Startseite  - Kontakt  - Impressum
 
 
 
E_K_D
 

Das Kirchenjahr

Einführung

Die Lebenslinie. Die Zeit auf unserer Erde kann man auf einer (Zeit-)Leiste darstellen – es ist ein langer Zeitstrahl. Der Strahl ist in der Geometrie – anschaulich gesprochen – eine gerade Linie, die auf einer Seite begrenzt ist, sich aber auf der anderen Seite ins Unendliche erstreckt. Ob diese wirklich einseitig begrenzt und andererseits unendlich ist lässt sich vielleicht gar nicht genau sagen – vielleicht ist das Leben ja auch eine Gerade – also eine nach beiden Seiten unendliche Linie.

Auch wenn unser Leben nur ein (kleiner) Abschnitt auf dieser Geraden ist – eine Strecke sozusagen – haben wir Menschen schon immer Angst vor dieser Unendlichkeit, dieser Unkenntnis über die Zukunft – mal mehr, mal weniger. Die ein oder andere Beobachtung hat jedoch ergeben, dass es gewisse Regelmäßigkeiten und immer wieder gleich zu beobachtende Phänomene gab. Die Angst vor der Dunkelheit, kalte und warme Tage, lange Regen-, Schnee- oder Sturmnächte waren auch die Angst vor dem Überleben. Es wäre schön, wenn wir uns ein bisschen darauf vorbereiten könnte. Und so entstand der Jahreskreis: Man hat Regelmäßigkeiten für ein Jahr, eine Woche, ja auch für einen Tag gefunden. Die Wochentage, Monatsbezeichnungen und Jahreszeiten waren erfunden. Mit Hilfe der Sonne, den Sternen und anderen Naturphänomenen war der Mensch in der Lage, Einsichten in die Welt zu erhalten und somit wurde sie gleichzeitig etwas berechenbarer. Natürlich gab und gibt es immer wieder Unwägbarkeiten – Katastrophen – Teufel und böse Geister: Probleme, die nicht vorhersehbar waren.

Über Jahrtausende hinweg gab es für unsere Vorfahren kaum wichtigere Daten als die Wetterdaten. Rituell von größter Bedeutung war der Übergang in die kürzeren und kälteren Tageszeiten für die Menschen doch mit mancherlei Furcht und Unsicherheit verbunden. Opfer und Rituale waren daher schon in vorchristlichen Traditionen belegt und sollten die Schwierigkeiten sowie andrängende, böse Geister auf Distanz halten.

Sieben Tage in der Woche – einen Ruhetag, Buß- und Vorbereitungszeiten vor dem Winter, regelmäßige Termine geben dem Alltag Sinn und einen gewissen Halt. Im Laufe der Geschichte ändern sich auch Einsichten oder Gewohnheiten – so hat heute kaum mehr jemand Angst vor Dämonen oder dem Winter und die entsprechenden „Vorsorgemaßnahmen“ verlieren an Bedeutung. Aber anhalten, überprüfen was ist, was wird sein, was kann und muss ich ändern – evaluieren wie man heute sagt – ist ein natürlicher Prozess, für den Religionen nicht unbedingt vonnöten sind. Aber sie helfen uns dabei. Jahreskreise gibt es ja viele und geben damit auch eine gewisse Struktur vor:

  • 1. Januar bis 31. Dezember – also ein ganzes Jahr
  • 1. Advent bis Ewigkeitssonntag – also das Kirchenjahr
  • 1. Schultag nach den Sommerferien bis letzter Schultag vor den Sommerferien – also das Schuljahr

Diese Jahreskreise beginnen und enden ganz unterschiedlich und die Vorbereitung auf ein Ende sieht in der Schule (kurz vor den Sommerferien) ganz anders aus als zum kalendarischen Ende (Vorbereitung zu Sylvester).

Aber Kreise sind – noch einmal mathematisch gesprochen – ebenfalls unendlich. Es gibt keinen Anfangs- und keinen Endpunkt. Ewigkeit wird häufig durch den Kreis oder Ring ausgedrückt. Eheleute tragen so einen Ring, um die unendlich (große) Liebe und Dauer ihrer Beziehung auszudrücken.

In unserem Leben kann ein Jahreskreis eine Hilfe, eine Sicherheit sein, da wir uns dadurch nicht außerhalb bewegen können. Wir können uns aber auch „verrennen“, wir spüren nicht mehr, wo wir besser anhalten müssten, um uns auszuruhen, Kraft zu schöpfen, Orientierung zu suchen. Manche Ausnahme wirft uns aus der Bahn, und sei es nur der „Brennpunkt“ vor unserer Lieblingssendung im Fernsehen. Oder: „Der Alltag frisst uns auf“ heißt es manchmal – andere sprechen von burnout. Wir haben den „Halt“ verloren.

Sonntage, kirchliche Festkreise und zum Teil auch staatliche Feiertage sind die im Jahreskreis wichtigen AnHaltspunkte, die den Alltag(skreis) unterbrechen, hinterfragen oder stärken.

Es geht auch um die Frage, was eigentlich wertvoll ist. Oscar Wilde hat einmal gesagt: „Heutzutage kennt der Mensch von allen Dingen den Preis und von keinem den Wert“. Was ist mir eigentlich wertvoll? Vielleicht mein Auto oder mein Handy, weil sie ziemlich teuer waren? Der Wert einer Sache hängt nicht vom Preis ab. Den legt nämlich jemand anderer fest. Den Wert einer Sache bestimme ich selber. Welche Bedeutung hat etwas für mich? Und was ist mir wirklich kostbar? Das hat dann nicht mehr viel mit Euro und Cent zu tun, sondern mit mir und meinem Leben. Wie viel bin ich bereit (von mir) zu investieren? Bin ich für jemanden wertvoll? In unserem Leben gibt es ganz viel Wertvolles und Unbezahlbares, was uns viel zu selten bewusst wird.

Anhaltepunkte helfen uns bei unserer persönlichen Positionierung, ermöglichen Umkehrsituationen oder verhelfen uns, einmal auszubrechen, zu feiern und abzuschalten. Um anschließend wieder (gestärkt und aufgetankt) anzuschalten und weiter zu leben und zu arbeiten. Die Erkenntnis, dass das Gegenteil von Arbeiten mehr als nur Faulenzen ist, sondern auch festliche Zeiten dazu gehören, erweitert unseren Erlebenshorizont enorm.

Ein Tag, eine Woche, ein Jahr oder ein ganzes Menschenleben ist und kann ganz schön lang sein, so dass ein „einfach drauf losleben“ gefährlich werden kann. Oder ermüdend. Oder leblos. Also: Lieber lebendig als normal.

nach oben

 

Vom Sonntag zum Kirchenjahr

Das Kirchenjahr strukturiert unser Leben nach wie vor (z.B. Feiertage, Ferien zu den Fest-Zeiten), auch wenn dies inhaltlich nicht mehr so wahrgenommen wird. Mit den verschiedenen Festen im Kirchenjahr, die das Leben Jesu Christi darstellen und vergegenwärtigen, vergewissern sich Christen ihrer Zugehörigkeit zu Gott und ihrer Gemeinschaft als Kirche Jesu Christi. Was jeden Sonntag im „Kleinen“ geschieht, wird an den Festtagen im „Großen“ besonders deutlich.

 

Der Sonntag

Der Sonntag war früher der erste Tag in der Woche. Ihn feierten die Christen als Tag der Auferstehung des Herrn. Christen sind dazu eingeladen, sich

  • zu versammeln
  • im Gottesdienst zu treffen, um sich mit dem Wort und dem heiligen Mahl zu stärken
  • zu erholen und sich Freude zu gönnen!

Die Alte Kirche feierte das Herrenmahl an jedem Sonntag, dem „Tag des Herrn“ oder „Herrentag“ (dies dominica). In frühchristlicher Zeit war der zentrale Gedanke am Sonntag die Besinnung auf das Erlösungswerk des Herrn Jesus Christus, sein Leben und Sterben für das Heil der Welt und seine Auferstehung am dritten Tag, welches mit dem Brechen des Brotes (Abendmahl­/Euchar­istie) in der Erwartung seiner Wiederkunft gefeiert wurde. Als Folgetag des jüdischen Sabbats war der Sonntag eigentlich der erste und nicht der letzte Wochentag.

Kaiser Konstantin der Große legte den Sonntag 321 n. Chr. gesetzlich als wöchentlichen Ruhetag fest. Damit verdrängte der Sonntag den Sabbat und wurde zusammen mit dem Samstag im Alltagsbewusstsein zu dem heute bekannten Wochenende.

 

Das Kirchenjahr

Als Kirchenjahr (lateinisch annus ecclesiasticus oder annus liturgicus; deutsch auch: liturgisches Jahr oder Herrenjahr) bezeichnet man im Christentum eine jährlich wiederkehrende festgelegte Abfolge von christlichen Festen und Festzeiten. Es beginnt immer am 1. Advent (vierter Sonntag vor Weihnachten) und endet mit dem Ewigkeitssonntag (Totensonntag). Das orthodoxe Kirchenjahr beginnt am 1. September.

Das Kirchenjahr ist ursprünglich aus den Feiern zu Ostern und dann auch aus denen rund um Weihnachten entstanden. Allmählich wurden sie zu einem Jahreszyklus vervollständigt. Den Festzeiten sind bestimmte liturgische Farben zugeordnet.

Die Feste in der ersten Hälfte des Kirchenjahres (Weihnachts- und Osterkreis) hängen alle mit Ereignissen rund um das Leben von Jesus zusammen. In der zweiten Hälfte (Trinitatiszeit) werden Feste begangen, die erst im Laufe der Geschichte entstanden sind. Die katholische Kirche hat diese Hälfte mit einigen „Füllfesten“ aufgestockt.

