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Der Gottesdienst

Anhand eines konkreten Gottesdienstablaufes soll im Folgenden gezeigt und erklärt werden, wie ein solcher aufgebaut ist und was die einzelnen Bestandteile zu bedeuten haben.

 

Allgemeines

Von Israel übernommen ...

Die urchristliche Gemeinde hat ganz selbstverständlich verschiedene liturgische Elemente und Strukturen ihres Gottesdienstes von dem Israels übernommen. Dazu gehörten insbesondere die Psalmen, das Gesang- und Gebetbuch des Volkes Israel. Sie fanden – oft in musikalischer Form, in Sprech- und Wechselgesängen – Eingang in den frühchristlichen Gottesdienst. Die Praxis, in der Synagoge „Perikopen“, d.h. feste Textabschnitte, vor allem aus den fünf Büchern Mose und aus den Propheten, zu lesen und diese auszulegen, wurde übernommen. Man las nun die alttestamentlichen Texte als Hinweise auf den gekommenen, auferstandenen und wiederkommenden Jesus Christus. Später traten die neutestamentlichen Briefe und die Evangelien hinzu. Einzelne Lobrufe und Wendungen aus der jüdischen Liturgie erklangen ganz selbstverständlich im christlichen Gottesdienst, wie zum Beispiel das „Halleluja“ (hebräisch: Lobt Jahwe beziehungsweise Gott), das „Hosianna“ (hebräisch beziehungsweise aramäisch: Hilf doch!), das „Amen“ (hebräisch: so steht es fest, so sei es) oder den aaronitischen Segen (4. Mose 6,24f.). Diese Worte stellen liturgisches „Urgestein“ dar und verbinden uns in unseren Gottesdiensten mit dem Volk Israel und mit den ältesten christlichen Gemeinden.

Die junge christliche Gemeinde übernahm jedoch nicht nur gottesdienstliche Traditionen Israels, sondern gab bald eigenen Texten einen verbindlichen Ort im Gottesdienst, so dem Gebet Jesu, dem Vaterunser (Mt 6,9 –13; Lk 11,2 4), und später der Überlieferung vom Mahl des Herrn. Neben die Psalmen stellte sie eigene Hymnen und Bekenntnisse, wie zum Beispiel Joh 1,1–14, Phil 2,6 –11,

Kol 1,15–20 und Eph 1,3 –13.

 

Gott dient uns

Das heißt: Gott bückt sich zu uns herunter. Gott redet uns an, durch Worte, Lieder und Zeichen. Er ist aber auch ansprechbar. Gott hört uns zu.

 

Wir dienen Gott

Dass wir uns diese freundliche Zuwendung Gottes gefallen lassen und dankbar annehmen, ist bereits der erste Schritt menschlichen Gottesdienstes. Es drückt sich darin aus, dass wir schlicht „Amen“ sagen, Gottes Freundlichkeit annehmen und Gott so die Ehre geben.

Der christliche Gottesdienst wird immer dann gefeiert, wenn Menschen erfahren, dass sie mit Gott sprechen können durch Jesus Christus im heiligen Geist.

Evangelische Gottesdienste sind öffentlich. Ihr Öffentlichkeitscharakter erschließt sich aus dem Evangelium.

Die Gottesdienstlandschaft ist vielfältig und abwechslungsreich. In Ergänzung zum sonntäglichen Hauptgottesdienst haben sich aus unterschiedlichen Anlässen und für diverse Zielgruppen eigene, regelmäßige Gottesdienstangebote etabliert. Kinder- oder Jugendgottesdienste, Familiengottesdienste, Gottesdienste in der Schule, im Krankenhaus oder Altenheim, im Gefängnis oder beim Militär.

Kasualgottesdienste (von lateinisch casus – der Fall) sind biografisch veranlasst; sie feiern und begleiten individuelle Lebensereignisse. Dabei verbinden sie in besonderer Weise Liturgie und Leben. Die Teilnahmezahlen machen deutlich, dass Kasualgottesdienste besonders attraktiv gerade für die Kirchenmitglieder sind, die nicht zur engeren Kirchengemeinde gehören. Sie können auch an der Gestaltung der Kasualgottesdienste beteiligt werden. Die klassischen Kasualien sind die Taufe, die Konfirmation, die Trauung und die Bestattung. Eine weitere wäre der Einschulungsgottesdienst.

Es gibt es auch Gottesdienste, deren Anlass ein gesellschaftlicher ist. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben es ganz deutlich gezeigt: Bei örtlichen oder auch weltweiten Katastrophen suchen Menschen Gottesdienste und Kirchen auf. Sie wollen ihre Betroffenheit und Trauer zum Ausdruck bringen. Sie erwarten dort Hilfe zur Bewältigung der bedrohlichen Situation und Antworten auf ihre Fragen nach dem Sinn des Geschehenen. Das Begehen von gottesdienstlichen Ritualen wird als identitäts- und sinnstiftend erlebt oder als gemeinschaftsstärkend angesehen. Die „Gemeinde“ solcher Gottesdienste ist weder konfessionell noch religiös einheitlich. Vielmehr stehen allgemein menschliche existenzielle Fragen im Vordergrund, auf die jedoch von der Bibel und vom christlichen Glauben her Bezug genommen wird.

Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen feiern bei vielfältigen Gelegenheiten miteinander Gottesdienste. Dies ist auf der einen Seite Ausdruck einer gewachsenen Ökumene, auf der anderen Seite können gemeinsam gefeierte Gottesdienste das ökumenische Miteinander stärken und fördern. In ihnen leuchtet etwas von der Einheit in Christus auf, wie sie im Johannesevangelium beschrieben ist (vgl. Joh 17,22). Von ökumenischen Gottesdiensten spricht man dann, wenn zwei oder mehrere christliche Konfessionen an einer Feier beteiligt sind. Von ökumenischen Gottesdiensten zu unterscheiden sind multireligiöse Feiern, an denen Menschen verschiedener Religionen teilnehmen.

In der Andacht liegt eine solche liturgisch reduzierte Form vor. Sie bietet die Grundstruktur für Morgen- oder Abendandachten, für Friedensgebete oder gottesdienstliche Feiern bei Freizeiten und Tagungen und ist somit ein „kleiner“ Gottesdienst, eine spirituelle Oase im Alltag.

 

Wozu Liturgie

Es ist nicht nötig zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, dass allenthalben gleichför­mige Zeremonien, von den Menschen eingesetzt, gehalten werden.“ So heißt es in der wich­tigsten Bekenntnisschrift der lutherischen Kirche, der Confessio Augustana (CA) von 1530 im siebten Artikel. Stellen wir uns vor, der Pfarrer einer Gemeinde würde das wörtlich neh­men und jeden Sonntag den Gottesdienst unangekündigt nach einer anderen Liturgie und Form halten. Ich vermute, die Gemeinde wäre ziemlich verunsichert. Viele würden wahr­scheinlich wegbleiben.

Denn Menschen suchen im Gottesdienst auch Vertrautes. Für viele regelmäßige Gottes­dienstteilnehmer verkörpert er ein Stück Heimat. Das bedeutet nicht, dass sie im Gottes­dienst nur bestätigt werden wollen. Eine Predigt soll wohl auch trösten, Halt geben und stär­ken, sie soll und darf aber auch aufrütteln, in Frage stellen, Impulse geben zur Veränderung. Auf der anderen Seite wünscht sich die Kirchgängerin überwiegend bekannte Lieder und einen erwartbaren Rahmen, bei dem sie nicht jedes Mal verschämt herausbekommen muss, wann man aufsteht, welche Teile gesungen werden, ohne dass die Nummern der liturgischen Stücke angeschlagen sind, und ob man beim Nachspiel schon geht oder wieder Platz nimmt. Überraschungen erlebt man im Alltag schon genug.

Gottesdienst ist ein Raum für das Gespräch mit Gott. Jeder Raum braucht eine Einrichtung. Das ist beim Gottesdienst die Liturgie. Hier geht es wie auch sonst bei Einrichtungen: Im Großen und Ganzen bewährt, kommt doch manchmal Neues hinzu, erscheint Vertrautes plötzlich in anderem Licht oder gibt ein Geheimnis preis, von dem man nichts ahnte. Darum lohnt es, genauer hinzu­schauen – liebevoll und kritisch – und Fragen zu stellen, zum Beispiel: Warum feiern wir den Gottesdienst am Sonntagmorgen meist in einer traditionellen Gestalt? Was bedeuten die liturgischen Elemente und ihr Zusammenhang?

Die Gestalt des Gottesdienstes ist in ihren wesentlichen Grundzügen in der Agende beschrieben, die Ordnungen und Gebete des Gottesdienstes enthält. Wer in ein solches Buch blickt, erahnt die lange Geschichte, die sich in einer Gottes­dienstordnung verbirgt. Da gibt es zunächst zwei Grundformen, die auf eine Wei­chenstellung in der Reformationszeit zurückgehen. Die erste wahrt den Zusam­menhang mit der Gottesdiensttradition der „Alten Kirche“. Wer in ihr beheimatet ist, findet sich ohne Mühe auch in römisch-katholischen oder fremdsprachigen Gottesdiensten der Ökumene zurecht. Die zweite Form ist knapper und gerade deshalb offen für eine reichere Ausgestaltung, etwa mit Musik. Hier wird in der Darstellung der Liturgie in der Regel auf die erste Form eingegangen, weil der Gottes­dienst in den meisten Gemeinden nach ihr gefeiert wird.

Die Gemeinde als Ganze feiert den Gottesdienst und ist für ihn verantwortlich. Sie beauftragt Menschen mit besonderer Ausbildung, die Gottesdienste vor­zubereiten und zu leiten.

