Startseite  - Kontakt  - Impressum
 
 
 
E_K_D
 

Das Vaterunser

So gut wie jeder kennt es und oft genug wird es ebenso ohne Nachzudenken „runtergebetet“. Es handelt sich um das erste und älteste christliche Gebet, welches Jesus uns (als Jude) mitgegeben hat. Woher hat er es und was beten wir im Vaterunser?

 

1. Vom Beten zum Vaterunser

Beten – Was ist das?

Das Gebet (abgeleitet von bitten) ist eine verbale oder nonverbale rituelle Zuwendung an ein transzendentes Wesen (Gott, Gottheit, Göttin) oder vereinfacht gesagt: Beten ist Reden mit Gott. Neben dem Vorgang des Betens (als gemeinschaftliches oder persönliches Gebet) wird im Deutschen mit Gebet auch ein vorformulierter, feststehender Text bezeichnet. Das Gebet zu Gott gehörte von Anfang an zu den wichtigsten Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Jesus selber als gläubiger Jude hat gebetet und seine Schüler zum Beten angeleitet.

Im Grunde genommen wird in allen Religion gebetet. Als Bitte an die Gottheit ist es so etwas wie eine vergeistigte Opferhand­lung. Man "opfert" Gott seine Zeit und seine ganze Auf­merk­samkeit. Tatsächlich trat das Gebet in der Religions­geschichte an die Stelle des Blutopfers, mit dem versucht wurde, sich die Gottheit gewogen zu machen.

Auf jeden Fall steht fest: Beten gehört zum Menschen. Nach wie vor zeigt sich: Kein Mensch hat alles im Griff, keiner ist so stark, dass er alle Probleme selbst lösen kann. Es ist eher ein Zeichen von Wahn, nur auf sich und die eigene Macht vertrauen zu wollen. Der Mensch braucht einen Gegenüber. Einen Gesprächspartner, oder wie Dorothee Sölle gesagt hat: »Eine Sprache finden für das, was wir wünschen und beklagen, nennen wir beten.«

Im Alten Testament gab es ur­sprünglich nicht einmal ein eigenes Wort für »beten«. Beten war rufen, klagen, jubeln, fluchen, weinen, loben, flehen oder schimpfen – je nach den Umstän­den. Beten heißt, das eigene Leben zur Sprache bringen und als Klage, Bitte, Lob und Dank vor Gott auszusprechen.

  • Klage: Die Klage appelliert an den, der das Leid wenden kann; und es geht in der Klage nicht um die Selbstdarstellung des Leids, um Selbstmitleid.
  • Bitte: Solange der Mensch ein Mängelwesen ist und seine existentielle Grundsituation durch Abhängigkeit gekennzeichnet ist, so lange wird die Bitte im Zentrum des Gebetes ste­hen.
  • Lob: Man kann von Leid und Krankheit verschont bleiben, mit gesun­den Kindern gesegnet sein und viel Glück im Leben erfahren haben – und alles selbstverständlich finden. Der 103. Psalm beginnt darum mit einer Selbstauffor­derung: »Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat!« (Psalm 103,2)
  • Dank: Das ganze Leben ein großer Empfang. Der betet, hat alles, was er hat, »empfangen« und er ist dankbar dafür. Auch für das Schwere im Leben? Wer betet, weiß, dass auch Leid, Schwachheit und Alter nicht Ausdruck eines unerbittlichen Schicksals sind, sondern zu dem Leben gehören, das er von Gott empfangen hat.

 

Dorothee Sölle: »Beten ist wie bitten, nur feuriger.«

 

Gebetsformen

Beten ist ein persönliches Thema – aber auch ein öffentliches. Wir beten alleine, zu Hause, vorm Ins-Bettgehen, vorm Aufstehen oder oder oder. Es ist in seinem tiefsten Wesen ein Einzelgespräch mit Gott.

Wir beten aber auch gemeinsam. In der Öffentlichkeit, vornehmlich im Gottesdienst. Manchmal betet der Pfarrer für uns alle (wir bestätigen ihn durch unser Amen), oder wir gemeinsam. Vor allem das Vaterunser. Das Gebet in der Gemeinde ist weniger persönlich, dafür stärkt es das Gemeinschaftsgefühl.

Gebete sind vielfältig und individuell. Jeder kann mit Gott sprechen. Aber bei aller Frei­heit und Persönlichkeit des Gebets – es ist immer ein be­zogenes Wort, bezogen auf das, was Jesus, vermittelt über die Evangelien, zu uns Menschen gesagt hat. So muss es auch nicht verwundern, dass im Christentum – und an­deren Religionen – auch vorgegebene Gebete verwendet werden. Das »Vaterunser« der Christen ist ein direkt von Jesus gestiftetes Gebet an seine Jünger und Jüngerinnen, eine Art Anleitung zur Zwiesprache mit Gott.

