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Allgemeines

Aus dem Alten Testament stammen die Zehn Gebote und sind somit sehr alt[1] – älter als die evangelische oder die gesamte christliche Tradition. Dennoch sind sie heute noch ein wesentlicher Bestandteil unseres Glaubens und aktuell wie damals.

 

Die Zehn Gebote, auch Zehn Worte oder Dekalog (altgr. deka-logos) genannt, sind eine Reihe von Geboten und Verboten des Gottes Israels, JHWH, aus der Hebräischen Bibel. Die zwei leicht unterschiedlichen Fassungen im 2. bzw. 5. Buch Mose sind formuliert als Rede Gottes an sein Volk, die Israeliten, und fassen seinen Willen für das Verhalten ihm und den Mitmenschen gegenüber zusammen. Sie haben im Judentum wie im Christentum eine zentrale Bedeutung.

 

Test

Machen Sie doch gleich einmal einen unverbindlichen Test, was Ihre Kenntnisse betrifft: Es geht nicht darum, dass Sie alle Gebote oder den genauen Wortlaut der einzelnen Gebote kennen - vielmehr können Sie überlegen, welche der folgenden Zitate Sie spontan den zehn Geboten zuordnen würden:

 

1. Du sollst nicht falsches Zeugnis reden

2. Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst

3. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben

4. Du sollst den Feiertag heiligen

5. Du sollst vergeben, so wird dir vergeben werden

6. Du sollst den Namen Gottes nicht unnütz gebrauchen

7. Du sollst nicht begehren Deines nächsten Haus

8. Du sollst Deine Feinde lieben

9. Du sollst die Schöpfung bewahren

10. Du sollst tolerant sein gegenüber anderen Religionen

 

Und hier die Auflösung: Die Nummer 2, 5, 8, 9 und 10 gehören nicht zu den Zehn Geboten

 

Entstehungsprozess der Zehn Gebote

Das 2. Buch Mose (Exodus) nennt weder Gebotszahl noch Gebotstafeln; die Zehnzahl war eher eine Lern- und Merkhilfe, da man die Gebote so an den zehn Fingern abzählen konnte. Auch für die „magische“ Zahlensymbolik ist die Zehn bedeutsam.

 

Juden zählen JHWHs Selbstvorstellung im ersten Satz gemäß dem Anfang des Gebets Schma Jisrael als erstes, die beiden Folgesätze gemeinsam als zweites Gebot. Sie folgen damit dem Talmud, der nicht zwischen Fremdgötter- und Bilderverbot unterschied, sondern gemäß Dtn 5,8 die Verehrung von in Kultbildern dargestellten Fremdgöttern verbietet.

 

Katholiken und Lutheraner zählen Selbstvorstellung, Fremdgötter- und Bilderverbot als gemeinsames erstes Gebot. Damit lassen sie das Bilderverbot allenfalls für den eigenen Gott gelten; vielfach wurde es als für Christen ungültig vernachlässigt. Um die Zehnzahl zu bewahren, unterteilen sie das Verbot des Begehrens in zwei Verbote. Die Katholiken folgen dabei der deuteronomischen Version, die die Frau zuerst und für sich nennt. Die Lutheraner folgen der Exodusversion, die das Haus zuerst und für sich nennt.

Die Zehn Gebote sind auch die Grundlage christlichen Handelns geworden. Die ersten drei Gebote beschäftigen sich mit dem Verhältnis der Menschen zu Gott. Sie sind als direkte Gottesrede formuliert und ausführlich begründet (Ex 20,2–6). Die folgenden knappen und unkonditionalen Einzelweisungen (Ex 20,7–17) reden von Gott in der dritten Person. Beide Teile entstanden daher wohl unabhängig voneinander, wurden nachträglich miteinander verknüpft und zuletzt gemeinsam unter Gottes einleitende Selbstvorstellung gestellt.

Diese restlichen sieben Gebote ordnen das Zusammenleben, regeln die Beziehungen der Menschen untereinander. Die einzelnen Sozialgebote stammen aus nomadischer Zeit (1.500–1.000 v. Chr.); sie wurden aus vielen ähnlichen Weisungen gezielt ausgewählt, um Gottes Willen so allgemeingültig wie möglich zusammenzufassen. Dies gab den Zehn Geboten ihre überragende Bedeutung als lebensnotwendige Grundregeln für alle Lebensbereiche in der weiteren Geschichte von Juden- und Christentum. Sie gelten gläubigen Juden und Christen als Kern und Konzentrat der Offenbarung Gottes an Mose, den zum Führer Israels berufenen Empfänger und Vermittler seines Willens für das erwählte Gottesvolk. (vgl. Dennerlein, S.29f.)

Die christlichen Kirchen interpretieren diese Gebote im Lichte des Evangeliums von Jesus Christus; sie wurden wohl auch immer wieder bis zum Abschluss des jüdischen Bibelkanons (um 100 n. Chr.) weiterentwickelt.

Die Gebote wurden im Verlaufe der Geschichte auch ausgenutzt und missbraucht, um Herrschern die Macht zu sichern und um Menschen moralisch zu unterdrücken. „Geholfen“ haben möglicherweise schon Übersetzungsfehler: „Du sollst nicht“ ist eine etwas unglückliche Übersetzung einer Zeitform im Hebräischen, die es so im Deutschen gar nicht gibt. Besser sollte es heißen: „Wenn der Herr dein Gott ist, dann wirst du nicht.“ So sprechen manche auch davon, dass die Gebote Weisungen sind, Wegweiser zu einem guten Leben. Der Theologe Ernst Lange nennt sie sogar die „Zehn großen Freiheiten“.

