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Die Bibel

Die Bibel ist eine Sammlung von 66 Büchern. Diese 66 Bücher sind in zwei Testamente eingeteilt, in das Alte (39) und das Neue Testament (27). Propheten, Priester, Könige und Führungspersonen Israels schrieben die AT-Bücher in Hebräisch (mit zwei Abschnitten in Aramäisch). Die Apostel und ihre Mitarbeiter verfassten die Bücher des NT in Griechisch.

 

Die Bücher der Bibel

Das Alte Testament

Genesis/1. Buch Mose

2. Chronik

Daniel

Exodus/2. Buch Mose

Esra

Hosea

Levitikus/3. Buch Mose

Nehemia

Joel

Numeri/4. Buch Mose

Ester

Amos

Deuteronomium/ 5. Buch Mose

Hiob

Obadja

Josua

Psalmen/Psalter

Jona

Richter

Spruchwörter/Sprüche

Micha

Rut

Kohelet/Prediger

Nahum

1. Samuel

Hohelied Salomos

Habakuk

2. Samuel

Jesaja

Zefanja

1. Könige

Jeremia

Haggai

2. Könige

Klagelieder Jeremias

Sacharja

1. Chronik

Ezechiel

Maleachi

 

 

Das Neue Testament

Matthäus

Epheser

1. Petrus

Markus

Philipper

2. Petrus

Lukas

Kolosser

1. Johannes

Johannes

1. Thessalonicher

2. Johannes

Apostelgeschichte

2. Thessalonicher

3. Johannes

Römer

1. Timotheus

Hebräer

1. Korinther

2. Timotheus

Jakobus

2. Korinther

Titus

Judas

Galater

Philemon

Offenbarung

 

Manche Bibeln enthalten zusätzliche Bücher, die sogenannten „Apokryphen“ (7 Bücher). Die Protestanten ha­ben diese Schriften jedoch nicht in ihren Bibelka­non aufgenommen.

 

Die Entstehung der Bibel

Von den ursprünglichen Manuskripten der Bibel ist keines erhalten geblieben. Wir besitzen z.B. weder das Original der Worte des Propheten Jeremia noch das Original vom Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom. Es gibt jedoch Abschriften der Originale, die in unterschiedlicher Anzahl vorliegen und unterschiedlich alt sind. Denn bis zur Erfindung des Buchdrucks gab es nur eine einzige Möglichkeit, Bücher zu vervielfältigen: Man musste sie mit der Hand abschreiben. Für das NT existieren ca. 3.000 Handschriften mit mehr oder weniger großen Teilen. Berühmte alte Handschriften, wie der Kodex Sinaiticus, der beinahe den ganzen Bibeltext enthält, wurden in Klosterbibliotheken oder im Wüstensand gefunden. Die ältesten und wohl bekanntesten Funde von alttestamentlichen Handschriften wurden 1947 in den Höhlen von Qumran am Toten Meer gemacht. Dort waren die Schriften vor zweitausend Jahren zum Teil in Tonkrügen verborgen worden. Allerdings ist es selten, dass ganze Handschriften entdeckt werden. Häufig sind es nur größere oder kleinere Teile und manchmal ist ein Fundstück kaum größer als eine Briefmarke. 200 Abschriften wurden in Qumran gefunden mit Teilen von nahezu allen alttestamentlichen Büchern. Jeder Fund einer biblischen Handschrift, mag er noch so klein sein, ist jedoch bedeutsam und hilft, dem ursprünglichen Wortlaut der biblischen Texte näherzukommen. Fachleute konnten auf diese Weise einen Grundtext von großer Genauigkeit erschließen. Das älteste Papyrusfragment (p25) enthält Bruchteile des Johannesevangeliums und ist ca. 100 – 125 nach Christus geschrieben worden.

Kein Buch der Antike ist annähernd so genau überliefert worden wie die Bibel. Begriffe wie Sündenbock oder Tohuwabohu stammen aus dem Alten Testament.

 

Altes Testament

Bevor die ersten Teile des Alten Testaments niedergeschrieben wurden, waren sie schon Jahrhunderte lang mündlich weitergegeben worden. Ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. sind die Texte dann schriftlich fixiert worden. Es ist jedoch sehr schwer, die genaue Entstehungszeit der alttestamentlichen Bücher anzugeben. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. haben jüdische Gelehrte die heiligen Schriften gesammelt und zu größeren Einheiten zusammengefügt, beginnend mit der Tora. Die jüngsten Bücher wurden erst im 2. Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben. So sind von den Anfängen mündlicher Überlieferung bis zu den letzten schriftlichen Aufzeichnungen des Alten Testaments etwa tausend Jahre vergangen. Die Geltung einzelner Bücher war im Judentum lange umstritten. Vermutlich stand der genaue Umfang der hebräischen heiligen Schriften erst gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. fest. In den Jahrhunderten nach der Zerstörung des Tempels und Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. fixierten jüdische Gelehrte die Gestalt des Textes bis in kleinste Einzelheiten. Der so bearbeitete hebräische Text wird „masoretischer Text“ genannt, weil er in seiner heutigen Gestalt auf der „Masora“ genannten Überlieferungstätigkeit jüdischer Gelehrter (Masoreten) beruht. Er ist bis heute die Grundlage für die Übersetzung des Alten Testaments.

Im Alten Testament geht es um die Beziehung Gottes zu den Menschen. Das Wort Testament bedeutet in der Sprache der Bibel Vertrag, Abkommen oder Bündnis. Am besten übersetzt man es mit dem Wort Bund. Besonders dann, wenn von Gott als Bundespartner der Men­schen die Rede ist. Weil der Gedanke des Bun­des zwischen Gott und den Menschen für das Verständnis des Alten Testaments so wichtig ist, nannte man den ersten Teil der Bibel danach: altehrwürdiger Bund, Altes Testament.

Das Alte Testament berichtet davon, dass sich Gott ein eigenes Volk ausgewählt hat, das er begleitet: das Volk Israel. Gleich dreimal wird in den Schriften des Alten Testaments von wichtigen Bundesschlüssen zwischen Gott und dem Volk Israel berichtet: die Bundes­schlüsse mit Noach, mit Abraham und mit Mose.

 

Der Bund mit Noach

Das erste Buch der Bibel, das Buch Genesis, erzählt davon, wie der fromme und gerechte Noach, seine Familie und jeweils ein Paar von allen Tieren der Erde vor der Sintflut gerettet wer­den. Nachdem sie auf der Arche die große Flut überstanden hatten, gab Gott dem Noach das Versprechen, dass nie wieder eine solche Flut das Leben auf der Erde bedrohen solle. Erinnerungs­zeichen für diesen Bund ist der Regenbogen.