 

Beten verändert

Gebete verändern die Lebenseinstellung und die Lebenspraxis. Beten heißt, sich nicht abfinden! Das Gebet drängt zu einem verändernden Tun. Wer im Gebet vor Gott sein Unglück ausspricht, sagt nicht: »So ist es und so soll es bleiben« – sondern: »So ist es und so soll es nicht bleiben.« Wie Gebete verändern können, hat Albert Schweitzer schön auf den Punkt gebracht:

»Gebete än­dern nicht die Welt. Aber die Gebete ändern Menschen. Und Menschen än­dern die Welt.«

Aber Beten hilft nicht immer so, dass ich das von Gott bekomme, worum ich gebeten habe. Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, er ist keine Maschine, bei der man nur den richtigen Knopf drücken muss, um zu bekommen, was man will. Das Gebet hat nichts mit Magie zu tun, aber viel mit Vertrauen. Das Gebet bewirkt nicht, dass Gott das gibt, was ich haben möchte, sondern im Gebet empfange ich das, was Gott mir geben will – mit geöffneten Händen, mit Vertrauen, als veränderter Mensch.

 

Glaube an Gott (und bete), aber sattle Dein Kamel!

 

Beten und die Hirnforschung

Sogar die Hirnforschung hat sich mit dem Vaterunser beschäftigt; sie fand heraus, dass die geistige Disziplin, die im Gebet und der Meditation geübt wird, auf Dauer zu grundlegenden Veränderungen im Gehirn führt. Das erhöhte Erregungsmuster in diesem Hirnbereich bewirkt eine allgemeine positive Lebenseinstellung, eine optimistische Weltsicht. Durch Medi­tation oder Beten wird man auf lange Sicht ein anderer (besserer) Mensch.

 

Gründe für das Nichtbeten

Viele Menschen beten auch nicht (mehr). Bei Hans-Martin Lübking findet man Motive:

  1. Enttäuschung: Viele Gebete (Hilferufe) sind ohne Antwort geblieben
  2. grundsätzliche Einwände. Beten sei:
  • eine Flucht vor der eigenen Verantwortung: Anstatt sich selbst zu engagieren und das Menschenmögliche zu tun, falte man einfach die Hände zum Gebet und erwarte alles vom »lieben« Gott.
  • eine kindliche Verhaltensweise: Weil Menschen nicht stark und erwachsen genug seien, die harte Wirklichkeit zu ertragen, konstruierten sie ein Gegenüber, bei dem sie alle Widrigkeiten abladen und sich selbst geborgen fühlen könnten.
  • ein Missbrauch: Im Gebet werde Gott einfach für die Interessen, Zwecke und persönlichen Bedürfnisse von Menschen eingespannt und missbraucht.

 

Quintessenz

Bei all dem Gesagten sollte man eines nicht vergessen: Einen Glaubenswert stellt das Gebet für sich allein noch nicht dar. Das Gebet ohne die rechte Tat ist letztlich wertlos. Von dem Schriftsteller Erich Kästner (1899-1974) stam­men die schönen Worte:

»Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.«

 

nach oben

 

Hinführung zum Vaterunser

2. Vom Beten des Vaterunsers

Das Vaterunser ist im Neuen Testament zweimal überliefert. Eine Kurzfassung steht im Lukasevangelium, die uns vertrautere längere Fassung in der Mitte der Bergpredigt bei Matthäus. Fast sicher geht das Vaterunser auf Jesus selbst zurück. Er hat das Gebet wahrscheinlich in seiner Muttersprache aramäisch gesprochen.

Jesus hat das Vaterunser nicht komplett neu erfunden, es lehnt sich eng an jü­dische Gebete an, die regelmäßig in den Synagogen gebetet wurden. Jesus greift einige dieser Bitten auf und stellt sie neu zusammen. Allerdings formuliert er das Vaterunser so offen, dass es alle Menschen einlädt, mitzubeten. Unser Vaterunser beginnt mit einer Anrede, die dem Gebet den Namen gegeben hat. Anschließend heißt es dreimal „dein“ – und nicht „mein“. Und dreimal heißt es: „unser“ oder „wir“ – und nicht „ich“

Du

Der erste Teil des Vaterunsers hat Gott im Blick. „Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe.“ Jesus bringt damit zum Ausdruck: Beim Beten geht es nicht in erster Linie um uns. Es geht zuerst um Gott. Es ist gut, ihn in den Blick zu bekommen und sich auf das auszurichten, was er auf dieser Welt bewirken möchte.