Vielleicht wäre es auch besser gewesen, Martin Luther hätte die Befreiungs­situation, in der das Volk Israel die Gebote erhält, nicht völlig außer Acht gelassen. Die Gebote wollen die Menschen nicht unterdrücken, sondern sie dienen dazu, dass die von Gott geschenkte Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei als Freiheit bewahrt und gelebt werden kann. Nur freie Menschen brauchen Regeln, um die Freiheit des Mitmenschen (gerade auch der Schwächeren) zu schützen; Sklaven brauchen keine Regeln, da andere ihnen ihre Regeln aufzwingen.

Wir Menschen orientieren uns heute nicht mehr so sehr an feststehenden Geboten, sondern handeln nach Regeln, die wir:

  • in unserem Umfeld kennen gelernt haben (peer group),
  • bei Personen beobachtet haben (Vorbilder), und:
  • die wir subjektiv einleuchtend finden (Plausibilität).

Wir sollten Gebote nicht als Einschränkung, sondern als Orientierung und Strukturierung des Lebens verstehen lernen. Wir brauchen sie für unsere Persönlichkeitsentwicklung und Biographie, damit

  • wir Position(en) beziehen und
  • über unser eigenes Handeln nachdenken können, um
  • anschließend auch danach zu handeln.

(vgl. Heinz Adler)

 

[1] Den Propheten des 8. und 7. Jh. v. Chr. ist der Dekalog zumindest in einer „Vorform“ bekannt. (vgl. etwa Hosea 4,1f.; Mi 2,2; Jer. 7,9).

 

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Wo stehen die Zehn Gebote

Die Zehn Gebote finden wir im Alten Testament und das gleich zwei Mal. In einer gekürzten Form finden wir sie auch in Martin Luthers Kleinem Katechismus wieder.

Bei der Zählung der Gebote gibt es im Judentum und in den christlichen Kirchen verschiedene Traditionen. In der anglikanischen, reformierten und orthodoxen Kirche wird das Bilderverbot - „Du sollst dir kein Bildnis machen“ - als zweites Gebot aufgeführt und das neunte und zehnte Gebot als ein Gebot verstanden. Die unterschiedliche Zählweise liegt wohl auch daran, dass in den Originaltexten der Bücher Mose gar keine Zählung vorgenommen wird:


Das zweite Buch Mose (EXODUS)

2. Mose 20, 1-26

Und Gott redete alle diese Worte:

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

 

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

 

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

 

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.

Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

 

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

 

Du sollst nicht töten.

Du sollst nicht ehebrechen.

Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

 

Und alles Volk wurde Zeuge von dem Donner und Blitz und dem Ton der Posaune und dem Rauchen des Berges. Als sie aber solches sahen, flohen sie und blieben in der Ferne stehen und sprachen zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen hören; aber lass Gott nicht mit uns reden, wir könnten sonst sterben.

Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, euch zu versuchen, damit ihr's vor Augen habt, wie er zu fürchten sei, und ihr nicht sündigt.

So stand das Volk von ferne, aber Mose nahte sich dem Dunkel, darinnen Gott war.

 

Vom rechten Gottesdienst in Israel

Und der HERR sprach zu ihm: So sollst du den Israeliten sagen: Ihr habt gesehen, dass ich mit euch vom Himmel geredet habe. Darum sollt ihr euch keine andern Götter neben mir machen, weder silberne noch goldene sollt ihr euch machen.

Einen Altar von Erde mache mir, auf dem du dein Brandopfer und Dankopfer, deine Schafe und Rinder, opferst. An jedem Ort, wo ich meines Namens gedenken lasse, da will ich zu dir kommen und dich segnen. Und wenn du mir einen steinernen Altar machen willst, sollst du ihn nicht von behauenen Steinen bauen; denn wenn du mit deinem Eisen darüber kommst, so wirst du ihn entweihen. Du sollst auch nicht auf Stufen zu meinem Altar hinaufsteigen, dass nicht deine Blöße aufgedeckt werde vor ihm.

 

Das fünfte Buch Mose (DEUTERONOMIUM)

5. Mose 5, 1-33

Wiederholung der Zehn Gebote

Und Mose rief ganz Israel zusammen und sprach zu ihnen: Höre, Israel, die Gebote und Rechte, die ich heute vor euren Ohren rede, und lernt sie und bewahrt sie, dass ihr danach tut!

Der HERR, unser Gott, hat einen Bund mit uns geschlossen am Horeb und hat nicht mit unsern Vätern diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, die wir heute hier sind und alle leben. Er hat von Angesicht zu Angesicht mit euch aus dem Feuer auf dem Berge geredet.

Ich stand zu derselben Zeit zwischen dem HERRN und euch, um euch des HERRN Wort zu verkündigen; denn ihr fürchtetet euch vor dem Feuer und gingt nicht auf den Berg. Und er sprach:

Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft.

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

 

Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist.

Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

 

Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du.

Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir's wohlgehe in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

 

Du sollst nicht töten.

Du sollst nicht ehebrechen.

Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.

Das sind die Worte, die der HERR redete zu eurer ganzen Gemeinde auf dem Berge, aus dem Feuer und der Wolke und dem Dunkel mit großer Stimme, und tat nichts hinzu und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln und gab sie mir.

 

Mose als Mittler zwischen Gott und Israel

Als ihr aber die Stimme aus der Finsternis hörtet und den Berg im Feuer brennen saht, tratet ihr zu mir, alle eure Stammeshäupter und eure Ältesten, und spracht: Siehe, der HERR, unser Gott, hat uns sehen lassen seine Herrlichkeit und seine Majestät, und wir haben seine Stimme aus dem Feuer gehört. Heute haben wir zwar gesehen, dass Gott mit Menschen redet und sie am Leben bleiben.

Aber nun, warum sollen wir sterben? Dies große Feuer wird uns noch verzehren! Wenn wir des HERRN, unseres Gottes, Stimme weiter hören, so müssen wir sterben.

