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Jesus von Nazareth - Versuch einer Biographie

Einleitung

Eine Biographie. Ein Versuch? Warum ein Versuch – es gibt doch schon so viele? Und dennoch wird immer wieder Vieles durcheinander geworfen: Die historischen Fakten, die Geschichten und Legenden, die nachösterlichen Überzeugungen und Glaubensinhalte. Im Folgenden soll das ein bisschen getrennt werden, auch wenn es nicht immer zu trennen ist.

Die Quellen zu der Lebensgeschichte sind begrenzt – es sind zum großen Teil die vier Evangelien und die Paulusbriefe, sprich: das Neue Testament. Dieses ist aber zugleich die Quelle für die Glaubensinhalte der christlichen Kirchen – und damit vermengen sich schon diese beiden Inhalte und lassen sich manchmal nur schwer voneinander trennen. Zusammen mit der historischen Jesusforschung wird es jedoch etwas klarer.

Den historischen Jesus kannte nach heutiger Forschungsmeinung wahrscheinlich keiner der Autoren des Neuen Testaments. Die Paulusbriefe (entstanden 50–60) sind die ältesten urchristlichen Schriften. Ihr Autor erklärt sich zum Augenzeugen des auferstandenen Jesus, den er vorher nicht gekannt habe. Die Paulusbriefe enthalten einige Worte Jesu und biografische Details, aber keine Berichte von seinem irdischen Wirken.

Das Neue Testament ist als Glaubensdokument der Urchristen zugleich die wichtigste Quelle der historischen Jesusforschung. Danach hat Jesus Nachfolger berufen, den Juden seiner Zeit das nahe Reich Gottes verkündet und sein Volk darum zur Umkehr aufgerufen. Seine Anhänger verkündeten ihn nach seinem Tod als Jesus Christus, den Messias und Sohn Gottes. Daraus entstand eine neue Weltreligion, das Christentum. Auch außerhalb des Christentums wurde Jesus bedeutsam.

 

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Die Biographie

Die Zeit Jesu

  • 4 v. Chr. starb Herodes der Große (Bericht auch in der Bibel); Jesus ist wohl zur Zeit des Herodes geboren, also vor der neuen Zeitrechnung.
  • Palästina, die Heimstadt des jüdischen Volkes, nur ein kleines, wirtschaftliches schwaches Land weit im Osten des Römischen Reiches. (63 v. Chr. von den Römern erobert worden (Judäa, die Provinz um Jerusalem, stand unter direkter römischer Verwaltung)
  • Galiläa, die Provinz, in der Nazareth liegt, regierte der jüdische König Herodes Antipas (ein Sohn Herodes des Großen – von den Römern abhängig) => Region war ein ständiger Unruheherd (gewaltsame Auseinandersetzung waren an der Tagesordnung – Hinrichtungen oder Anschläge waren nicht selten) => Juden hassten die Römer als Besatzer und Gottlose bzw. Heiden. Manche haben mit den Römern aufgrund des Machterhaltes mit den Römern zusammengearbeitet (Sadduzäer), aber auch militante Gruppen wie die Zeloten

=> messianische Gestalten und volkstümlichen Könige, die Aufruhr versuchen anzuzetteln, um die Übermacht zu beseitigen / zu bekämpfen. Diese werden blutig niedergeschlagen. Es kommt zu einer Steuerverweigerungsbewegung (Judas Galilaios): Nur Gott steht im Zentrum, daher ist es euch verboten, dem Kaiser Steuern zu zahlen.

  • Israel und seine Geschichte (Versklavung, Unterwerfung, Fremdherrschaft) ist ein geprüftes, weil auserwähltes Volk. Die Blütezeit lag lange zurück, 1000 v. Chr. mit König David, der die Stämme Israels in ein Großreich geeint hatte => Seit dieser Zeit ist Jerusalem Davids Stadt mit der Bundeslade und den Gesetzestafeln als Zeichen der Gegenwart Gottes.
  • In Erinnerung an diese Glanzzeiten sehnten sich die Israeliten nach Erlösung und nach einem neuen König mitsamt einem neuen Reich. Ein neuer Messias wurde erwartet, von Gott selbst eingesetzt, der Israel von den Römern befreit und alle Feinde zerschmettert.
  • Teile des Judentums erwarteten politisch einen nationalen Messias aus dem Stamm David; Zwischen dem 2. Jh. vor und dem 2. Jh. nach Christus gab es große messianische Visionen und Vorzeichen (wachsende Probleme der Gegenwart = Wehen der Zukunft) => Gott würde dies richten
  • Im Jordanland – an der Ostseite des Jordans (Regierungsland von Tiberius und des Herodes Antipas) predigte ein Asket, der Ähnlichkeiten mit Propheten Elia hat (von ihm glaubte man, er wäre der Vorläufer des Messias): Johannes der Täufer – Rufer der Wüste, Umkehr der Menschen zu Gott gepredigt – Buße, bald hereinbrechendes Gericht => Bußbewegung: Getaufte hofften, durch Buße und Taufe dem Zorn Gottes beim herannahenden Weltgericht zu entrinnen; denn dieses so Johannes, stand unmittelbar bevor.
  • Johannes predigte nicht nur Umkehr, er übte auch Kritik an den bestehenden Verhältnissen (Oberschicht) Johannes war die traditionalistische und fundamentalistische Stimme der alten jüdischen Werte und Normen => deshalb wurde er wohl auch von Herodes Antipas gefangen gesetzt und hingerichtet.
  • mindestens einmal pilgerte Jesus wie viele Juden (hunderttausende) nach Jerusalem zum Passahfest (Fest, welches an die Errettung der Juden aus ägyptischer Knechtschaft erinnerte, stellt die Hoffnung dar, dass diese Errettung auch von den Römern gelingen könnte.). Eine Woche vorher (wg. der Reinigungsriten) Gewöhnlich kam auch der römische Prokurator von Cisarea mit viel Militär nach Jerusalem (Pilatus), denn es war gerade zum Passahfest mit Unruhen und Aufständen zu rechnen.