 

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Gottesdienstablauf eines Sonntagsgottesdienstes

Der grobe Gottesdienstablauf könnte folgende Überschriften haben:

Herbeirufung der Gottesdienstbesucher/innen durch das Geläut

 

Begrüßung

  • Begrüßung
  • Vorbereitungsgebet
  • Psalm

 

Was uns beschäftigt...

  • Anrufung Gottes mit Leid (Herr, erbarme dich) und Freude (Ehre sei Gott...)
  • Zusammenfassung im Gebet des Tages

 

Was los ist in der Welt

  • Lesungen aus der Bibel und Auslegung in der Predigt

 

Wir reden über die anderen

  • Fürbittengebet

 

Essen

  • Abendmahl mit Tischgebet

 

Verabschiedung

  • Sendung und Segen (gestärkt in den Sonntag und die kommende Woche gehen)

 

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0. Beginn des Gottesdienstes Läuten der Glocken

Der Gottesdienst beginnt mit dem Läuten der Glocken. Der Klang der Glocken zeigt öffent­lich an, dass die Gemeinde sich versammelt. Dies ist ein hörbares Zeichen nach innen und außen: Jeder Gottesdienst ist öffentlich zugänglich und bezieht in Verkündigung und Fürbitte die ein, die nicht da sein können oder wollen. Dies wird noch deutlicher, wenn bestimmte Glocken zum Vaterunser und zu den Einsetzungsworten, zu Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung geläutet werden. Wie geläutet wird, bestimmt die Läuteordnung, die der Gemeindekirchenrat, das Presbyterium oder der Kirchengemeinderat festlegt. In ihr können auch weitere Anlässe geregelt werden, wie das Abendläuten, der Gebrauch der Sterbeglocke oder das Läuten am Karfreitag.

Weltlicher und kirchlicher Gebrauch treffen sich in der Eigenschaft der Glocken, die Zeit anzusagen. Der Stundenschlag dient der Alltagsorientierung, ist aber immer auch ein Gedenken an die Endlichkeit des Lebens.

 

Musik im Gottesdienst

Feste brauchen Musik. Auch Gottesdienste sind nicht sang- und klanglos. Sie wollen gefeiert werden.

Musik dient ebenfalls zum Einklang und Ausklang. Am Anfang stimmt sie die vielen Einzelnen, die zur Kirche gekommen sind, auf den Gottesdienst ein und verbindet sie zu einer Gemeinde. Sie soll helfen, äußerlich und innerlich zur Ruhe zu kommen. Im Verlauf des Gottesdienstes schafft sie Räume, in denen die Predigt nachklingen oder persönlich gebetet werden kann. Und sie lässt den Gottesdienst aus- und über sich hinausklingen.

Oft ist es Orgelmusik. Mit gutem Grund! Die Königin der Instrumente mit ihrem Klangreichtum ist das ideale Organ, um der Gemeinde Ohren, Herz und Mund für „den mächtigen König der Ehren“ zu öffnen, der das Gespräch mit ihr sucht. Denn dazu, dass Gott und Menschen mitein­ander ins Gespräch kommen, trägt die Musik im Gottes­dienst bei. Anders gesagt: zu Verkündigung und Gebet. Aber der hohe Rang der Orgel bedeutet kein Monopol. Auch andere Instrumente, andere Musikstile haben ihr Recht im Gottesdienst: Barock bis Rock. Klassik bis Pop. Menschen sind verschieden. Gottesdienste auch. Aber darin gleich, dass Musik füreinander öffnet – und für Gott.

 

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Eröffnung und Anrufung

Der erste Teil des Gottesdienstes ist im Prinzip ein reiner Gebetsteil. Mit unterschiedlichen Gebetsformen, wie Sündenbekenntnis, Hilferuf und Lob, wenden sich die Anwesenden an Gott. Besonders ist in diesem Teil die „dialogische Struktur“ zu erkennen: das Reden zu Gott und das Hören auf seine Antworten.

 

Einzug

Wenn Personen oder ganze Gruppen eine besondere Rolle spielen, ziehen sie oft gemeinsam ein, zum Beispiel bei Amtseinführungen, Konfirmation oder Trauung. Die Gemeinde steht dazu auf, um den Einziehenden „Ehre zu erweisen“. Der Einzug geschieht während des musikalischen Vorspiels oder beim ersten Lied.

 

Liturgischer Gruß / Begrüßung

„Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das so genannte trinitarische Votum, das mit einer Begrüßung verbunden sein kann, bekundet zu Beginn öffentlich und feierlich, dass der Gottesdienst in der Autorität und im Auftrag des drei­einigen Gottes gefeiert wird: Jetzt und hier geht's um ihn – und deshalb um seine ganze Schöpfung und jeden einzelnen Menschen.

In dem Votum steckt für alle, die den Gottesdienst mitfeiern, eine Erinnerung an die Taufe; denn es stammt aus der Taufformel: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Heiligen Geistes.“ Mit ihrem Amen bestätigt und bekräftigt die Gemeinde das Votum. Nach altem Brauch folgt darauf das so genannte Adjutorium, die aus Psalmmoti­ven zusammengesetzte Formel: „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“

Die Eröffnung wird mit dem liturgischen Wechselgruß, der so genannten Salutatio, beschlossen: „Der Herr sei mit euch.“ – „Und mit deinem Geist.“ Liturg und Gemeinde wünschen einander die Gegenwart Gottes. „Mit deinem Geist“ bedeutet in biblischer Sprachtradition soviel wie: „mit dir“. Durch ihre Antwort ermächtigt und beauftragt die Gemeinde den Liturgen, im Namen Gottes zu ihr und in ihrem Namen zu Gott zu sprechen.

Aus besonderem Anlass kann sich dem liturgischen Gruß eine Begrüßung mit freien Worten anschließen, z.B. wenn es bemerkenswerte Abweichungen vom üblichen Ablauf gibt oder wenn besondere Anlässe gefeiert werden.

 

Lied zum Eingang

Im Gesang zeigt sich die Gemeinde als Trägerin des Gottesdienstes. Im Singen handelt sie selbst. Das Eingangslied stimmt ein auf das, was dann folgt. Als Teil der Eröffnung hilft es, den Übergang in den Gottesdienst gut zu vollziehen. In manchen dieser Lieder findet sich darum die Bitte um angemessenes Hören und Verstehen des Gotteswortes. Aber nicht nur der Text ist wichtig. Die Melodien sind noch stärker als der Wortlaut dafür verantwortlich, was ein Lied transportiert. Weil das so ist, entscheidet auch die Art der musikalischen Begleitung und das Singtempo darüber, ob Menschen im Gottesdienst gern und gut singen. Wo immer es geht, sollten darum die Kantoren gleichberechtigt an der Auswahl der Lieder für den Gottesdienst beteiligt sein. Das Auswählen ist gar keine leichte Sache. Eine gute Mischung aus alten und neuen Liedern ist ebenso wünschens­wert wie ein Mix der musikalischen Stile. Kundig angeleitet ist es auch berei­chernd für eine Gemeinde, immer wieder einmal ein neues Lied zu lernen.

Das Gesangbuch ist das Rollenbuch der Gemeinde im Gottesdienst. Es lohnt sich, einmal genauer in dieses Schatzkästlein unserer Tradition zu schauen. Auch wer nicht für sich allein singen mag, entdeckt doch in den Liedern eine Fülle von Gedanken des Glaubens der Generationen vor uns. Nicht alles davon wird man sich aneignen. Das muss auch nicht sein. Aber die Worte der Älteren stehen als Gefäße auch für unsere heutigen Anliegen und Gedanken bereit.

 

Psalm und „Ehr sei dem Vater ...“

Immer haben die Christen in ihren Gottesdiensten alte und neue Gebete gebe­tet, alte und neue Lieder gesungen. Konservativ oder innovativ: Das ist im evan­gelischen Gottesdienst keine Alternative. Beides, das schon Vertraute und das Neue, hat sein Recht. Natürlich gibt es auch unterschiedliche Gottesdienste, in denen hier die Tradition, dort das Experiment überwiegt.

Psalmen sind alttestamentliche Gebete, in denen der Glaube Sprache findet: Lob, Dank, Klage, Vertrauen, Bitte. Mit ihnen stimmt die Gemeinde nicht nur in den christli­chen Gottesdienst aller Jahrhunderte und Regionen ein, sondern auch in den Got­tesdienst des Volkes Israel. Die Psalmen stehen ja im Alten Testament, der jüdi­schen Bibel. Der Psalm verbindet uns deshalb besonders mit dem Gottesdienst der Synagoge.

Das Psalmgebet schließt zumeist mit einem trinitarischen Gotteslob:

„Ehr´ sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Damit treten wir nicht in Gegensatz zur Synagoge, sondern bekunden an ihrer Seite, dass für den christlichen Glauben der eine Gott Israels dreifaltig als Vater, Sohn und Heiliger Geist erschlossen ist.

Der Psalm wird entweder aus dem Betpsalter im Evangelischen Gesangbuch gesprochen. Die ganze Gemeinde liest ihn zusammen oder im Wechsel von Liturg(in) und Gemeinde oder von zwei Hälften der Gemeinde. Der Psalm kann auch in einem Psalmlied gesungen werden. Wenn als Eingangslied ein Psalmlied gesungen wurde, braucht kein weiterer Psalm zu folgen.