Denn welcher Mensch kann die Stimme des lebendigen Gottes aus dem Feuer reden hören wie wir und doch am Leben bleiben? Tritt du hinzu und höre alles, was der HERR, unser Gott, sagt, und sage es uns. Alles, was der HERR, unser Gott, mit dir reden wird, das wollen wir hören und tun.

Als aber der HERR eure Worte hörte, die ihr mit mir redetet, sprach er zu mir: Ich habe gehört die Worte dieses Volks, die sie mit dir geredet haben; es ist alles gut, was sie geredet haben. Ach dass sie ein solches Herz hätten, mich zu fürchten und zu halten alle meine Gebote ihr Leben lang, auf dass es ihnen und ihren Kindern wohlginge ewiglich!

Geh hin und sage ihnen: Geht heim in eure Zelte! Du aber sollst hier vor mir stehen bleiben, damit ich dir verkündige das ganze Gesetz, die Gebote und Rechte, die du sie lehren sollst, dass sie danach tun in dem Lande, das ich ihnen geben werde, um es einzunehmen.

So habt nun Acht, dass ihr tut, wie euch der HERR, euer Gott, geboten hat, und weicht nicht, weder zur Rechten noch zur Linken, sondern wandelt in allen Wegen, die euch der HERR, euer Gott, geboten hat, damit ihr leben könnt und es euch wohlgeht und ihr lange lebt in dem Lande, das ihr einnehmen werdet.

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Auslegungen der Zehn Gebote

Judentum

Bis 70 n. Chr. wurde der Dekalog täglich im Jerusalemer Tempel verlesen. Er war nach einigen Schriftrollen auch Teil der Tefillin.[1] Im Talmud gesammelte rabbinische Exegese betont die besondere Wichtigkeit der ersten Gebote, in denen Gott in Ich-Form das Volk direkt anredet. Sie fasste Gottes Selbstvorstellung als eigenständiges erstes, Fremdgötter- und Bilderverbot gemeinsam als zweites und die Verbote des Begehrens gemeinsam als zehntes Gebot auf. So entspricht der Ehrung des einzigen befreienden Gottes die Absage an alle anderen Götter, die üblicherweise in Bildern verehrt wurden.

 

Neues Testament

Im Neuen Testament werden die Zehn Gebote als allgemein bekannt vorausgesetzt. Sie werden daher nirgends insgesamt wiederholt, sondern zu jeweils passenden Anlässen einzeln zitiert und gedeutet.

Jesus von Nazaret zitierte laut den synoptischen Evangelien öfter einzelne Dekaloggebote und legte sie aus. Nach Mk 12,28–34 knüpfte er an die im rabbinischen Judentum längst übliche Konzentration der ganzen Tora auf das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe an. Indem er die Nächstenliebe dem ersten Gebot gleichstellte, gab er ihr Vorrang vor allen Einzelgeboten. In der matthäischen Komposition der Bergpredigt folgen die Auslegungen den „Seligpreisungen“ an das Volk der Armen. Diese treten somit an die Stelle der „Präambel“ des Dekalogs. Die unbedingte Zusage des Reiches Gottes an die Armen aktualisiert die Zusage „Ich bin JHWH, dein Gott, der dich aus Ägyptenland befreit hat“: Der vergangenen Befreiungstat Gottes entspricht eine kommende Befreiung und Herstellung von Gerechtigkeit für alle Armen, wie sie das Judentum vom Messias erwartet.

Für Paulus von Tarsus hat Jesus Christus als einziger Mensch Gottes Willen ganz erfüllt. Von seiner, nicht unserer Erfüllung hänge das Heil ab; wer die Tora weiterhin zum Heilsweg erkläre, leugne das Heil, das Gott mit Kreuz und Auferweckung Jesu für alle Menschen geschaffen habe (Galaterbrief). Wie für Jesus so erfüllt auch für Paulus die Nächstenliebe alle Gebote der Tora (Gal 5,6+14 und Gal 6,2) und hebt sie damit unter Umständen sogar auf.

 

Zu Luthers Zeit

Martin Luthers Großer Katechismus beginnt mit dem Fremdgötterverbot, das für sich als erstes Gebot erscheint. Dann schließt als zweites Gebot das Verbot des Namensmissbrauchs an. Sein Kleiner Katechismus dagegen zitiert Selbstvorstellung und Fremdgötterverbot gemeinsam als erstes, das Verbot des Namens­missbrauchs als zweites Gebot. Das Bilderverbot nennt Luther weder im Großen noch im Kleinen Katechismus direkt. Lutheraner folgen Ex 20 und unterscheiden innerhalb des Verbotes, fremden Besitz zu begehren, zwischen dem erstgenannten „Haus“ und den übrigen Gütern, zu denen die „Frau“, Knechte und Tiere gehören.

 

Die Zehn Gebote heute

In der Neuzeit wurde der Dekalog als Grundlage autonomer Ethik aufgefasst und in allgemein einsehbare Vernunftregeln übersetzt. Außerhalb der christlichen Kirchen werden die Zehn Gebote in Europa oft als „ethisches Minimum“ aufgefasst, wobei diese Einordnung eher an die auf den Mitmenschen bezogenen Gebote anknüpft als an die mit ihrem besonderen Gottesbezug.

Die Zehn Gebote haben auch heute noch Bedeutung, wir müssen sie aber immer wieder neu auslegen. Das hat Jesus vor 2000 Jahren getan, Martin Luther vor 500 Jahren, und das müssen wir heute auch immer wieder neu leisten.

 

Zu den Geboten im Einzelnen

1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Ich bin der Herr, dein Gott.

In der hebräischen Bibel stand ursprünglich „Ich bin Jahwe, dein Gott.“ Später wurde er übersetzt mit: „Ich bin, der ich bin“ oder „Ich werde sein, der ich sein werde“ und zugleich „Ich bin bei Euch“.