 

Lebensdaten

Eines steht fest: Jesus existierte und lebte tatsächlich. Er war Galiläer. Neben den Evangelien wird er auch noch beim jüdischen Historiker Flavius Josephus zweimal erwähnt in seinen Antiquitates Judaicae (um 93/94). Sein vermutlich authentischer Kern beschreibt Jesus als von vornehmen Juden angeklagten, von Pilatus zum Kreuzestod verurteilten Weisheitslehrer für Juden und Nichtjuden, dessen Anhänger ihm treu geblieben seien.

Jesus (aramäisch: Jeschua, „Gott hilft”) ist demnach gegen 6 v. Chr. in Nazareth und nicht in Bethlehem (s. Legenden) geboren und  in einer Handwerkerfamilie aufgewachsen. Er war das älteste Kind von Maria und Josef und hatte noch mindestens 6 weitere Geschwister (Jakobus, Joses, Judas, Simon – und mindestens zwei namentlich nicht bekannte Schwestern).

Darüber hinaus ist über seine Kindheit nicht viel zu erfahren, möglicherweise war er im Alter von 12 Jahren mit seinen Eltern in Jerusalem (Bar Mizwa). Es kann davon ausgegangen werden, dass Jesus ein (belesener) Kenner des Judentums war.

Ein entscheidender Wendepunkt trat im Alter von ungefähr 30 Jahren ein: Er begegnete Johannes den Täufer, einem Verwandten von Jesus. Im Jahre 27/28 trat Johannes der Täufer an die Öffentlichkeit, rief zur Bußtaufe im Jordan auf. Auch Jesus gesellte sich zu seinen Anhängern: Glauben und Gehorsam trieben ihn zu Johannes in die Wüste – nicht das Wissen um das eigene Auserwähltsein. Jesus ordnet sich mit der Taufaktion Johannes dem Täufer unter – da aber eigentlich im urchristlichen Sinne Jesus über Johannes stehen sollte, könnte dies ein Anhaltspunkt der historischen Echtheit sein. Die spätere Überordnung Jesu geht auf spätere christliche Interpretation zurück.

Anfangs war Jesus eine Zeitlang sein Jünger, später gab es deutliche Unterschiede und sie gingen getrennte Wege: Jesus zog sich nicht asketisch in die Wüste zurück wie Johannes, sondern suchte die Menschen in den Städten und Dörfern auf, unter denen Kafarnaum am See Genezareth besonders herausragt. Jesus begann nun selbst, als Wanderprediger aufzutreten. Zuvor zog Jesus sich aber noch 40 Tage in die Wüste zurück, um sich seiner eigenen Einstellungen gewiss zu werden.

Johannes war ein Asket, während Jesus später als „Fresser und Weinsäufer unter Zöllner und Sündern“ betitelt wurde. Er galt als lebensbejahender Mensch, war auch nicht in der Wüste, um die Menschen zu sich kommen zu lassen, sondern umgekehrt er ging zu den Leuten hin.

Das Nordufer des Sees Genezareth in Galiläa ist das Zentrum des Wirkens Jesu. Jesus predigt wahrscheinlich nur etwa ein bis maximal drei Jahre lang. Er zieht durch einen Teil Galiläas, markiert durch die Städte Kapernaum-Bethsaida-Chorazim, ein Dreieck am See Genezareth, das in vier bis fünf Stunden umwandert werden kann. In dieser winzigen Region predigt er; hier erzählt er die Gleichnisse; hier finden, wenn überhaupt, die Wunder statt. In Kapernaum sammelte er die ersten Jünger – dort war das Haus des Petrus – möglicherweise war dort auch die Basis der ausgehende Wandertätigkeit. Seferus und Tiberias sind die größten Städte Galiläas – sie werden jedoch nie erwähnt; Jesus hat sich also auf dem Land bewegt. Wie lange Jesus gewirkt hat, weiß man nicht genau. Er hatte womöglich eine kleine Schar Anhänger, die mit ihm gingen. Er wirkte vor allem bei kleinen Leuten (Bauern, Fischer, Handwerker, Tagelöhner, Frauen und Kinder) und Verachteten, die ihm auch zuhörten.

 

Jesu Anliegen und Wirken

Von Jesus gibt es überlieferte Worte: Das wann, wo und die Reihenfolge der Jesusworte standen nicht wirklich fest – die Spruch- und Logienquelle mit den enthaltenen Reden Jesu ist als historisches Werk nicht mehr erhalten. Und die Urtexte gibt es nur noch als Abschriften von den Abschriften von den Abschriften.