 

Bußgebet und „Herr erbarme dich“

Auf dem Weg der Liturgie werden wir zunehmend wachsam für die Gegenwart Gottes. „Zieh deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land“, hört Mose Gott aus dem brennenden Dornbusch sagen (2. Mose 3,5). Dahinter steckt die uralte Erfahrung, dass Menschen sich verändern und etwas ablegen müssen, bevor sie Gott begegnen können. Es stimmt aber auch umge­kehrt: Die Begegnung mit Gott ermöglicht Veränderung. Im Gottesdienst findet dies Ausdruck in einer kleinen Bußliturgie. Ein Bußgebet oder Sündenbekenntnis fasst in Worte, was Menschen von Gott und den Mitmenschen trennt. Das Gebet kann auch benennen, wie wir in den Gottesdienst kommen: fröhlich oder traurig, bedrückt oder zuversichtlich, beschwert oder mit freiem Herzen. Die Gemeinde stimmt ausdrücklich in das Gebet ein: „Kyrie eleison“ – „Herr, erbarme dich.“ Dieser Ruf galt in vorchristlicher Zeit dem weltlichen Herrscher als Erweis der Ehre. Im Neuen Testament wird Jesus Christus mit dem Ehrentitel „Kyrios“ (= „Herr“), dem „Namen über alk Namen“ (Philipper 2,11), ausgezeichnet. Das dreifache „Herr, erbarme dich. Christus, erbarme dich. Herr, erbarme dich.“ kann auch trinitarisch auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist bezogen werden. Wie auch immer: Im „Kyrie eleison“ rufen wir Gott zugleich unsere Bedürftigkeit und unser Vertrauen auf seine Güte zu. Die Kyrie ist Anbetung, Huldigung und zugleich Seufzer in der Not..

Wenn Gottesdienste mit Abendmahl gefeiert wird, wird dieser Teil zur allgemeinen Beichte entfaltet, indem die Beichtfrage gestellt wird: „Ist dies euer aufrichtiges Bekenntnis, und begehrt ihr Vergebung der Sünden um Christi Willen, so antwortet mit ´Ja´“. Die wird von der Gemeinde dann auch gemacht: „Ja“. Dem Bekenntnis der Schuld durch das „Ja“ folgt dann eine ausdrückliche Lossprechung (Absolution): „Auf solch euer Bekenntnis verkündige ich euch die Gnade Gottes und spreche euch anstatt und auf Befehl meines Herrn Jesus Christus die Vergebung aller eurer Sünden frei, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

 

Gnadenzusage und „Ehre sei Gott in der Höhe“

Die Gnadenzusage ist Folge des Sündenbekenntnisses und der Vergebungsbitte. So steht auch der Gottesdienst von Anfang an im Zeichen der Güte Gottes, mit der er unserer Umkehr immer schon zuvorgekommen ist. Nun aber, nachdem wir unse­re Bedürftigkeit im Bußgebet / Sündenbekenntnis ausgesprochen und im „Kyrie eleison“ Gott um sein Erbarmen angerufen haben, wird uns mit einem biblischen Wort die vergebende und zurechtbringende Gnade Gottes auch ausdrücklich zuge­sprochen. Zum Beispiel: „Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß“ (Klagelieder 3,22-23). Der Gnadenzuspruch hat im Gottesdienst dieselbe Funktion wie in der Beichte die Absolution.

Der Zuspruch der Gnade Gottes löst einen festlichen Lobgesang aus, von dem bei uns meistens leider nur bescheidene Fragmente erklingen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Der Hymnus aus der Frühzeit der Kirche beginnt mit dem Jubel der Engel über den Feldern Bethlehems und setzt sich in der Preisung Gottes des Vaters und des Sohnes fort: „Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an.“

Dieses sogenannte „große Gloria“ wird bei uns entweder in einer altkirchlich-gregorianischen Singweise im Evangelischen Gesangbuch (EG) 180.1, in dem Strophenlied aus der Reformationszeit „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ (EG 179) oder einer modernen Fassung (EG 180.2-4) gesungen. Man will damit Lob und Dank für den Zuspruch der Sündenvergebung ausdrücken.

Das Gloria als sonntäglicher Osterruf entfällt in der Passionszeit (traditionell während der gesamten siebzigtägigen Fastenzeit) – nicht am 1. Advent, wenn er den Charakter eines Freudensonntags hat.

 

Tagesgebet

Am Ende des Eingangsteils steht ein Gebet, das Tagesgebet. In älteren Agen­den heißt es Kollektengebet. Mit diesem Gebet wird gewissermaßen alles einge­sammelt und vor Gott gebracht, was bis hierher gesprochen und gesungen wurde. Dabei geht es nicht um wortreiche Wiederholung, sondern um konzentrierte Bün­delung. Die Gemeinde bekräftigt das Gebet mit ihrem „Amen“. Damit drückt sie aus: Wir sind angekommen. Wir sind nun bereit, Gott aufzunehmen, der in seinem Wort und in seinem Sakrament zu uns kommt. Das Tor zur Schriftlesung steht offen.

In der liturgischen Tradition hat das Tagesgebet einen festen Aufbau, der auch heute meistens noch erkennbar ist: Der Einladung zum Gebet („Lasst uns beten!“) kann zunächst eine Gebetsstille folgen, in der alle ihre ganz persönlichen Anlie­gen vor Gott bringen. Die eröffnende Anrede an Gott wird mit einer knappen Erinnerung an Gottes Heilshandeln entfaltet. Dann wird eine Bitte formuliert, die sich an Gottes Verheißung ausrichtet. Das Gebet schließt mit einem Lobpreis, der oft Jesus Christus besonders hervorhebt. Damit die Gemeinde ihr Amen singen oder sagen kann, muss der Gebetsschluss so formuliert sein, dass er gut zu erken­nen ist. Auch wenn das Tagesgebet freier – nicht länger! – formuliert ist und sich nicht an der traditionellen Gestalt ausrichtet, gehört das Amen der Gemeinde.

Mit dem Tagesgebet hat der Gottesdienst einen ersten Zielpunkt erreicht. Die Gemeinde hat sich Gott zugewandt und steht nun in lebendiger Verbindung zu ihm.

 

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Verkündigung und Bekenntnis

Die Bezeichnung deutet auf die Herz­mitte des Gottesdienstes: Gott und Gemeinde im Gespräch. Die Gottesdienste der frühen Christenheit begannen direkt mit Lesungen. Dieser Teil umfasst Lesungen aus der Heiligen Schrift und die Predigt, darauf bezogene Lieder der Gemeinde (Wochenlied, Predigtlied) sowie das Glaubensbekenntnis. Auch Fürbit­ten und Dankopfer können als Aspekte des Bekenntnisses aufgefasst werden, mit dem die Gemeinde auf die Verkündigung antwortet.

 

Lesung aus dem Alten Testament und Epistel

Gott offenbart sich seiner Gemeinde im Wort der Heiligen Schrift. Die Lesun­gen aus der Bibel sind deshalb ein zentrales gottesdienstliches Element. Die Ord­nung der Lesungen sieht für jeden Sonntag nach der Entstehungszeit je eine Lesung aus dem Alten Testa­ment, den apostolischen Briefen (Episteln) und den Evangelien vor. Dabei ist das Evangelium der Leittext.

In der Praxis vieler Gemeinden gibt es nur zwei Schriftlesungen. Das Alte Testament wird häufig nur als Alternativtext zur Epistel behandelt, was seiner Bedeutung für den christlichen Glauben nicht gerecht wird, denn auf die Lesung aus dem Alten Testament sollte um der Einheit der biblischen Botschaft willen nicht verzichtet werden.

 

Halleluja

Nach der (zweiten) Lesung stimmt die Gemeinde, außer in der Passionszeit und an Bußtagen, das Halleluja an. Der Ruf stammt aus dem Hebräischen und bedeutet: „Singt Jahwe (= singt Gott)“ und ist eine alte Aufforderung zum Gebet. Auf das gesungene dreimalige Halleluja der Gemeinde folgt ein Hallelujavers, zumeist aus dem Psalter – schön, wenn er von Kantorin oder Chor gesungen wird –, danach wiederholt die Gemeinde das Halleluja.

 

Wochenlied

Das Lied zwischen den Schriftlesungen hat eine besondere Tradition. Im Verständnis der Alten Kirche folgte auf jede biblische Lesung eine Antwort der Gemeinde. Hier zeigt sich die grundlegende Struktur von „Wort – Antwort“ im Gottesdienst. Auf die Lesung aus dem Alten Testament folgte ein Psalm der Gemeinde, der sogenannte Gradualpsalm (Zwischengesang), auf die Brieflesung das Halleluja mit Psalmvers und auf das Evangelium (und seine Auslegung in der „Homilie“, das heißt der Predigt) das Glaubensbekenntnis. Immer geht es darum, dass die Gemeinde in einer vertiefenden Meditation Raum zur Anbetung gewinnt.

In Martin Luthers Ordnung der „Deutschen Messe“ steht an der Stelle des Gradualpsalms ein Lied der Gemeinde. Durch die Verminderung der Anzahl der Lesungen entstand später der Brauch, nach der Schriftlesung, meist der Epistel, das Halleluja mit Psalmvers zu singen und daran anschließend dieses Lied. So konnte es auch eine thematische Brücke zwischen der Epistel und dem nach­folgenden Evangelium bilden. Später verlor sich die Bedeutung dieses Gradualliedes immer mehr.

 

Evangelium

„Es begab sich aber zu der Zeit ...“ Am Heiligen Abend und am Ersten Weihnachtstag wird die Weih­nachtsgeschichte aus Lukas 2 gelesen und am Zwei­ten Weihnachtstag der sogenannte Prolog aus Johan­nes 1: „Im Anfang war das Wort...“. Am Karfreitag ist der Bericht von der Kreuzigung Jesu (Johannes 20) dran, am Ostersonntag das Auferstehungsevange­lium nach Markus (Kapitel 16) und am Ostermontag die Geschichte von den Emmausjüngern (Lukas 24).