 

Der Bund mit Abraham

Wenig später wird im Buch Genesis von einem weiteren Bund berichtet. Gott schließt ihn mit Abraham. Er ist ein gerechter und guter Mann. Gott hatte ihn auserwählt und wandte ihm seine Gnade zu. Gott versprach Abraham, dass er der Stammvater eines großen Volkes sein und ein wunderschönes Land erhalten werde. Die Nachkommen des Abraham sollten so zahlreich sein wie die Sterne am Himmel.

 

Der Bund mit Mose

Das Buch Exodus erzählt sehr ausführ­lich von einem dritten Bundesschluss: Nach dem Auszug des Vol­kes Israel aus Ägypten und einer langen Wüsten­wanderung gelangten die Israeliten und ihr Anführer Mose zum Gebirge Sinai. Dort schloss Gott mit Mose für das Volk Israel einen wichtigen Bund. Dieser Bund besagte, dass Israel für immer Gottes auserwähltes Volk ist und dass Gott für immer der Gott Israels ist. Und Israel soll nach den Gesetzen Gottes leben und die Gebote Gottes halten.

 

Der rote Faden der alttestamentlichen Geschichte verläuft entlang der folgenden Eckpunkte:

  • Erschaffung des Universums
  • Sündenfall
  • Sintflut als Gericht über die Erde
  • Abraham, Isaak und Jakob (Israel): die Patriarchen der erwählten Nation

 

Die Geschichte Israels:

  • Das Exil in Ägypten – 430 Jahre
  • Auszug aus Ägypten und Wüstenwanderung – 40 Jahre
  • Eroberung Kanaans – 7 Jahre
  • Zeit der Richter – 350 Jahre
  • Vereintes Reich – Saul, David, Salomo – 110 Jahre
  • Geteiltes Reich – Juda/Israel – 350 Jahre
  • Exil in Babylon – 70 Jahre
  • Rückkehr und Wiederaufbau des Landes – 140 Jahre

 

Die Details dieser Geschichte werden in den 39 Büchern erklärt, die sich in 5 Kategorien gliedern:

  • Das Gesetz – 5 (1.–5. Mose)
  • Geschichtsbücher – 12 (Josua – Esther)
  • Weisheitsbücher – 5 (Hiob – Hohelied)
  • Große Propheten – 5 (Jesaja – Daniel)
  • Kleine Propheten – 12 (Hosea – Maleachi)

 

Geschichtsbücher, Lehrbücher und Propheten

Das Alte Testament der Lutherbibel kann man in drei große Teile gliedern. Die Geschichtsbücher, die Lehrbücher (mit den Psalmen) sowie die Propheten.

Die Geschichtsbücher wiederum gliedern sich in die Gesetzbücher (fünf Bücher Mose), das deuteronomistische (Das Buch Josua bis Das 2. Buch der Könige) und das chronistische Geschichtswerk (Das 1. und 2. Buch der Chronik). 39 Bücher umfassen die Schriften des Alten Testaments.

 

1. Die Geschichtsbücher

Die Gesetzbücher – Die fünf Bücher Mose

Die Gesetzbücher umfassen die fünf Bücher Mose (Genesis – Exodus – Levitikus – Numeri - Deuteronomium). Man nennt sie daher auch Pentateuch (Fünfbändebuch). Die jüdische Bezeichnung für die fünf Bücher Mose ist „Tora“ und bedeutet Weisung oder Gesetz. Sie werden so bezeichnet, da die Gebote und Weisungen Gottes an sein Volk Israel hier im Zentrum stehen.

 

2. Lehrbücher und Psalmen

Dazu gehören das Buch Hiob, die 150 Psalmen, das Buch der Sprichwörter und der Prediger Salomo sowie das Hohelied Salomos. Sie sind dem zweiten Teil des Alten Testaments zugeordnet.

 

3. Die Propheten

Zu den Prophetenbüchern zählen die großen Propheten Jesaja, Jeremia und Hesekiel (= Ezechiel), sowie Daniel, die Klagelieder Jeremias und die so genannten zwölf kleinen Propheten Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefania, Haggai, Sacharja, Maleachi.

Amos ist der älteste Prophet, er predigte in der Zeit um 750 v. Chr. Zur selben Zeit wirken Hosea und Micha im Südreich. Die jüngsten Propheten wirkten im 5. Jahrhundert. Dazu gehören Maleachi, Haggai und Sacharja.

 

4. Apokryphe Schriften

Im Alten Testament oder vor dem Neuen stehen zehn Schriften, die nicht in den Kanon des Alten Testaments aufgenommen wurden:

Das Buch Judit, Das Buch der Weisheit Salomos, Das Buch Tobit, Das Buch Jesus Sirach, Das Buch Baruch, Das 1. und 2. Buch der Makkabäer, Stücke zu den Büchern Ester und Daniel und das Gebet Manasses.

Die beiden Makkabäerbücher spielen in den Jahren 175 bis 134 vor Christus und erzählen von dem Aufstand der jüdischen Herrscherdynastie der Makkabäer gegen die Unterdrückung der Syrer. Das Buch Judit ermutigt jüdische Freiheitskämpfer am Beispiel einer Witwe, die einen assyrischen Feldherren verführt und tötet.

Diese Schriften wurden nur in der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes (der sog. Septuaginta) überliefert. In den meisten Lutherbibeln fehlen diese Schriften, weil sie für Luther nicht mit den anderen alttestamentlichen Schriften gleichwertig waren. In der Regel sind die Apokryphen aber in katholischen Bibeln enthalten.

 

Die Septuaginta

Schon sehr früh, zwischen dem 3. und 1. Jahrhundert v. Chr., wurden die Texte der Hebräischen Bibel in die damalige Weltsprache Griechisch übersetzt. Eine Legende erzählt, dass diese Übersetzung von 70 (oder 72) Gelehrten angefertigt wurde, die unabhängig voneinander zu demselben Ergebnis kamen. Darum heißt diese Übersetzung „Septuaginta“ (lateinisch für „Siebzig“) und wird oft mit dem römischen Zahlzeichen für Siebzig „LXX“ abgekürzt. Für die Griechisch sprechenden Christinnen und Christen der ersten Stunde war die Septuaginta die Heilige Schrift. Erst mit der Festlegung des neutestamentlichen Kanons wurde die Unterscheidung zwischen Altem und Neuem Testament eingeführt.

Nach Vollendung des AT folgten 400 Jahre des Schweigens. Dieses Schweigen wurde gebrochen, als Johannes der Täufer auftrat und verkündete, dass der verheißene Herr und Erretter gekommen ist. Während es in den 39 Büchern des AT hauptsächlich um die Geschichte Israels und um die Verheißung des kommenden Retters geht, drehen sich die 27 Bücher des NT vor allem um die Person Jesu Christi und den Aufbau der Gemeinde.