Jesus ist prophetisch auftretend, das Reich Gottes verkündigend, und dabei auch in Konflikt mit den Römern geraten, das passt auch gut in die damalige Zeit. Er war eine charismatische Gestalt – ähnlich wie andere auch – und es gibt wenig Zweifel, dass er so aufgetreten ist.

Im Gegensatz zur drohenden Gerichtsankündigung des Johannes des Täufers betonte Jesus die befreiende, heilvolle Dimension der nahegekommenen Gottesherrschaft, die er durch sein Wirken greifbar werden ließ. Er war ein wortgewaltiger Redner, der nicht philosophisch abstrakt redete, sondern bilderreich, lebensnah und packend gerade das einfache Volk ansprach, das ihn als großen Propheten verehrte.

Er vertiefte die Forderungen des Alten Testaments. Zentrum seines Redens und Handelns war sein Gottesverständnis: Gott als den menschenfreundlichen, liebenden Vater, der Barmherzigkeit über Gerechtigkeit stellt und der die Menschen über Sünde und Tod hinaus liebt. Sich selbst wusste er in engster Gemeinschaft und Handlungseinheit mit diesem Gott, von ihm wusste er sich gesandt, in seinem Namen und an seiner Statt vergab er Sünden, kritisierte er die höchsten religiösen Autoritäten, hielt er mit Verachteten und Sündern Tisch- und Lebensgemeinschaft. Aber eines steht auch fest: Jesus war Jude und wollte Jude bleiben; es war nicht seine Absicht, eine neue Religion zu gründen (vielleicht genauso wenig, wie Martin Luther eine neue Konfession gründen wollte.)

Jesus brachte keine neue Gotteslehre, sondern glaubte mit Israel an Gott (den Schöpfer, Gesetzgeber, Herrn und Richter), dessen Anspruch und Verheißung er unbedingt zur Geltung brachte. Er verkündete die unmittelbar bevorstehende Gottesherrschaft und rief zum radikalen Lebenswandel auf, wobei er Nächstenliebe und die uneingeschränkte Liebe Gottes zu allen Menschen, auch zu den gesellschaftlichen Außenseitern (z. B. Zöllnern oder Aussätzigen), predigte. Jesus beanspruchte für sich, den Willen Gottes aus eigener Erfahrung und Autorität zu kennen, ihn auszulegen („Ich aber sage euch ...“) und an seiner statt Sünden zu vergeben. Glaube war für Jesus vor allem Vertrauen in die unermessliche Gnade Gottes.

Sein Hauptanliegen war die Verkündigung des Reich Gottes. Die Bergpredigt gilt als die kompaktesten Forderungen Jesu; sie ist allerdings eine literarische Komposition – bestehend aus

  • den Worten Jesu und
  • frühen Vorstellungen der ersten christlichen Gemeinden und
  • eigenen Äußerungen der Evangelisten)

Es ist eine Botschaft an die Armen (Seligpreisungen) => besondere Zuwendung Gottes, weil ihnen ein Stück Lebensrecht entzogen wird => Anspruch / Auftakt zur Veränderung. Die Feindesliebe ist die entscheidende Botschaft Jesu. (vgl. auch EKDs: Die Bergpredigt) Aber nicht nur an die Armen, denn ohne die Änderungsbereitschaft/Umkehr der Reichen, Etablierten ändert sich nichts für die Armen!

Jesus predigte ihnen das Reich Gottes und damit nicht das nationalistische Reich, welches viele Juden herbeisehnten. Herrschaft ist vieldeutig und durch Gleichnisse und Bilder umrissen (mal realisiert, mal im Prozess der Verwirklichung befindlich, mal bricht es heran, wenn Jesus wiederkommen wird => Das sollte aber in nicht allzu weiter Ferne liegen, denn Paulus und die Urkirche haben mit seiner Wiederkunft zu ihrer Lebzeiten gerechnet).

Die Verkündigung Jesu gestaltete sich durch charakteristische Gleichnisse, die das nahe Kommen von Gottes Reich anschaulich in Aussicht stellten. Durch eine Reihe von Wunderhandlungen unterstrich der Nazarener auf öffentlichkeitswirksame Weise die Authentizität seiner Person und Botschaft. Von Historikerseite werden die meisten Wunder allerdings der Ausschmückung und Phantasie nachkommender Quellenverfasser zugeschrieben. Als historisch gesichert gelten die „Dämonenaustreibungen“.

Die Botschaft Jesu besaß nicht nur eine religiöse, sondern auch eine soziale Sprengkraft.