 

nach oben

 

Die drei „Kreise“ und die zwei Halbjahre

Halbjahr des Herrn

- Weihnachtsfestkreis: vom 1. Advent bis Lichtmess

·   Adventszeit

·   St. Nikolaus

·   Christfest/Heiligabend

·   Weihnachtszeit

·   Erscheinungsfest und –zeit

·   Lichtmess

 

- Osterfestkreis: von Aschermittwoch bis Pfingsten

·   Aschermittwoch

·   Passionszeit

·   Karfreitag

·   Osterfest

·   Osterzeit

·   Himmelfahrt

·   Pfingsten

 

Halbjahr der Kirche

- Trinitatiszeit: vom Trinitatisfest bis zum Ewigkeitssonntag

·   Trinitatis (Dreieinigkeitsfest)

·   Trinitatiszeit

·   Fronleichnam

·   Herz-Jesu-Fest

·   Johannisfest

·   Mariä Himmelfahrt

·   Erntedankfest

·   Kirchweihfest

·   Reformationsfest

·   Allerheiligen/Allerseelen

·   St. Martin

·   Buß- und Bettag

·   Ewigkeits-/Totensonntag bzw. Christ-Königsonntag

 

orange = evangelisch   violett = katholisch

 

Viele Feste sind nicht an einen festen Termin gebunden, sondern richten sich nach dem Osterfest. Ostern wird jedes Jahr am Sonntag, der auf den ersten Frühlingsvollmond folgt, gefeiert. (vgl. Pfingsten - Ein bisschen Mathematik)

 

Nach diesem Termin richten sich dann

  • die Dauer der Epiphaniaszeit
  • der Beginn der Passionszeit
  • die Termine für Himmelfahrt und Pfingsten
  • der Beginn und die Dauer der Trinitatiszeit

 

Die katholische Kirche kennt neben dem Festzyklus, der sich an Ereignissen des Lebens Jesu („Herrenjahr“) orientiert, auch den Heiligenkalender. Die Gedenktage der Heiligen sind in vielen Fällen der Todestag, weil das als der Geburtstag zum ewigen Leben gilt. Es wird nur der Geburtstag von Maria (8. September) und Johannes d. Täufer (24. Juni) gefeiert. Oft leitet sich der Termin für den Gedenktag auch von der Einweihung einer Kirche zu Ehren des Heiligen her.

Im Folgenden werden die wichtigsten christlichen Feiertage des Kirchenjahres und deren Brauchtum beschrieben. Dabei wird bewusst eine klare Trennung von evangelischen und katholischen Feiertagen vermieden. Obwohl es besondere Tage für die einzelnen Konfessionen gibt, können die Bedeutung und die Interpretation einzelner Feier- oder Heiligentage auch für die andere Konfession wichtige Erkenntnisse enthalten, als Beispiel dienen die Vorbildfunktion der heiligen „Katholischen“ St. Martin (11. November) und St. Nikolaus (6. Dezember), aber ebenso auch das evangelische Reformationsfest.

Ungeachtet der Trennung der Kirchen in der Reformation blieb eine einheitliche Festkultur erhalten. Der Festkalender des Kirchenjahres hält die Kirchen zusammen. Bei allen theologischen Unterschieden wird damit eine gemeinsame Basis beibehalten, die gerade heute wieder und mit Blick auf die Ökumene sehr hilfreich und wesentlich sein kann und wird.

nach oben

 

Schaubild Feiertage

 

Schaubild Feiertag

nach oben

 

Der Weihnachtsfestkreis

Der Jahreskreis der Feste beginnt mit dem Advent. Das Wort „Advent“ kommt vom lateinischen adventus und bedeutet Ankunft.

 

Advent

Zunächst dient der Advent der Erinnerung an ein geschichtliches Geschehen:  Als die Israeliten in großer Not waren, verkündigten die Propheten, dass eines Tages ein Befreier käme. Dieser würde das Volk aus aller Not herausführen, Gerechtigkeit schaffen und den Menschen ihre Angst nehmen... Christen sehen in Jesus diesen Befreier, der im Neuen Testament die Namen Messias, Christus, Menschensohn, Gottessohn oder Sohn Davids trägt. In der Adventszeit erinnern sich Christen an sein Kommen. In Gottesdiensten und in Andachten feiern sie, dass Jesus Christus das Licht der Welt ist.

Der Advent versinnbildlicht aber auch das Warten aller Christen auf die Menschwerdung Gottes, die im­mer wieder neu geschieht. Und schließlich will uns der Advent an ein Versprechen Jesu erinnern: Dass er wiederkommen wird in Herrlichkeit.

Das erste Mal sicher bezeugt ist die Feier des Advents im fünften Jahrhundert beim Gallier Perpetuus, der von ungefähr 460 - 490 Bischof von Tours war. Er nahm damals den bereits bestehenden Brauch auf, auch vor Weihnachten eine Fastenzeit (von „fest“ bleiben) zu begehen. Diese dauerte vom 11. November, dem Martins­tag, bis zum 6. Januar, der Erscheinung des Herrn. Wenn man die Samstage und Sonntage wegzählt, an denen nicht gefastet wurde, dann kommt man auf genau vierzig Tage Fastenzeit, also eine ebenso lange Zeitspanne wie vor Ostern. Möglicherweise ist das Essen der „Martinsgans“ damit auch das letzte große Essen vor der Fastenzeit gewesen.

Während viele Menschen die Fastenzeit vor Ostern neu entdecken und schätzen lernen, ist der Advent als Fastenzeit weitgehend unbekannt. Dabei könnte sich auch hier – gerade für Familien – der Sinn des Advents und der Weihnacht neu erschließen. Wie soll Weihnachten aus dem übrigen Jahr herausragen, wenn vom Weihnachtsgebäck nur noch der klägliche Rest am Baum hängt und wenn die Weihnachtsgeschenke nur noch eine minimale Steigerung der Adventska­lender- und St. Nikolaus-Bescherung darstellen?

Der Advent (auch) als Fastenzeit (liturgische Farbe: violett) gesehen macht Weihnachten erst zu einem besonderen Fest. Deshalb sollte man bei aller Vorfreude – und gerade den Kindern zuliebe – dem Advent seine Bescheidenheit lassen. Verzicht und Vorfreude schließen einander nicht aus. Sie bedingen einander. Der Verzicht auf atemlose Betriebsamkeit oder Zerstreuung setzt eine gespannte Erwartung erst frei.

Papst Gregor der Große setzte im siebten Jahrhundert die Zahl der Ad­ventssonntage auf vier fest. Möglicherweise versinnbildlichen die vier Sonntage die biblischen vier Jahrtausende der Erdgeschichte… Allgemeine Vorschrift wurde dies jedoch erst 1570. Es ist die Vorbereitung auf das Fest der Geburt Jesu Christi in der Heiligen Nacht (Heiligabend) vom 24. auf den 25. Dezember. Und an Stelle von Buße und Fastengeboten setzte sich zunehmend die optimistische Lesart der Be-Sinn-ung, der Freude und der Hoffnung durch.

Genau in diese Veränderung fällt auch die Erfindung des Adventskranzes durch den evangelischen Theologen Johann Hinrich Wichern (1808 – 1881). Weil die sehr zahlreichen kleinen Kinder in seinem Waisenhaus immer wieder nach den Tagen bis Weihnachten fragten, stellte Wichern auf einem alten Wagenrad zwanzig kleine (Tages-) und vier große (Adventssonntags-)­Kerzen auf, die reihum angezündet wurden. Die Idee breitete sich als Adventskranz (nur mit den vier Adventssonntagskerzen) schnell aus, zumal sie einen mancherorts bekannten Vorläufer hatte: Jüdinnen und Juden feierten bereits seit langem in Erinnerung an ein Tempelwunder im Dezember Chanukka, bei dem acht Tage lang täglich eine weitere Kerze entzündet wird. Nun leuchteten auch die Christen gegen die Dezem­bernächte an.

 

Sankt Nikolaus (katholisch-ökumenisch)

Manche(r) würde nach dem Aufstellen von Adventskranz und Weihnachtsbaum Anfang Dezember gerne gleich zur weihnachtlichen Bescherung stürmen. Doch davor hat die Tradition den Tag eines Heiligen gesetzt, der mit diesem Schenken ursprünglich angefangen hat: Der Heilige Bischof Nikolaus von Myra, der vom dritten bis zur Mitte des vierten Jahrhunderts nach Christus lebte und dessen Todestag als der 6. Dezember überliefert wird.

Schon bald rankten sich immer mehr Legenden um das Leben des Bischofs, zumal in Myra (heute Demre bei Antalya, Türkei) später auch noch ein geachteter Abt gleichen Namens amtierte und die Überlieferungen verschmolzen. So erzählte man sich, wie Bischof Nikolaus Verfolgungen überlebt oder unschuldig Verurteilte vor Kerker und Hinrichtung bewahrt habe. Vor allem aber erinnerte man sich seiner Mildtätigkeit: Das Korn eines römischen Schiffes soll er so vermehrt haben, dass die Menschen seiner Stadt davon überleben und die Ladung doch nicht kleiner werden konnte. Und drei armen Jungfrauen, denen von ihrem Vater die Aufforderung zur Prostitution drohte, soll der gute Mann goldene Äpfel in ihre Zimmer bzw. Schuhe gelegt haben, so dass sie doch noch würdig heiraten konnten.

Der Brauch des Sich-Beschenkens am Heiligabend geht auf eine reformatorische Auseinandersetzung zurück. Ur­sprünglich fand die Besche­rung am 6. Dezember statt. Der Heilige Nikolaus war es, der die Geschenke brachte. Verbunden mit der Absicht, die Bedeutung der Heiligentage einzudämmen, regte Martin Luther um 1535 an, die Bescherung auf Weihnachten zu verlegen. So kam es, dass von nun an nicht mehr der Nikolaus die Gaben brachte, sondern das Christ­kind. Heute lässt sich das Brauchtum rund um die Bescherung kaum mehr konfessionell zuordnen: Einerseits feiern heute auch viele Protestanten den Nikolaustag, andererseits haben die Katholiken längst das Christkind „entdeckt“ und beschenken sich heute ebenfalls am Weihnachtsabend.

Verwirrend wird es, wenn vom Weih­nachtsmann die Rede ist. Hier wurde gewis­sermaßen der Heilige Nikolaus mitsamt den Ge­schenken auf Weihnachten übertragen; er ist nun Nikolaus und Christkind in einer Person. Der Weih­nachtsmann (Santa Claus = Sinterklaas) kommt durch den Schornstein und hinterlässt in den am Kamin hängenden Strümpfen allerlei Süßigkeiten und Geschenke – ein niederländisches Erbe aus der Zeit, als New York noch holländisch war und Nieuw Amsterdam hieß. Und dass er rot gekleidet ist, das ist auch einer Coca-Cola-Werbekampagne von 1931 in den USA zu verdanken, die den bis dahin häufig grün gekleideten Mann mit einem roten Mantel ausstattete.

Und wenn sich das Hauptgeschenkefest in den meisten Regionen auch auf Heiligabend verschoben hat, so stapfen auch heute noch Heilige Nikoläuse durch Kindergärten, Schulen, Vorgärten und Wohnungen, um als Überraschung oder nach Ermahnung, Lesung und Gesang kleine Geschenke zu verteilen.

 

Heiligabend und Weihnachten

Heiligabend

Der Heilige Abend am 24. Dezember, auch Heiligabend oder Christnacht genannt, ist der Vorabend des Weihnachtsfestes; vielerorts wird auch der ganze Vortag so bezeichnet.