 

 

Neues Testament

Das Neue Testament beginnt wie das Alte mit den Geschichtsbüchern. Sie umfassen die vier Evangelien und die Apostelgeschichte. Der zweite große Komplex die Briefe gliedern sich in die paulinischen und die übrigen Briefe.

Die vier Evangelien berichten von der Geburt Jesu, seinem Leben, seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Alle vier Evangelisten betrachten dieses großartige und wichtigste Ereignis der Weltgeschichte – das Kommen des Gottessohnes Jesus Christus – aus einer anderen Perspektive. Matthäus betrachtet ihn unter dem Gesichtspunkt seines Reiches; Markus sieht ihn als Diener; Lukas als Mensch und Johannes aus Perspektive seiner Göttlichkeit.

In den Briefen geht es um Fragen, die die ersten christlichen Gemeinden betreffen (Paulus) oder aber grundsätzlich die gesamte Christenheit. Die Offenbarung Johannes beendet das Neue Testament.

 

Das Wort „Evangelium“

Das griechische Wort „Evangelium“ heißt wörtlich übersetzt: „Gute Botschaft“, „Gute Nachricht“. Die ersten Christinnen und Christen gebrauchten dieses Wort zunächst, wenn sie von Gottes Heilshandeln in Jesus Christus sprachen und in kurzer Form die wichtigsten Inhalte dieses Handelns zusammenstellten. Es war wahrscheinlich Markus, der in Anlehnung an diesen Sprachgebrauch als erster seinen umfangreichen Bericht von Jesu Leben als „Evangelium“ bzw. „Gute Nachricht“ bezeichnete. In Anlehnung daran hat man in der Alten Kirche dann auch die entsprechenden Darstellungen der anderen Verfasser (Matthäus, Lukas und Johannes) so genannt. Darin kommt zum Ausdruck, dass es sich bei aller Unterschiedlichkeit im Einzelnen immer um die eine „Gute Nachricht“ handelt, die in vierfacher Weise entfaltet wird.

 

Die ersten Schriften

Die frühesten Schriften des Neuen Testaments sind die Briefe des Apostels Paulus. Die Worte Jesu und die Erzählungen über sein Wirken wurden zunächst mündlich weitergegeben; erst als der zeitliche Abstand zu den Ereignissen wuchs, entstand das Bedürfnis nach schriftlicher Aufzeichnung. Auf diesem Weg sind die Evangelien entstanden.

Fast alle neutestamentlichen Schriften wurden noch im 1. Jahrhundert n. Chr. verfasst. Damals wie auch später gab es daneben noch eine Vielzahl von Schriften, die im Titel vorgaben, Evangelien, Apostelgeschichten oder Jüngerbriefe zu sein, aber die Botschaft von Jesus Christus oder die Lehre der Apostel aus eigener Sicht wiedergaben. Deshalb musste die frühe Kirche eine Entscheidung fällen, welche Schriften als verbindlich galten. Am Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. stand jedoch das Neue Testament im Wesentlichen in seinem heutigen Umfang fest. Die Auseinandersetzungen der Folgezeit führten im 4. Jahrhundert zur endgültigen Festlegung eines „Kanons“ (d.h. wörtlich „Richtschnur“) von 27 Schriften, der seitdem in allen großen Kirchen Geltung hat.

 

Die Entstehung der Evangelien

Vergleicht man die vier Evangelien, dann zeigt sich, dass die ersten drei an vielen Stellen im Wortlaut und in der Reihenfolge des Dargestellten übereinstimmen, während das Johannes-Evangelium eigene Wege geht. Wegen ihrer großen Übereinstimmung kann man die drei ersten Evangelien (in einer Zusammenschau) nebeneinander betrachten. Sie werden deshalb auch die „synoptischen“ Evangelien genannt (Synopse = Zusammenschau). Zur Erklärung dieser Gemeinsamkeiten und Unterschiede geht man heute fast allgemein davon aus, dass Markus mit seinem Evangelium die Grundlage für die Darstellung des Matthäus und Lukas bildete. Die Teile, die Matthäus und Lukas über Markus hinaus gemeinsam haben – es handelt sich vor allem um Redeabschnitte, z.B. die Bergpredigt (Matthäus 5-7) und die Feldrede (Lukas 6,20-49), werden auf eine zweite, nicht mehr erhaltene Quelle zurückgeführt. Man nimmt an, dass diese im Wesentlichen Worte Jesu enthalten hat, und nennt sie daher „Spruchsammlungoder (mit dem griechischen Begriff) „Logienquelle“ (sog. Zweiquellentheorie: Markusevangelium als eine Quelle und die Logienquelle als zweite). Darüber hinaus hatten sowohl Matthäus als auch Lukas Zugang zu weiteren Überlieferungen von Lehre und Taten Jesu, die als ihr „Sondergut“ bezeichnet werden. Das Johannes-Evangelium, dessen theologischer Charakter sich deutlich von den drei synoptischen Evangelien unterscheidet, scheint diese wiederum gekannt zu haben. Deswegen wird oft angenommen, dass es zuletzt entstanden ist. Neuerdings wird aber auch behauptet, dass das Johannesevangelium ein völlig eigenständiger Versuch wäre, Leben und Lehre Jesu darzustellen und zwar unabhängig von den Synoptikern und zudem im Alter dem Markusevangelium (um 70 n. Chr. geschrieben) in nichts nach stehe.

 

Die Besonderheiten der vier Evangelien

Jedes der Evangelien stellt das Leben und Wirken Jesu aus einem anderen Blickwinkel dar:

  • Für Markus steht das Leiden und Sterben Jesu im Zentrum. Sein Ziel ist es, deutlich zu machen: Durch Jesus von Nazaret spricht und handelt Gott selbst.
  • Matthäus weist immer wieder darauf hin, dass sich in Jesus die Verheißungen der Propheten des Alten Testaments erfüllt haben.
  • Lukas orientiert sich am Vorbild der Geschichtsschreibung seiner Zeit und versucht, die Ereignisse möglichst lückenlos und geordnet zu berichten. Er zeichnet Jesus als liebevollen „Arzt“ und Hirten, der kam, alles Kranke und Verlorene zu suchen. Reichtum und Armut sind bei ihm ein wichtiges Thema.
  • Für Johannes ist Jesus das Mensch gewordene Wort Gottes, das die Sehnsucht der gesamten Menschheit stillt.

Gemeinsam ist allen vier Evangelien, dass sie bei ihren Leserinnen und Lesern den Glauben an Jesus Christus wecken wollen. So gesehen handelt es sich bei allen Unterschieden im Einzelnen immer um die eine „Gute Nachricht“, die in vierfacher Weise erzählt wird.