Wer legt das fest? Uralte Tradition. Bestimmte Evangelienabschnitte sind den einzelnen Sonn- und Festtagen zum Teil schon länger als 1500 Jahre zuge­ordnet. Auch den normalen Sonntagen.

Das Evangelium, das jedem Sonn- und Festtag sein Thema gibt, gilt als die wichtigste der Schrift­lesungen. Nach der Ankündigung „Das heilige Evangelium steht bei ...“ stand die Gemeinde auf, wandte sich nach Osten und „empfing“ den „einziehenden Christus“. Hat die Gemeinde zur Lesung aus dem Alten Testament oder zur Epistel gesessen – zum Evangelium steht sie auf. Warum? Weil in ihm Jesus Christus selbst zu seiner Gemeinde kommt. Deshalb begrüßt sie ihn nach der Ankündigung des Evange­liums mit „Ehre sei dir, Herr“ und preist ihn nach der Verlesung mit „Lob sei dir, Christus“.

 

Glaubensbekenntnis

Mit dem Glaubensbekenntnis antwortet die Gemeinde auf Gottes Wort – ent­weder nach der Predigt oder bereits nach den Schriftlesungen. „Ich glaube“ heißt lateinisch „credo“, deshalb nennen wir diesen Teil des Gottesdienstes „Credo“ – unabhängig davon, welches Bekenntnis gewählt wird.

Das alte gottesdienstliche Glaubensbekenntnis ist das Nizänische. Meistens wird aber das Apostoli­sche Glaubensbekenntnis verwen­det. Zu ihm haben nach einer schönen Legende alle zwölf Apo­stel einen Satz beigesteuert. Es ist das alte Taufbekenntnis der westli­chen Kirche. Wie das Nizänische steht es im Anhang des Gesang­buchs.

Das Glaubensbekenntnis ist kein Gebet, sondern mehr eine feierliche Erklä­rung. Mit ihr vergewissert sich die Gemeinde nach innen des Fundamentes, auf dem sie steht, und vertritt nach außen, wozu sie steht. Apropos „steht“: Zum Glaubensbekenntnis steht die Gemeinde! Das Glaubensbekenntnis ist zugleich ein Lob Gottes, weshalb es passend so eingeleitet wird: „Lasst uns Gott loben mit dem Bekenntnis unseres Glaubens!“

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

 

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

 

Lied vor der Predigt

Der längere Wortteil „Predigt“ wird seit jeher durch Gesang eingerahmt. Das Lied entfällt, wenn statt des gesprochenen Credo ein Credolied gesungen wurde.

 

Predigt

Kanzelgruß

„Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“: Mit der Grußformel des Apostels Paulus (1. Korinther 1,3) beginnt häufig die Predigt. Tritt der Pfarrer zum ersten Mal auf, begrüßt er an dieser Stelle die Gemeinde, ansonsten erübrigt sich der Kanzelgruß.

Die Predigt gilt als Herzstück des evangelischen Gottesdienstes. Der Rang der Predigt erwächst aus dem Verständnis der Bibel als der grundlegenden Offenbarungsurkunde, die immer neu ausgelegt werden muss, um den Glauben an Jesus Christus zu erwecken, zu bil­den und zu stärken. Deshalb legt eine Predigt zumeist einen biblischen Text aus. In sechs Jahrgängen werden dafür über 400 „Perikopen“, das heißt Textabschnitte, vorgeschlagen. An Stelle von Bibelabschnitten können von Zeit zu Zeit auch andere Texte christlicher Tradition zur Predigtgrundlage werden, etwa Lieder des Gesangbuchs oder Stücke des Katechismus wie Taufe, Abendmahl oder Glaubensbekenntnis.

Die ersten Predigten nach Jesu Tod wurden von den Aposteln gehalten (oder aufgeschrieben). Daraus entstand das Neue Testament. Die Schriften müssen immer wieder neu in die jeweilige Zeit und Situation übertragen werden. Diese Übertragungen nimmt jeder Bibelleser für sich vor. Dazu Anstöße und Anleitungen zu geben ist Aufgabe der Predigt; sie verkündigt den Alten und Neuen Bund Gottes mit den Menschen im Hier und Jetzt. Dabei erfahren alle, dass die Pfarrer, die als Prediger der Gemeinde gegenüberstehen, zugleich, ja zunächst Teil der Gemeinde sind, die sie zum Predigtdienst bestellt hat. Bei aller evangelischen Hochschätzung der Predigt: Sie steht nicht isoliert, sondern ist als Teil der Liturgie in das Ganze des Gottes­dienstes eingebunden.

Ein Gottesdienst muss nicht immer eine Predigt haben. So wie andere Teile weggelassen werden können, ist auch die Predigt ggf. verzichtbar. Man steht dann allerdings vor der Aufgabe, durch musikalische, spielerische oder meditative Momente für eine „Begegnung mit der Bibel“ zu sorgen.

 

Predigtschlussgebet

Dieses Gebet spricht in der Regel Lob und Dank für die gehörte Frohe Botschaft aus. Zudem ist es die Bitte um Kraft, die Botschaft recht zu verstehen und in den Alltag umzusetzen. Der Prediger formuliert es. Es ist kurz, einfach aufgebaut und bezieht sich direkt auf die Predigt und den zugrundeliegenden Text.

 

Kanzelsegen

„Der Friede Gottes, der höher ist als alle Ver­nunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn“ (Philipper 4,7). Antwortet die Gemeinde auf den Kanzelsegen mit ihrem „Amen“, so bestätigt sie zugleich, dass sie in der Predigt das an sie gerichtete Wort Gottes gehört hat und beherzigen will. Der Prediger „entlastet“ sich mit dem Kanzelsegen und drückt damit aus: „Meine Worte sind unzulänglich und Stückwerk. Gottes Friede ist größer, als ich ihn auszudrücken vermag.“

Geschichtlich erinnert der Kanzelsegen an einen ganz knap­pen Gottesdienst, der im Kern aus der Predigt bestand und mit dem Segen endete. Da es früher außerdem üblich war, das Gemeindemitglieder, die nicht am Abendmahl teilnahmen, nach der Predigt – vor der Eucharistiefeier (Abendmahl) – den Gottesdienst verließen, war es für sie der Schlusssegen.

 

Lied nach der Predigt

Es schließt den Verkündigungsteil ab. Vielerorts wird während des Liedes die (Innen-)kollekte eingesammelt.

 

Kollekte oder Dankopfer

Die Antwort auf das ihr verkündete Wort Gottes gibt die Gottesdienstgemein­de nicht nur im Glaubensbekenntnis. Zum Bekenntnis des Mundes tritt das Bekenntnis der Tat: die Praxis gelobter Liebe. Sie hat in der Kollekte ihre liturgi­sche Gestalt. Denn Glaubensbekenntnis und Kollekte symbolisieren rituell, wozu die Christen im Alltag aktuell herausgefordert und befähigt sind: mit Worten und Taten die Liebe Gottes zu bezeugen, die sie selbst erfahren haben, die aber aller Welt gilt und zugute kommen will.

Die Kollekte als symbolisches Handeln der Gemeinde zu verstehen, wird ihrem Doppelcharakter gerecht. Zum einen repräsentiert sie im Sonntagsgottes­dienst dessen Alltagsgestalt: Dasein für andere. So gesehen, kommt es nicht auf die Summen an, die bei der Kollekte gesammelt werden, sondern auf das mit jeder Münze und jedem Schein gegebene verbindliche Dank- und Dienstzeichen. Das „Dankopfer“ steht stellvertretend für kirchliche Abgaben (Kirchensteuer) und sonstige Spenden. Es verweist auf den geistlichen Gehalt aller Geldgaben und wird so zum Ausdruck der persönlichen Praxis der Gottes- und Nächstenliebe insgesamt.

Andererseits tragen die gottesdienstlichen Kollekten sehr real zur Finanzie­rung kirchlicher Arbeitszweige bei, vor allem in Diakonie und Ökumene. Auch könnten besondere Projekte der Gemeinde ohne große Spendenbereitschaft nicht finanziert werden: So gesehen, sind die erzielten Erträge nicht gleichgültig. Trotzdem: Der kleinste Beitrag – ein Scherflein – kann der größte sein.

In unseren Gottesdiensten finden üblicherweise zwei Geldsammlungen statt:

  • die erste im Verlauf des Gottesdienstes (diakonische Zwecke der Gemeinde)
  • die zweite am Ausgang (festgelegt vom landeskirchlichen Ausschuss)

 

!!! Ein Gottesdienst ohne Abendmahl wird durch die Sendung und den Segen fortgeführt !!!

 

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Feier des Abendmahls

Die Kommunikation von Verkündigung und Bekenntnis vertieft sich in der Kommunion. Eingefasst in Lob und Dank, bildet das Abendmahl den dritten Teil des Gottesdienstes. Vielerorts wird es nur ein- oder zweimal im Monat gefeiert, doch gehört es auch in der evangelischen Kirche wieder organischer zum Gottes­dienst als in früheren Zeiten.

Im Gottesdienst kommt Gott uns nahe im biblischen Wort, das gelesen und gepredigt wird, und in den Sakramenten, die wir nach der Stiftung Jesu feiern. Ist die Taufe das Sakrament des Anfangs im christlichen Glauben, so ist das Abend­mahl das Sakrament des Weges, auf dem das wandernde Gottesvolk immer neu gestärkt wird. Darum ist es gut, dass viele Gemeinden inzwischen mehr als nur einmal im Monat das Abendmahl feiern. Auch im Ablauf der Liturgie zeigt sich die gewachsene Hochschätzung des Abendmahls. Als dritter Teil ist das Abend­mahl fester Bestandteil des Gottesdienstes. Die Agende, das Evangelische Gottes­dienstbuch, betrachtet es als Normalfall, dass im Gottesdienst auch das Abend­mahl gefeiert wird.