Die Tradition des häuslichen Weihnachtsfestes bildete sich im 16. Jahrhundert in den evangelischen Gebieten heraus. Damit verbunden war die Bescherung der Kinder, die zwar an die Gaben der Heiligen Drei Könige erinnern sollte, aber nun durch das Christkind erfolgte. Meist gab es nur kleine Geschenke, Teller mit Äpfeln und Nüssen und auch mal mit einem Geldstück darauf. Spielzeug zu verschenken, war lange Zeit nur in den wohlhabenden Kreisen möglich. Erst um 1900, mit der allgemeinen Übernahme der bürgerlichen Weihnachtsbräuche, verbreitete sich in allen gesellschaftlichen Kreisen das Weihnachtsfest so wie wir es heute kennen: mit Adventskranz, Tannenbaum und Bescherung.

Schon in der Reformationszeit verlagerte sich der Mitternachtsgottesdienst auf den Vorabend und dann weiter auf den Nachmittag. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht die Weihnachtsgeschichte. Die Evangelisten Matthäus und Lukas erzählen davon. In Krippenspielen und mit festlichem Chorgesang wird die Geburt Jesu gefeiert, die Menschwerdung Gottes.

Die Tatsache, dass Weihnachten mit der Bescherung am Abend des 24. Dezember gefeiert wird, ist eine recht neue Entwicklung. Sie beruht auf der liturgischen Regel, dass alle großen Feste eine Vigil besitzen müssten, eine Art Nachtwache, in der man sich betend und wachend auf das bevorstehende Fest vorbereitet. Dabei spielt die im jüdisch-christlichen Kulturkreis überlieferte Idee eine Rolle, dass ein Tag bereits am Vorabend mit Einbruch der Dunkelheit beginnt.

Erst die Verlagerung der Christmette auf Mitternacht und schließlich – vor allem im protestantischen Bereich – auf diverse Nachmittags- und Abendgottesdienste, legitimierte die Bescherung am Heiligen Abend. Begleitet wird diese durch regional unterschiedliche, von Generation zu Generation weitergegebene Familientraditionen wie Singen und Gedichte aufsagen.

Zunächst feierten die Christen als höchstes Fest die Taufe Christi am 6. Januar. Am 25. Dezember feierten viele Völker wie die Griechen, die Römer, die Ägypter oder die Perser die Geburt ihres Sonnen- oder Lichtgottes. Und auch nachdem die Menschen den christlichen Glauben angenommen hatten, wurde dieses Fest oft heimlich weiter begangen.

Niemand wusste ganz genau, wann Jesus geboren worden war, doch da er sich selbst als das „Licht der Welt“ bezeichnet hatte, konnte man seinen Geburtstag auch am Tag des Lichtes, dem 25. Dezember, feiern. Dies legte die römische Kirche im 4. Jahrhundert n. Chr. fest, die damit auch gleichzeitig den heidnischen Festen entgegenwirken wollte.

 

Weihnachten

Der Name kommt von „geweihten Nächten“. Im Anschluss an die Wintersonnenwende wurden früher zwölf heilige Nächte gefeiert, in denen die Waffen schwie­gen und die Häuser und Ställe mit Weihrauch ausgeräuchert wurden – daher auch „Rau(ch)­nächte“.

Dafür, dass wir Weihnachten ausgerechnet am 25. Dezember feiern, gibt es auch einen anderen Erklärungsansatz: Er geht davon aus, dass die Theologen der Frühkirche durch verschiedene Berechnungen auf den 25. Dezember kamen. Dieses Resultat er­gibt sich beispielsweise, wenn man den 25. März als ersten Tag der Schöpfung annimmt, wie dies alte Überlieferungen tun, und man die Geburt Christi als Schöpfungsakt betrachtet. Der 25. Dezember war aber nicht von jeher das allgemein anerkannte Resultat solcher Berechnungen. So gab es Traditi­onen, die den Mai als Geburtsmonat annahmen, insbesondere den 20. Mai, oder auch solche, die den 28. März als Geburts- und Todestag feierten.

Während in der abendländischen Kirche die Geburt Jesu seit 336 am 25. Dezember gefeiert wird, geschieht das in vielen orthodoxen Kirchen bis heute am 6. Januar – dem Epiphanias (Erscheinungs-)fest. Der erweiterte Weihnachtsfestkreis umschließt daher neben der Geburt Jesu auch die Anbetung der heiligen drei Könige, die Flucht, die Taufe und die Verklärung des erwachsenen Jesus.

Die Farben der Weihnacht sind Rot und Grün. Das Rot erinnert an das Blut, das Christus für uns vergossen hat. Grün ist die Farbe der (immer währenden) Treue, der Treue Jesu zu den Menschen und der Menschen zu Jesu.

 

Silvester und Neujahrstag

Silvester ist zwar allen bekannt, hat sich jedoch längst verselbstständigt und seinen christlichen Charakter weitgehend verloren. Daher wissen die wenigsten, dass dieser Tag seinen Namen einem Heiligen verdankt.

Der Heilige Silvester war seit 314 Bischof von Rom und erlebte die sogenannte Konstantinische Wende, mit der das Christentum vom römischen Kaiser Konstantin (280-337) zur Staatsreligion erhoben wurde. Silvester war es nach der Legende auch, der Konstantin getauft hatte. Am 31. Dezember 335 starb Silvester. An einigen Orten wird immerhin am Silvesterabend eine gemeinsame Gebetsstunde und ein Ausläuten des alten Jahres begangen. Zur evangelischen Tradition gehört mancherorts zudem der Altjah­resabend, der auch einen Gottesdienst am Abend des 31. Dezember einschließt.

Der Neujahrstag ist kein christlicher Feiertag. Dennoch läuten oftmals Kirchenglocken und Posaunenklänge von den Türmen und bitten um den Segen für das neue Jahr und darum, das vergangene in Frieden loslassen zu können. Die Worte des 121. Psalms sagen, was an den Schwellen von einem Jahr zum anderen zu hoffen ist: „Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.

 

Epiphanias (Dreikönigsfest)

Aus eins wird drei

Epiphanie, wie das Fest des 6. Januars eigentlich heißt, hat im Laufe der Jahrhunderte eine interes­sante Wandlung durchgemacht. Im Volksmund und in vielen Kalendern heißt dieses Fest auch Dreikönigsfest, Dreikönigstag, Heilige Drei Könige oder Theophanie („Erscheinen Gottes“). Seine Ursprünge liegen in Ägypten, genauer in Alexandria. Man fei­erte dort im 4. Jahrhundert die Anbetung der Wei­sen, die Taufe von Jesus, und zudem wurde auch das Gedächtnis an das erste Wunder Jesu feierlich begangen, die Verwandlung von Wasser in Wein an­lässlich des Hochzeitsfestes in Kana: All das gehörte zur Epiphanie (griech. „Erscheinung“), zur Erscheinung des Herrn.

Nachdem sich das Fest bald auch in der abendlän­dischen Kirche durchgesetzt hatte, wurden schließ­lich die verschiedenen Inhalte auseinandergefaltet. Seither begehen wir am 6. Januar den Dreikönigstag mit seinem eigenen, charakteristischen Brauchtum. Besonders das Sternsingen hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Als Könige verklei­det ziehen in den Tagen um den 6. Januar zumeist Jugendliche von Haus zu Haus, um singend für einen guten Zweck zu sammeln. Am Schluss wird über den Türbalken der Eingangstüre mit Kreide die Formel C+M+B zwischen die jeweilige Jahrzahl geschrie­ben. Die Buchstaben zwischen den Jahrzahlen können als Initialen der Heiligen Drei Könige gedeutet werden: Caspar, Melchior, Balthasar. Eine andere Deutung besagt, dass sich dahinter die lateinische Formel Christus Mansionem Benedicat (Christus segne dieses Haus) verberge.

Aber wird an „Heilige Drei Könige“ nicht die Ankunft der „Weisen aus dem Morgenland“ beim Jesuskind gefeiert? Genau – und schon bei der interessanten Verschiebung von „Weisen“ zu „Königen“ fällt etwas auf: Erst die spätere Legende hat die Besucher zu Königen aus sogar unterschiedlichen Kontinenten gemacht. Als mit den persischen Religionen auch die Erinnerung an die phrygischen Mützen verblasste, gingen mehr und mehr Darstellungen dazu über, die Weisen mit Kronen zu krönen – aus den Sterndeutern wurden Könige. In kleinen Nischen haben sich die phrygischen Mützen jedoch gehalten: Bei unseren Gartenzwergen und Mainzelmännchen!

Den drei Königen wurden früher besondere Schutzkräfte zugeschrieben, sie sollten das Böse von den Menschen fern halten. Am Fest der Heiligen Drei Könige lassen sich auch Vorhersagen über die Zukunft machen. So kann man an dem Tag das Wetter für das kommende Jahr vorhersagen. Dabei soll jede Stunde des Tages einem Monat entsprechen. Vielerorts bleiben die Weihnachtsbäume bis zum Dreikönigstag stehen. Dann werden sie geplündert und aus dem Haus gebracht. In einigen Gegenden sammelt man die Bäume, schichtet sie auf und verbrennt sie am Abend.

Am Sonntag nach dem 6. Januar gedenkt man der Taufe Jesu und am Sonntag darauf der Hochzeit zu Kana, also jener Hochzeit, bei der Jesus Wasser in Wein verwandelt (Johannes 2, 1-10).

 

Lichtmess (katholisch)

Das Fest der „Darstellung des Herrn” wird am 2. Februar, also vierzig Tage nach Weihnachten als Abschluss der weihnachtlichen Feste gefeiert. Der früher gebräuchliche Name Mariä „Purificatio”, „Reinigung”, erinnert an den jüdischen Brauch, auf den sich das Fest bezieht: Nach den Vorschriften des Alten Testaments galt die Mutter vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein. Die Frau musste ein Reinigungsopfer darbringen, normalerweise ein einjähriges Lamm, eine Felsen- und eine Turteltaube; für Arme genügten zwei Felsen- und zwei Turteltauben (3. Mose 12, 6-8); Maria machte von diesem Armenrecht Ge­brauch. Sie pilgerte also zu ihrer „Reinigung” in den Tempel. Da Jesus der erste Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von den Eltern zuerst ausgelöst werden: er wurde zum Priester gebracht und vor Gott „dargestellt”. Als die Eltern zu diesem Zweck in den Tempel kamen, begegneten sie dem betagten Simeon und der Prophetin Hanna, die erkannten, dass Jesus kein gewöhnliches Kind ist und ihn als den Erlöser Israels priesen (Lukasevangelium 2, 21 - 40).

Das Fest ist im 5. Jahrhundert in Jerusalem bezeugt, wurde im 7. Jahrhundert in Rom eingeführt und zunächst am 14. Februar gefeiert – 40 Tage nach dem früheren Weihnachtsfest am heutigen Epiphaniastag; der 14. Februar ist heute Valentinstag.