 

Leben und Verkündigung Jesu

Die Geschichte des Lebens Jesu

Das Evangelium vom Leben Jesu beginnt bei der Geburt in Bethlehem um das Jahr 4 v. Chr. Er ist Jude, wächst in Nazareth auf und arbeitet wie sein Vater als Zimmermann. Etwa mit 30 Jahren lässt er sich von Johannes dem Täufer im Jordan taufen. Bei dieser Taufe erhält er den Geist Gottes, der ihn für seine Aufgaben bereit macht. Daraufhin beginnt er zu lehren und Kranke zu heilen.

 

Die Verkündigung des Reiches Gottes

Jesus verkündigt das Reich Gottes und ruft zur Umkehr auf: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). „Reich Gottes“ meint den Raum, in dem Gott wirkt. Dass Gottes Herrschaft in dieser Welt bereits angebrochen ist, zeigt sich an den Wundern Jesu: Blinde sehen und Lahme gehen. Die völlige Vollendung des Reiches Gottes jedoch liegt noch in der Zukunft.

 

Die neuen Maßstäbe – Die Feindesliebe

Angesichts der Nähe Gottes gibt Jesus den Menschen für ihr Leben ganz neue Maßstäbe. Er fordert sie zu einer neuen Form des menschlichen Zusammenlebens auf. Diese Lebensregeln sind vor allem in der Bergpredigt (Matthäus 5-7) verankert und gipfeln im Gebot der Feindesliebe: „Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen“ (Mt 5,44).

 

Alles Notwendige kommt von Gott

Jesus macht in der Bergpredigt deutlich, dass das Vertrauen auf irdischen Besitz, die Sorge um das eigene Leben, das anmaßende Urteil über andere Menschen in der Nähe Gottes keinen Platz haben, denn alles Lebensnotwendige erhält man von Gott. Besonders den Armen, Trauernden, Freundlichen, Barmherzigen und Friedfertigen sagt er die Nähe Gottes und Heil zu: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ (Mt 5,4).

 

Die Passion – der Leidensweg

Jesus kommt wegen seiner Lehre und seinem Wirken in Konflikt mit der Obrigkeit. Er wird verhaftet und vom Hohen Rat, der obersten jüdischen Verwaltungs- und Gerichtsbehörde, verhört, wegen Gotteslästerung verurteilt und den römischen Behörden übergeben, da nur diese Todesurteile vollstrecken durften.

Der Prokurator Pontius Pilatus verurteilt ihn wegen Aufruhr und Anführerschaft einer messianischen Freiheitsbewegung, die sich gegen die römische Besatzungsmacht richtet, zum Tod durch Kreuzigung. Diese Todesart wurde nur bei nichtrömischen Bürgern vollstreckt und ist äußerst qualvoll und erniedrigend.

 

Das letzte Abendmahl und der Tod auf Golgatha

Am Abend vor seiner Hinrichtung, feiert Jesus mit seinen Jüngern ein Abschiedsessen, das letzte Mahl. Dabei fordert er sie auf, auch weiterhin diese Mahlgemeinschaft zu halten, in der er trotz seines bevorstehenden Tod bei ihnen sein wird. Jesus stirbt am Karfreitag auf Golgatha (Schädelstätte) nahe Jerusalem um die neunte Stunde (etwa 15 Uhr). In der Todesstunde schreit er nach dem Markusevangelium: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Ps 22,2). Trotz dieses Verlassenheitsrufes hält er an der Gottesgemeinschaft fest. Joseph von Arimathäa, ein reicher Jude, begräbt ihn in einem Höhlengrab.

 

Die Auferstehung

Drei Tage nach der Hinrichtung kommen Maria, Maria Magdalena und Salome zum Grab und finden es leer. Statt den Leichnam sehen sie einen Mann in weißem Gewand, der ihnen von der Auferstehung berichtet und sie nach Galiläa schickt, denn dort sei Jesus zu finden. Zwei Jünger begegnen dem Auferstandenen nahe Emmaus und erkennen ihn erst, als er beim Mahl das Brot bricht. Die Auferstehung Jesu an sich wird im Neuen Testament nicht erzählt. Sie geht über jede menschliche Vorstellungskraft hinaus und wird daher nur indirekt beschrieben, indem Erfahrungen von Menschen erzählt werden, die bezeugen, dass Jesus trotz seines Todes lebt und von Gott auferweckt wurde.

 

Die Apostelgeschichte

Zu den „Geschichtsbüchern“ des Neuen Testaments gehört außer den vier Evangelien auch die Apostelgeschichte. Sie wurde als Fortsetzung des Lukasevangeliums geschrieben und erzählt von den ersten christlichen Gemeinden, also den Anfängen der Kirche, und vom Siegeslauf der „Guten Nachricht“ von Jerusalem aus in die ganze damals bekannte Welt.

Während im ersten Teil der Apostelgeschichte der Kreis der Apostel um Petrus im Zentrum steht, ist die wichtigste Person des zweiten Teils der Apostel Paulus, dessen Bekehrung und Missionsreisen ab Kapitel neun beschrieben werden.

 

Paulus

Paulus ist eine der bekanntesten, aber auch umstrittensten Personen des Neuen Testaments. Er ist um das Jahr 5 n. Chr. in Tarsus, in der heutigen Türkei geboren, erhielt in Jerusalem eine jüdische Ausbildung zum Pharisäer (Schriftgelehrter). Er lebte streng nach den religiösen Schriften, gehörte der jüdischen Oberschicht an. Von Beruf war er Zeltmacher und Sattler. Saulus verfolgte im Auftrag des Hohen Rates die Christen; vor Damaskus erschien ihm Jesus Christus. Saulus berichtete später, er habe von Christus den Auftrag erhalten, die frohe Botschaft von Jesus Christus vor allem Nichtjuden, den sog. „Heiden“ zu bringen. Er zählte sich fortan zur christlichen Gemeinde. Seine Freunde nannten ihn seitdem fast nur noch Paulus - mit diesem Namen wird er selbst sich auch in seinen Briefen immer vorstellen.


Die katholischen Briefe

Zu den übrigen Briefen zählen der Hebräerbrief, die johanneischen (1. bis 3. Johannesbrief) und die sogenannten katholischen Briefe (Jakobus, 1. und 2. Petrusbrief, Judasbrief). Letztere sind nicht wie die paulinischen an bestimmte Gemeinden oder Personen gerichtet, sondern sind allgemein (= katholisch) verfasst und behandeln Fragen, die die gesamte Christenheit angehen.