Der Zusatz „Ich bin Jahwe, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland aus der Knechtschaft geführt habe“ erinnert an die Befreiung der Juden aus Ägypten. Insofern wird mit dem ersten Gebot auch an einen befreienden und nicht an einen „kommandierenden“ Gott angeknüpft. Thematisiert wird damit alles, was den Menschen in selbstverschuldete oder aufgezwungene Abhängigkeit hineinführt.

Das 1.Gebot (Ex 20,3) bestreitet nicht die Existenz anderer Götter. Wohl aber verbietet das sehr allgemein formulierte und umfassend gemeinte Dekalog-Wort jede kultische oder private Verehrung anderer Götter.

Das ist eine entscheidende Mahnung, uns selbst zu fragen, wer unser Gott ist. Martin Luther hat einmal gesagt, woran wir unser Herz hängen, das sei unser Gott. Heute hängt das Herz vieler Menschen scheinbar am Geld, am Haben - ohne, dass sie es selbst bemerken. Konsum wird zur großen Religion: Ich konsu­miere, also bin ich. In einer Gesellschaft, die sich an Marken und Labels orientiert, wird dann schnell empfunden: Ich gehöre nicht mehr dazu, weil ich mir nicht leisten kann, was angesagt ist durch die Werbung.

 

2. Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen.

Auch hier steht im Urtext wieder der Eigenname Jahwe und nicht „der Herr“, doch statt des Eigennamens, den die Juden gar nicht mehr aussprachen, wurde nur „der Herr“ gesagt. Das Gebot warnt davor, Gott dienstbar oder nutzbar für trügerische oder egoistische Zwecke zu machen. Zum Tun im „Namen Gottes“ zählen der Meineid, der Fluch, die falsche Prophetie, oder Zauberei.

Einzig wird hier sogar eine Strafe angedroht. So wird bis heute die Religion, oder der Name Gottes als Aufhänger für Kriege oder Attentate missbraucht.

Der Respekt vor dem Namen Gottes meint auch den Respekt vor dem Glauben. Den Glauben von Menschen gilt es zu respektieren. Wer den Glauben eines anderen verächtlich macht, lächerlich von dem spricht, was einem anderen heilig ist, zeigt auch mangelnden Respekt vor der Person. Ein solcher Mensch verliert die Würde des anderen Menschen aus dem Auge. Das gilt für den Gott, von dem wir glauben, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Diesen Respekt werde ich aber auch Menschen anderer Religionen nicht ver­weigern.

 

3. Du sollst den Feiertag heiligen.

Luther übersetzte hier den „Sabbattag“ („schabbat“ = aufhören, ruhen) mit „Feiertag“ und löst das Gebot aus seinem historischen Kontext. Ursprünglich erinnert es an die Sklavenzeit des Volkes Israel in Ägypten. Es spricht sowohl die Beziehung zu Gott, als auch die Beziehung zu den Mitmenschen an.

Einerseits soll an die Ehre Gottes gedacht werden, andererseits aber auch sollen die Menschen sich selber schonen. Dabei sollen Knecht, Magd, selbst das Vieh geschont werden und nicht arbeiten. Das Sabbat-Gebot ist innerhalb des Dekalogs eines von zwei positiv formulierten Geboten. Es sichert den Ruhe- und Feiertag und stellt damit einen eigenen Lebensrhythmus 6 plus 1 her.

Wenn wir aber die Feiertage zu den Akten legen, wie es so oft im Namen des Wirt­schaftswachstums gefordert wird, wenn wir die Sonntage den Alltagen ganz gleich machen, alle Geschäfte öffnen, die Autos waschen, eben alles so machen wie sonst, dann gibt es nur noch den Gleichklang von sieben Werk­tagen. Ohne Sonntage gibt es nur noch Werktage. Die Abschaffung des Feiertags wird den gemeinsa­men Rhythmus unserer Gesell­schaft zerstören. Gerade Menschen mit großer Verantwortung leiden unter dem so genannten Burn-out-Syndrom, es ist letzten Endes eine Folge der Zerstörung des Rhythmus von Schaffen und Ruhen. Wenn die Gesellschaft besondere Tage nicht mehr kennt, die Feiertage, dann wird sie eines Tage selbst einem kollektiven Burn-out-Syndrom unterliegen.

 

4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

Das Gebot ist nicht an Kinder gerichtet, sondern an die erwachsenen Söhne, die zur Versorgung der Eltern verpflichtet waren, wenn sie alt wurden. Es geht also weniger um die Unterordnung kleiner Kinder unter die Eltern, sondern um Respekt vor dem Alter. Der ist rar geworden in unserem Land. Alle wollen jung bleiben - die Werbung in den Medien gaukelt uns den Wunsch und die Möglichkeit ewiger Jugend vor.

Der Verlust der Leistungskraft sollte somit nicht automatisch mit dem Verlust der Freiheit einhergehen. Das Gesetz schließt auch ein, den Eltern ein würdiges Begräbnis zu geben. Es ist das einzige Gebot im Dekalog, das eine Verheißung in sich trägt „auf, dass Du lange lebst in dem Lande das Jahwe dem Volk Israel geben wird.“ Heute, in unserer Gesellschaft kann der „Generationenvertrag“ parallel dazu gesehen werden.

 

5. Du sollst nicht töten.

Hier steht das Gebot für die Tötung eines Mitmenschen durch den Einzelnen (Ex 21,12f). Das hebräische „rasach“ (= töten) meinte ursprünglich nur ungesetzliches, willkürliches Töten. Das Gebot schloss also das Töten im Krieg oder die durch die Gemeinschaft angeordnete Tötung, wie die Todesstrafe, aus. Später erweiterte sich die Bedeutung auf alles, was sich gegen menschliches Leben richtet. Dazu gehört aktuell auch die Diskussion um das vorgeburtliche Leben bzw. und den Umgang in der Forschung mit Embry­onen.