 

Kreuzigung

Dass Jesus nicht der friedliche Wanderprediger gewesen sein kann ..., geht aus Textstellen und aus den Ereignissen selbst hervor. Seine Vorstellung von der Gottesherrschaft hatte auch politische Auswirkungen: Die Herrschaft der Römer wurde infrage gestellt. In Galiläa Kranke heilen ist relativ ungefährlich. In Jerusalem dagegen – kurz vor dem Passahfest und vielen gefährlichen Auseinandersetzungen mit großer Militärpräsenz überwacht – provoziert er (im Tempel) mit seiner Gottesherrschaft das Eingreifen der Römer: Jesus erregte Aufmerksamkeit, da er in einer kleinen Ecke des Tempels randalierte (von der Räuberhöhle ein Bethaus machen). Der Tempel sollte bereit gemacht werden für die Ankunft Gottes, die unmittelbar bevorstand. Jesus hielt sich nicht für Gottes Sohn, aber für einen Repräsentanten Gottes: Sein Selbstverständnis war: Wenn ich heile, dann ist die Gottesherrschaft beim Menschen angekommen. Für Juden war für diese Gottes-Reich-Erwartung eine große Provokation. Also zogen die jüdischen Oberen Jesus am besten selbst aus dem Verkehr! Möglicherweise konnte Jesus dies ahnen und hat ein letztes Abendmahl mit seinen Vorahnungen verknüpft und die „Nachfolge“ angerissen.

Da Jesus damit in Konflikt zu den Bestimmungen der rabbinischen Gelehrten und der Hohen Priester geriet, machte ihn in den Augen der römischen Verwaltung zu einem Unruhestifter und Aufrührer. Als solcher wurde er wahrscheinlich in der Zeit des Passahfestes zum Tod am Kreuz verurteilt (30 oder 31 n. Chr.)

Für Pilatus waren die religiösen Vorwürfe unerheblich – für ihn war entscheidend, ob Jesus einen politischen Macht­anspruch geltend gemacht hat. („Bist du der König der Juden?“ => Hochverrat). Die Erwartung im Volk, dass Jesus der neue König sein wird, wurde ihm möglicherweise zum Verhängnis!

Eine Kreuzigung war die römische Todesstrafe für Sklaven und Aufrührer mit entehrendem Charakter und durfte nicht an römischen Bürgern vollzogen werden. Gleichzeitig war sie eine der grausamsten Hinrichtungsarten. Die Atem­muskulatur versagte und der Tod trat durch Ersticken ein.

 

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So könnte es gewesen sein

Mit dem Angriff auf die Tempelhändler besiegelt Jesus endgültig sein Schicksal – nicht etwa mit seiner Lehre, nicht mit der Bergpredigt und der Erweckung von Toten, nicht mit Gleichnissen und der provozierenden Ablehnung von vielen althergebrachten Bräuchen. Erst mit diesem Akt kaum 48 Stunden vor Beginn des Passahfestes macht er sich den Hohepriester Kaiphas zum Todfeind. Hätte er diese eine Provokation unterlassen, Jesus wäre vielleicht nie gekreuzigt worden – und seine Lehre, sein Wirken, seine Person wären möglicherweise längst vergessen.

Nach dem Affront im Tempel wird es wohl Kaiphas sein, der Jesus ausschalten will, denn diese Aktion richtet sich direkt gegen ihn. Todesurteile aber kann nur Pilatus verkünden. Wieso Jesus nicht sofort verhaftet wird – schließlich bewachen Trupps der jüdischen Tempelpolizei das Heiligtum –, ist nicht klar. Möglicherweise kann er im Durcheinander entkommen, möglicherweise zögert Kaiphas, ihn in aller Öffentlichkeit zu verhaften, weil er in der erhitzten Atmosphäre Jerusalems einen Aufstand befürchtet.

Andererseits muss Jesus seit dieser Tat klar sein, dass ihm der Tod droht. Im Gasthof von Bethanien, in dessen Obergeschoss er mit seinen Jüngern das letzte Mahl einnimmt, spricht er Worte, die der Theologe Jürgen Roloff die „am häufigsten wiederholten, am meisten umrätselten und am dichtesten interpretierten der Menschheitsgeschichte“ genannt hat. Was Jesus wirklich erzählt, was er prophezeit oder angeordnet haben mag, lässt sich nicht mehr im Detail klären – zu dicht, zu sehr von späteren Interessen geleitet sind die Übermalungen, die eingefügten Texte der Evangelisten.

Klar scheint nur zu sein, dass Jesus im Angesicht des Todes seine Jünger auf einen Bund einschwört und ihnen die baldige Herrschaft Gottes voraussagt. Klar ist zudem, dass Jesus nicht einen Augenblick daran denkt, nach Galiläa zurückzukehren und dort abzuwarten, bis sich die Aufregung in Jerusalem gelegt hat. Stattdessen geht er noch einmal in den Garten Gethsemane im Kidrontal östlich des Tempels, um zu beten. Dort wird er von einem Trupp der Tempelpolizei verhaftet. Es ist Mitternacht. Noch 15 Stunden.

Vielleicht ist Verrat im Spiel. Vielleicht hat Judas ihn tatsächlich an den Hohepriester für 30 Silberlinge verkauft oder aus Enttäuschung verraten. Vielleicht sind dessen Dienste notwendig gewesen, damit die Tempelpolizei weiß, wo sie Jesus zu suchen hat; vielleicht sogar, wen sie suchen muss: Ist der Judaskuss nicht ein Indiz dafür, dass Jesus selbst jetzt noch bei den Menschen von Jerusalem so unbekannt ist, dass man Helfer braucht, um ihn zu identifizieren?