 

Die Offenbarung des Johannes

Die Offenbarung des Johannes, auch Apokalypse (= offenbaren) genannt, enthält viele mythologische Bilder, die sich kaum vollständig entschlüsseln lassen. Oft wird sie daher als Fahrplan für die Ereignisse am Ende der Zeit verstanden. Aber sie ist wohl eher als Durchhalteschrift für Christen in der Verfolgung zu lesen. Die Posaunen sind das Symbol für das Gericht Gottes: Der Kampf Gottes mit dem Bösen ist noch nicht zu Ende, aber bereits gewonnen. Am Ende stehen ein neuer Himmel und eine neue Erde und das himmlische Jerusalem. (Die Vorstellung vom Fegefeuer, der Kampf zwischen Engeln und Teufel, die Bilder von Posaunenengeln und apokalyptischen Reitern sowie die Erzählung von den sieben Siegeln haben hier ihren Ursprung.)

 

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Was war Jesus am wichtigsten?

Jesus war überzeugt davon, dass Gott die Men­schen liebt und dass er das Heil der Menschen will. Er war sicher, dass Gott alles dafür tun will, dass das Leben der Menschen gut wird. Er erklärte den Menschen, wie Gott ist. Er machte deutlich: „Gott ist für euch da. Er ist wie ein guter Vater. Und ihr alle seid seine Kin­der.“ Um zu erklären, wie Gottes Liebe auf der Erde ankommt, benutzte er ein besonderes Wort. Er sprach vom Reich Gottes und von der Gottesherrschaft und forderte die Men­schen auf, sich darauf vorzubereiten. Er sagte:

Die Zeit ist gekommen

Das Reich Gottes ist nahe.

Kehrt um und glaubt an das Evangelium

Mk 1,14-15

 

Jesus zog durch das Land und erzählte den Menschen diese Botschaft. Er verwendete Geschichten und Vergleiche, damit die Men­schen seine Botschaft verstanden. Man nennt sie Gleichnisse. Die Menschen hörten ihm begei­stert und staunend zu. Er erzählte nicht nur Geschichten, sondern tat auch wunderbare Dinge: Er heilte Kranke und tröstete Verzweifel­te. Er wirkte Wunder und kam den Menschen ganz nah. Seine Wunder zeigen, wie das Leben ist, wenn Gottes Reich anbricht.

 

Wie sollen die Menschen miteinander umgehen?

Wenn Menschen miteinander leben, gibt es oft Streit. Wenn man sich nicht verzeiht, kann man auf Dauer nicht mehr miteinander leben. Aber wie oft muss man das tun? Muss man jedem vergeben, der um Entschuldigung bittet? Gibt es da nicht eine Grenze? Jesus hat darauf folgende Antwort gegeben, von der der Evan­gelist Matthäus berichtet:

Jesus wurde einmal von Petrus gefragt: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich an mir versündigt hat? Sieben Mal?“

Da sagte Jesus zu ihm: „Nein. Nicht sieben Mal, sonder siebenundsiebzig Mal.“

(Mt 18,21-22)

 

Jesus war davon überzeugt, dass Liebe zu Gott und Liebe zu den Mitmenschen zusammenge­hören. Für das Verhalten der Menschen unter­einander hatte Jesus einen grundlegenden Rat­schlag: Man soll sich in seine Mitmenschen hineinversetzen und sie so behandeln, wie man selbst gern behandelt werden möchte.

Alles, was die anderen Menschen euch tun sollen, das tut auch ihnen! (Mt 7,12)

 

Jesus wollte dass die Spirale der Gewalt, der Feindschaft und des Hasses durch­brochen wird. Deswegen sollen die Menschen nicht nur ihre Freunde, sondern sogar ihre Fein­de lieben. Jesus hat gesagt:

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet.

Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und über Guten,

und er lässt Regen fallen über Gerechte und über Ungerechte.

(Mt 5,43-45)

 

Jesus wollte, dass Gottes Liebe schon hier und jetzt spürbar wird. Die Menschen sollen sich nicht gegenseitig beherrschen, sondern einan­der dienen. Und sie sollten sich so liebevoll behandeln, wie Jesus sie behandelte. Er sagte:

Wer unter euch der Erste sein will,

der soll der Letzte von allen sein und allen anderen dienen.

(Mk 9,35)

 

 

Wie kann man Gott nahe sein?

Viele Menschen wollten von Jesus wissen, wie man Gott nahekommen kann und wie man sich auf sein Reich vorbereiten sollte. Wonach soll man sich richten? Welche Regeln soll man befolgen? Wie sollte man mit den anderen Menschen umgehen? Welches ist das wichtig­ste Gebot?

Als eines Tages ein jüdischer Schriftgelehrter zu Jesus kam und ihm diese Frage stellte, da antwortete ihm Jesus, indem er zwei Regeln aus dem Alten Testament kombinierte. Er sagte:

Das erste Gebot ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Gott.

Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, mit all deinen Gedanken und mit all deiner Kraft!

 

Das zweite Gebot ist: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.

(Mk 12,29-31)

 

 

Warum hat Jesus Gleichnisse erzählt?

Jesus wollte, dass die Menschen seine Bot­schaft von der Liebe Gottes und von dem anbrechenden Gottesreich gut verstehen konn­ten. Deswegen erzählte er seinen Zuhörern, seinen Anhängern und Freunden Geschichten, mit denen er sie zum Nachdenken über Gott und ihr Leben bringen wollte.

Auf den ersten Blick berichten die meisten Geschichten von ganz normalen Situationen, die die Zeitgenossen Jesu aus ihrem täglichen Leben kannten. Aber immer haben diese Erzäh­lungen auch eine tiefere Bedeutung. Sie wollen nämlich etwas Bestimmtes über Gott und über die kommende Gottesherrschaft sagen.

Jesus war ein Meister im Erfinden und Erzäh­len solcher Geschichten. Sie heißen Gleichnisse. Denn das, was in ihnen erzählt wird, soll man mit etwas anderem im eigenen Leben verglei­chen. In den Gleichnissen Jesu geht es in den allermeisten Fällen um einen Vergleich mit dem Wesen oder dem Reich Gottes. Jesus hat das deutlich gemacht, indem er, bevor er das jewei­lige Gleichnis erzählte, Einleitungssätze ver­wendete, die z.B. so gingen: „Mit dem Reich Gottes ist es wie mit...“ oder „Mit dem Him­melreich verhält es sich so, als wenn ...“

 

Das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lk 15,3-7)

Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

 

Was ist ein guter Hirte?

„Ich bin der Gute Hirte“, sagt Jesus. „Der Gute Hirte setzt sein Leben ein für die Schafe.“

Schafe und Hirten kommen im Neuen Testa­ment sehr oft vor. Auch im Alten Testament sind sie schon ein Bild für Gott, der als Guter Hirte für sein Volk sorgt.

In der Zeit Jesu lebten Hirten und Acker­bauern friedlich miteinander, oft waren Bau­ern auch gleichzeitig Viehzüchter. Auf dem Land, das die Bauern gerade nicht bestellten, durften die Schafe und Ziegen weiden.