An Lichtmess wurde der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen geweiht, die Leute brachten auch Kerzen für den häuslichen Gebrauch zur Segnung, diese gesegneten Kerzen sollten vor allem in der dunklen Jahreszeit das Gebetbuch beleuchten, oder als schwarze Wetterkerzen Unwetter abwehren.

 

Weltgebetstag (international)

Der Weltgebetstag (WGT, auch bekannt unter: Weltgebetstag der Frauen) ist die größte ökumenische Basisbewegung von Frauen. Ihr Motto lautet: „Informiert beten – betend handeln“. Der Weltgebetstag wird in über 170 Ländern in ökumenischen Gottesdiensten begangen. Vor Ort bereiten Frauen unterschiedlicher Konfessionen gemeinsam die Gestaltung und Durchführung der Gottesdienste vor. Jedes Jahr schreiben Frauen aus einem anderen Land der Welt die Gottesdienstordnung zum Weltgebetstag.

Im Gottesdienst wird nach Art des Landes gesungen, getanzt und gebetet. So teilen alle Betenden auf der Welt die Hoffnungen und Ängste, Freude und Sorgen, Möglichkeiten und Wünsche der Menschen aus dem „Weltgebetsland“. Der Weltgebetstag findet jeweils am ersten Freitag im März statt. Durch das gemeinsame Beten und Feiern sind viele Glaubensrichtungen und Länder in einer großen Gemeinschaft verbunden.

Der Weltgebetstag 2013 mit dem Titel „Ich war fremd – ihr habt mich aufgenommen“, vorbereitet von Frauen aus Frankreich, wurde am 1. März 2013 gefeiert. Der Weltgebetstag 2014 findet am 7. März 2014 unter dem Titel „Wasserströme in der Wüste“ statt. Vorbereitet wird er von Frauen aus Ägypten.

nach oben

 

Der Osterfestkreis

Der zweite Festkreis im Kirchenjahr ist der Osterfestkreis, somit der zweite Teil des „Halbjahr des Herrn“. Schon in den Höhlenzeichnungen der Steinzeit befassten sich Menschen mit dem Werden und Vergehen des Lebens, wie es sich auf der Nordhalbkugel der Erde auch im jährlichen Wechsel von Winter (Sterben) und Frühjahr (Wiedergeburt) zeigt. Soweit wir historisch zurücksehen können, finden wir daher überall Frühlingsfeste, in denen der jährliche Sieg des Lebens über den Tod gefeiert wird.

Im jüdischen Frühlingsfest des Pessach (hebräisch „Übersprung“, Auslassung) flossen Hirten- und Ackerbautraditionen bereits vor Jahrtausenden mit den Überlieferungen zur Errettung des Volkes zusammen. Die Israeliten erinnerten sich der Sklaverei und Flucht (Tod und Leben) aus Ägypten, indem sie am Tempel in Jerusalem Lämmer schlachteten und Matze („ungesäuertes Brot“) verzehrten. Es handelt sich dabei um Fladenbrot, das nur aus Mehl und Wasser zubereitet und rasch gebacken wird. Damit erinnert es an die Eile bei der Flucht aus Ägypten, aber auch an Armut und die Gleichwertigkeit aller Menschen: Während Pessach essen alle das gleiche Brot.

Jesus erlebte seine Kreuzigung an Pessach, das Abendmahl war ein rituelles Pessachmahl (heute im Judentum „Seder“ genannt). Die christliche Deutung, dass sich Jesus selbst als Opfer (als Pessachlamm) für die Menschen gegeben habe, lag daher sehr nahe: Tod und Auferstehung wurden nun an seinem Schicksal verdeutlicht – das Christentum hatte sein Hauptfest gefunden.

Karfreitag, Ostersonntag (Auferstehung Jesu) und Ostermontag bilden zusammen das Osterfest.

 

Passionszeit

Sieben Wochen vor Ostern begehen vor allem katholische Regionen den „Fasching“, die „Fastnacht“ bzw. den „Karneval“ von lateinisch carnem levare (das Fleisch entfernen): Vor der österlichen Fastenzeit wird noch einmal so richtig gefeiert, wobei die Menschen in allerhand Verkleidungen schlüpfen und lokal prachtvolle Prozessionen mit Zunftumzügen, Prunksitzungen, Narren und der Ernennung von Prinzenpaaren durchführen. (In einigen Regionen hat sich auch der 11.11. um 11.11 Uhr als „Beginn der fünften Jahreszeit“ erhalten, der auf das frühere Adventsfasten vierzig Tage vor Weihnachten verweist.)

Was hat es mit Karneval und seinen Bräuchen auf sich? Die allerlängste Zeit unserer langen Evolutionsgeschichte lebten unsere Vorfahren als Jäger und Sammler in kleinen, vergleichsweise locker gefügten Gruppen. Der Übergang zur Sesshaftigkeit brachte dagegen nicht nur eine viel höhere Bevölkerungs- und Regeldichte, sondern auch die Herausbildung von unterschiedlichsten Rollen und Hierarchien (wörtlich: Heilige Ordnungen) mit sich: Nun lebte man als arm oder reich, als Sklavin oder Bauer, Soldat oder Königin (usw.) und war Tag für Tag mit massiven Regeln und Erwartungen belegt, denen man kaum entkommen konnte. Das Bedürfnis, aus der eigenen Rolle auch einmal ausbrechen und die Welt einmal mit anderen Augen sehen zu können, bricht sich daher in allen Hochkulturen Bahn: Ein bis drei Tage pro Jahr werden die sonst geltenden Regeln gelockert, sind Verkleidungen und Rollenwechsel erlaubt, wird gefeiert und gespottet.

Die Passions- oder Fastenzeit ist eine Zeit der Buße und Umkehr. Sie dauert 40 Tage. In der Passionszeit bereiten sich Christen auf das Osterfest vor. Sie achten besonders auf Gott, sich selbst und ihre Mitmenschen. Das geschieht durch:

  • Fasten,
  • Beten und
  • Teilen („Almosen geben“)

Die Passionszeit erinnert an den Weg Jesu nach Jerusalem und an seine Leidensgeschichte. Viele Menschen fasten in dieser Zeit. Unter dem Motto „7 Wochen ohne“ verzichten sie auf etwas, das ihnen sehr wichtig ist und zur Sucht zu werden droht (z.B. Handy, Fernsehen, Süßigkeiten, Alkohol, Computer …). Die Passionszeit beginnt am Aschermittwoch.

Jesus sprach vom Reich Gottes. Er sagte: „Das Reich Gottes ist nahe, wo Menschen sich für Gott entscheiden. Bei euch fängt es an!“ So beschreibt Jesus das vollendete Reich Gottes: Hungernde werden gesättigt, Traurige getröstet, Schuldigen wird vergeben. Den Sanftmütigen wird die Erde gehören! ...

Die Mächtigen der damaligen Zeit wollten von diesem Reich nichts wissen. Sie nahmen Jesus gefangen und verurteilten ihn. Sie ließen ihn kreuzigen... Ein besonderer Tag ist dabei der Karfreitag, an dem Jesus gekreuzigt wurde. Nach dem großen Weihnachtsfestkreis am Ende der Epiphaniaszeit mit dem Fest der Beschneidung zu Lichtmess leitet die Vorfastenzeit über in die Vorbereitungszeit auf das Osterfest.

Seit dem 4. Jahrhundert ist auf vielfältige Weise eine vierzigtägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest bezeugt. Sie beginnt am Aschermittwoch, dem Mittwoch vor dem 6. Sonntag vor Ostern. Im evangelischen Bereich heißen die Vierzig Tage Passionszeit – Zeichen dafür, dass das Motiv des Leidens Jesu die gesamte Vorbereitungszeit auf Ostern bestimmt. Ursprünglich war solche Prägung auf die Karwoche beschränkt.

Den biblischen Hintergrund für die Begehung der Vierzig Tage liefern all jene Texte, in denen dem Zeitraum von 40 Tagen – bzw. 40 Jahren – eine besondere Bedeutung zukommt. Es sind allemal Zeiten des Übergangs, der Vorbereitung und der Läuterung, von denen hier berichtet wird. In der alten Kirche traten die Taufbewerber, die Katechumenen, mit dem Beginn der Vierzig Tage in ein neues Stadium ihrer Taufvorbereitung ein.

 

Aschermittwoch (katholisch)

Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40tägige Passionszeit, von vielen Menschen wird sie als Fastenzeit begangen. Der Tag hat seinen Namen von der Asche, mit der ursprünglich die Büßer bestreut wurden, die ein sackähnliches Büßergewand trugen. Die Asche steht für Vergänglichkeit, Trauer und Buße. Die Büßer mussten früher die Kirche verlassen, nachdem sie mit Asche bestreut wurden. Bis sie am Gründonnerstag wieder aufgenommen wurden, durften sie bei den Gottesdiensten nur auf der Armesünderbank, im Vorraum der Kirche, sitzen.

In der katholischen Kirche wird auch heute noch bei einem Gottesdienst am Aschermittwoch den Gläubigen ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet. Dabei sagt der Priester die Worte „Gedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst!“

Der Aschermittwoch ist kein Glück bringender Tag. An ihm soll Luzifer aus dem Himmel gestürzt worden sein. So vermied man in früherer Zeit neues Vieh in den Stall zu stellen, das Haus zu reinigen, das Dorf zu verlassen, den Wald zu betreten und vieles mehr.

Die Asche wird aus Palmzweigen des vergangenen Palmsonntages hergestellt. Der Priester segnet die Asche und zeichnet mit der Asche ein Kreuz auf die Stirn. Durch das Aschenkreuz werden Christen daran erinnert, dass alles in der Welt vergeht. Sie sollten in den folgenden 40 Tagen der österlichen Bußzeit das tun, was immer bleibt: Lieben.

 

Palmsonntag

Der Palmsonntag ist der letzte der sechs Sonntage vor Ostern, es beginnt die Karwoche („kara“ = Klage, Trauer), die in der lutherischen Kirche auch Stille Woche, Zeit der Einkehr genannt wird. Die katholische Tradition umfasst in der Heiligen Woche darüber hinaus auch Ostern. Am Palmsonntag (evangelisch auch „Palmarum“ genannt) wird des festlichen Einzugs Jesu Christi in Jerusalem gedacht. Als Zeichen seines Königtums jubelte das Volk ihm zu und streute Palmzweige. Palmen wurden vielerorts als heilige Bäume verehrt.

Der Name bezieht sich auf den Brauch, an diesem Sonntag einen Prozessionsweg bis in die Nähe der Auferstehungskirche zu gehen. Dabei werden Palmzweige und auf einer Bahre ein Kreuz oder ein Evangelienbuch getragen. Dieser Brauch besteht seit dem 8. Jahrhundert.