Wir

Im zweiten Teil geht es dann um die persönlichen Bitten, die jedoch nicht in Ich-Form formuliert sind, sondern in der Wir-Form. Jesus bringt damit zum Ausdruck: Deine ganz persönlichen, praktischen und konkreten Anliegen sind für Gott genauso wichtig wie seine eigenen, großen, welt­umfassenden Anliegen. Und: Es geht nicht nur um dich. Be­ziehe in dein Gebet auch andere Menschen und ihr Wohl­ergehen ein.

Der Schluss des Vaterunsers („Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“) gehörte ursprünglich nicht zum Vaterunser dazu, sondern war wohl die Antwort der frü­hen Christen, mit der sie im Gottesdienst in das Vaterunser einstimmten, das von einem Vorbeter gesprochen wurde. Sehr bald sind diese Schlussverse dann an das Gebet angehängt worden.

 

Es gab schon zur Zeit Jesu viele (jüdische) Gebete. Ausgedehnte Lobeshymnen, Klagegebete, und viele mehr. Bei aller Vielfalt und auch Eigenart, wie Jesus gebetet haben muss, gab es wohl auch eine gewisse Unsicherheit bzw. Unzufriedenheit; anders ist es nicht zu erklären, dass die Jünger Jesu gerne eine Gebrauchsanweisung haben wollten, was und wie sie beten sollten. Sie fragten Jesus: »Herr, lehre uns beten, wie auch Jo­hannes seine Jünger lehrte.«

Diese Bitte der Jünger ist erstaunlich. Denn die Juden kann­ten sich mit dem Beten aus. Es gab feste Ge­betszeiten am Tage und Gebetsordnungen für die großen Feste. Es gab eine bestimmte Gebetskleidung und eindeutige Gebetsrich­tungen. Umso erstaunlicher der Wunsch, das Beten erst noch lernen zu wollen. Jesu Antwort darauf ist: Das Vaterunser.

»Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.« (Matthäus 6,7) Beten, das heißt nicht, viele Worte machen, die schön klingen, aber nichts bewirken. Wer viele Worte macht, will Gott unter allen Umständen auf sich und die eigene Not aufmerksam machen. Dazu sagt Jesus: »Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.« (Matthäus 6,8)

Das Vaterunser wird auch Herrengebet genannt und ist ursprünglich ein Gebet der Juden. Zumindest ist ihr Erfinder ein Jude gewesen. Jesus hat es aus verschiedenen jüdischen Gebeten als „best-of“ zusammengestellt. Ob er gebeten wurde, das zu tun oder ob es sein eigenes Bedürfnis war, ist nicht eindeutig zu belegen.

 

Der Ursprung

Die Ursprungsform lässt sich aus Lukas 11,2-4 rekonstruieren. Es besteht aus der zu­satzlosen Vater-Anrede, aus zwei Du-Bitten und drei Wir-Bitten und könnte so gelautet haben:

Vater,

geheiligt werde dein Name.

Es komme dein Reich!

Unser Brot, das notwendige, gib uns heute,

und vergib uns unsere Schulden

(wie auch wir unsern Schuldnern vergeben haben),

und führe uns nicht in Versuchung!

 

Unser Brot gib uns heute – Was hieß das für die Jünger Jesu?

Das Vaterunser war zu Jesu Zeiten kein einfaches, vielmehr ein gefährliches Gebet. Jesus zieht in einem ungewissen Wanderleben durch Israel. Er ist immer wieder unterwegs, um überall im Land den Beginn der Gottesherrschaft ausrufen zu können. Dabei begleiten ihn seine engsten Vertrauten und darüber hinaus ein größerer Jüngerkreis. Seine Jünger folgen ihm nach. „Nachfolgen“ hat also zu­nächst einmal eine wörtliche Bedeutung: mit Jesus durch das Land ziehen; meistens am Morgen noch nicht wissen, wo man am Abend übernachten wird.

Es gibt andere, die nicht mit Jesus durch das Land ziehen und die doch für seine Verkündigung von großer Wichtigkeit sind – nämlich die ortsgebundenen Anhänger Jesu: Geheilte, Freunde, Förderer, Sympathisanten, aber auch alle, die man als Neugierige bezeichnen kann. Das Neue, das Jesus in Israel begonnen hat, braucht eben auch solche ortsgebunde­nen Anhänger. Es braucht Freunde und Helfer. Denn Jesus und seine Jünger ziehen ja bewusst mittel- und wehrlos durch das Land. Warum eigentlich?