Meistens kümmerten sich die jüngeren Familienmitglieder um die Tiere, während die älteren den Anbau des Getreides oder Gemüses übernahmen.

Als durch zahlreiche Kriege und Besatzun­gen das Land knapper wurde, litt auch das Verhältnis zwischen Bauern und Viehzüchtern. Vor allem Nomaden, die mit ihren Herden durch das Land zogen, hatten es immer schwerer, einen geeigneten Weideplatz zu finden. Zudem konnten die Kinder der Viehzüchter nicht am Unterricht in der Synagoge teilneh­men, weil sie viele Wochen im Jahr von Ort zu Ort, von Weideplatz zu Weideplatz zogen. So wurden die Hirten zu einer gesellschaftlichen Randgruppe.

Die Arbeit der Hirten bestand auch darin, die Schafe vor Raubtieren zu bewachen. Bis ins erste Jahrhundert nach Christus gab es sogar noch Löwen in Israel. Auch Bären waren eine Gefahr. Als Waffe gegen die Raubtiere haben die Hirten Steinschleudern benutzt. Ein guter Hirte hatte also alle Hände voll zu tun, wenn er für seine Herde sorgen wollte.

 

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Wie entstanden die ersten Gemeinden?

Auf die vier Evangelien folgt im Neuen Testa­ment ein weiteres erzählendes Buch: die Apos­telgeschichte. Sie schildert, wie es dazu kam, dass die Apostel, die engsten Freunde Jesu, die Botschaft Jesu überall weitersagten. Die Ver­brei­­tung der Frohen Botschaft begann in Jerusalem und erreichte von dort aus alle Völker der Welt.

Im Mittelpunkt der Apostelgeschichte stehen die Erlebnisse der Apostel. Das sind die Men­schen, die von Jesus ausgesandt wurden, das Evangelium überall zu verkünden. Die wichtigs­ten unter ihnen waren Petrus und Paulus.

Geschrieben wurde die Apostelgeschichte vom Evangelisten Lukas. Er leitet dieses Buch über die Anfänge der Kirche so ein:

Im ersten Buch, dem Evangelium, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Davor aber hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er ausgewählt hatte, Anweisungen gegeben.

(Apg 1,1-2)

 

Wie ist die christliche Kirche entstanden?

Am Anfang der Apostelgeschichte wird von einem bedeutsamen Ereignis berichtet. Es wird erzählt, wie die Jünger Jesu die ermutigende, stärkende und begeisternde Kraft des Heiligen Geistes erfuhren. Bis heute feiern die Christen dieses Erlebnis der Jünger als Pfingstfest und als Geburtsstunde der Kirche.

Nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war, hatten sich die Jünger zu einer Versamm­lung zusammengefunden. Da hörten sie plötz­lich vom Himmel her etwas wie einen starken Sturm heranbrausen und sie sahen, dass Zun­gen wie Flammen auf sie herabkamen. Alle wurden sie von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt, die ihnen den Mut gab, hinauszugehen und das Werk Jesu auf der Erde weiterzufüh­ren. Sofort begann Petrus, der erste der Apos­tel, in Jerusalem öffentlich zu predigen. Und er hatte solch einen Erfolg damit, dass in Jerusa­lem unter seiner Führung die erste Gemeinde entstand: die Urgemeinde.

 

Wozu brauchte Jesus Apostel?

Die Evangelien berichten, dass Jesus zwölf sei­ner Jünger auswählte, die ihn bei der Verkün­digung der Frohen Botschaft unterstützen soll­ten. Diese zwölf waren: Simon Petrus, die bei­den Brüder Jakobus und Johannes, Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, der Alphäus-Sohn Jakobus, Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot. Für Judas, der Jesus verraten hat, wurde später Matthias als zwölfter Apostel nachgewählt.

Dem ersten der Apostel, Simon, gab Jesus den griechischen Namen „Petrus“. Das heißt „Fels“. Auf ihn wollte er seine Kirche bauen. Eine Sonderrolle unter den Aposteln spielt Paulus. Obwohl er Jesus zu Lebzeiten nicht kannte, fühlte er sich durch den auferstande­nen Jesus ausdrücklich auch als Apostel beru­fen.

 

Was sagt die Bibel über die Zukunft?

Das letzte Buch des Neuen Testaments und damit der gesamten Bibel ist die Offenbarung des Johannes. Es handelt sich dabei um eine Schrift, die in großartigen Bildern und Visio­nen in die Zukunft der Welt und der Men­schen blickt. Von einer Offenbarung spricht man dann, wenn Gott auf wunderbare Weise auserwählten Menschen Botschaften vermit­telt. Es wird in diesen Bot­schaften etwas offenbar, was vorher verborgen war.

Das Offenbarungsbuch wurde von einem Seher namens Johannes zwischen 90 und 100 n. Chr. geschrie­ben. Er war ein wandernder christlicher Prophet, der auf der Insel Patmos in der Ver­bannung war, als er von Gott eine ganze Reihe von Visionen erhielt, die er in seinem Buch aufgeschrieben hat.

In den Visionen geht es um Geschehnisse im Him­mel und um zukünftige Ereignisse auf der Erde. Es geht um das chaotische Ende der alten Welt und um den Anbruch eines neuen, glücklichen Zeitalters, das Gott herbeiführen wird. Diese Berichte enthalten geheimnisvolle Symbole und Bilder und sind deshalb nicht einfach zu verstehen. Die   Grundaussage   der Visionen ist aber vollkom­men klar: Am Ende wird alles Böse aus der Welt geschafft werden, und das Gute wird siegen. Die Herrschaft Christi wird sich durchsetzen. Und durch Gott wird eine neue Zeit anbrechen, die eine Zeit vollkom­menen Heils sein wird.

 

Gibt es eine Auflösung der Rätsel aus der Johannesoffenbarung?

Die Offenbarung des Johannes steckt voll von Symbolen, Bildern und Zahlenangaben. Die Zahl Zwölf ist dafür ein gutes Beispiel. Die frü­hen Christen kannten die Zwölf als die Zahl der Vollkommenheit und der Vollständigkeit. Im Buch Genesis stand, dass der Stammvater Jakob die perfekte Anzahl von Söhnen hatte: nämlich zwölf. Das Volk Israel hat als das von Gott auserwählte Volk eine ideale Anzahl von Stämmen: genau zwölf. Und auf diese Voll­kommen­heit weist auch die Zahl der von Jesus berufenen Jünger hin: exakt zwölf.