Die Palme ist das Zeichen des Sieges. Der Baum wurde früher als heilig verehrt. Vom Christentum wurden die Palmzweige als Symbol des Lebens übernommen. In Mitteleuropa wurden die Zweige durch Äste von Saalweiden, Buchsbaum, Wacholder oder Haselzweigen ersetzt. Die geweihten Zweige sollen vor Bösem schützen. Glück bringen sollen auch die ersten Frühlingsblumen, die man am Palmsonntag pflückt.

 

Gründonnerstag

Am Gründonnerstag, dem Vorabend von Karfreitag (Verhaftung, Verurteilung, Kreuzigung) soll Jesus das letzte gemeinsame Mahl mit seinen Jüngern gefeiert und ihnen zuvor die Füße gewaschen haben. Er segnete Brot und Wein, gab diesem Brauch aber eine neue Bedeutung: Jesus gibt den Jüngern (und damit allen Christen) den Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Bei jeder Abendmahlfeier erfüllen sie damit den Auftrag Jesu.

In der evangelischen Kirche wird der Gründonnerstag mit einem Agape- bzw. Abendmahlsgottesdienst begangen. Dieser Gottesdienst wird in vielen Gemeinden besonders ausgestaltet.

Eigentlich ist das ein Festtag: Ganz Jerusalem ist auf den Beinen; das abendliche Passamahl muss vorbereitet werden, mit dem das jüdische Pessachfest beginnt. Und auch Jesus wird mit seinen Jüngern ein Abendmahl feiern – sein letztes. Der Name des Tages ist in seinem Ursprung nicht geklärt. Möglicherweise wurde er von einer grünen Soße oder Suppe abgeleitet, die man an dem Tag zu essen pflegte. Sie enthielt sieben Gemüse oder Kräuter: Spinat, Salat, Lauch, Petersilie, Schnittlauch, Sauerampfer und Löwenzahn. Die „grünen Gerichte“, die an dem Tag zubereitet und gegessen wurden, variierten in den verschiedenen Gegenden. Der Name würde damit eine Erinnerung an die Büßer darstellen, die früher an diesem Tag zum ersten Mal wieder am Gottesdienst teilnehmen durften, und als sichtbares Zeichen ihrer vollendeten Buße mit jungem Grün geschmückt wurden.

Wahrscheinlicher lässt sich der Gründonnerstag aber von dem Wort „greinen“ für „weinen“ herleiten – Jesus nimmt Abschied von seinen Aposteln, ein trauriges Ereignis. Wenn auch verschiedene Arbeiten in der Karwoche nicht gestattet waren, so sollte es Glück bringen am Gründonnerstag im Garten Kräuter und Blumen zu säen.

 

Karfreitag

Der Karfreitag ist der Überlieferung nach der Todestag von Jesus. Das Wort „Karfreitag“ leitet sich vom althochdeutschem Begriff „chara“ ab, was Klage, Elend oder Trauer bedeutet. An diesem Tag fand der Prozess, die Hinrichtung und die Beerdigung Jesu in Jerusalem statt. In der Bibel finden sich in den vier Evangelien die Abläufe und Ereignisse der Geschehnisse in den Passionsgeschichten wieder. (Pilatus fragte die Volksmenge: „Was soll ich mit dem tun, den ihr König der Juden nennt?“ Alle schrien: „Kreuzige ihn!“) Die frühen Christen beklagten das Sterben und den Tod von Jesus, weil sie glaubten, dass Alles verloren sei.

Dieser Feiertag ist einer der höchsten Feiertage der Christen. Durch sein Leiden und den Tod hat Jesu die Schuld aller Menschen auf sich genommen und damit ihre Errettung und ewiges Leben ermöglicht. Traditionell soll auf Luxus, also auf Fleisch verzichtet werden, da Fleisch lange Zeit ein teures und kostbares Gut war. So entstand der Brauch, an diesem Tag Fisch zu essen. Eine andere Erklärung für den Fischtag: Christen essen am Karfreitag Fisch, weil der Fisch eines der ältesten Symbole ist, mit dem sie sich zu erkennen geben. Das Wort „Fisch“ heißt auf Griechisch „Ichthys“. Das sind die Anfangsbuchstaben von „Iesus Christos Theos Yos Soter“. Auf Deutsch: „Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter“.

Der Karfreitag galt früher für die evangelischen Christen als strenger Bußtag. Vor allem im Tod Jesu sahen die Reformatoren die Erlösung aus Sünde und Schuld. In der römisch-katholischen Kirche besteht der Karfreitag aus drei Teilen: Wortgottesdienst, die Verehrung des Kreuzes und die Feier der heiligen Kommunion. Am Nachmittag um drei Uhr, zur Todesstunde von Jesus, versammeln sich die katholischen Christen zum Wortgottesdienst mit Verlesung der Passionsgeschichte (Leidensgeschichte Jesu), zur Kreuzverehrung (das mit einem violetten Fastentuch bedeckte Kreuz wird enthüllt und durch Kniebeugen verehrt) und der anschließenden Kommunionfeier.

Der Karfreitag steht auch hinsichtlich der Kirchengestaltung ganz im Zeichen der Trauer. Es stehen keine Blumen und keine Kerzen auf dem Altar, Orgel und Glocken schweigen. In vielen katholischen Gemeinden finden am Morgen des Karfreitag oder zur Sterbestunde Jesu um 15 Uhr Kreuzwegandachten und Karfreitagsprozessionen statt.

 

Karsamstag

Der Karsamstag steht unter dem Zeichen der Vorbereitung auf Ostern. Das Haus wird gereinigt und die Speisen für das Fest werden vorbereitet. Der Name Färbersamstag kommt wohl daher, dass an diesem Tag die Ostereier gefärbt werden.

In der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag (Ostervigil), dem eigentlichen Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten, wird in kath. Kirchen das Feuer für die Osterkerze entfacht und zusammen mit Weihrauchkörnern geweiht. Die Osterkerze gilt als Symbol für den Auferstandenen. In die Kerze werden zur Erinnerung an die Wunden Christi fünf Weihrauchkörner gesteckt. Am Licht der Osterkerze werden alle anderen Kerzen angezündet. Die Osterkerze steht auf einem gesonderten Leuchter bis Pfingsten neben dem Hochaltar. In evangelischen Gemeinden ist sie gewöhnlich ganzjährig dort.

In früheren Zeiten wurden die Taufen nur zu Ostern und zu Pfingsten durchgeführt. In der Messe zur Osternacht erklingen auch wieder die Orgel und die Glocken, die zu Karfreitag schweigen mussten.

 

Osternacht

In der Osternacht feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi und das Leben, u.a. mit:

  • dem Osterfeuer
  • Lichtfeiern mit der Osterkerze
  • biblischen Lesungen, die von der Rettung erzählen

Voller Begeisterung singen Christen den österlichen Jubelruf – das Halleluja. „Er ist auferstanden. Er ist wahrlich auferstanden.“

 

Ostern

In der Tradition der Gottesdienste der Kirche gehören die sogenannten „Heiligen drei Tage“ zusammen: Gründonnerstag (das letzte Abendmahl und Auftrag an die Jünger), Karfreitag (Verurteilung und Kreuzigung) und Ostersonntag (Auferstehung Jesu) bilden zusammen das Osterfest.

In der Osternacht – mit dem Licht des anbrechenden Ostermorgens – wird die Auferstehung Jesu Christ und der Anbruch des neuen Lebens mit allen Sinnen gefeiert. Ob am Osterfeuer, in der dunklen Kirche oder gar mit einer Tauffeier in der Osternacht: Christen sehen das Leben in einem neuen Licht – im Licht der Auferstehung. Sie glauben: Das Reich Gottes hat begonnen. Eines Tages wird es von Gott vollendet werden. Die Feier der Auferstehung Jesu Christi  -  Feier der Versöhnung und des neuen Lebens, das den Christen auf der ganzen Welt mit Jesus geschenkt ist.

Ostern ist das wichtigste Fest aller Christen! So wie Gott Jesus auferweckt hat, so wird er auch sie auferwecken zum ewigen Leben. Ostern ist das Fest des Lebens und der unzerstörbaren Hoffnung.

Der Ostersonntag ist immer der  1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang. Ostern wird also frühestens am 22. März, spätestens am 25. April gefeiert. Der Ostertermin ist bereits im Jahr 325 von einem ökumenischen Konzil in Nizäa vereinbart worden.

 

Ostermontag

Mit dem Evangelium des Ostermontages, das von den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus berichtet, die dem Auferstandenen begegnen, weist das Osterfest im Kirchenjahr hinaus in die Osterzeit zum Pfingstfest. Die Jünger erkennen den Auferstandenen beim Brechen des Brotes. Die Feier des Abend­mahls eint die Christen untereinander und mit dem Auferstandenen. Mit dem Osterfest beginnt der Weg der Kirche.

Jesus ist auferstanden. Gott hat die Macht des Todes gebrochen. Leiden und Tod sind zwar nicht abgeschafft, machen das Leben aber nicht mehr wert- oder sinnlos. Die Hoffnung auf die eigene Auferstehung macht es leichter, den Tod als Teil des Lebens anzunehmen. Wie das Weihnachts- und das Pfingstfest dauert das Osterfest zwei Tage.

 

Der Weiße Sonntag, der Klein-Ostertag, ist der nächste oder erste Sonntag nach Ostern. Der Ursprung der Bezeichnung ist ungewiss, aber wahrscheinlich hängt er mit den weißen Taufgewändern zusammen, die früher von den in der Osternacht Getauften bis zu diesem Tage getragen wurden. In katholischen Gemeinden wird an diesem Sonntag oftmals die Heilige Erstkommunion gefeiert.

 

Rogate-Sonntag

Das Wort „Rogate“ kommt aus dem Lateinischen und heißt „bitten“. Der Feiertag wird in der evangelischen Kirche am fünften Sonntag nach Ostern und in der katholischen Kirche am sechsten Sonntag in der Osterzeit begangen. Mit Informationen, Gebeten und Fürbitten soll die Öffentlichkeit über die Missionsarbeit aufgeklärt werden.

 

Christi Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt gehört liturgisch immer noch zur Osterzeit. Dieser Feiertag markiert die Rückkehr des Sohnes zum Vater in den Himmel. Er wird auch als „Tag des Herrn“ bezeichnet. Die Biblische Grundlage ist das erste Kapitel der Apostelgeschichte im Neuen Testament.

40 Tage nach Ostern feiern Christen das Fest Christi Himmelfahrt. 40 Tage deshalb, da in der Bibel geschrieben steht: „Den Aposteln hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt. Vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen“. Das Fest Christi Himmelfahrt wurde schon um das Jahr 400 vierzig Tage nach Ostern gefeiert, es ist damit eines der ältesten christlichen Feste.