Das Abendmahl kann knapp gestaltet oder liturgisch reicher entfaltet sein. Unabdingbar sind die Einsetzungsworte, das Vaterunser, die Austeilung und der Dank an Gott. Welche Gebete und Gesänge zur Abendmahlsfeier gehören, ist durch die konfessionelle Prägung einer Gemeinde mitbestimmt. In den unierten Gemeinden, die liturgisch eher in lutherischer Tradition stehen, sind das außer dem Präfationsgebet (Lobgebet) die Gesänge Sanctus (Dreimalheilig) und Agnus Dei (Christe, du Lamm Gottes).

Mit der Feier des Abendmahls ist eine Fülle praktischer Fragen verbunden, die in vielen Gemeinden diskutiert werden. Zum Beispiel: Nehmen wir Brot oder Oblaten, Wein oder Traubensaft? Wie gestalten wir die Austeilung? Sind getaufte Kinder willkommen? Auch auf diese praktischen Fragen gehen die folgenden Abschnitte ein.

In jüngerer Zeit wird das Abendmahl nicht nur häufiger, sondern auch fröhli­cher gefeiert. Prägten früher dunkle Kleidung und ernste Stimmung die Abend­­mahlsgemeinde, so geht es heute heller und heiterer zu. Aus guten theologischen Gründen!

Der Ernst beim Abendmahl war von der Sorge um die persönliche Würdig­keit getragen. Man hatte das Wort des Paulus im Ohr: „Wer unwürdig von dem Brot isst oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn“ (1. Korinther 11,27). Aber Paulus meinte mit „unwürdig“ nicht ein religiö­ses Defizit, sondern ein liebloses Verhalten gegenüber den Schwestern und Brüdern. Das Abendmahl verbindet nicht nur mit Christus, sondern auch die Christen untereinander!

Auch die Gemeinschaftsmahle Jesu, von denen die Evangelien erzählen, erschließen die soziale Dimension des Abendmahls: Am Tisch Jesu finden ausgegrenzte Menschen in die Gemeinschaft Gottes und der Menschen zurück. Seltsam, wenn da keine Freude aufkäme!

Das Abendmahl mit einer festlichen Mahlzeit zu verbinden, getaufte Kinder einzuladen, in Liedern die Freude an der Gemeinschaft mit Gott und untereinan­der auszudrücken, dies alles lässt uns mit Ernst und festlicher Fröhlichkeit Abend­mahl feiern.

 

Wer ist zum Abendmahl eingeladen?

Die Ökumene antwortet auf die Frage, wer am Abendmahl teilnehmen darf:

alle, die durch die Taufe zur Gemeinschaft des Leibes Christi gehören. Orthodoxe und römisch-katholische Kirche beschränken die Teilnahme auf die eigenen Mitglieder. Die evangelische Kirche lädt in eucharistischer Gastfreundschaft auch Christen anderer Konfession ein – weil es letztlich nicht die Kirche, sondern Jesus Christus, der Herr der Kirche, ist, der zu seinem Mahl lädt.

Traditionell ging der Abendmahlsteilnahme eine Beichte voraus. Auch in unseren Abendmahlsgottesdiensten können das Sündenbekenntnis und der Gnadenzuspruch als Gemeindebeichte gestaltet werden.

Die Kirchen des Westens, das heißt die römische und die aus ihr hervorgegan­genen evangelischen Kirchen, halten seit dem Mittelalter ein elementares Verste­hen des Abendmahls für notwendig und haben deshalb Altersgrenzen für die Teil­nahme eingeführt. In der heutigen römisch-katholischen Kirche empfangen Kin­der mit etwa acht Jahren feierlich die „Heilige Erstkommunion“.

Auf evangelischer Seite ist die erste Abendmahlsteilnahme herkömmlich an die Konfirmation geknüpft – und das bleibt oft die einzige. Aus theologischen, pädagogischen und lernpsychologischen Gründen hat die evangelische Kirche Kindern den Zugang zum Abendmahl eröffnet. Vom Vorschulalter an gibt es viele Möglichkeiten, Kindern das Geheimnis des Abendmahls zu erschließen – vor allem dadurch, dass sie es mitfeiern. In Gemeinden, die diesen Schritt getan haben, führt die Teilnahme von Kindern am Abendmahl oft zu einer vertieften Abendmahlserfahrung auch der Erwachsenen.

 

Liturgie des Abendmahls

„Kommt mit Gaben und Lobgesang, jubelt laut und sagt fröhlich Dank“ – Eucharistie, also „Danksagung“, ist eine ökumenisch verbreitete Bezeichnung für das Abend­mahl. Das kommt in dem Abendmahlslied „Kommt mit Gaben und Lobgesang“ (EG 229) besonders zur Geltung. Zunächst die Gaben: Wir feiern mit Brot und Wein, die die Lebensgaben der Schöpfung repräsentieren. Während die Gemeinde das Lied zur Gabenbereitung singt, wird der Tisch gedeckt. Die Gaben werden gebracht oder, wenn sie schon vor dem Gottesdienst bereitgestellt wurden, zube­reitet: Das Brot wird aus der Büchse (Pyxis) genommen und auf den Teller (Patene) gelegt, der Wein aus der Kanne in den Kelch gegossen.

 

Präfation

Dann beginnt die Präfation, das in mehrere Teile gegliederte Lobgebet. Auf den Wechselgruß: „Der Herr sei mit euch“ – „und mit deinem Geist“ folgt die Aufforde­rung: „Erhebet eure Herzen“. Die Gemeinde reagiert: „Wir erheben sie zum Herrn“ und steht spätestens jetzt auf. „Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott“ damit ist das Thema „Danksagung“ intoniert; die Gemeinde antwortet: „Das ist würdig und recht.“ Auf diesen Dialog folgt ein Gebet, das in seiner vollen Entfaltung zwi­schen einem geprägten Eingangs- und Schlussteil Gottes Heilshandeln in Jesus Christus benennt. Dieser Mittelteil ist je nach Anlass oder Kirchenjahreszeit unterschiedlich formuliert. Das Gebet mündet in das Dreimalheilig, das Sanctus, mit dem die Gemeinde in den Gottesdienst der himmlischen Wesen einstimmt.

 

Dreimalheilig

„Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll“ so singen die Engel in der Berufungsvision des Propheten Jesaja einander das Lob Gottes zu (Jesaja 6,3). Auch der Seher Johannes hört in der Vision vom Thron Gottes die Engel das Dreimalheilig singen (Offenbarung 4,8). Darum heißt es in der Überleitung, dass wir, die Gemeinde, unsere Stimmen mit denen der himmlischen Chöre vereinigen. An keiner Stelle des Gottesdienstes wird so deutlich, dass durch ihn der Name Gottes geheiligt wird – „wie im Himmel, so auf Erden“.

„Hosianna in der Höhe“: Auch die Fortsetzung des Sanctus ist ein Text des Alten Testaments (Psalm 118,25f.), der im Neuen, beim Einzug Jesu in Jerusalem, wiederaufgeführt wird (Matthäus 21,9). Hosianna heißt ursprünglich „Hilf doch!“ (griechisch: „eleison“), wandelte sich aber zu einem Huldigungsruf an den, von dem man Hilfe erfahren hatte und neu erwartete. Die Menschen, die Jesus zuju­beln, haben erkannt, dass er ihnen das Reich Gottes eröffnet, und feiern ihn als Messias: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Nach diesem sogenannten „Benedictus“ (lateinisch: „gelobt“), mit dem die Gemeinde den im Abendmahl zu ihr kommenden Herrn begrüßt, wird das „Hosianna in der Höhe“ wiederholt.

Heilig, heilig, heilig ist Gott,

der Herr Zebaoth.

Voll sind Himmel und Erde seiner Herrlichkeit.

Hosianna in der Höhe.

Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herren.

Hosianna in der Höhe.

 

Einsetzungsworte und Abendmahlsgebet

Nach dem Sanctus spricht der Liturg die Einsetzungsworte. Sie berichten, wie Jesus am Vorabend seiner Kreuzigung das Abendmahl gestiftet hat: Zur Eröffnung der Mahlzeit hat er einen Fladen Brot, zum Abschluss der Mahlzeit einen Becher Wein unter seine Jünger verteilt. Er hat diese Handlung als symbolische Darstel­lung seines Todes gedeutet, durch den er sein Leben allen zugute hingab: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird... Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Und er hat geboten, diesen symbolischen Ritus zu wiederholen: „Solches tut zu meinem Gedächtnis.“

Luther verstand die Einsetzungsworte als Evangelium, das Glauben weckt. Er löste sie aus der Klammer des katholischen Abendmahlsgebets, in dem sie Bestandteil eines Gott dargebrachten Opfers geworden waren. Dadurch verblasste aber im evangelischen Abendmahl der festliche Glanz von „Eucharistie“ (Dank­sagung an Gott, den Vater), „Anamnese“ (Gedächtnis der Sendung des Sohnes) und „Epiklese“ (Herabrufung des Heiligen Geistes), der die ökumenischen Abend­mahlsliturgien umgibt. Diesen Reichtum holten die Abendmahlsgebete unserer neuen Agende in den evangelischen Gottesdienst zurück. Sie bewahren aber den Charakter der Einsetzungsworte als Verkündigung. Die Gemeinde kann, ausgelöst durch den Ruf „Geheimnis des Glaubens“, mit dem Christuslob darauf antworten: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“'(EG 189).

„Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, in der er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset. Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus, dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das tut, sooft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis.“

 

Vaterunser

Das Grundgebet der Christenheit verdankt seinen Rang der biblischen Überliefe­rung. Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments geht der Wortlaut auf Jesus selbst zurück, der damit Orientierung und Maßstab für all unser Beten und Bitten gesetzt hat (Matthäus 6,9-13; vergleiche auch Lukas 11,2-4). Das Vaterunser ist in allen Lebensäußerungen des christlichen Glaubens fest verankert: in der persön­lichen Frömmigkeitspraxis ebenso wie in den Stundengebeten klösterlicher Gemeinschaften, in allen Gottesdiensten ebenso wie in Andachten. Diese Vielfalt gründet in der Fülle dessen, was das Vaterunser umfasst: Gott und Mensch, Him­mel und Erde, Gegenwart und Zukunft, Bedürftigkeit und Hoffnung, Glanz und Schuld – alles hat Raum in den Worten Jesu. In dieser großen Weite ist das Vater­unser eine Summe des Evangeliums.

Sein Platz in der Abendmahlsliturgie ist vordergründig durch die Bitten um das tägliche Brot und die Vergebung der Schuld motiviert, es hat aber einen noch weiteren Sinn. Wie das Abendmahl als Ganzes die Begegnung mit dem lebendi­gen Christus schenkt, so verbindet auch das Vaterunser alle, die darin einstimmen, mit ihm, der so zu beten gelehrt hat. In diesem Sinne heißt es „Gebet des Herrn“. In Gottesdiensten ohne Abendmahlsfeier beschließt das Vaterunser die Fürbitten; es nimmt alle ungenannten Bitten der ganzen Gemeinde in sich auf und bringt sie vor Gott. Unmittelbar vor dem Segen gesprochen, erhält das Vaterunser den Charakter eines Segensgebetes, dem der Segenszuspruch Erhörung und Erfüllung verheißt.

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigem.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

 

Friedensgruß und Friedensgeste

Zwischen Vaterunser und „Christe, du Lamm Gottes“ steht der Friedensgruß: „Der Friede des Herrn sei mit euch allen“ – „Friede sei mit dir.“ Er war aus der evangelischen Abendmahlsfeier fast verschwunden, ist nun aber zurückgekehrt. Auf den Wech­selgruß kann die Aufforderung folgen: Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Gemeinschaft“, woraufhin die Mitfeiernden Friedenswunsch („Friede sei mit dir“) und Friedensgeste (Händedruck, Umarmung; früher einmal: den „heiligen Kuss“!) austauschen. Wir kennen den Brauch vor allem aus der römisch-katholischen Messe. Dort hat ihn die Liturgiereform des 20. Jahrhunderts wieder heimisch gemacht. Von dort strahlt er zu uns aus.

Friedensgruß und -geste erklären sich aus der vorangehenden Vaterunser-Bitte: „Vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Indem wir den Umstehenden im Gottesdienst (von denen uns oft gar nichts trennt) den Frieden zusprechen, vergeben wir unseren (meist gar nicht anwesenden) Schuldigern. Es ist eine symbolische Versöhnungsgeste, die wir am besten bald den realen Schuldigern gegenüber wiederholen. Und wie uns andere in Friedensgruß und -geste die Vergebung symbolisch zusprechen, bitten wir am besten die, deren Schuldiger wir sind, bald ausdrücklich um Vergebung.

Von dem liturgischen Friedensgruß, der so genannten „Pax“, gehen also reale Versöhnungsimpulse aus. Und unsere Bereitschaft, Vergebung zu gewähren und darum zu bitten, ist ein Gradmesser für den Ernst, mit dem wir das Mahl feiern.

 

Christe, du Lamm Gottes

Zu den Einzelriten des Abendmahls gehört die Brechung des Brotes: Jesus „nahm das Brot, dankte und brach's“. Was heute – wenn überhaupt – nur an einer großen Schauoblate vollzogen wird, nahm in der Alten Kirche mehr Zeit in Anspruch, weil ein ganzes Brot für die Austeilung gebrochen wurde. Die Brotbrechung wurde mit dem Gesang „Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd' der Welt“ (Agnus Dei) begleitet. Er wurde solange wiederholt, bis alles Brot geteilt war.

Der Wortlaut des Agnus Dei geht auf den Täufer Johannes zurück, der über Jesus ausruft: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ (Johannes 1,29). In der liturgischen Fassung ist dieses Bekenntnis zu einer dreimaligen Anrufung geworden, die zweimal in die Bitte um Erbarmen und abschließend in die Bitte um den Frieden mündet. Der Gesang erbittet, was die Brechung des Brotes sym­bolisch darstellt: Anteil an Jesus, der sein Leben für uns hingibt.

Die Rede vom Lamm Gottes ruft heute auch Unbehagen, manchmal sogar Widerstände hervor. Sie ist aber eine unter vielen biblischen Weisen, den gewalt­samen Tod Jesu als Lebensgabe zu deuten: Gott fordert nicht ein Opfer für sich, sondern gibt sich selbst als Opfer für uns. Das aus dem Alten Testament (verglei­che Jesaja 53,7) stammende, auf den gekreuzigten Jesus angewendete Bild des Lammes weist immer auch auf den Auferstandenen: „Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob“ (Offenbarung 5,12).

Wenn das Abendmahl gefeiert wird, singt die Gemeinde nach dem Schuldbekenntnis statt „Herr, erbarme dich“:

Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen frieden. Amen.

 

Austeilung

„Kommt, denn es ist alles bereit. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.“ Mit Worten der Bibel (Lukas 14,17; Psalm 34,9) wird die Gemeinde zur Kommunion eingeladen. Dass beim Abendmahl die Vielen an dem Leben des Einen Anteil bekommen, wird besonders sinnenfällig, wenn die Gemeinde sich – oft in mehre­ren Gruppen nacheinander – im Kreis um den Tisch versammelt, wenn ihr die Stücke eines gebrochenen Brotes ausgeteilt werden und wenn sie den Wein aus einem gemeinsamen Kelch trinkt.

Aber die Austeilung kann, durch Tradition oder besondere Umstände bedingt, auch anders gestaltet sein: mit Oblaten statt mit gebrochenem Brot, mit kleinen Einzelbechern, die aber möglichst aus einem gemeinsamen Gießkelch befüllt wer­den, mit Traubensaft, der aber den Wein nicht ganz ersetzen soll, durch Eintau­chen von Brot oder Oblate in den Kelch, die so genannte Intinctio, die aber ebenfalls das Trinken aus dem Kelch nicht völlig verdrängen darf. Beim Wandel­abendmahl ohne Tischkreis empfangen die Teilnehmenden an zwei Stationen Brot und Wein. Das Mahl kann auch an Tischen sitzend gefeiert werden.

Brot und Kelch können von der Liturgin oder von Helfern gereicht, sie kön­nen aber auch in der Runde weitergegeben werden. Dazu werden Spendeworte gesagt, zum Beispiel: „Das Brot des Lebens (und der Kelch des Heils) – Christus für dich.“Mit dem Entlasswort: „Geht hin im Frieden“, das meist mit einem Bibelwort und dem Kreuzzeichen verbunden wird, reichen in vielen Gemeinden die Abend­mahlsgäste einander die Hände und zeigen so, dass sie in Christus verbunden sind.

 

Dankgebet

Zum Mahl gehört der Dank an den Geber der Gaben, die wir empfangen haben. Darum endet jede Abendmahlsfeier mit einem Dankgebet. Die Form dieses Dan­kes kann sehr unterschiedlich sein: Die Gemeinde kann ein Danklied singen, etwa „Wir danken Gott für seine Gaben“ (EG 458). Der Dank kann auch an den Anfang des Fürbittengebets gestellt werden, wenn die Fürbitten zwischen Abend­mahl und Segen stehen.

Herkömmlich jedoch folgt das Dankgebet der knappen Form einer klassischen Kollekte, also eines abschließenden Gebets in geprägter Gestalt. Darin ähnelt es dem Tagesgebet, das den ersten Teil des Gottesdienstes beschließt. Das Gebet kann mit dem Vers „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich“ durch den Liturgen eingeleitet werden, worauf die Gemeinde fortfährt: „und seine Güte währet ewiglich“ (Psalm 106,1). Auch wo diese Eröffnung nicht üblich ist, gibt dieses Psalmwort doch eine Orientierung: Wir danken für das Mahl, das uns gestärkt hat, und prei­sen Gottes Güte, die uns trägt. Das Dankgebet kann Motive der Kirchenjahreszeit aufnehmen und schließt gewöhnlich mit einem Lobpreis. Die Gemeinde macht sich den Dank mit ihrem „Amen“ zueigen.

Mit dem Dankgebet schließt sich der Kreis der Mahlfeier, die mit der Auffor­derung zum Danken begonnen hat; „Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott! – Das ist würdig und recht.“ In der Bezeichnung der Mahlfeier als „Eucharistie“ (= Dank) tritt dieser Aspekt besonders hervor, während „Abendmahl“ stärker die Situation der Einsetzung vergegenwärtigt.

 

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Schlussteil & Sendung und Segen

Abkündigungen und Mitteilungen

Manchmal wirken die Abkündigungen wie ein Fremdkörper im Gottesdienst. Wie passen Informationen für die Gemeinde zum gottesdienstlichen Gespräch zwischen Gott und seiner Gemeinde?