Die Menschheit hat den Krieg nicht bannen können, obwohl die Kirchen der Welt in Amsterdam 1948 deutlich erklärten: Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. Töten zerstört immer die Menschlichkeit, auch im Krieg. Und dabei können wir uns immer wieder traurig und warnend vor Augen führen: Auch unsere Gesellschaft, die so lang im Frieden hat leben dürfen, ver­dient durch Waffenexporte an den zahlreichen Kriegen in aller Welt.

 

6. Du sollst nicht ehebrechen.

Mit dem Gesetz sollte vor allem verhindert werden, dass ein Mann eine fremde Ehe brach, vor allem die Ehe des Nachbarn sollte geschützt werden. Gesichert wurde so die Rechtmäßigkeit der Nachkommenschaft und damit die Altersversorgung. Das Gesetz diente dem Schutz des Hausfriedens und des Gemeinschaftslebens.

Das biblische Verbot von Ehebruch wird von manchen belächelt als vorgestrig in einer Zeit sexueller Freizügig­keit. Und doch ist die tägliche Erfahrung auch heute, dass Ehe­bruch unendlich viel Schmerz, Kummer und Zerstörung mit sich bringt - für Paare und auch für ihre Kinder! Ehebruch zerstört Vertrauen und die Trennung einer Ehe bedeutet eine tiefe emotionale Belastung für Paare, ihre Kinder und Verwandten, ihre Freundinnen und Freunde.

 

7. Du sollst nicht stehlen.

Besitz war die materielle und auch die rechtliche Grundlage für die Freiheit. Wer seinen Besitz verlor, musste in die Sklaverei. Es ging auch darum, dass die göttliche Zuteilung des Besitzes nicht von anderen angetastet werden durfte. Und dass jeder in Freiheit leben können sollte.

Stehlen ist kein Kavaliersdelikt. Das gilt im Persönlichen: Wenn dich jemand bestiehlt, ist das Vertrauen tief gestört. Das gilt aber auch im Öffentlichen: Der Einzelhandel wird jedes Jahr durch Ladendieb­stahl schwer geschädigt. Und das gilt für all jene, die im Großen und Kleinen dem sozialen Gefüge unserer Gesellschaft Finanzmittel entziehen - durch Steuerhinterzie­hung. Zudem zerstört anschei­nend „unauffälliges“ Stehlen die Gemeinschaft gerade auch im internationalen Sektor: Viele Arme dieser Welt werden bestohlen, weil sie keine Lebenschancen haben/bekommen.

Das Solidarprinzip einer Gesellschaft oder der Nationen untereinander ist ein Mittel, um soziale oder globale Gerechtigkeit herzustellen und soziale oder globale Ungleichheiten abzufedern.

 

8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden.

Ursprünglich bezog sich dieses Gebot auf die Aussage vor Gericht, es betraf also die Rechtssprechung. Der Zeuge musste die Wahrheit sagen, damit kein Falscher zu Schaden kam, sprich sein Leben, sein Besitz oder seinen guten Ruf verlor. Verboten wird also im 8. Gebot die bewusste Falschaussage. Dagegen verlangt das Gebot keine Wahrheit um der Wahrheit willen, nütze oder schade sie dem anderen (Ex 1,15f).

Das Gebot kann aktuell sowohl auf die Rechtsprechung, als auch auf das alltägliche Leben bezogen werden, in dem die Rede über den Freund, Kollegen, Nachbarn, Verwandten diesen nicht beschädigen, verraten oder verleumdet soll. Das im Arbeitsleben stattfindende „mobben“ steht für einen solchen Vorgang der Rufschädigung.

Muss nicht dieses Gebot der Wahrheit wieder eingeklagt werden? Wer will in einer Welt leben, in der Menschen niemandem und nichts mehr trauen können? Alles unter dem Verdacht der Lüge - das ist keine Grundlage für ein Zusammenleben. Kein falsches Zeug­nis über den anderen zu reden, das fordert dazu auf, dem ande­ren seine Würde, seine Eigenstän­digkeit und seine Privatsphäre zu lassen.

 

9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Das neunte und das zehnte Gebot sind Verbote gegen das unmäßige Begehren, sog. „Begehrensverbote“. Hier ist vor allem gemeint, dass man sich keiner hinterhältigen Machenschaften bedienen soll, um an den Besitz eines anderen zu kommen. Außerdem gemeint ist damit aber auch die planvolle Zerstörung einer sozialen Gemeinschaft, für die das Haus stellvertretend steht.

Raffen, Haben-Wollen, Habgier, die Geiz als „geil“ deklariert – wer so lebt, verliert jeden Blick auf ein Miteinander, auf Rücksicht, auf die soziale Verpflichtung, die Eigentum mit sich bringt, auf Solidarität.

 

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

Das 10. Gebot benennt die gesamte Hausgemeinschaft und verlangt nicht nur legales, sondern im tiefen Sinn sittliches Verhalten. Es handelt sich wieder um ein „Begehrensverbot“.

Die Gier nach dem, was andere haben, die so genannte „Neidgesellschaft“, dass das dem Gemeinsinn nicht zuträglich ist, bleibt bis heute offensichtlich. Die zunehmende Kluft zwischen Habenden und Verschuldeten in unserem Land sowie in der großen weiten Welt zerstört Leben. Ein Bewusstsein für Bescheidenheit und eine Ethik der Grenze wären da sinnvoll.