Mit der Zahl Zwölf konnte man damals also ausdrücken, dass etwas vollkommen und voll­ständig, ja geradezu perfekt ist. In diesem Sinne erscheint die Zahl Zwölf auch in der Johannesof­fenbarung. Bei der Beschreibung der kommenden himmlischen Stadt wird durch die häufige Wie­derholung dieser Zahl vor Augen geführt, dass es sich beim neuen Jerusalem um die perfekteste und heilvollste aller möglichen Städte handelt: „Die Stadt besitzt eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren. Darauf stehen zwölf Engel. Auf die Tore sind zwölf Namen geschrieben: die Namen der zwölf Stämme Israels.

Es gibt drei Tore im Osten, drei im Norden, drei im Süden und drei im Westen. Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine. Auf ihnen ste­hen die zwölf Namen der zwölf Apostel Jesu." (Offb 21,12-14)

 

Wie ging es weiter mit dem Christentum?

Nach der Zeit der Apostel und der Entstehung der ersten Gemeinden breitete sich das Chris­tentum ungeheuer schnell über das gesamte Römische Reich aus. Für die rasche Ausbrei­tung sorgten besonders diejenigen Christen, die viel im Land herumkamen: christlich gewordene Soldaten, quer durch das Reich versetzte Beamte und fahrende Händler. Außerdem gab es christliche Wandermissiona­re. Sie alle erzählten ihren Mitmenschen von ihrem Glauben. Und immer mehr Leute schlös­sen sich dem Christentum an.

Ein wichtiger Einschnitt für das Christen­tum geschah zu Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr.: Ab dem Jahr 312 wandte sich nämlich der damalige römische Kaiser Konstantin immer mehr dem Christentum zu. Er erlaubte die christliche Religion in seinem Reich. In den nächsten Jahrzehnten stieg das Christentum sogar zur offiziellen Staatsreligion auf.

 

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Die Bibel - Gottes Wort

Dass die Bibel „Wort Gottes“ ist, lässt sich für den menschlichen Verstand nicht beweisen wie die Richtigkeit mathematischer Formeln oder die Gültigkeit von Naturgesetzen. Aber es geht hier auch um etwas grundlegend anderes: um ein Ergriffensein von der das Leben verwandelnden Gegenwart Gottes, das wir mit dem Wort „Glauben“ beschreiben.

Die Propheten im Alten Testament, die in besonderer Weise die Vollmacht Gottes erfahren haben, stellen wichtigen Worten deshalb ausdrücklich ein „So spricht der Herr!“ voraus. Jesus sagt im Johannes-Evangelium (7,16-17): „Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.“

Die besondere Bedeutung der Bibel als „Wort Gottes“ hängt also für die Lesenden und Hörenden davon ab, ob sie sich auf diese Erfahrung einlassen und ihr Handeln danach ausrichten. Menschen, die sich so von der Bibel verändern lassen, werden überraschende Entdeckungen fürs Leben machen. Dieses Buch wird für sie zu einem einzigartigen Buch: zum Buch der Bücher, zum Buch des Lebens.

Die moderne Bibelforschung untersucht die biblischen Texte aus dem Blickwinkel von Historikern, Archäologen, Psychologen oder Sprachwissenschaftlern. Dabei wurde deutlich: Die Verfasser der Bibel hatten ein anderes Weltbild als der moderne Mensch, doch die zentrale Botschaft Jesu von der unmittelbaren Nähe Gottes zu den Menschen gilt unverändert.

 

Zusammenfassung: Das Besondere der Bibel

Wenn man sie zur Hand nimmt, ist die Bibel zunächst ein Buch wie andere Bücher. Und doch unterscheidet sie sich von allen anderen Büchern. Obwohl ihre Niederschrift schon vor langer Zeit abgeschlossen wurde, ist sie heute noch das meist übersetzte und am weitesten verbreitete Buch; ein Buch, das Menschen zu allen Zeiten und in allen Ländern angesprochen hat und heute noch anspricht und auf das sich alle christlichen Kirchen berufen. Wie andere Bücher aus früheren Zeiten auch, berichtet die Bibel davon, wie unsere Welt entstanden ist und wie es mit dieser Welt weiterging. Wie ein Geschichtsbuch schildert sie die Geschichte des Volkes Israel, erzählt, wie dieses Volk gelebt und welche Ordnungen und Gesetze es befolgt hat. Sie berichtet von Auseinandersetzungen, die das Volk im Inneren erlebt hat, und davon, dass es immer wieder von anderen Völkern überrannt, in die Verbannung geführt oder unterjocht worden ist. Was die Bibel jedoch von anderen Büchern unterscheidet, ist, dass sie die Ereignisse der Weltgeschichte und der Geschichte des Volkes Israel in Beziehung zu Gott bringt. Die Verfasser der verschiedenen biblischen Bücher legen davon Zeugnis ab, dass für sie hinter allem vordergründig irdischen Geschehen Gottes Wille und Gottes Handeln mit seiner Schöpfung steht. Dadurch wollen sie andere zum Glauben hinführen oder sie im Glauben stärken. Die Verfasser der neutestamentlichen Schriften beschreiben dann, wie diese Liebe Gottes in Jesus Christus für alle Menschen sichtbar geworden ist. In ihm begegnen wir einem Menschen, der Gott ganz ernst nimmt. Mit seinem Sterben nimmt er unsere Schuld stellvertretend auf sich. Und mit der Auferstehung zeigt Gott den Menschen, dass er für sie eine neue Hoffnung bereithält, die ihrem Leben einen neuen tiefen Sinn gibt. Auch hier geht es also um Gottes liebevolles Handeln in dieser Welt, das selbst den Tod überwindet.

 

 

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Bibelfassungen

Viele Übersetzungen liegen in verschiedenen Ausgaben vor. Sie unterscheiden sich nicht nur im Layout, sondern vor allem in den Beigaben zum Text. Einige Bibelübersetzungen sind urheberrechtlich als Gemeingut anzusehen und daher frei verfügbar.

Die Septuaginta ist die älteste durchgehende Bibelübersetzung. Sie übersetzt die hebräische Bibel – den Tanach – in die damalige altgriechische Alltagssprache und entstand etwa von 250 v. Chr. bis 100 n. Chr. im hellenistischen Judentum.

Die Erfindung des modernen Buchdrucks geht auf Johannes Gutenberg zurück, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts ein komplettes, maschinenbetriebenes Drucksystem mit beweglichen metallenen Lettern einführte. Wegweisend für spätere Bibelausgaben war seine gedruckte, 42-zeilige Ausgabe der Vulgata[1]. Martin Luther hat zum ersten Mal die komplette Bibel ins Deutsch übersetzt.