Der Gefangene wird sofort zu Kaiphas geschleppt, entweder zum Anwesen des Hohepriesters in der Oberstadt oder zum Versammlungshaus des Synhedrions in der Nähe des Xystos-Platzes. Hier warten Kaiphas und zumindest ein Teil des 71 Köpfe zählenden Synhedrions[1] – des jüdischen Hohen Rates aus Priestern, Adeligen und Gelehrten, der beherrscht ist von Sadduzäern, auch wenn einige Pharisäer dazugehören.

 

Kaiphas muss die Affäre schnell hinter sich bringen. Wenn am Abend dieses gerade angebrochenen Tages Posaunen erschallen, werden sie den Beginn des Sabbats anzeigen – und den Beginn des Passahfestes. Hinrichtungen gelten danach als kultisch unrein. Doch das Synhedrion darf in Kapitalverbrechen keine Urteile sprechen. Also lässt der Hohepriester eine Anklageschrift vorbereiten. Diesem Ziel allein dient das Verhör, in dem Jesus dazu gebracht wird, sich als Messias zu bekennen oder zumindest nicht zu leugnen, dass er es sei.

Ein paar Stunden später wird er von der Tempelpolizei vermutlich zum Herodes-Palast am heutigen Jaffa-Tor geschleppt, wo Pilatus residiert. Der Vorwurf in der Anklageschrift ist nicht religiöser, sondern politischer Natur: Aufruhr gegen Rom.

Die römischen Magistrate sitzen meist am frühen Morgen zu Gericht. Also wird auch Jesus wohl schon beim ersten Dämmerlicht gefesselt vor Pilatus stehen – wahrscheinlich auf dem Vorplatz des Palastes, in dem Pilatus auf dem bema sitzt, dem Richterstuhl. Römische Bürger können gegenüber den Urteilen von Magistraten beim Kaiser appellieren, für die Untertanen ohne dieses Privileg dagegen ist die erste zugleich die letzte Instanz. Auch für Jesus.

 

Die Evangelisten, die als Einzige über diesen Tag berichten, haben später den Prozess aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer klaren Intention wiedergegeben: Pilatus wird da als zögernder Richter gezeichnet, der seine Hände in Unschuld wäscht, der Jesus gar am liebsten per Amnestie freigelassen hätte. Und es seien „die Juden“ gewesen, die auf dem Todesurteil bestanden hätten.

Doch so ist es wahrscheinlich nicht gewesen. Denn als Markus und dessen Nachfolger ihre Texte schrieben, hatten sich die Christen gerade vom Judentum gelöst und waren zu dessen Gegnern geworden, während sie zugleich eifrig neue Anhänger unter den Heiden warben – also auch unter den Römern, ebenjenen, die Jesus letztlich auf die Richtstätte gebracht hatten.

Tatsächlich wird Pilatus, wie unzählige Male davor und danach, auch diesmal im wahrsten Sinne des Wortes kurzen Prozess gemacht haben. Er spricht Jesus wohl der seditio (des Aufruhrs) oder der perduellio (des schweren Landfriedensbruches) schuldig. In jedem Fall wird der letzte Satz, den Jesus von Pilatus vernimmt, die Formel gewesen sein: „Du wirst das Kreuz besteigen.“

Jesus wird danach sofort, wie es römischer Brauch ist, von den Soldaten des Exekutionskommandos abgeführt. Sie dürfen seine Kleidung behalten; sie verspotten den Verurteilten; sie geißeln ihn mit einem Lederriemen, der mit Knochenstücken, Stacheln oder Bleiklumpen bestückt ist und tiefe Wunden reißt.

Blutüberströmt und nackt wird er anschließend, mit zwei weiteren Verurteilten, durch die Gassen Jerusalems getrieben. Er trägt den Kreuzbalken. Vor ihm hat ein Soldat den titulus aufgepflanzt, jenes Schild, auf dem das Verbrechen des Delinquenten verkündet wird: INRI, „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Vom Palast wird es wohl durch die Oberstadt gehen, hinaus am Gennath-Tor beim Hippikus-Turm, bis nach Golgatha, der „Schädelstätte“ – einer Hügelkuppe inmitten eines alten Steinbruchs nördlich der Stadt.

Hinrichtungen sind Spektakel, an denen das Volk mit wollüstigem Schrecken teilnimmt – es gibt kein Indiz dafür, dass es diesmal anders gewesen sein könnte. Anhänger wird Jesus kaum gesehen haben. Wenige Frauen sind bei ihm, stehen zumindest später in der Nähe des Kreuzes, unter ihnen Maria Magdalena. Die Jünger aber sind alle geflohen. (Und es bleibt ein Rätsel, warum Pilatus und Kaiphas, da sie Unruhen befürchten, nicht auch diese rechtzeitig verhaften und exekutieren lassen.) Es ist, berichtet Markus, etwa 9 Uhr morgens, als Jesus ans Kreuz genagelt wird.

 

Auferstehung

Die Ereignisse nach der Hinrichtung – Ostern im Neuen Testament – sind das eigentliche Mysterium des christlichen Glaubens: Der Glaube an die Auferstehung unterscheidet den Christen vom Nichtchristen. Auferstehung ist der Kern des Glaubensbekenntnisses. Hier treffen das irdische und das göttliche aufeinander: der Sieg über den Tod. Der Überschlag vom Wissen zum Glauben, von der Historie zur Religion, vom historischen Jesus zum Christus, dem Gesalbten.