Sie gehören zur Antwort der Gemeinde auf Gottes Wort. Erstens zum Dankopfer, das heißt zur Kollekte. Damit bekunden ja die Gottesdienst feiernden Menschen, dass sie nach Gottes Weisung für andere leben und zu den Aufgaben der Kirche und zur Behebung von Notlagen beitragen wollen – jede und jeder in persönlicher Freiheit und Verantwortung. Dafür muss bekannt sein, wozu die Kollekten bestimmt sind. Deshalb werden die Kollektenzwecke bekannt gegeben.

Zweitens gehören die Abkündigungen zu den Fürbitten. In ihnen bittet die Gemeinde Gott aus gegebenen Anlässen, seine Verheißungen wahr zu machen und vor allem den beson­ders Bedürftigen beizustehen. Zu solchen konkreten Anlässen gehören Taufen, Trauungen und Bestattungen in der Gemeinde, aber auch Synoden und andere wichtige kirchliche Ereignisse nah und fern. Abkündigungen dienen dazu, dass die Gemeinde informiert mitbeten kann – übrigens auch für die, denen das gesammelte Geld nützen soll.

Deshalb gehören die Abkündigungen vor die Fürbitten. Die Hinweise und Einladungen zu bevorstehenden Veranstaltungen fügen sich am besten in den Sendungsteil am Schluss des Gottesdienstes ein. Solche Mitteilungen, knapp formuliert und vorgetragen, können mit dem Wochenspruch schließen, der so zum Sendungswort wird. Eine Liedstrophe leitet zum Segen über.

 

Fürbittengebet

Die Predigt hat wachgerüttelt für die Belange der Welt. Sie bilden mit den Fürbitten und dem Dankopfer einen „Dreiklang“. In den Fürbitten nimmt die Gemeinde die Verheißung auf, dass Gott das Werk seiner Hände nicht preisgibt, son­dern es bewahren, heilen und vollenden will. Sie erinnern Gott an seine zugesagte Hilfe und lenken seinen Blick auf konkrete Bedürfnisse. Dies sind herkömmlich Anliegen des Reiches Gottes und der Kirche sowie des öffentlichen und sozialen Lebens. Auf Bitten für Menschen in beson­deren Notlagen folgen Anliegen der Kirchengemeinde, speziell von neu getauften Mitgliedern und getrauten Ehe­paaren, Verstorbenen und ihren trauernden Angehörigen.

Fürbitten sollen wirklich Bitten an Gott sein. Sie brin­gen ins Gebet, wozu unsere menschliche Kraft zu schwach ist. Was unsere Aufgabe und Zuständigkeit ist, hat seinen Platz an anderer Stelle, etwa in der Predigt. In Form und Sprache sollen Fürbitten so gestaltet sein, dass die Gemeinde sie gut mitbeten und mit wiederholten Rufen wie „Erhöre uns, Gott“ oder „Herr, erbarme dich“, spätestens aber mit dem gemeinsam gesprochenen „Amen“ bekräftigen kann.

Ihren angestammten Platz haben die Fürbitten am Schluss des Verkündigungs- und vor Beginn des Abend­mahlsteils. In Gottesdiensten ohne Abendmahlsfeier ste­hen sie unmittelbar vor dem Vaterunser. Von daher finden wir sie meistens im Schlussteil des Gottesdienstes. Dort können sie sich auch mit dem Dankgebet nach dem Abendmahl verbinden. Möglich ist aber auch, das „Kyrie eleison“ („Herr, erbarme dich“) im Eingangsteil wie im orthodoxen Gottesdienst als Fürbittengebet zu gestalten.

!!! Beim Gottesdienst ohne Abendmahl münden die Fürbitten in das Vaterunser !!! Dabei läuten die Glocken und die Gemeinde steht bei diesem Gebet – wenn sie nicht von Beginn der Fürbitten an steht.

 

Sendung und Segen

Sendung und Segen schließlich leiten vom Gottesdienst der vor Gott versam­melten Gemeinde über zu der Gestalt des Gottesdienstes, in der die Einzelnen den Glauben im Alltag bezeugen und leben. Als Hinwendung der Gemeinde zur Welt verstanden, können die Fürbitten auch hier im Schlussteil des Gottesdienstes ihren Platz finden.

Sendung und Segen“, so heißt der abschließende vierte Teil des Gottesdienstes. Unter „Segen“ kann man sich etwas vorstellen, aber was bedeutet „Sendung“?

Ihr liturgischer Kern besteht in einem Entlass-Wort des Liturgen: „Geht hin im Frieden des Herrn“, das die Gemeinde mit: „Gott sei Lob und Dank“ beantwortet. Beides kann auch gesungen werden. Die Sendung verbindet den Gottesdienst der am Sonn- oder Festtag versammelten Gemeinde mit ihrem Gottesdienst im Alltag der Welt. Christen, die aus dem Gottesdienst kom­men, sind Menschen mit einer „Mission“ (= Sendung): Der Friede Gottes, um den sie gebetet haben und der ihnen zugesprochen wurde, geht mit ihnen in die Woche, hält sie auch in der Vereinzelung des Alltags verbunden und stärkt sie zu einem Leben, das Jesus Christus in Wort und Tat bezeugt.

Die gottesdienstliche Sendung kann einerseits mit Mitteilungen und Hinweisen auf kirchli­che Veranstaltungen der folgenden Woche verbunden werden; denn selbstverständlich wird auch im Leben der Kirchengemeinde und in den vielen kirchlichen Handlungsfeldern (zum Beispiel in der Diakonie und im Bildungswesen) die Mission erfüllt, zu der die Gottesdienstgemeinde gesendet wird. Andererseits kann in der Sendung der Gemeinde der biblische Wochenspruch aufgegriffen werden, der so zum Sendungswort wird.

Von der lateinischen Fassung des Entlasswortes „Ite missa est“ – zu deutsch „Geht, (die ver­sammelte Gemeinde) ist entlassen“ – leitet sich übrigens die Bezeichnung „Messe“ für den gesamten Gottesdienst her.

Einer der dichtesten Momente des Gottesdienstes – für manche Menschen sogar der wich­tigste überhaupt – ist der Segen. Vorreformatorisch endete der Gottesdienst, wie er begonnen hat, mit einer trinitarischen Formel: „Es segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.“ Martin Luther hat den Aaronitischen Segen – so benannt nach dem Priestergeschlecht der Aaroniten – in den evangelischen Gottesdienst eingeführt. Er steht im Alten Testament (4. Mose 6,24-26):

„Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Ange­sicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erbebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

Der Segen ist ein Ritual von großer Kraft. Sein Wortlaut, der im kollektiven Gedächtnis ver­ankert ist, sollte nicht verändert werden. Zum Ritual gehört die Geste der erhobenen Hände (entsprechend dem Handauflegen beim Einzelsegen) und, in lutherischer Tradition, das Zeichen des Kreuzes (beim Wort „Frieden). Nach der Ordnung unserer Kirche muss nicht ordiniert sein, wer die Gemeinde segnet. Der Segen kann auch als Bitte formuliert werden: „Segne uns, Herr, und behüte uns; lass dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig; erhebe dein Angesicht über uns und gib uns Frieden.“

 

Musik zum Ausgang

Wie die Glocken die Gemeinde zum Gottesdienst gerufen haben und wie die Eingangsmusik sie gesammelt und auf die Gottesbegegnung eingestimmt hat, so endet der Gottesdienst mit Musik. Auch die Glocken können beim Auszug aus der Kirche noch einmal erklingen.

Die Bedeutung der Ausgangsmusik – meist Orgelmusik, es kann aber auch andere Instrumental- oder Chormusik sein – wird unterschiedlich empfunden. Vom unmittelbar vorausgehenden Segen her betrachtet, der den Schluss des Gottesdienstes markiert, ist sie Prozessionsmusik: Sie begleitet festlich den Auszug von drinnen nach draußen. Die Gemeinde nimmt nicht wieder Platz, sondern zieht gesammelt aus der Kirche.

Auf den ganzen Gottesdienst gesehen, wird die Ausgangsmusik mehr als Aus­klang empfunden, in dem das in Lesung und Predigt verkündigte Wort Gottes und die antwortenden Gebete, Gesänge und Lieder der Gemeinde nachklingen. Dazu nimmt die Gemeinde noch einmal Platz und bleibt bis zum Ende der Musik gesammelt sitzen.

Beides lässt sich auch verbinden: ein Stück zum Ausklang des Gottesdienstes, das musikalisch noch einmal Ton und Stimmung des Gottesdienstes aufnimmt, und ein davon abgesetztes Stück als Geleit nach draußen.

Die gebührende Reverenz gegenüber der Kirchenmusik und den Kirchenmusi­kern erweist sich im Kern nicht darin, dass man für das Sitzenbleiben und gegen das Hinausziehen zur Musik plädiert. Sie zeigt sich vor allem darin, dass man ihr in beiden Spielarten zuhört, statt sie durch Reden zu stören.

 

Kirchencafé

Der Gottesdienst ist zu Ende, aber er wirkt weit nach: in die Woche, die Gruppen die Gremien. Als ein erstes Angebot des Nachwirkens können Kirchencafés angeboten werden oder der Eine-Welt-Stand hat geöffnet. Gespräche und damit Kommunikation und Gemeinschaft gehen weiter.

 

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Gottesdienst in Erkelenz

Exemplarisch soll hier einmal ein konkreter Gottesdienstablauf am Beispiel „Erkelenz“ vorgestellt werden.

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Presbyter/In: Begrüßung und Abkündigung Wochenprogramm

Lied:

 

Pfarrer: Im Namen des Vaters…

      Unsere Hilfe steht…

Pfarrer: Psalm

      Kommt, lasst uns anbeten!

Gemeinde: Ehr sei dem Vater und dem Sohn…

 

Pfarrer: Schuldbekenntnis

      Herr, erbarme dich unser!