Sie wollen sich durch ihre Wehrlosigkeit von den bewaff­neten Zeloten unterscheiden, die damals überall in Israel un­terwegs sind, um Anhänger und darüber hinaus Geld und Waffen zum Aufstand gegen die Römer zu sammeln. Damit die Jünger Jesu nicht mit den Zeloten verwechselt werden, dürfen sie kein Geld und keine Ausrüstung bei sich haben. Dann brauchen sie aber, wenn sie den ganzen Tag unterwegs gewesen sind, am Abend Menschen, die sie in ihre Häuser aufnehmen. Sie brauchen Menschen, die ihnen Brot zu essen geben, und ihnen für den nächsten Tag etwas mitgeben. Deshalb die Brotbitte des Vaterunsers!

Etwas anderes kommt hinzu: Die Jünger haben alles ver­lassen: ihr Haus, ihre Familie, ihren Beruf. Es ist eine bare Selbstver­ständlichkeit, dass ein Hausvorstand für seine Familie pla­nen und Vorsorgen muss. Aber in diesem Sinn haben diejeni­gen, die ihre Familien verlassen haben, nun keinen Vater mehr. Deshalb lehrt sie Jesus im Vaterunser, Gott als ihren abba, als ihren liebenden und sorgenden Vater anzureden.

Die Jünger Jesu leben tatsächlich in einer „neuen Familie“. Ihre alte, natürliche Familie mussten sie um der Verkündi­gung des Gottesreiches willen verlassen. Sie haben dafür aber eine neue Familie mit „hundert Brüdern und Schwestern“ ge­funden (Mk 10,30). Eben nicht nur die anderen Jünger, son­dern auch die Freunde, Sympathisanten und stillen Helfer überall im Land, auf die sie vertrauen können. Das alles spie­gelt sich im Vaterunser wider, das mit der Gebetsanrede abba beginnt und in seiner 4. Bitte um das tägliche Brot bittet. (vgl. Lohfink)

Die Brotbitte des Vaterunsers ist also alles andere als harm­los. Sie bittet nicht um die Erhaltung bürgerlicher Sattheit, sie bittet nicht einmal um „Brot für die Welt“. In ihr bitten die Nachfolger Jesu darum, dass sie täglich so viel vom Not­wendigsten haben, dass ihnen genügend Kraft und Freiraum für die Verkündigung bleibt.

Indirekt geht es in dieser Bitte um eine neue Form von Ge­sellschaft, um eine neue Familie, in der alle einander helfen, damit die Verkündigung des Reiches Gottes möglich wird. Die nachösterlichen Gemeinden nannten diese neue Form der So­lidarität agape. Das Wort agape bedeutet, dass jeder vom anderen her denkt, dass jeder fragt, was der andere braucht, und ihm entsprechend hilft.

 

Also: Das Vaterunser ist nicht harmlos. Auch die anscheinend so selbstverständliche Bitte um das tägliche Brot ist nicht harmlos. Denn diese Bitte setzt voraus, dass man die neue Familie Jesu will, dass man das tägliche Miteinander vieler Brüder und Schwestern will und den dadurch ermög­lichten Einsatz für das Evangelium.

So wird gerade bei der Auslegung der 4. Vaterunserbitte deutlich: Die genaue Frage nach der Form und der histori­schen Situation eines biblischen Textes ist eine Hilfe, den Text besser zu verstehen. Erst dann können wir ihn in unsere eigene Situation übertragen. Das heißt im Fall der Brotbitte: Sorgen wir uns darum, dass in unseren Gemeinden immer wieder das neutestamentliche Miteinander vieler Helfer und Sympathisanten ent­steht, welches es anderen ermöglicht, frei zu sein für die Verkündigung des Evangeliums?

Die Botschaft Jesu war klar: Wer sich in die Hände dieses Vaters geben kann, dem verändern sich die Maßstäbe und Prioritäten des eigenen Lebens. Diese „Original-Fassung“ des Herrengebets fügt sich vortrefflich in den Horizont der Gottes- und der Gottesreichs-Verkündigung Jesu ein. Die un­feier­liche, vertrauliche Anrede, mit der sich der Jünger Jesu an Gott wenden darf, ist in der Mut­tersprache Jesu jenes abba, das seine eigene be­sondere Nähe zu Gott ausdrückt (vgl. Mk 14,36). Jesus hat seine Jünger „ermächtigt“, sich in kind­licher Unbefangenheit an den himmlischen Vater zu wenden. Daher dürfen sie es „wagen“, Gott mit dem schlichten „Vater!“ anzureden.