Jesus führt die Jünger hinaus, nach Betanien.

Ein Zeichen, sich auf den Weg zu machen, nicht vor Ort zu verharren?

Ein Zeichen, sich auch mal abseits des großen Trubels zu versammeln?

Dann segnet er sie. Er gibt ihnen Mut und Kraft, lobt sie und gratuliert ihnen, nimmt man die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „segnen“ ernst. Die Jünger sind total ergriffen. Sie fallen vor Jesus nieder. Erst als sie die Tragweite Jesu Worte und des Erlebten erkennen, kehren sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.

So nimmt der Vater den Sohn bei sich auf. Er holt ihn zu sich, damit die Jünger gesegnet und – später dann – mit dem Heiligen Geist bestärkt, Jesu Wirken eigenständig weitergeben können. Damit ist dieser Feiertag tatsächlich ein Vatertag.

Der Himmel ist nicht so sehr ein Ort als ein Zustand: Bei Gott sein. Der Himmel ist Ziel unseres Lebens. Christen denken daran, dass Jesus jetzt nicht mehr sichtbar, sondern bei Gott ist.

Dennoch ist Jesus weiter lebendig, dadurch dass und wenn wir von ihm Geschichten erzählen und das tun, was er den Menschen aufgetragen hat. Die Christen in der ganzen Welt warten darauf, dass Jesus wiederkommen und Gottes Reich vollenden wird.

Bei aller vielleicht aufkommenden Freude über das Neue mischt sich auch die Trauer über das, was zurückgelassen werden will, eventuell auch Unsicherheit darüber, ob das Neue besser sein wird als das bisherige. Das wirft manchmal bedrängend die Frage auf: Was brauche ich wirklich? So kann aus Mutlosigkeit Kraft entstehen und können Sorgen sich in Energie verwandeln.

Dieser Tag fällt immer auf einen Donnerstag, da er immer am 39. Tag (4 Wochen und 4 Tage) nach Ostern gefeiert wird. Im Laufe der Zeit entwickelte sich an dem Tag in Deutschland der Vatertag. Viele Männer ziehen mit alkoholischen Getränken hinaus ins Freie. Der Drang in die Natur kommt möglicherweise von dem alten katholischen Brauch, an Christi Himmelfahrt Prozessionen um die Felder zu machen, um sie mit Fruchtbarkeit zu segnen. Dieser Brauch steht jedoch in keinerlei Verbindung zu dem eigentlichen Fest. Er ist vielmehr als Gegenstück zum Muttertag entstanden.

 

Muttertag (international)

Ehren, was nicht mehr selbstverständlich ist

Die christliche Maria hat den Mai mit uralten Überlieferungen der Ehrung von Mutterschaft verbunden. Doch im 19. Jahrhundert wurde das vermeintlich Selbstverständliche auch gesellschaftlich immer fragwürdiger: Einerseits brachen die Geburtenraten in vielen westlichen Gesellschaften massiv ein, andererseits wehrten sich immer mehr Mütter dagegen, dass ihre „teuren“ Söhne in den Massenkriegen der entstehenden Nationalstaaten verheizt wurden. So entstanden die ersten Initiativen, die nach der Ehrung der Mutterschaft und dem Verzicht auf Kriege riefen.

Erfolg hatte schließlich die (sinnigerweise an einem 1. Mai geborene) Christin Anna Marie Jarvis, die entsprechende Initiativen ihrer verstorbenen Mutter aufgriff. Die aktive Methodistin veranstaltete dazu am 12. Mai 1907 ein Memorial Mothers Day Meeting. Jahr für Jahr ließ sie von nun an weiße Nelken zum Ausdruck ihrer Liebe zu ihrer verstorbenen Mutter vor der örtlichen Kirche an andere Mütter austeilen. Die Kirche ehrte damit Mütter erstmals an einem eigenen Tag für das, was sie geleistet und geschenkt hatten.

Zudem schrieb Jarvis Briefe an Politiker, Geschäftsleute, Geistliche und Frauenvereine, in denen sie die Schaffung eines offiziellen Muttergedenktages forderte. Die Idee stieß auf breite Zustimmung. Bereits 1909 wurde der Muttertag in 45 Staaten der USA gefeiert. Am 8. Mai 1914 erließ der US-Kongress die „Joint Resolution Designating the Second Sunday in May as Mother’s Day“: Als Zeichen der Liebe und Verehrung der Mütter solle der 2. Sonntag im Mai als Muttertag gefeiert werden. Präsident Woodrow Wilson ließ an diesem Tage die öffentlichen Gebäude feierlich beflaggen.

Immer mehr Länder folgten (und folgen!) nach, darunter 1923 Deutschland. Den Durchbruch des Muttertags besorgten im deutschsprachigen Raum jedoch die Floristen. Das politische Anliegen der Gründerin Anna Maria Jar­vis wurde dabei ausgeblendet, es ging schlicht da­rum, ein gutes Geschäft zu machen. „Lasst Blumen sprechen“, ist kein Psalmwort, sondern ein Werbeslogan, den Blumenhändler in den 1920er-Jahren erfanden.

1925 wurde die Propagierung des Muttertages deshalb der „Arbeitsgemeinschaft für Volksgesun­dung“ übertragen, um so Kirchen, Schulen und schließlich die Regierung dafür zu gewinnen, aus der Verkaufsoffensive einen Feiertag zu machen. Als der Muttertag 2008 wieder einmal auf den Pfingstsonntag fiel, forderten die Blumenhändler prompt, den Muttertag vorzuverlegen, denn – so der Sprecher des Hauptverbands des deutschen Ein­zelhandels Hubertus Pellengahr mit scheinheiliger Raffinesse – „die Mütter und der Heilige Geist ha­ben einen eigenen Feiertag verdient“.

Die Kommerzialisierung und Verniedlichung des Muttertags hat Anna Maria Jarvis dermaßen erzürnt, dass sie ihre zweite Lebenshälfte vehement, aber höchst erfolglos der Abschaffung „ihres“ Fei­ertages opferte. Sie verlor im Kampf gegen den Muttertag ihr gesamtes Vermögen und starb 1948 verarmt und vergessen in einem Altenheim, ohne zu wissen, dass ihr Aufenthalt von eben jenen finan­ziert wurde, deren Geschäftemacherei sie bekämpft hatte: den Blumenhändlern...

Wenn auch später die Nazis den Muttertag schließlich missbrauchten, um für die Geburt „arischen Nachwuchses“ zu werben, so waren es nicht sie, sondern die Demokratinnen und Demokraten der Weimarer Republik, die ihn eingeführt hatten – als Tag des Respekts und des Friedens!

Ja, der Muttertag kann zu inhaltsarmen Kitsch absinken. Er kann aber auch die Sehnsucht nach Frieden und die Absage an Rassismus und Menschenfeindlichkeit symbolisieren: Den Respekt vor allem Leben und besonders allen Menschen, denen Mütter das Leben geschenkt haben.

 

Pfingsten

Das israelitisch-jüdische Schawuot-Fest wurde genau 50 Tage nach dem Frühlings- und Erlösungsfest Pessach als arbeitsfreies Erntedankfest für die Erstlingsfrüchte gefeiert. Damit stand es sehr genau in der Tradition auch anderer Fruchtbarkeitstraditionen. Über das griechische pentekoste („Fünfzigste“) wurde es zum christlichen Pfingsten (englisch weiterhin: Pentecost).

Und das kam so: Als sich die gut jüdischen Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu sieben Wochen nach seinem Tode zum Schawuot-Fest in Jerusalem versammelten, entfaltete sich ein gruppendynamischer Prozess, der Weltgeschichte schrieb und als Wirken des Heiligen Geistes erfahren wurde: An die Stelle der Ängste und Unsicherheiten durch den dramatischen Tod ihres Messias trat die gemeinsame Überzeugung, dass die eigentliche Geschichte von Jesu Botschaft erst begonnen habe. Aus der nur lose verbundenen Gruppe versprengter Glaubender entstand die Keimzelle der Kirche(n), die sich seitdem (seit nun zwei Jahrtausenden!) weltweit ausbreiteten. In der biblischen Apostelgeschichte 2, 1 – 4 wurde überliefert:

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“

Bereits nach der Auferstehung hatte Jesus sei­nen Jüngern den Heiligen Geist versprochen: „Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist!“

Wenn Pfingsten allzu sehr von Ostern los­gelöst wird, verliert das Fest letztlich auch an Gehalt und damit an Berechtigung. Deshalb wird heute in erster Linie betont, dass an Pfingsten die Geschichte der Kirche beginnt. Und so wird Pfingsten von allen Konfessionen als eigentliches Geburtsfest der Kirche betrachtet. So, wie der Heilige Geist die Apostel bewegte, so möchte er auch uns „bewegen“, be-Geist-erte Christen zu sein. Durch den Heiligen Geist reden die Menschen von ihrem Glauben und tragen so zur Entstehung der Kirche bei. Die liturgische Farbe ist daher auch rot.

Nach Weihnachten und Ostern ist Pfingsten der dritte Höhepunkt im Kirchenjahr. Trotz der unbestritten großen Bedeutung für die Christen ist Pfingsten ein Fest, dessen religiöser In­halt sich nicht so ohne weiteres symbolträchtig dar­stellen lässt. Deshalb ist auch das Brauchtum dazu ziemlich spärlich ausgebildet. Und dies wiederum hängt unter anderem damit zusammen, dass Pfing­sten untrennbar zu Ostern gehört und ursprünglich nicht gesondert gefeiert wurde. Das Fest hat keinen eigenen Festkreis, sondern beendet den Osterfestkreis und schließt damit das „Halbjahr des Herrn“ ab.

nach oben

 

Trinitatiszeit

Mit dem Sonntag nach Pfingsten Trinitatis beginnt die Trinitatiszeit, der eine Vielzahl an bedeutsamen Sonntagen im Kirchenjahr folgt. Es beginnt nun das „Halbjahr der Kirche“. Kalendarisch hängt es vom Ostertermin ab. Die liturgische Farbe ist grün.

 

Trinitatis

Der letzte Sonntag in der Osterzeit ist das Dreieinigkeitsfest (Trinitatis von lat. trinitas, in dem sich das Zahlwort drei und lat. unitas = Einheit verbirgt). Trinitatis gedenkt der Dreieinigkeit: dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, worauf unser Glaubensbekenntnis beruht. Alle drei Personen sind eins; Gott begegnet den Christen  auf verschiedene Weise:

  • im Heiligen Geist, wie den Freunden Jesu zu Pfingsten;
  • in Jesus Christus, dem auferstandenen Herrn;
  • im Schöpfer, der die Erde geschaffen hat und die Menschen in sein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit führen möchte. 