 

Fazit:

Die christlichen Kirchen haben lange gebraucht, diese Rechte und Regeln für alle Men­schen gleich geltend anzusehen: für Frauen und Männer, für Menschen aller Herkunft und Hautfarbe, für Arme und Reiche. Alle Menschen sind gleichermaßen Gottes Ebenbild, und diese Regeln für das Leben gelten für alle. Heute sollten wir klar und deutlich zu diesen Grundüberzeugungen aus bibli­scher Weisheit stehen können!

 

[1] jüdischer mit Lederriemen versehene kleine Gebetskapseln

 

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Martin Luther und die Zehn Gebote

Das Erste Hauptstück – Die Zehn Gebote

Bei der Zählung der Gebote gibt es im Judentum und in den christlichen Kirchen unterschiedliche Traditionen. Die hier wiedergegebene Fassung folgt der lutherischen und römisch-katholischen Tradition. Eine andere Zählung ergibt sich dort, wo das Bilderverbot - „Du sollst dir kein Bildnis machen“ - als zweites Gebot aufgeführt wird, so in der anglikanischen, reformierten und orthodoxen Tradition. Dort werden dann „neuntes“ und  „zehntes“ Gebot als ein Gebot verstanden.

 

Das erste Gebot

Ich bin der Herr, dein Gott.

Was ist das?

Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

 

Das zweite Gebot

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern ihn in allen Nöten anru­fen, beten, loben und danken.

 

Das dritte Gebot

Du sollst den Feiertag heiligen.

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern es heilig halten, gerne hören und lernen.

 

Das vierte Gebot

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir's wohlgehe

und du lange lebest auf Erden.

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsere Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben.

 

Das fünfte Gebot

Du sollst nicht töten.

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und beistehen in allen Nöten.

 

Das sechste Gebot

Du sollst nicht ehebrechen.

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir keusch und zuchtvoll leben in Worten und Werken und in der Ehe einander lieben und ehren.

 

Das siebente Gebot

Du sollst nicht stehlen.

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.

 

Das achte Gebot

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.

 

Das neunte Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause trachten und mit einem Schein des Rechts an uns bringen, sondern ihm dasselbe zu behalten förderlich und dienlich sein.

 

Das zehnte Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten nicht seine Frau, Gehilfen oder Vieh ausspannen, abwerben oder abspenstig machen, sondern dieselben anhalten, dass sie bleiben und tun, was sie schuldig sind.

 

Was sagt nun Gott zu diesen Geboten allen?

Er sagt so: Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der an denen, die mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht bis zu den Kindern im drit­ten und vierten Glied; aber denen, die mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl bis in tausend Glied.

Was ist das?

Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht gegen seine Gebote handeln. Er verheißt aber Gnade und alles Gute allen, die diese Gebote halten; darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gerne tun nach seinen Geboten..

 

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Weitere "Zehn Gebote"

Es gibt unendlich viele „Nachahmer“, Ergänzungen; ernstgemeinte, lustige oder auch überflüssige. Eine kleine Auswahl wird hier vorgestellt. Mehr gibt es im Anhang.

 

„Die“ zehn AnGebote der Kirche

http://www.ekd.de/glauben/10angebote.html

1. AnGebot: Lebe deinen Glauben in Gemeinschaft

Kirche ist eine große Gemeinschaft. In ihr tauschen sich die Menschen über ihren Glauben aus und bekommen dadurch neue Anregungen für die großen Fragen nach Ursprung, Sinn und Ziel des Lebens. In den vielen kirchlichen Gruppen für alle Generationen und den Gottesdiensten (nicht nur am Sonntagmorgen) geht es fröhlich und einladend zu, die Menschen sind offen und gastfreundlich. Das erleichtert den Schritt heraus aus dem Alleinsein, hinein in ein gutes Miteinander. Diese Glaubensgemeinschaft hat ihre Keimzelle in der Kirche an deinem Ort. Sie geht aber auch darüber hinaus. Fast in der ganzen Welt kannst du Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der evangelischen Kirche ansprechen.

2. AnGebot: Erfahre Zuspruch von Hoffnung

Besonders in den Gottesdiensten wird die gute Nachricht (das Evangelium) von Gottes Liebe zu den Menschen und zu seiner ganzen Schöpfung hörbar, und im Abendmahl auch sichtbar und spürbar. Hier wird auch die menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet. So ist ein (sonntäglicher) Gottesdienst die segensreiche Basis für deinen Alltag. Du schöpfst Kraft und Mut, um in schweren Situationen nicht die Hoffnung zu verlieren.

3. AnGebot: Gib deinem Leben Sinn

Im christlichen Glauben bewahrt die Kirche eine Wahrheit, die Menschen sich nicht selber sagen können. Diese Wahrheit, in der Jesus Christus gelebt hat, gibt auch deinem Leben einen Sinn. Sie macht ein verantwortungsbewusstes Leben möglich. In der Kirche wird jeder Mensch als Person ernst- und angenommen, mit allen Schwächen und Stärken, mit aller Sympathie und allen Eigenheiten. Ich sein zu können, das ermutigt zu eigenverantwortlichem Handeln, gerade auch anderen gegenüber, im Alltag, im Beruf, das ermutigt dich auch dazu, dich zum Beispiel in der Kirche ehrenamtlich zu engagieren.

4. AnGebot: Übernimm Verantwortung

Gott ist ein Freund des Lebens. Das setzt Maßstäbe für Toleranz und Phantasie, für Geduld und Nächstenliebe, für Mut zur Meinungsäußerung und Entschlossenheit. Das sind Werte, die deinem Leben Sinn geben und das Miteinander in der Welt ermöglichen können. Das sind auch Werte, die Jesus Christus dir vorgelebt hat, und die über viele Generationen in den Geschichten und Texten der Bibel überliefert worden sind. Verantwortungsvolles Leben, in dem du über deine eigenen Grenzen hinaus denkst, ist ur-christlich. Es zeigt sich im Alltag, im Beruf, im Privatleben. In deinem Engagement für andere (zum Beispiel im kirchlichen Ehrenamt) kannst du Verantwortung übernehmen.