Seine Jünger blieben unbehelligt und kehrten nach Galiläa zurück. Nach Berichten des Neuen Testaments wurden sie Zeugen seiner Auferstehung und der Himmelfahrt. Zwölf von ihnen, als Versinnbildlichung des Gläubigwerdens der 12 Stämme Israels, waren von Jesus zur Verkündung seiner Lehre auserwählt worden (Apostel).

Auch die historische Forschung ist der Meinung, dass die verschiedenen Erscheinungsformen die eigentliche Grundlage des Osterglaubens sind. Beweisen lässt es sich nicht, es bleibt auch hier etwas Unerklärliches. (Emmausjünger: Auch sie haben Jesus nicht eindeutig erkannt, sondern handelten später im Glauben, dass er es gewesen sei)

 

[1] Synhedrion oder Synedrium (etwa: Gemeinschaft Zusammensitzender / Sitzung) bezeichnete ein antikes griechisches Beratungs- und Beschlussgremium (Ratsversammlung).

 

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Die Legenden

Neben den relativ gesicherten Überlieferungen existieren viele kerygmatische Glaubenserzählungen. Der Übergang ist fließend. Alle schriftlichen Aufzeichnungen über Jesus waren nachösterlich, d.h. viele Erinnerungen, Sammlungen waren schon geprägt von der Auferstehung Jesu und damit seiner besonderen Situation als „Sohn Gottes“. Diese Erfahrung hat dazu geführt, dass die historischen Erinnerungen mit geglaubten Überzeugungen verbunden wurden. Sie wurden auch in Zusammenhang mit alttestamentarischen Ankündigungen gesehen und verknüpft, um damit den Messias, der jetzt nicht nur erwartet wurde, sondern der schon da ist, zu erklären und zu festigen.

So finden sich gerade in den Kindheitserzählungen[1] viele Legenden, um schon von Beginn an das Besondere des „Christus“ aufzuzeigen. Aber auch später verhalfen Legenden, Jesus schon „vorahnend“ als Messias darzustellen:

  • die Jungfrauengeburt (etwas „Göttliches“)
  • Bethlehem und die Krippe sind wohl nicht der Geburtsort Jesu (Stadt Davids)
  • der Kindermord des Herodes fand so nicht statt; sie sollte zeigen: So böse ist Herodes; so gefährdet ist der Heilsbringers
  • Drei Weisen aus dem Morgenland
  • Flucht nach Ägypten: Gefahr des Heilandes hervorheben
  • 12-jähriger Junge im Tempel (Jesus war schon von Anfang an ein „Fachmann“)
  • viele Wundergeschichten: Wichtigkeit Jesu hervorheben, Untermauerung der Wahrheit des Christentums
  • Pontius Pilatus lässt das Volk entscheiden zwischen Barabbas und Jesus


Ein kleiner Überblick:

schwarz = historisch relativ sicher         orange = möglich             rot = Legende

Alter von Jesus

Jahr

Ereignis

0

6 – 4 vor unserer Zeitrechnung

Jesus wird in Nazareth geboren.

Jesus wird in Bethlehem geboren. (Lukas 2, 1 - 7)
Acht Tage später wird er beschnitten. (Lukas 2, 21)

1 Monat

 

Die Familie von Jesus flieht nach Ägypten. (Matthäus 2, 13-15)

1-3 Jahre

 

Die Familie kehrt zurück nach Israel. (Matthäus 2, 19-23)

6

 

Jesus wird wahrscheinlich in der Synagoge eingeschult. (Hierfür gibt es keinen direkten Beleg. Das war damals aber üblich.)

12

 

Jesus reist mit seinen Eltern nach Jerusalem, um am Passahfest teilzunehmen, einem jährlich stattfindenden, großen religiösen Fest. (Lukas 2, 41-52)

14 – 29

 

Jesus wird im Betrieb seines Vaters zum Zimmermann ausgebildet. (Hinweis in Markus 6, 3)

30

 

Jesus tritt in die Öffentlichkeit. (Lukas 3, 23)

~ 33

28 unserer Zeitrechnung

Jesus reist mit seinen Freunden wieder zum Passahfest nach Jerusalem. (Matthäus 21; Johannes 12, 12 – 19)

~ 33

Donnerstag vor dem Passahfest

Jesus hält das letzte gemeinsame Abendmahl mit seinen Freunden. (Lukas 22) Danach wird er gefangengenommen. (Johannes 18; Lukas 22)

~ 33

Freitag vor dem Passahfest

Jesus wird verurteilt und gekreuzigt. Am gleichen Tag stirbt er und wird in ein Felsengrab gelegt. (Lukas 22, 63 – 23, 56)

~ 33

Sonntag nach dem Passahfest und danach

Mehrere Frauen finden das leere Grab. Jesus begegnet gleich darauf seinen Freunden. (Lukas 24)

~ 33

Die Wochen danach

Jesus begegnet über 500 Menschen (1. Korinther 15, 5-6) und wird bald darauf in den Himmel aufgenommen. (Lukas 24)

 

[1] vgl. auch: Michael Mommartz, Ich habe POWER, Das Weihnachts-DieLämmer

 

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Die Glaubensüberzeugungen

Jesus Christus (von griechisch Christos, der Gesalbte) ist nach dem Neuen Testament der von Gott zur Erlösung aller Menschen gesandte Messias und Sohn Gottes. Mit seinem Namen drückten die Urchristen ihren Glauben aus und bezogen die Heilsverheißungen des Alten Testaments auf die historische Person Jesus von Nazaret.