Seinen Ursprung hat das Fest in Gallien. Rom stand dem Fest lange skeptisch gegenüber, es wurde 1334 eingeführt und mit ihm beginnt das „normale Jahr“. Dieses Datum wurde häufig zum Anlass für Sommerfeste genommen. An diesem Tag oder in der Nacht soll eine goldene Wunderblume aufblühen, mit deren Hilfe man verwunschene Jungfrauen erlösen sowie Berge öffnen und verborgene Schätze finden kann. Gleiche Wunder sollen Christen gelingen, wenn sie an diesem Tag drei Mal in die Kirche gehen.

 

Fronleichnam (katholisch)

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten (bzw. 60 Tage nach Ostern und fällt somit frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni) wird das Fronleichnamsfest gefeiert. Der Donnerstag als Festtermin steht in enger Verbindung zum Gründonnerstag und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus selbst beim letzten Abendmahl. Wegen des stillen Charakters der Karwoche erlaubt der Gründonnerstag keine prunkvolle Entfaltung der Festlichkeit. Aus diesem Grund wurde das Fest Fronleichnam bei seiner Einführung auf den Donnerstag der zweiten Woche nach Pfingsten gelegt.

Es gilt als das jüngste Hochfest der ka­tholischen Kirche. Und obwohl es noch vor der Re­formation eingesetzt wurde, wird es nach wie vor als jenes katholische Fest betrachtet, das die Un­terschiede zur protestantischen Kirche deutlicher macht als jedes andere.

Juliane von Lüttich, eine belgische Nonne und Mystikerin, hatte 1209 die Vision, dass dem christ­lichen Kirchenjahr noch ein Fest zur besonderen Verehrung der Eucharistie fehle. Auf ihr Drängen ordnete der Bischof von Lüttich schließlich 1246 ein solches Fest an, und 1317 gilt es für die ganze Kirche. Der deutsche Name „Fronleichnam“ setzt sich zusammen aus „fron“ = „Herr“ und „lichnam“ = „lebendiger Leib“. Damit ist der religiöse In­halt des Festes schon ziemlich genau beschrieben: Es geht um die Verehrung des lebendigen Leibes von Jesus Christus, um den Glauben an die leibhaftige Gegenwart Christi in der gewandelten Hostie. Das erklärt auch, weshalb sich später die Reformatoren, besonders Zwingli und Calvin, so deutlich von die­sem Fest distanziert haben.

Obwohl auch die Fronleichnamsprozessionen ihren Ursprung bereits im 13. Jahrhundert haben, wurden gerade sie in der Zeit der Gegenreformation und des Barocks zum demonstrativen Zeichen ka­tholischen Selbstverständnisses. So hat Fronleich­nam bis heute für viele protestantische Christen den Charakter einer katholischen Anti-Reforma­tionsdemonstration. Heute bemüht man sich allerdings in vielen katholischen Pfarreien, zum ursprünglichen Kern des Festes zurückzukehren und ihm seinen eigentlichen Sinn, frei von konfessionellen Streitigkeiten, zurückzugeben. Denn – so betonen sie – letztlich sind alle drei Feste, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam, ihrer unterschiedlichen, von der Konfession abhängigen Gewichtung und Ausgestaltung zum Trotz, Ausprä­gungen des zentralen christlichen Festes: Ostern.

 

Herz-Jesu-Fest (katholisch)

In der Woche nach Fronleichnam wird am Freitag das Herz-Jesu-Fest begangen. Die Entstehung des Festes geht auf die Ordensfrau Margarete Maria Alacoque zurück, die in einem Kloster in Burgund lebte. Sie hatte von 1673 bis 1675 Visionen, in denen sie von Christus den Auftrag erhielt das Fest einzuführen. Seit 1856 ist das Fest für die Kirche verbindlich. Das Herz-Jesu-Fest soll einerseits an das Leiden erinnern, das Jesus aus Liebe zu den Menschen auf sich genommen hat. (Herz-Schmerz)

Andererseits ist der ganze Monat Juni dem heiligen Herzen Jesu geweiht. Durch die Feier des Festes „Heiligstes Herz Jesu“ werden Christen erinnert: Hab´ ein Herz für deine Mitmenschenso wie Jesus Christus ein Herz für uns Menschen hat.

 

Johannisfest (katholisch)

Der 24. Juni – der Geburtstag von Johannes dem Täufer. Johannes lebte zur selben Zeit wie Jesus. Schon bevor er Jesus kennenlernte, erzählte er den Menschen, dass Gottes Sohn kommen werde. Er taufte sie im Fluss Jordan und sagte ihnen, dass sie sich auf den Beginn der Gottesherrschaft vorbereiten und gute Menschen sein sollten (Umkehr-Buße). Auch Jesus ließ sich von ihm taufen und war eine zeitlang sein Jünger.

Die christliche Tradition hatte Jesus – sichtbar im Weihnachtfest – mit der immer wieder aufgehenden, unbesiegbaren Sonne verbunden. Laut Neuem Testament (Johannes 3, 30) hatte dabei der Jesus voraus gegangene Johannes der Täufer bekannt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Mehr noch: Berechnete man nach Angaben des Lukasevangeliums den Geburtenabstand zwischen Johannes und Jesus, so ergaben sich sechs Monate. War also Jesus zur Wintersonnenwende geboren, dann Johannes zur Sommersonnenwende! Als Johannistag wurde der 24. Juni entsprechend in den Kirchenkalender integriert.

So konnten regional zahlreiche Sonnwendrituale durch das Mittelalter hindurch erhalten werden, darunter vor allem die auf Gipfeln entzündeten Johannisfeuer samt ritueller Verschreckung der Dämonen. Mit der abnehmenden Angst vor dem Winter schwand jedoch auch die gefühlte Relevanz des Johannistages, der heute fast nur noch in den Kirchen und in einigen Regionen als Attraktion für Jugend und Touristen gefeiert wird.

 

Mariä Himmelfahrt (katholisch)

Am 15. August feiert die römisch-katholische und orthodoxe Kirche seit dem 6. Jahrhundert den Glauben an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel, obwohl in der Bibel gar nicht davon berichtet wird. Traditionell werden in der katholischen Kirche an dem Tag Kräuter geweiht.

Als Maria stirbt, wird sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Mit Himmel ist die Vollendung mit Gott gemeint.

 

Michaelistag

Am 29. September feiern (katholische) Christen den Michaelistag. Das ist ein Gedenktag für den Erzengel Michael und alle Engel. In der Bibel gibt es viele Geschichten über Engel. Sie bringen den Menschen Gottes Botschaften, kämpfen für das Gute und beschützen uns. Schon im Judentum wird Michael zusammen mit Gabriel bildhaft als Schutzengel des Volkes Israel benannt.

Die christliche Vorstellung vom hl. Michael wurde vor allem von der Offenbarung des Johannes (Offb 12,7) beeinflusst, aber auch von Gedanken aus dem 1. Buch Henoch und anderen Apokryphen. Im Christentum gilt Michael insbesondere als Bezwinger des Teufels in Gestalt des Drachen (Höllensturz) sowie als Anführer der himmlischen Heerscharen, die im Osten vor Gottes Thron stehen. Die letzten Worte, die der Satan vor seinem Sturz hörte, sollen „Wer (ist) wie Gott?“ gewesen sein – eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Mi-ka-el. So ist er oft in der Kunst dargestellt: Michael mit der Lanze – zu seinen Füßen liegt der Teufel, der besiegte Drache. Michael war im Mittelalter der Schutzpatron des Deutschen Reichs. Darum sind auch viele Kapellen, Klöster und Kirchen nach ihm benannt. Und irgendwann kam es so auch zu dem Begriff „Deutscher Michel“.

Schon früh wird Michael als Hüter des Paradiestores dargestellt. Nach der kirchlichen Tradition kommt ihm auch die Rolle des „Seelenwägers“ am Tag des jüngsten Gerichts zu.

Daneben spielt Michael eine wichtige Rolle im Volksglauben. Er ist es, der ein Verzeichnis der guten und schlechten Taten eines jeden Menschen erstellt, das diesem am Tage des Jüngsten Gerichts vorgelegt wird und auf dessen Basis er über ihn richtet. Auch geleitet er die Seele des Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits. Dementsprechend wird er mit den Attributen Waage und Flammenschwert dargestellt. Die darstellende Kunst ordnet ihm die Farbe Rot in allen Schattierungen zu (für Feuer, Wärme und Blut).

Der Michaelistag – der „Tag des Erzengels Michael und aller Engel“ – spielt in der evangelischen Kirche kaum eine Rolle, wahrscheinlich weil er so direkt neben dem Erntedankfest steht. Dafür tauchen die Engel seltsamerweise an ganz anderen Orten wieder auf: In Schlagern, in der Werbung, in der Kunst und Filmen. Und manchmal sagen wir so nebenbei: Du bist ein Engel. Aber auch im 21. Jahrhundert brauchen wir noch die Engel! Sie machen den Alltag etwas leichter. Sie helfen uns, Gott ein bisschen näher zu kommen. Wer von Engeln spricht, der spricht in verhüllter Weise auch von Gott.

Und dann gibt es noch die vielen Bauernregeln. Denn früher hat der Micha­elistag den Herbst angekündigt – und besonders die Bauern haben aufmerksam zum Himmel geschaut. Wie wird das Wetter? Folgt ein kalter Winter? Dafür gibt es zahlreiche Bauernregeln rund um den Michaelistag, die sich leider nicht immer einig sind. Bei Sonnenschein gilt entweder:

  • Kommt Michael heiter und schön, wird es noch vier Wochen so weitergehen. Oder:
  • Gibt's Michaeli Sonnenschein, wird's in zwei Wochen Winter sein.

Und was geschieht, wenn es am Michaelistag regnet? Auch darauf gibt es eine Antwort:

  • Bringt St. Michael Regen, kannst Du gleich den Pelz anlegen.

 

Weitere Bauernregeln zum Michaelistag

  • Ist die Nacht vor Michaelis hell, so soll ein strenger und langer Winter folgen.
  • Regnet es an Michaelis ohne Gewitter, folgt meist ein milder Winter.
  • Ist es aber an Michaelis trocken, dann darf man auf gutes, trockenes Frühjahr hoffen.
  • Wenn die Zugvögel nicht ziehen vor Michael, wird es nicht Winter vor Weihnachten.
  • Regnet es sanft an Michaelistag, sanft auch der Winter werden mag.
  • Kommt Michael heiter und schön, wird es noch vier Wochen so weiter gehn.
  • Auf nassen Michaelitag ein nasser Herbst folgen mag.

 

Erntedankfest

Das Erntedankfest wird am Sonntag nach Michaelis (29. September) gefeiert.