5. AnGebot: Erlebe die Vielfalt

Allein schon durch die Menschen, die in der Kirche zusammenkommen, wird das Treiben farbenfroh und abwechslungsreich: da gibt es Altes und Junges, Traditionelles und Modernes, Anspruchsvolles und Unterhaltendes, Gewohntes und Ungewohntes, Geistliches und Weltliches. Eben eine bunte Vielfalt, von der du ein Teil bist!

6. AnGebot: Feiere den Jahreslauf

Weihnachten, Ostern und Erntedank prägen den Jahreslauf. Durch biblische Inhalte und kirchliche Traditionen erhalten zudem noch viele andere Feste ihren Sinn und den eigentlichen Grund, gefeiert zu werden. Wenn du dies bewusst gestaltest und erlebst, ist es eine Erfahrung ganz besonderer Art.

7. AnGebot: Empfinde mit allen Sinnen

Das menschliche Bedürfnis, das eigene Leben unter den Schutz einer höheren Macht zu stellen, wird in der Kirche ernst genommen. In den Gottesdiensten geschieht etwas Unbegreifliches, das doch spürbar ist. Sei es im Gottesdienst am Sonntag, sei es in besonderen Gottesdiensten, in denen die Kirche die Menschen ein Leben lang begleitet: in der Taufe und Konfirmation wie bei einer Trauung und auch bei einer Beerdigung.

8. AnGebot: Lerne zusammen mit anderen

Kirchliche Kindergärten und Konfirmandenunterricht sind in unserer Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit. Hier werden den Kindern von Klein auf christliche Werte vermittelt. Dies wird im Religionsunterricht weitergeführt. Eine Besonderheit sind die konfessionellen Schulen. Sie haben in ihrer Erziehung die Ganzheitlichkeit des Menschen im Blick und setzen insbesondere die Religiosität des Menschen als existentiell voraus. Diese Religiosität wird in der Gemeinschaft gelebt.

9. AnGebot: Finde immer ein offenes Ohr

In unserer schnelllebigen Zeit wird die Bereitschaft zum Zuhören immer seltener. In den Beratungsstellen und Einrichtungen der Kirche sind Menschen, die sich gerne die Zeit nehmen zuzuhören. Egal, worum es geht. Egal, in welcher Situation. Und diese Menschen sind professionell dafür ausgebildet, Ihnen und anderen zur Seite zu stehen. Tag und Nacht.

10. AnGebot: Hilf anderen ehrenamtlich

In der Kirche arbeiten unzählige Menschen daran, anderen Menschen das Leben erträglicher zu gestalten. In den Krankenhäusern und Hospizen, Beratungsstellen und Pfarrhäusern, aber auch Besuchsdienstkreisen, Krabbelgruppen und Seniorenclubs: Überall gibt es Frauen und Männer, die sich liebevoll um ihre Schützlinge kümmern. Ohne die Unterstützung durch Ehrenamtliche wäre die besondere menschliche Zuwendung, die kirchliche Arbeit ausmacht, nicht möglich. Helfende Menschen finden sich aber nicht nur in den heimischen Kirchengemeinden, sondern auch in armen Ländern, in denen sie Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

 

 

Die 10 Gebote (für Windows-User)

01. Du sollst keinen Kaffee in die Tastatur schütten.

02. Du sollst nicht mit deinen Fettfingern auf den Bildschirm tatschen.

03. Du sollst deine Festplatte regelmäßig aufräumen.

04. Du sollst immer dein Betriebssystem herunterfahren, bevor du den Computer ausschaltest.

05. Du sollst die Highscore-Liste nicht manipulieren.

06. Du sollst nicht die Hälfte deiner Arbeitszeit Solitaire oder Minesweeper spielen.

07. Du sollst nicht begehren deines Nächsten 19-Zoll-Monitor.

08. Du sollst deine Freunde nicht mit nichtssagenden E-Mails-bombadieren.

09. Du sollst keine Götter neben Bill Gates haben.

10. Du sollst dich vor dem Apple der Versuchung hüten.

 


Die zehn großen Freiheiten – Die Zehn Gebote positiv betrachtet

1. Du brauchst keine Angst zu haben!

Weder vor der Macht der Sterne – noch vor der Macht der Menschen –

weder um dein Geld – noch um dein Vergnügen.

Wenn du dein Herz an diese Dinge hängst, wirst du zum Sklaven.

Ich, der allmächtige Gott, will dein Helfer sein.

Halte dich an mich und du bleibst frei.

 

2. Du brauchst dir nichts einreden zu lassen!

Weder von den Sektenpredigern – noch vor den Weltanschauungsaposteln – weder von den ewigen Weltverbesserern –

noch von den hemmungslosen Egoisten.

Sie machen sich alle ein falsches Bild von Gott, von der Welt, von sich selbst. Ich, der allmächtige Gott, will dein Lehrer sein.

Halte dich an mein Wort, es ist Wahrheit.

 

3. Du brauchst mich nicht zu zwingen, dir zu helfen!

Weder durch fromme Leistungen – noch durch törichte Beschwörungen – weder durch scheinheiliges Gerede –

noch durch christliche Bemäntelung deiner eigennützigen Ziele.

Denn das alles heißt: Schindluder treiben mit meinem Namen. Ich, der allmächtige Gott, bin ganz freiwillig dein Freund.

Halte dich an mich, dein Gebet ist nicht vergeblich.

 

4. Du brauchst dich nicht zu Tode hetzen!

Weder durch pausenloses Arbeiten – noch durch eine pausenlose Vergnügungsjagd – weder durch Sorgen, die du dir machst –

noch durch die Angst, du könntest etwas versäumen.