 

Das Vaterunser bei Lukas

Lukas nennt einen Anlass, der Je­sus dazu bewogen haben soll, seine Jünger ein Gebet zu lehren, das seiner Botschaft entspricht. Die Jünger bitten Jesus: »Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes (der Täufer) seine Jünger (zu beten) lehrte!« (Lk 11,1). Jedoch hat Lukas (oder die hinter seiner Textgestalt stehende Gemeinde) das Gebet des Herrn in einigen wenigen Punkten abgeändert (Lk 11,2-4).

 

Lukas 11, 2-4

11:2 Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.

11:3 Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag

11:4 und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden. Und führe uns nicht in Versuchung.

 

Das Vaterunser bei Matthäus

Die Fassung des Herrengebets bei Matthäus wird auch als »das Vaterunser der Kirche« bezeichnet. Diese Fassung lässt vor allem drei Erweiterungen erkennen, die offenbar nach Gesetzen des liturgischen Gebrauchs gebildet wurden.

 

Matthäus 6,9-13

6:9 Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

6:10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

6:11 Unser tägliches Brot gib uns heute.

6:12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

6:13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

 

Vaterunser in der Kirchenfassung

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Wenn wir das Vaterunser nach der neueren öku­menischen Textfassung beten, so folgen wir dabei im wesentlichen der »kirchlichen« Textform des Matthäus-Evangeliums. In ihr ist das ursprüngliche Ge­bet, das Jesus seinen Jüngern über­­gab, vollständig enthalten. Die drei »kommentierenden« Zusätze zum Gebet des Herrn, die schon früh in der Urkir­che entstanden und innerhalb von Mt 6,9-13 er­scheinen, berücksichtigen zunächst die Erfahrung, dass das Kommen des Gottesreichs und seine Macht noch aussteht und auf sich warten lässt. Die Anrede an den Vater »im Himmel« und die dritte Bitte mit der Wendung »wie im Himmel so auf Erden« deu­ten an, dass man nicht mehr im Horizont apoka­lyptischer Naherwartung betet, sondern in jener heilsgeschichtlichen Perspektive, in der sich Him­mel und Erde vorerst noch gegenüberstehen. In der »Zeit der Kirche« beten die Jünger Jesu um das Kommen des Reiches in Herrlichkeit in dem Bewusstsein, dass Gott ihr Gebet nur erhören wird, wenn die Jünger sich als Kinder des himmlischen Vaters erweisen, indem sie dessen Willen tun, indem sie einander zu vergeben bereit sind. Das Vaterunser erhält somit eine ethische und so­ziale Komponente (vgl. auch die Bitte um Bewah­rung vor dem Bösen). Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass die »Zusätze« in Mt 6,9-13 dem Gebet des Herrn einen lehrhaft­katechetischen Nebenton verleihen.

 

Übrigens: Wenn wir das Vaterunser beten, dann läuten die Glocken während des Gottesdienstes. Ja – jetzt wird das Vaterunser gebetet soll damit gesagt werden. Und jeder, der nicht in den Gottesdienst gekommen ist, kann jetzt auch zu Hause – gemeinsam mit den übrigen Gottesdienstbesuchern – das Vaterunser beten.

 

Pax - Der Friedensgruß und das Vaterunser

Es ist überliefert, dass in der Alten Kirche nach dem Vaterunser - vor dem Abendmahl - der „Friedenswunsch“ („Der Friede des Herrn sei mit euch allen“) und der damit verbundene „Friedenskuss“ üblich war. Aus dem Friedenswunsch (Pax) wurde in der katholischen Kirche die Aufforderung, „Gebt euch ein Zeichen des Friedens“; und aus dem „Kuss“ wurde das „Händereichen“. Wenn kein Abendmahl stattfindet, braucht man auf diese Geste nicht zu verzichten. Sie kann am Ende des Gebetes stehen. Gegebenenfalls spricht man das gesamte Vaterunser, während man an den Händen zu einer Menschenkette verbunden ist. Damit wird neben dem „Friedenswunsch“ auch gegenseitige Vergebung ausgedrückt – siehe die 5. Vaterunserbitte.

nach oben

 

Das Vaterunser als Bodenbild

Mit Tüchern und anderen Materialien kann das Vaterunser als Bodenbild gelegt werden:

Vater unser

Vater unser

im Himmel

im Himmel

geheiligt werde dein Name

geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme, dein Wille geschehe

dein Reich komme, dein Wille geschehe

wie im Himmel so auf Erden

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich ...

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit.

Amen

Amen.

 

 

nach oben

 

Martin Luther und das Vaterunser

Lutherrose

Weil er Gott ist, kann er alles für uns tun.

Weil er Vater ist, will er alles für uns tun.

Martin Luther

 

Was Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus über das Vaterunser sagt, steht hier:

 

Die Anrede: Vater unser im Himmel

Was ist das? Gott will uns damit locken, dass wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder, damit wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen wie die lieben Kinder ihren lieben Vater.