Gutenberg Digital

 

Studienbibeln

So genannte Studienbibeln enthalten neben dem Text der zugrundeliegenden Übersetzung eine Vielzahl von Beigaben, die eine intensive Auseinandersetzung mit dem Text (Bibelstudium) ermöglichen sollen. So können zusätzliche Einleitungen, Erläuterungen, Konkordanzen, Kettenverzeichnisse (Querverweis-Systeme), Kartenwerke und Übersichtstafeln das Verständnis des Textes sowie das Verständnis für innerbiblische Zusammenhänge fördern, andererseits aber auch zur Verbreitung eines bestimmten konfessionellen Standpunktes dienen. Die Schwerpunkte der verschiedenen Studienbibeln reichen von einem evangelikalen Textverständnis bis zur historisch-kritischen Aufarbeitung.

 

Deutsche Bibelgesellschaft (Online-Bibeln)

Die Bibel.de

 

Online-Bibeln auf einen Blick

  • die klassische Luther-Übersetzung, die jeder im Ohr hat
  • die moderne Gute Nachricht Bibel, die man sofort versteht
  • die philologisch genaue Menge-Bibel, die besonders nah an den hebräischen und griechischen Grundtexten übersetzt ist
  • die solide Einheitsübersetzung, die die offizielle deutsche Bibelübersetzung der katholischen Kirche ist
  • die Zürcher Bibel (2007), die dem modernen Stilempfinden entspricht und zugleich die »Fremdheit« der biblischen Texte zur Geltung bringt
  • die wortgetreue Elberfelder Bibel (2006), die sich u.a. durch die konkordante (einheitliche) Wiedergabe zentraler Begriffe auszeichnet
  • die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ), die gute Verständlichkeit mit Nähe zum Wortlaut der Grundtexte verbindet
  • die Schlachter-Bibel 2000, die den Grundtext sinngemäß genau und in prägnantem Deutsch wiedergibt
  • die Übersetzung Neues Leben, die besonders leicht und flüssig zu lesen ist
  • die englische King James Version, die auf eine lange Tradition zurückblickt und auch heute im englischen Sprachraum noch vielfach genutzt wird

 

Weitere Bibeln

  • Bibel in gerechter Sprache
  • Die Volxbibel
  • Basisbibel (nur NT)
  • Kinderbibeln

 

Bibelserver

hier gibt es auch die Möglichkeit, die Bibel zu hören

Bibelserver

 

Kinderbibel

Eine Kinderbibel enthält eine Auswahl biblischer Texte, die in einer gegenüber dem Original vereinfachten Sprache abgefasst und in der Regel durch Abbildungen ergänzt sind.

Kriterien, nach denen sich Kinderbibeln unterscheiden und charakterisieren lassen, sind:

  • die Auswahl kann minimalistisch sein und sich auf wenige Kerntexte und zentrale biblische Erzählungen beschränken oder versuchen, die Vielfalt der biblischen Bücher wiederzugeben;
  • das gewählte Niveau der Sprache kann sich an bestimmten Altersgruppen orientieren (Kinder im Vorschul- oder Grundschul-Alter); die Kinderbibel kann zudem als Buch zum Vorlesen oder zum Selberlesen konzipiert sein;
  • die Texte in Kinderbibeln können entweder eng orientiert an der biblischen Vorlage oder in eine freie Nacherzählung eingebunden sein (z. B. Jörg Zink oder Winfried Pioch).
  • die Abbildungen können dominieren, so dass nahezu von einem Bilderbuch mit biblischen Texten gesprochen werden kann, oder sie treten in den Hintergrund und fungieren nur als Illustration oder Auflockerung.

Zwischen den verschiedenen Kinderbibeln bestehen teilweise erhebliche konzeptionelle Unterschiede. Eine objektive Qualitätsbeurteilung ist aufgrund unterschiedlicher pädagogischer wie theologischer Standpunkte schwer möglich. Daher ist es wissenschaftlich sachgemäßer von Einschätzungen statt von Beurteilungen zu sprechen.

 

Weitere Infos zu Bibeln im Überblick gibt es:

im Internet:

Wikipedia 

Gutenberg Digital 

Basisbibel Homepage 

Weitere Onlinebibeln 

Bibelwissenschaft.de 

- Bibellexikon

- Bibelkunde zum Alten und Neuen Testament

Online Bibeltexte 

- Bibeltexte online

Bibelserver 

 

Links zur VolxBibel:

http://www.volxbibel.de/

http://www.volxbibel.com/index.php

http://wiki.volxbibel.com/Hauptseite

 

Bibel in gerechter Sprache  

zur Bibel in gerechterSprache

 

[1] Als Vulgata wird der lateinische Bibeltext bezeichnet, der seit der Spätantike die bis dahin gebräuchlichen (in Umfang und Qualität verschiedenen) älteren lateinischen Übersetzungen der Bibel abgelöst hat.

 

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Die Bibel - das geheimnisvolle Buch

Sie ist, wie sie ist

 

Manchmal schweigt sie tagelang

und plötzlich kommt ein Satz, der mich trifft.

 

Hat sie dabei zu mir hingeschaut?

Wie oft setzt sie ihren eigenen Kopf durch!

Sie ist so eigensinnig, aber voller Charme.

Wenn sie lacht, steht die Zeit still.

Und wenn sie weint, zerreißt es mir das Herz.

 

Aber sie kann auch trösten,

mit einer feinen Geste, mit wenigen Worten.

 

Sie hat ein Gesicht, das man so schnell nicht vergisst.

Die vielen Falten erzählen ihre Geschichte.

Mag sie auch alt sein, sie denkt modern.

Sie hat keine Lust, sich beeinflussen zu lassen.

 

Sie kennt Gott und die Welt.

Wie ein Wasserfall kann sie reden.

Nicht immer mag ich zuhören.

Manchmal will sie nur, dass ich bei ihr bleibe.

Dann brauche ich viel Geduld und Zeit.

Besonders, wenn sie nur in der Vergangenheit kramt.

Aber sie hat auch Geduld mit mir - und immer Zeit.

 

Mein ganzes Leben kennen wir uns schon.

Doch wenn sie zornig wird,

dann möchte ich nicht schuld sein,

und in diesem Zornesregen stehen.

Und gerade dafür liebe ich sie:

dass sie so verletzlich ist, empfindlich für alles Leid der Welt.

 

Und dass sie diesen unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn hat.

Selten antwortet sie, wenn ich sie frage.

Das irritiert mich oft.

 

Aber irgendwie schafft sie es immer,

auf das zurückzukommen, was mir wichtig ist.

Sie ist eine ganz Besondere.

 

Die Bibel.

 

 

 

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Literatur

 

Adler, Heinz

Das BibelHandBuch, Gütersloh 2006

 

Butt, Christian

Evangelisch – Was ist das? Eine kleine Kirchenkunde, 2011

 

Campbell, Stan

Die Espresso-Bibel, Herder 2007

 

Luther, Martin

Die Luther-Bibel

 

Weihs, Alexander; Thönnissen, Ute

Alles rund um die Bibel, Freiburg 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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