Das alles bringt dich nur in eine heillose Verkrampfung und nimmt dir alle Lebensfreude. Ich, der allmächtige Gott, will dein Meister sein.

Halte dich an mich, und dein Leben wird Erfüllung finden.

 

5. Du brauchst nicht in ständiger Auflehnung zu leben!

Weder gegen deine Eltern – noch gegen deine Lehrer –

weder gegen das, was Sitte ist – noch gegen das, was Gesetz ist.

Auflehnung gegen die guten Ordnungen des Lebens macht so unfrei wie Kadavergehorsam.

Ich, der allmächtige Gott, will dein Vater im Himmel sein.

Du kannst es dir leisten, dich in Liebe einzuordnen und so deine Freiheit zu gewinnen.

 

6. Du brauchst die anderen nicht als Konkurrenten zu behandeln!

Denen man „zuvorkommen“ muss – die man von sich abhängig machen muss – die man beruflich und politisch oder persönlich „fertigmachen“ muss.

So ein Verhalten ist kein Zeichen von Kraft und Tüchtigkeit, sondern von Schwäche und Angst.

Ich, der allmächtige Gott, will dein Beschützer sein.

Du kannst es dir leisten, deinem Nächsten leben zu helfen.

 

7. Du brauchst dich nicht „auszutoben“!

Weder durch unsauberes Geschwätz – noch durch schwüle Tagträume –

weder, indem du dich selbst befriedigst –

noch indem du andere zu deiner Befriedigung missbrauchst.

Bring dich nicht durch die Karikaturen der Liebe um die Freude der Liebe! Ich, der allmächtige Gott, will der Stifter deines Glücks sein.

Du kannst es dir leisten, auf den Menschen zu warten, den ich dir sende.

 

8. Du brauchst dich nicht unehrlich zu bereichern!

Weder durch Diebstahl – noch durch Geschäftsbetrug –

weder, indem du den Nächsten – noch, indem du den Staat übers Ohr haust.

Was du dadurch an Besitz gewinnst, verlierst du an Frieden und Selbstachtung. Ich, der allmächtige Gott, will dein Versöhner sein.

Du kannst es dir leisten, zu geben, statt zu nehmen.

 

9. Du brauchst nicht von der Wahrheit abzuweichen!

Weder, um den Nächsten schlecht zu machen – noch, um dein Versagen zu vertuschen – weder zu deiner eigenen Bequemlichkeit –

noch, weil andere es von dir verlangen.

Die Lüge macht das Zusammenleben der Menschen auf die Dauer zur Hölle. Ich, der allmächtige Gott, habe Vertrauen zu dir.

Du kannst es dir leisten, Vertrauen zu schenken und zu schaffen.

 

10. Du brauchst nicht neidisch zu sein!

Weder auf den Besitz der anderen – noch auf das Können der anderen –

weder auf die Güte der anderen – noch auf den Erfolg der anderen.

Der Neid auf die anderen nimmt dir die Freude am Eigenen.

Ich, der allmächtige Gott, bin der Geber guter Gaben für dich.

Du kannst es dir leisten, den anderen ihr Gutes zu gönnen.

 

Ernst Lange

 

Zehn Gebote im Umgang mit Kindern

  1. Du sollst Kinder achten wie dich selbst.
  2. Du sollst einem Kind nicht vorenthalten, was dir wichtig ist: nützliche Arbeit, Verantwortung, Verfügung über ein Eigentum, über die Einteilung der Zeit, über die Wahl der Freunde.
  3. Du sollst ein Kind nichts lehren, woran dir selber nichts liegt, du sollst es nicht langweilen.
  4. Du sollst nichts für ein Kind tun, ohne es zu fragen, auch wenn es weder deine Fürsorge noch deine Frage versteht – es ist gut, wenn du diese Gewohnheit hast.
  5. Du sollst nicht wegsehen, es soll dir nicht gleichgültig sein, wenn ein Kind etwa Falsches tut, Unwahrheiten, Torheiten, Grausamkeiten begeht.
  6. Du sollst eines Kindes Liebe und Vertrauen nicht zurückweisen – so wenig wie seine Trauer, seine Angst, seine Neugier, seine Phantasie.
  7. Du sollst ein Kind nicht anders „machen“ wollen, als es ist – aber du sollst ihm helfen, anders zu werden, wenn es das will. Du sollst vor allem nicht machen, dass es will.
  8. Du sollst in dieser Welt einen „zweiten Zehnten“ für die Kinder geben – die fernen wie die nahen, die dies brauchen.
  9. Du sollst an der Welt arbeiten, so dass du sie ohne Scham den Kindern übergeben kannst.
  10. Du sollst nicht Kinder haben, wenn du dir nicht vorzustellen vermagst, dass sie ein würdiges Leben in ihrer Zeit führen können.

Hartmut von Hentig

 

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Literatur

Adler, Heinz

Teamer in der Konfirmandenarbeit, Gütersloh 2007

 

Butt, Christian

Evangelisch – Was ist das? Eine kleine Kirchenkunde, 2011

 

Dennerlein, Norbert

Luthers Kleiner Katechismus – für Leute von heute, Gütersloh 2007

 

Jasch, Susanne u.a.

Konfi 3. Werkbuch für Gruppenbegleiterinnen und Gruppenbegleiter (mit CD) sowie Begleit-Heft, calwer 2012

 

Käßmann, Margot

Einfach Evangelisch Band 1. Du darfst: Die zehn Gebote, 2009

 

 

im Internet:

http://www.ekd.de/glauben/zehn_gebote.html

http://www.unsere-zehn-gebote.de/

http://www.ekir.de/www/glauben/zehn-gebote-9509.php

 

download:

weitere „Zehn Gebote“

 

 

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