 

Die erste Bitte: Geheiligt werde dein Name.

Was ist das? Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns heilig werde.

Wie geschieht das? Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben. Dazu hilf uns, lieber Vater im Himmel! Wer aber anders lehrt und lebt, als das Wort Gottes lehrt, der entheiligt unter uns den Namen Gottes. Davor behüte uns, himmlischer Vater!

 

Die zweite Bitte: Dein Reich komme.

Was ist das? Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst, aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.

Wie geschieht das? Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und danach leben, hier zeitlich und dort ewiglich.

 

Die dritte Bitte: Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Was ist das? Gottes guter, gnädiger Wille geschieht auch ohne unser Gebet;

aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns geschehe.

Wie geschieht das? Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert, die uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kommen­lassen wollen, wie der Teufel, die Welt und unsres Fleisches Wille; sondern stärkt und behält uns fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende. Das ist sein gnädiger, guter Wille.

 

Die vierte Bitte: Unser tägliches Brot gib uns heute.

Was ist das? Gott gibt das tägliche Brot, auch ohne unsere Bitte, allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er's uns erkennen lasse und wir mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot.

Was heißt denn tägliches Brot? Alles was not tut für Leib und Leben wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

 

Die fünfte Bitte: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet, dass der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünden und um ihretwillen solche Bitten nicht versagen, denn wir sind dessen nicht wert, was wir bitten, haben's auch nicht verdient; sondern er wolle es uns alles aus Gnaden geben, obwohl wir täglich viel sündigen und nichts als Strafe verdienen. So wollen wir wiederum auch herzlich ver­geben und gerne wohltun denen, die sich an uns versündigen.

 

Die sechste Bitte: Und führe uns nicht in Versuchung.

Was ist das? Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott behüte und erhalte, damit uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und wenn wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.

 

Die siebte Bitte: Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet, dass uns der Vater im Himmel vom Bösen und allem Übel an Leib und Seele, Gut und Ehre erlöse und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere und mit Gnaden von diesem Jammertal zu sich nehme in den Himmel.

 

Der Beschluss: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Was heißt Amen? Dass ich soll gewiss sein, solche Bitten sind dem Vater im Himmel angenehm und werden erhört. Denn er selbst hat uns geboten, so zu beten, und verheißen, dass er uns erhören will. Amen, Amen, das heißt: Ja, ja, so soll es geschehen.

 

„Denn noch heutigentags sauge ich am Vaterunser wie ein Kind; ich trinke und esse davon wie ein alter Mensch, und kann es nicht satt werden.“ (M.L.)

 

nach oben

 

Vaterunser – in vielen Varianten

4. Unser Beten mit dem Vaterunser

Heute ist das Vaterunser das Gebet der Christen geworden und wohl auch das bekannteste Gebet überhaupt. Es ist in nahezu allen Sprachen übersetzt und wird so gut wie überall auf der Welt gebetet; es wird in jedem Gottesdienst, aber auch in und an vielen anderen Orten gebetet. Es gibt unzählige Literatur zum Vaterunser. Das Vaterunser wird gesungen, es wird mit Bewegungen begleitend gebetet und es gibt unzählige bekannte und weniger bekannte Variationen des Vaterunsers (z.B. Norbert Lammert, Norbert Schuster oder Gerhard Lohfink).

 

Ein nachdenklicher Text, der uns helfen will, das Vaterunser wieder bewusster zu beten:

 

Vaterunser – unterbrich mich nicht!

Beter(in): „Vater unser im Himmel...“

Gott: „Ja?“

Beter(in): „Unterbrich mich nicht! Ich bete."

Gott: „Aber du hast mich doch angesprochen!“

Beter(in): „Ich dich angesprochen? Äh ... nein, eigentlich nicht! Das beten wir eben so: Vater unser im Himmel!“

Gott: „Da, schon wieder. Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht's?“

Beter(in): „Geheiligt werde dein Name ...“

Gott: „Meinst du das ernst? Weißt du, was das bedeutet?“

Beter(in): „Es bedeutet ... es bedeutet ... meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet. Woher soll ich das denn wissen?“

Gott:   „Es heißt, dass ich dir viel bedeute und dass du meinem Namen Ehre machst.“

Beter(in): „Aha, hm, das verstehe ich. Also: Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden ...“

Gott: „Tust du das wirklich?“

Beter(in): „Natürlich. Ich zahle Kirchensteuer und gehe ab und zu in den Gottesdienst.“

Gott: „Das ist schön, aber was ist denn dein per­sönlicher Beitrag zu mehr Frieden und mehr Gerechtigkeit in der Welt?“