Das Neue Testament überliefert die Botschaft von Jesus Christus in verschiedenen Literaturformen für verschiedene Zwecke:

  • in 21 Briefen an bestimmte christliche Gemeinden oder einzelne Personen mit missionarischen, seelsorgerlichen, praktischen und lehrhaften Inhalten,
  • in vier Evangelien, von denen zwei Jesu Geburt, alle vier sein Auftreten, Reden und Handeln, vor allem aber sein Leiden, Sterben und Auferstehen erzählend darstellen,
  • in einer Apostelgeschichte, die den Verlauf der urchristlichen Mission unter Lenkung des Heiligen Geistes von Jesu Erscheinung nach seinem Tod bis zu der Überführung des Paulus von Tarsus nach Rom darstellt,
  • in der Johannesoffenbarung, die Endzeitvisionen in der Tradition der jüdischen Apokalyptik präsentiert.

Die vier kanonischen Evangelien (entstanden zwischen 70 und 100) erzählen Jesu Wirken und Schicksal auf verschiedene, auf ihre Adressaten zugeschnittene Weise. Vor allem die drei „synoptischen“ Evangelien bieten gemeinsame Stoffe, die meist mit der Zwei-Quellen-Theorie erklärt werden. Ihre Reihenfolge, Auswahl und Darstellung unterscheiden sich aufgrund verschiedener redaktioneller Konzepte; ihre Glaubensaussagen über Jesus stimmen jedoch in den Grundzügen überein und ergänzen einander. Ihre ältesten Bestandteile stammen von Nachfolgern Jesu aus Galiläa, die die Jerusalemer Urgemeinde gründeten und Jesu Worte zuerst mündlich, dann schriftlich weitergaben.

Alle Schriften des Neuen Testaments verkünden Jesus Christus, seine Geschichte, sein Verhältnis zu Gott und seine Bedeutung auf verschiedene, aber im Kern übereinstimmende Weise als „Evangelium“ (Frohbotschaft) für die ganze Welt. Denn ihre Autoren glaubten an die Auferstehung Jesu Christi. Jesus war für sie kein vergangener gescheiterter Wanderprediger, sondern der zur Rettung aller Menschen aus Sünde und Tod in die Welt gekommene Sohn Gottes, der den Gerichtstod auf sich genommen habe, von Gott auferweckt worden sei, nun für alle Zeiten lebe und sich selbst immer neu in Erinnerung rufe, bis er seine Botschaft am Ende der Zeit selbst wahr machen werde.

Dieser Glaube veranlasste die Urchristen Gemeinden zu bilden und zu gründen, Jesu Worte zu sammeln, aufzuzeichnen und als jeden angehende Botschaft weiterzugeben. Ihre Schriften wollen alle Menschen zum Glauben an den Mensch gewordenen, für sie stellvertretend getöteten und auferstandenen Gottessohn einladen. So wurde das Neue Testament zur Grundlage für das Christentum, das seit etwa 100 n. Chr. als eigene Religion neben dem Judentum hervortrat.

Das Christentum mit seinen Grundüberzeugungen und Lehren entwickelte sich erst als Echo auf die österlichen Erfahrungen. Das Jesus „Christus“ ist, Gottes Sohn, wurde nie von Jesus selbst behauptet, sondern basiert auf frühen Überlieferungen. Paulus hatte eine Erscheinung und wurde bekehrt und missionierte im gesamten Mittelmeerraum und organisierte frühe Gemeinden.

Er gab den christlichen Ideen eine erste haltbare Form. Erst allmählich lösten sich die Christen von den Juden und gaben sich eine neue Identität. Und erst auf späteren Konzilien (3. Jh.) wurde die das Dogma der Dreieinigkeit beschlossen. Hier wurde erst bestimmt, das Gott und Jesus wesenseins seien.

Die lange Geschichte basiert auf

  1. Überlieferungen, aus der sich allmählich
  2. Überzeugungen herausschälten,
  3. auf Interpretationen und nicht zuletzt
  4. eben auf den Glauben.

Die Aufklärung lehrte uns die Skepsis gegenüber allem, was der Vernunft nicht einsehbar ist. Es lehrte uns die Skepsis gegenüber den großen Erzählungen wie z.B. der Basis des Christentums. Aber vielleicht ist auch die Überzeugung, dass die Welt allein durch Vernunft zu erhellen ist, eine solche große Erzählung – und wir sind nicht groß genug, die Rätsel dahinter zu erfassen.