Gemeinde: Herre Gott, erbarme dich! Christe, erbarme dich…

 

Beim Abendmahl

Pfarrer: Ist dies Euer Bekenntnis und begehrt ihr mit mir die Vergebung aller eurer Schuld um Christi Willen, so antwortet: Ja.

Gemeinde: Ja.

Pfarrer: Auf solch euer Bekenntnis verkündige ich euch an Stelle und auf Befehl unserer Herrn Jesus Christus die Vergebung aller eurer Schuld. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Pfarrer: Gnadenwort

      Ehre sei Gott in der Höhe!

Gemeinde: Und Friede auf Erden…

 

Pfarrer: Der Herr sei mit euch!

Gemeinde: Und mit deinem Geist.

 

Pfarrer: Kollektengebet

Gemeinde: Amen. (gesungen)

 

Presbyter/In: Schriftlesung mit Hallelujavers

Gemeinde: Halleluja (gesungen)

 

Pfarrer und Gemeinde: Glaubensbekenntnis

 

Lied:

 

Bei Taufen

Einleitung zur Taufe mit (Mt. 28, und Mk. 10)

Tauffragen an Eltern und Paten

Taufhandlung

Taufgebet

Elternsegen

Lied:

 

Pfarrer: Predigt

 

Lied:

(Während des Liedes wird die Diakoniekollekte eingesammelt)

 

Beim Abendmahl

Pfarrer: Erhebet eure Herzen!

Gemeinde: Wir erhaben sie zum Herren (gesungen)

Pfarrer: Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gott.

Gemeinde: Das ist würdig und recht.

Pfarrer: Wahrhaft würdig und recht…

Gemeinde: Heilig, heilig, heilig ist Gott…

Pfarrer: Einsetzungsworte

Gemeinde: Vater unser

Gemeinde: Christe, du Lamm Gottes

Pfarrer: Kommt, denn es ist alles bereit…

Presbyter/in hilft bei der Austeilung des Abendmahls mit Sendewort

Pfarrer: Danket dem Herr, denn er ist freundlich…

Lied:

 

Pfarrer: Abkündigung der Amtshandlungen – Fürbittengebet

 

Gemeinde: Vater unser (falls nicht schon im Abendmahl)

 

Lied:

 

Pfarrer: Segen

Gemeinde: Amen, Amen, Amen (gesungen)

 

Orgelnachspiel (Gemeinde bleibt dabei sitzen)

Ausgang (mit Sammlung der Außenkollekte)

 

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Literatur

 

Bibel – Luther-Übersetzung, Stuttgart 1999

Butt, Christian – Evangelisch, was ist das?, Stuttgart 2001

Evangelischen Kirche in Deutschland (Hg) – Der Gottesdienst. Eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche, Gütersloh 2009

Herlyn, Okko – Theologie der Gottesdienstgestaltung, Neukirchen-Vluyn 1988

Maibaum, Frank – Das Gottesdienstbuch. Der Leitfaden zur gemeinsamen Gottesdienstgestaltung, Stuttgart 1999

Seibt, Ilsabe / Evang, Martin – Der Gottesdienst. Ein Leitfaden durch die Liturgie, Berlin 2011

 

im Internet:

http://de.wikipedia.org/wiki/Agende

http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesdienst

http://www.kirchengemeinde-wachtberg.de/front_content.php?idart=71

 

 

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Kleines liturgisches ABC

Abendmahl: Feier, in der die Gemeinde nach der Stiftung Jesu Brot und Wein teilt und seine Gegenwart erfährt.

Agende (lateinisch: was zu tun ist): Buch für die Liturgin, das die Ordnung und Gebetstexte des Gottesdienstes enthält.

Agnus Dei (lateinisch: Lamm Gottes): Gesang der Gemeinde in der Abendmahlsfeier, früher begleitend zum Brotbrechen gesungen. Akklamation: Kurze, zum Teil gesungene Rufe, mit denen die Gemeinde in ein Gebet einstimmt (zum Beispiel „Erbarme dich, Gott“, „Amen“).

Altar / Abendmahlstisch: Tisch im Kirchenraum, der die Zeichen der Gegenwart Gottes trägt (Altarbibel, Kreuz und Kerzen) und um den sich die Gemeinde zum Empfang der Abendmahlsgaben versammelt.

Amen (hebräisch: so sei es): Ruf, mit dem die Gemeinde ein in ihrem Namen gesprochenes Gebet bekräftigt oder den ihr zugesprochenen Segen annimmt. Mit „Amen“ beantworten die einzelnen Teilnehmer am Abendmahl auch das ihnen zugespro­chene Spendewort beim Empfang der Gaben.

Antependien: Textile Altar- und Kanzelbehänge in den liturgischen Farben.

 

Confiteor (lateinisch: ich bekenne): Sündenbekenntnis im Eingangsteil des Gottes­dienstes.

Credo (lateinisch: ich glaube): Glaubensbekenntnis.

 

Doxologie: Lobpreisung Gottes (zum Beispiel „Ehre sei dem Vater ...“ oder „Denn dem ist das Reich ...“ am Schluss des Vaterunser).

 

Epiphanias: Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar, dem abhängig vom Ostertermin bis zu sechs Sonntage nach Epiphanias folgen.

Eucharistie (griechisch: Dank, Danksagung): In der Ökumene verbreitete Bezeichnung des Abendmahls.

 

Gloria (lateinisch: Ehre, Herrlichkeit): Kleines Gloria = „Ehre sei dem Vater“, trinitanscher Lobpreis als Abschluss des Psalms. Großes Gloria = „Ehre sei Gott in der Höhe“, Hymnus im Eingangsteil des Gottesdienstes.

 

Halleluja (hebräisch: lobt den Herrn): Aufruf zum Gotteslob, kommt oft in den Psalmen vor.

Hosianna (hebräisch: hilf doch): Huldigungs- und Bittruf in der Abendmahls­liturgie (griechisch: eleison).

 

Kasualien: Gottesdienste, die nicht regelmäßig nach den Rhythmen der Zeit, sondern fallweise (Kasus = Fall) aus bestimmten Anlässen gefeiert werden, zum Beispiel Trauung und Bestattung.

Kirchenjahr: Ordnung der Festzeiten und Sonntage im Ablauf eines Jahres, beginnend mit dem 1. Advent. Der Weihnachtsfestkreis umfasst die Advents- und Epiphaniaszeit, der Osterfestkreis die Passionszeit und die Sonntage nach Ostern bis Pfingsten.

Kollekte (lateinisch: sammeln): A. kurzes Gebet im Gottesdienst, das vorhergehen­de Gebete bündelt („einsammelt“) und ihren Abschluss markiert; B. gottesdienstliche Spendensammlung, die ihr Vorbild im Neuen Testament hat (1. Korinther 16,1-3; 2. Korinther 8-9).

Kommunion (lateinisch: Gemeinschaft, Teilhabe): Teilnahme an der Abend­mahlsfeier.

Kyrie eleison (griechisch: Herr, erbarme dich): Huldigungs- und Bittruf an Jesus Christus im Eingangsteil des Gottesdienstes.

 

Lektionar (lateinisch: Lesebuch): Buch, das die Abschnitte („Perikopen“) der Bibel enthält, die im Gottesdienst verlesen werden.

Liturgie (griechisch: öffentliche Dienstleistung): Ordnung oder Feier des Gottes­dienstes.

 

Ökumene (griechisch: bewohnte [Erde]): Gemeinschaft der verschiedenen christ­lichen Kirchen.

 

Paramente (von lateinisch: parare mensam: den Tisch bereiten): Sammelbe­griff für alle in Kirchenraum und Gottesdienst verwendeten Textilien und Gewänder.

Perikope (griechisch: Ausschnitt): Abschnitt der Bibel, der im Gottesdienst ver­lesen und/oder über den gepredigt wird.

Prädikanten (lateinisch: Prediger): mit der ehrenamtlichen Leitung von Gottes­diensten Beauftragte.

Präfation (griechisch: das vorweg oder anfänglich Gesagte): Beginn des großen Abendmahlsgebets, das mit einem Dialog zwischen Liturgin und Gemeinde ein­setzt (unter anderem „Erhebt eure Herzen“).

 

Salutatio (lateinisch: Gruß): Wechselgruß zwischen Liturg und Gemeinde („Der Herr sei mit euch – und mit deinem Geist“).

Sanctus (lateinisch: heilig): Lobgesang der Gemeinde beim Abendmahl mit dreifa­chem „Heilig“ (nach Jesaja 6,3), gefolgt von dem „Benedictus“ („Gelobt sei, der da kommt ... Hosianna in der Höhe“ nach Matthäus 21,9).

 

Taufe: Ritus der Zueignung eines Menschen an Jesus Christus durch dreimaliges Eintau­chen oder Übergießen mit Wasser, wobei die Taufformel nach Matthäus 28,19 gespro­chen wird.

trinitarisch: bezogen auf den einen Gott, der für den christlichen Glauben dreifaltig als Vater, Sohn und Heiliger Geist erschlossen ist.

Trinitatis: Fest der Heiligen Dreifaltigkeit Gottes, das eine Woche nach Pfingsten den endgültigen Abschluss der Osterzeit markiert. Ihm folgen bis zu 24 Sonntage nach Trinitatis.

 

Votum: A. Trinitarische Formel am Beginn des Gottesdienstes, die ausspricht, dass sich die Gemeinde im Namen des dreieinigen Gottes versammelt; B. einzelne biblische Worte, die im Verlauf eines Gottesdienstes gesprochen werden können (zum Beispiel Wochenspruch; Entlass-Spruch beim Abendmahl).

 

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