Beter(in): „Warum fragst du mich das? Da gibt es noch andere, die vor Geld nicht aus den Augen sehen können und nichts tun.“

Gott:   „Entschuldige, ich dachte, du wärst persön­lich daran interessiert, dass mein Wille mehr beachtet wird auf Erden. Du betest doch darum.“

Beter(in): „Kann ich jetzt mal weiterbeten? Unser täg­liches Brot gib uns heute ...“

Gott: „Es freut mich, dass du nicht nur um dein Brot bittest, sondern um Brot für alle.“

Beter(in): „Stimmt, habe ich gar nicht dran gedacht.“

Gott:   „Es gibt ja noch genug Arme und Hungernde auf der Erde, die mehr brau­chen als nur eine kleine Spende.“

Beter(in): „Eigentlich hast du Recht, ich weiß. Darum bete ich ja auch: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigem.“

Gott: „Und deine Nachbarin?“

Beter(in): „Hör mit der auf! Mit der will ich nichts mehr zu tun haben. Die grüßt mich ja auch nicht mehr.“

Gott: „Habe ich gehört. Aber dein Gebet?“

Beter(in): „Mit meiner Nachbarin hat das nichts zu tun. Soll die sich doch erst bei mir ent­schuldigen.

Gott: „Fühlst du dich denn gut dabei?“

Beter(in): „Nee.“

Gott:   „Ich will dir helfen. Vergib ihr doch und ich vergebe dir. Ich vergebe dir auch jetzt schon. Und du weißt, da ist einiges.“

Beter(in): „Ich werd´s mir überlegen. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen ..."

Gott: „Gut, wenn du mich darum bittest, aber du kannst auch etwas dazu beitragen.“

Beter(in): „Wie denn?“

Gott: „Das Böse, fängt das nicht im eigenen Kopf und im eigenen Herzen an: Alle Schuld auf die Ausländer schieben oder immer beque­mer leben wollen und sich nicht um die Schöpfung scheren oder mit der Faust zuschlagen, statt miteinander zu reden? Hast du diese Versuchung noch nie gespürt?“

Beter(in): „Ich finde, jetzt wird es aber ungemütlich. Ich wollte doch einfach nur ein Vaterunser beten.“

Gott: „Bete ruhig zu Ende.“

Beter(in): „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“

Gott: „Amen.“

Beter(in): „Ja, das stimmt. Wenn ich an die Reichen und Mächtigen denke, die es hier auf Erden gibt, dann bin ich froh, dass sie nicht über alles bestimmen können. Die Macht und die Kraft und die Herrlichkeit ist bei dir doch besser aufgehoben.“

 

 

Vaterunser nach Norbert Lammert (Bundestagspräsident)

Unser Vater im Himmel!

Groß ist dein Name und heilig.

Dein Reich kommt,

wenn dein Wille geschieht,

auch auf Erden.

Gib uns das, was wir brauchen.

Vergib uns, wenn wir Böses tun

und Gutes unterlassen.

So wie wir auch denen

verzeihen wollen,

die an uns schuldig geworden sind.

Und mach uns frei, wenn es Zeit ist,

von allen Übeln dieser Welt.

 

 

Vaterunser nach Norbert Schuster

Du

universaler

transnationaler,

Gruppen, Schichten, Geschlechter

übersteigender,

aller Wesen Anfang und Ursprung,

Du, aus dem alles hervorknospt

und an den alle rückgebunden sind,

Du, der alle liebevoll an der Hand nimmt und führt

und sich immer neu erbarmt!

 

Mache wahr,

wofür Dein Name steht,

dass Du ein Freiheit und Heimat schenkender Gott bist!

Als ein solcher seiest Du von Engeln und uns Menschen

verehrt und unterstützt, dass das zum Zug kommt,

was Du bist!

 

Wir steuern auf einen

neuen Himmel und eine neue Erde zu,

selbstbewusst gelassen aber auch phantasievoll drängend.

Wir wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist,

dass die Gottesherrschaft schon im Hier und Jetzt

wirklich wird, dort jedenfalls, wo das

drängendste Problem unserer Welt

an den Wurzeln gepackt und exemplarisch gelöst ist:

Die Entfeindung unversöhnlichster Unversöhnlichkeiten.

Gib uns das Lebensnotwendige,

das, was es zum Existieren braucht.

Und gib es uns so, dass wir nicht ständig zittern

müssen, ob wir morgen wieder

ohne Alles dastehen.

 

Entschulde uns,

erlass uns unsere Verbindlichkeiten

und setze eine Amnestie in Kraft!

