „geistlichen“ Bereich und lehnt die unmittelbare Verwendung der Bibel für politische Ziele strikt ab. Man könne nicht „mit Gewalt und Mord für das Evangelium streiten“. Er bemüht sich daher zunächst um eine gütliche Einigung und ein abgewogenes Urteil. In einer Flug­schrift greift er einige berechtigte Forderungen der Bauern auf und weist so­wohl sie als auch die Fürsten zurecht.

ca. 1525

Schrift: „Wider die mörderischen Rotten der Bauern“. Nach dem Mord an einem Grafen und seinen Begleitern verdammt Luther die Bauernaufstände als „Werk des Teufels“ und fordert die Fürsten zur gewaltvol­len Niederschlagung auf.

Er distanziert sich von der bäuerlichen Auslegung sei­ner Schrift „Von der Freiheit des Christen­menschen“.

1525

Auswanderungsempfehlung an Andersgläubige. In den Augen Luthers ist das Nebeneinander verschiedener Konfessionen innerhalb einer Region nicht möglich.

1525

Luther bittet den sächsischen Kurfürst um Überprüfung des Klerus auf Glaubenstreue und Amtsführung im Sinne des Evangeliums. In evangelischen Gebieten wurde diese Überprüfung bald zur Regel und damit Grundlage der Entwicklung konfessio­neller Landeskirchen.

13. Juni 1525

Heirat mit der Nonne Katharina von Bora, Trauzeuge ist Lucas Cranach d. Ä. Die Heirat entspricht Luthers Lehre, dass die Ehe kein Sakrament sei. Auch lehnt Luther den Zölibat ab. Lucas Cranach d. Ä. ist ein enger Freund Martin Luthers. Seine Gemälde dienen später vielen Künstlern als Vorlage für ihre Luther-Bilder.

29. Oktober 1525

Luther hält in Wittenberg die erste Messe in deutscher Sprache

1526

Schrift: „Deutsche Messe und Ordnung Gottesdiensts“. Luther fordert u. a. die Einführung deutschsprachiger Gemeindelieder, wobei „die Musik aber den Erfordernissen der deutschen Sprache ange­passt werden solle“. Er selbst schreibt im Laufe seines Lebens zahlreiche Liedtexte, zu mindestens 20 Liedern auch die Melodie.

Frühjahr 1526

In einer Predigtreihe fordert Luther die Tötung von Hexen, „nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben“

07. Juni 1526

Geburt des ältesten Sohnes Johannes († 27.10.1575 in Königsberg)

1527

Schrift: „Von der Wiedertaufe an zween Pfarrherrn“. Luther distanziert sich zwar von der reformatorischen Täuferbewegung mit ihrer Forderung nach einer Bekenntnistaufe, kritisiert aber mit den Worten „Man soll einen jeglichen lassen glauben, was er will“ zugleich die bereits begonnene Verfolgung der Bewegung.

10. Dezember 1527

Geburt der ältesten Tochter Elisabeth († 03.08.1528 in Wittenberg)

1528

Schrift: „Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis“. Für Luther ist das Abendmahl das tiefste Erlebnis der sichtbar geworde­nen Gnade Gottes, denn in der Einsetzung des Abendmahls komme es zu „Leibsbrot“ und „Blutswein“. Auseinandersetzung zwischen Luther und Ulrich Zwingli ums Abendmahl.

19. April 1529

Protestation zu Speyer. Evangelische Stände fordern beim zweiten Reichstag zu Speyer die Auf­hebung der Reichsacht über Martin Luther und die Anerkennung seiner Schriften und Lehre. Sie protestieren gegen die erneute Inkraftsetzung des Wormser Edikts (Beginn der Bezeichnung als „Protestanten“).

1529

Der Große und Kleine Katechismus werden veröffentlicht.

04. Mai 1529

Geburt von Magdalena († 20.09.1542 in Wittenberg)

Oktober 1529

Marburger Religionsgespräche. Luther setzt sich direkt mit seinem Kontrahenten Ulrich Zwingli über das Verständnis des Abendmahls auseinander. Nach Luthers Verständnis ist Christus im Augenblick der Einsetzung tatsächlich anwesend.

Juni 1530

Reichstag in Augsburg. Anhänger der Reformation bemühen sich um die reichsrechtliche Aner­kennung des protestantischen Glaubens. Als Geächteter kann Luther selbst sie nur von der Veste Coburg (Frühjahr bis Herbst) aus unterstützen.