Wesentlich ist es für Menschen, sich auf Wirklichkeiten zu verlassen, die er selber nicht beweisen kann. Ähnlich wie zwei Liebende, für die es notwendig ist, ungeprüft aufeinander zu vertrauen. So ist es auch mit so einem Vertrauen durchs Leben zu gehen mit der Annahme, dass es einen Gott gibt, auf den ich ohne Bedingungen setzen kann. Die Beziehungsfrage in unserem Leben ist ein Bild, das zur zentralen Frage des Lebens hinführen kann. Das ist kein beweiskräftiges Strickmuster und es ist keine Notwendigkeit. In diesem Sinne ist der Glaube mehr als nur eine Notwendigkeit.

 

Wunder Jesu

Jesus ist über den See Genezareth gelaufen und hat Petrus gerettet: Was sollen wir glauben?

  • eine konkrete Wundersequenz als historisch beschreibbares Faktum
  • Jesus als Retter eines Menschen / uns Menschen sehen (ausgestreckte Hand)

Der zweite Aspekt ist wohl der Wesentliche. Viele andere Wunder (Heilungen, Teufelsaustreibungen, …) werden von Jesus erzählt. Es ist unzweifelhaft, dass Jesus „heilende“ Wirkung hatte. Andererseits kennt bereits die Antike viele Wundererzählungen, die das Göttliche offenbart. (Wunder war etwas Besonderes, aber nichts ganz und gar Außergewöhnliches). Es waren Zeichen.

Zu Jesu Zeiten gab es die Vorstellung, dass real existierende Dämonen in Menschen wohnen und somit auch vertrieben werden können. Heute ist das eine nicht zu glaubende Wirklichkeit. Jesus hat aber immer einen engen Zusammenhang hergestellt zwischen der Heilung & Befreiung von Dämonen und seiner Predigt von der Gottesherrschaft. Wenn jemand abstruse Ideen hat, von denen jemand besetzt sein kann und von den er befreit werden kann (durch Zuwendung, durch Gespräche, durch Therapie), ist auch heute noch gut denkbar.

Die Kirche versuchte gerade mit den Wundern, die Wahrheit des Christentums zu untermauern. Heute sind sie eher ein Problem, auch wegen der legendenhaften Ausweiterung (3000 Brote – 7000 Brote => Ausprägung des nachösterlichen Glaubens) => also eher bildhaft zu verstehen als historisch

 

Konsequenzen

Ein rein gegenständlicher Glaube (für wahr halten) ist letztlich keine tragfähige Basis, um mit den zutiefst menschlichen und abgründigen Erfahrungen, die jeder in seinem Leben macht, fertig zu werden. Vielmehr ist Religion als Lebenshilfe für uns Menschen zu verstehen. Irgendwann kommt die Emanzipation von einem rein gegenständlichen „für wahr halten“.

  • entweder lege ich diese Tradition als unwesentlich ab
  • oder ich versuche größere Zusammenhänge zu verstehen und gewinne ein Verhältnis zur Wirklichkeit des Symbolischen

Es ist notwendig, die real existierende Welt ernst zu nehmen und auf die Welt des Glaubens zu beziehen. Beide Welten müssen miteinander ins Gespräch gebracht werden. (Gerd Theißen)

Möglicherweise ist dazu nicht zwingend erforderlich, Jesu Auferstehung wörtlich zu nehmen (für wahr halten). An Jesus glauben heißt ja: Wir glauben an seine Überzeugungen, seine Visionen und seine Ideen. Diese müssen lebendig bleiben und gehalten werden! Diese müssen in unserer Gegenwart Gestalt annehmen! Hier müssen wir eine Haltung gewinnen, um Position zu ergreifen und umzukehren. Immer mit dem Ziel: Das Reich Gottes. Das ist Nachfolge Jesu.

 

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Literatur

 

Bibel – Luther-Übersetzung, Stuttgart 1999

Brockhaus, Carl – Jesus. Ein Roman der Bibel für unterwegs, 2013

Butt, Christian – Evangelisch, was ist das?, Stuttgart 2001

Frede, Zita – So steht es in der Bibel: Weihnachten - Ostern – Pfingsten, 2009

Großbongardt, Annette – Jesus von Nazareth und die Anfänge des Christentums (Ein Spiegelbuch), 2012

Hülsmann, Matthias – Konfession: evangelisch. Basiswissen, Gütersloh 2009

Lohfink, Gerhard – Der letzte Tag Jesu, Stuttgart 2009

Prinz, Alois – Paulus, der erste Christ, 2013

Quadflieg, Josef – Jesus. Geschichte eines Lebenden, Düsseldorf 2006

Sölle, Dorothee; Schottroff, Luise – Jesus von Nazaret, München 20107

Theißen, Gerd – Die Religion der ersten Christen: Eine Theorie des Urchristentums, Gütersloh 2001

Tsigarida, Isabella; Prollius, Michael von – Der historische Jesus, das frühe Christentum und das Römische Reich, 2003 (ebook)

Mommartz, Michael – Ich habe POWER. Die drei christlichen Feiertage in vier szenischen Spielen unter die Lupe genommen, 2013

 

Jesus von Nazareth - Was weiß die Forschung über die historische Person Jesu (Radiofeature, ca. 2002 – Netzfund)

 

im Internet:

Fischer Welt 

Das Weihnachts-DieLämmer

Wikipedia Jesus von Nazareth

Wikipedia Jesus Christus

 

 

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