Befreie uns so aus dem Strudel immer

größer werdender Schwierigkeiten.

Lass uns vielmehr noch einmal von vorne

und in Würde anfangen

und statte uns mit allem dafür Notwendigen aus.

 

Erspare uns Situationen, die

hochdilemmatisch sind,

in denen wir kaum anders können

als uns falsch zu entscheiden!

Und wenn wir doch hineingeraten,

lass sie uns nicht über den Kopf wachsen.

 

 

Vaterunser nach Gerhard Lohfink

Anmerkung: Diese Um-Schreibung soll das Vaterunser lediglich in kürzester Form auslegen und ist somit (nur) eine Verstehenshilfe!

 

Vater im Himmel, wir sind deine Jünger, deine Gemeinde, deine Kirche. Zusammen mit Jesus und auf sein Wort hin dürfen wir dich als unseren Vater anreden. Abba, lieber Vater!

Sammle dein zerstreutes und zerrissenes Volk. Mach es zum wahren Gottesvolk, damit deinem Namen vor der ganzen Welt die Ehre gegeben wird. Gib uns die Kraft, in deinem Namen Gemeinde zu sammeln, zusammenzuführen und zu einen. Geheiligt werde dein Name!

Lass dein Reich, lass deine Herrschaft in der Welt ankommen. Sei du allein unser Herr. Wir wollen unseren selbstgemachten Göttern nicht länger dienen. Gib uns die Kraft, als dein Volk wahrhaft menschlich zu leben, ohne Gewalt, ohne Hass, in deinem Frieden. Dein Reich komme!

Bring deinen Plan zur Vollendung, den Plan mit der Welt, den du von Ewigkeit her gefasst hast. Lass ihn vom Himmel auf die Erde gelangen, von deinem Herzen in unser Herz. Gib uns die Kraft, mit unseren Gemeinden dein Heilmittel, dein Sakrament für die Welt zu sein. Dein Wille geschehe!

Weil du unser lieber Vater bist: Gib uns heute so viel an allem Notwendigen, wie wir es für den morgigen Tag brauchen. Unsere erste Sorge soll dein Reich sein. Es soll uns wichtiger sein als alles andere. Von ihm Zeugnis zu geben, soll uns so erfüllen, dass wir gar keine Zeit haben, zu planen und ständig nur an uns selbst zu denken. Gib uns die Kraft, dabei einander zu helfen und füreinander zu sorgen. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen!

Wir können das, was wir dir schuldig geblieben sind und ständig schuldig bleiben, niemals bezahlen. Immer bleiben wir in der Liebe zurück. Deshalb: Erlass uns all unsere Schuld!

Wir sind uns bewusst, dass wir eine solche Bitte gar nicht aussprechen dürfen, wenn nicht auch wir unseren Brüdern und Schwestern alles, was sie uns schuldig bleiben, erlassen. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!

Gerade weil dein Reich mitten in unserer armseligen Geschichte anbrechen soll, droht uns die Versuchung. Die Versuchung des Abfalls; die Versuchung, unsere Jüngerschaft aufzugeben; die Versuchung, an deiner Kirche zu verzweifeln und an deinen Plan mit der Welt nicht mehr zu glauben. Führe uns nicht in eine Situation, in der diese große Versuchung uns überwältigt. Lass uns ihr nicht erliegen, sondern reiß uns heraus aus der tödlichen Macht des Bösen!

 

nach oben

 

Literatur und Links zum Vaterunser

 

5. Literatur

 

Bauer, Eva-Maria, Nowak, Dr. Jutta

Das Vater unser – Gebet unseres Lebens (Lernimpulse für den RU an Grundschulen)

Felger, Andreas & Wanke, Joachim

Gottesnähe. Vater Unser

Hack, Kerstin

Vater unser – Impulse, einfach zu beten

Käßmann, Margot

Einfach Evangelisch 03. Das große Du: Das Vaterunser

Lohfink, Gerhard

Das Vaterunser neu ausgelegt

Lübking, Hans-Martin

Kursbuch christlicher Glaube – Evangelische Perspektiven

Mendonça, José Tolentino

Vater unser auf Erden

Schuster, Norbert

a. Das Vaterunser – Wie ein Gebet den kirchlichen Betriebsalltag irritieren könnte

b. Das Vaterunser mit seinen sechs Kriterien

Sill, Bernhard

Vaterunser - Beterinnen und Beter in der Gebetsschule Jesu

Staguhn, Gerhard

Wenn Gott gut ist – warum gibt es dann das Böse in der Welt?

 

Vaterunser im Internet

Vaterunser in der Mediathek:

Vaterunser & Bekenntnisse bei der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland):

 

nach oben