25. Juni 1530

Melanchton verliest ein erstes öffentliches Bekenntnis zum Protestantismus (confessio augutana)

01. Oktober 1530

Brief an Ludwig Senfl, Komponist: „Allein die Musik vermag, was nur die Theologie sonst verschafft, näm­lich die Ruhe und ein fröhliches Gemüte.“ Dabei bezieht er sich auf die praktische Ausübung der Musik, weshalb Musik „unabdingbarer Be­standteil der schulischen und universitären Ausbildung“ werden und „je­der Schulmeister und Pfarrer singen können“ müsse.

 

Der „späte“ Luther

ab Ende 1530

Luther tritt nur noch als Seelsorger und Publizist auf. Luthers letzte Jahre sind gezeichnet von schweren körperlichen und see­lischen Leiden. Er ist enttäuscht über die eigene Gemeinde, die evangeli­sche Kirche und sieht die Reformation der gesamten Kirche gescheitert.

1531

Zusammen mit Melanchthon unterschreibt Luther ein Gutachten, das sich ausdrücklich für die Todesstrafe für Täufer ausspricht. Luther unterstützt die staatliche Verfolgung der Täuferbewegung auf­grund des von ihnen geschürten Aufruhrs, aber nicht wegen ihres abwei­chenden Glaubens.

1531

Militärisches Schutzbündnis der Lutherischen unter Führung Kursachsens und Hessens: Schmalkaldischer Bund.

07. November 1531

Geburt von Martin († 04.03.1565 in Wittenberg)

1532

Nürnberger Religionsfrieden (befristetes Friedensabkommen zwischen Kaiser Karl V. und den Protestanten)

28. Januar 1533

Geburt von Paul, Mediziner († 08.03.1593 in Leipzig)

1534

Luther übersetzt den letzten Teil des Alten Testaments. Mit der fertig gestellten Gesamtausgabe der Luther-Bibel erhält auch das einfache Volk Zugang zu Bibeltexten.

17. Dezember 1534

Geburt von Margarethe († 1570 in Mühlhausen, Ostpreußen)

1535 – 1545

Luthers Vorlesungen an der Universität Wittenberg beziehen sich fast ausschließlich auf die Schöpfungsgeschichte

1537

Schmalkaldische Artikel“, eine Art „geistliches Testament“

Zur Vorbereitung auf ein Konzil legt Luther für Fürsten und Städte des „Schmalkaldischen Bundes“ sein Glaubensbekenntnis schriftlich dar.

1538

„Brief wider die Sabbather an einen guten Freund.“. Luther äußert sich enttäuscht darüber, dass die Juden sich auch nach der Reformation nicht bekennen lassen.

1542

Luther hat mit vielen körperlichen Leiden zu kämpfen. Der Tod seiner Tochter Magdalena trifft ihn schwer.

1543

Schrift: „Von den Juden und ihren Lügen“. Unter „Lügen“ versteht Luther den jüdischen Glauben. Um diesen einzu­dämmen verlangt er von den Fürsten Unterdrückung und letztlich die Vertreibung aller Juden, was diese aber nicht taten.

1544

Schrift: „Vom Schem Ha Mphoras und vom Geschlechte Christi“: Luther setzt die Juden dem Teufel gleich und diffamiert sie in obszöner Sprache.

1544

In Torgau wird die erste neugebaute protestantische Kirche eingeweiht. Evangelischer Gottesdienst wurde schon seit 1521 in Wittenberg gefeiert.

1545

Schrift: „Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet“. „Die Christenheit hat kein Haupt, kann auch keines mehr haben als den einzigen Sohn Gottes, Jesus Christus.“ Damit fordert Luther nochmals „die Befreiung von der Tyrannei des Papstes“.

17. Januar 1546

Zur Schlichtung eines Streites des Grafen von Mansfeld reist Luther über Halle nach Eisleben.

18. Februar 1546

Luther stirbt in Eisleben

22. Februar 1546

Beisetzung in der Schlosskirche zu Wittenberg.

1546/47

 

Im Schmalkaldischen Krieg besiegt der Kaiser die Protestanten.

1555

Im Augsburger Religionsfrieden werden die Lutheraner (Anhänger der „Augsburger Konfession“) als gleichberechtigte Kon­fess­ion neben den Altgläubigen (Römisch-katholischen) anerkannt: Der Landesherr entscheidet über die Konfession seiner Untertanen (cuius regio, eius religio = wessen Gebiet, dessen Religion).

 

nach oben