Im September brachten die Menschen den Großteil der Ernte ein, weswegen gegen Ende des Monats die ersten Erntedankfeste stattfanden. Dazu trug auch eine meteorologische Besonderheit in Teilen Europas bei: Im Herbst, oft in der zweiten Septemberhälfte, beobachteten die Menschen eine Zeitspanne gleichmäßigen, noch einmal warmen Wetters. Nach den silbernen Fäden der Baldachinspinnen, mit denen sie in diesem Zeitraum durch die Lüfte segeln, wurde dieser Zeitabschnitt als Altweibersommer bezeichnet. Zum ausgelassenen Feiern waren diese Tage ideal geeignet, so dass seit Ende des 19. Jahrhunderts auch das bereits 1810 gestiftete Münchner Oktoberfest bereits Ende September eröffnet wird. Das zweitgrößte deutsche Volksfest, der (Stuttgart-)Cannstatter Wasen wurde seit 1818 sogar gleich am 28. September eröffnet.

Doch schon Jahrhunderte zuvor fanden europäische Erntedankfeste um das Michaelisfest am 29. September herum statt, in dem die katholischen und evangelischen Kirchen eigentlich dem kriegerischen Erz- und Schutzengel Michael (hebräisch: Wer ist wie Gott?) gedachten.

Doch weil diese Verbindung zwar jahreszeitlich, aber nicht inhaltlich aufging und auch unklar blieb, ob in der ausklingenden Erntezeit der oft wochentägliche Michaelis arbeitsfrei sein sollte, setzte sich schließlich der erste Sonntag nach Michaelis als Tag des kirchlichen (katholischen und evangelischen) Erntedankfestes in Europa durch. Dabei werden Feldfrüchte zu den Altären gebracht, dort im Rahmen des Dankgottesdienstes an Bedürftige verschenkt – früher begleitet von feierlichen Paraden und ausgelassenen Festen. Mit dem wirtschaftlich-kulturellen Bedeutungsverlust der Landwirtschaft droht jedoch das europäische Erntedankfest außerhalb der Kirchen in Vergessenheit zu geraten.

 

Die Notwendigkeit des Dankens

Leider ist die Bedeutung des Erntedankfestes in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen, weil viele Menschen keinen direkten Bezug mehr zur bäuer­lichen Lebenswelt haben. Um dem entgegenzuwir­ken, wird vermehrt der empfehlenswerte Versuch gemacht, in den Erntedank auch alle andere Arbeit einzubeziehen, sei sie nun industriell, handwerk­lich oder geistig. Zudem ist in den letzten Jahren das Bewusstsein wieder gewachsen, dass nicht nur die Bauern für die Schöpfung verantwortlich sind. Als Dank und Lobpreis an die Schöpfung und ihre Gaben müsste eigentlich gerade heute unter ökolo­gischen Gesichtspunkten das Erntedankfest wieder neu an Bedeutung gewinnen.

 

Kirchweihfest (katholisch)

Am dritten Sonntag im Oktober feiert die kath. Kirche das Kirchweihfest:

  • Am Kirchweihfest wird dankbar an alle Menschen, die die Kirchen gebaut haben, erinnert.
  • Es wird an den Tag, an dem der Bischof die Kirche geweiht hat, erinnert.
  • allgemeine Freude darüber, dass Gott in unserer Mitte wohnt.

 

Reformationstag (evangelisch)

Martin Luther hat sich während seines ganzen Lebens mit der Bibel beschäftigt. Dabei entdeckte er, dass die Menschen nicht in ständiger Angst vor Gott leben müssen. Christen schauen auf Jesus Christus und wissen: Gott ist wie ein barmherziger Vater, der die Schuld vergibt. Luther fand in der Bibel viele Gedanken, die in der Kirche nicht genügend beachtet wurden. Er rief deshalb dazu auf, die Kirche zu erneuern.

Am 31. Oktober im Jahr 1517 schrieb Martin Luther seine Gedanken über Gott und die Kirche in einen Brief an Gelehrte. Ein „Post“ mit Folgen: Es ist wahrscheinlich eine Legende, dass Luther seine 95 Thesen zur allgemeinen Diskussion an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat, aber schnell bekannt wurden sie dennoch auch in der „normalen“ Bevölkerung.

Luther hatte eigentlich eine Erneuerung und Wiederherstellung (eben: Re-Formation) der römisch-katholischen Kirche angestrebt – doch sie reformierte sich nicht, sondern zerbrach. Es entstanden (und entstehen!) protestantische Kirchen unterschiedlichster Traditionen, für die der Thesenanschlag zu Wittenberg zum gemeinsamen Gründungsmythos wurde.

Am 31. Oktober gestalten evangelische Christen das Reformationsfest als Erinnerung an den Beginn der neuen Konfession. Die evangelischen Christen fragen am Reformationstag wie Luther, ob das Leben in ihrer Gemeinde der Bibel entspricht.

Über Jahrhunderte hinweg spielte der Reformationstag für evangelische Christen eine bedeutende Rolle, zumal er am Abend vor dem katholischen Allerheiligenfest unterstrich: Hier die reine, zu Jesus hin fortschreitende (protestantische) Kirchenfamilie, dort das in Mittelalter und Heiligenkulten verstrickte Rom! Mit feierlichen Gottesdiensten, Festen, Umzügen, Vorträgen und Schriften wurde der Reformationstag vielerorts als Feiertag begangen.

Doch neben der einsetzenden Entkirchlichung setzte auch die wachsende Kritik an verklärten Lutherbildern gerade auch aus den Theologien selbst dem Reformationsfest stark zu: Auch evangelische Christen mussten erkennen, dass der Kopf der Reformation eben nicht einfach nur progressive Thesen verkündet hatte, sondern ausdrücklich auch Gewalt gegen Juden, aufständische Bauern und vermeintliche Hexen. Auch erschien angesichts der Ökumenebewegungen des 20. Jahrhunderts eine feierliche Abgrenzung gegenüber katholischen Christen umso unangemessener, je enger die Angehörigen beider Konfessionen an der Basis zusammen arbeiteten. Und war das Zerbrechen der Kirche denn nicht auch aus Luthers eigener Sicht heraus eher ein Zeichen des Scheiterns statt des Erfolges? Was aber gab es dann genau zu feiern?

Der heutige Gottesdienst zum Reformationstag findet, dort wo der Tag nicht gesetzlicher Feiertag ist, gewöhnlich am Abend des 31. Oktober statt. Sein Thema ist inzwischen weniger das Gedächtnis des Thesenanschlags als die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben, die für Luther Auslöser und Kern der Reformationsbewegung war. Die Epistellesung des Tages ist daher Röm 3,21–31.

 

… herausgefordert durch Halloween

Ein Zusammenhang des Reformationstags mit den volkstümlichen Bräuchen zu Halloween besteht indirekt, indem beide Feste sich ursächlich auf Allerheiligen beziehen. Während also der Reformationstag an gesellschaftlicher und sogar kirchlicher Präsenz verlor, erwuchs ihm aus dem katholischen Irland über die USA ein mächtiger Konkurrent: Halloween, der Abend vor Allerheiligen („All Hallows Eve“). In den keltischen Regionen hatten sich Samhain-Rituale gehalten, in denen mit Feuern und Verkleidungen (sehr viel früher ggf. sogar mit Menschenopfern) den drängenden Toten- und Wintergeistern getrotzt werden sollte. Der von innen leuchtende Halloweenkürbis (früher auch oft: Rübe) symbolisiert und bannt die keltischen Toten- und Wintergeister. Wohl unter christlichem Einfluss waren Traditionen hinzugekommen, am Tag vor der Anrufung der Heiligen mildtätig zu sein.

Im 19. Jahrhundert reichte das angechristelte Gruselfest mit der massiven Einwanderung von Iren und Schotten in die USA über die keltischen Grenzen hinaus und wurde, gegen erbitterte, puritanische Widerstände, immer mehr zum Teil amerikanischer Alltagskultur. Vor allem über Filme, Partys und kommerzielle Werbung griff es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend auch nach Europa über und wird vor allem von den jüngeren Generationen (buchstäblich) be“geist“ert begangen: Gegen fantasievoll-gruselige Verkleidungen und Accessoires, Süßigkeiten einfordernde Kinder und Halloween-Themenpartys haben schwer verständliche, konfessionelle Streitigkeiten um 95 historische Thesen einen schweren Stand…

Reformen und „frischer Wind“

Hin und wieder braucht die Kirche frischen Wind. Vor 500 Jahren brachten eigensinnige Theologen die fest gefügte Ordnung durcheinander. Zahlreiche (Er-)Neuerer rebellierten im Mittelalter gegen eine moralisch verkommene Kirche. Petrus Waldes, Franz von Assisi, John Wyclif, Jan Hus, Martin Luther und Huldrych Zwingli sind nur einige von ihnen. Sie wollten, dass Priester und Bischöfe den Menschen im Geist der Bibel helfen – statt ihre seelische Not auszubeuten wie zu Luthers Zeiten durch den Verkauf von Ablassbriefen, die angeblich die Strafen für die Sünden verringerten. Sie wollten Kultur und Bildung unter die Leute bringen.

Sie hatten keinen Namen für ihr Neuerungswerk, sie wollten lediglich die fehl gelaufene Geschichte korrigieren (lateinisch: corrigere), die Kirche der Frühzeit wiederherstellen (restituere), eine verkrustete Lehre erneuern (renovare) und die kirchlichen Ämter umgestalten (reformare). Im 18. Jahrhundert setzte sich für solche Neuerungsbestrebungen auch im Deutschen der französische Fachbegriff „Réforme“ durch.

Das Wort „Reformation“ wurde zum Epochenbegriff. In späteren Jahrhunderten überschüttete man die Reformatoren mit Ehrungen. Luther, Zwingli und Calvin feierte man als Kirchenväter, Luther im 19. Jahrhundert gar als deutschen Nationalhelden. Dabei lag auch diesen Kirchenreformern nichts ferner, als neue Bekenntnisse oder gar eine nationale Kirche zu schaffen. Sie wollten wie die ersten Christen wieder über das predigen, was in der Bibel steht. Sie wollten Menschen durch Bildung kultivieren. Dies gelang beides auch durch die Veröffentlichung der Bibel in deutscher Sprache. In der Messe sollte sich eine geläuterte Gemeinde wieder um den Tisch des Herrn versammeln. Taufe und Abendmahl sollten wieder Symbole des Zuspruchs sein.

Zum problematischen Erbe der Reformation zählt die Zersplitterung der Christenheit in viele Konfessionen. Protestanten und Katholiken haben inzwischen jedoch gelernt, offen und friedlich um den richtigen Weg zu streiten. „Einheit in Verschiedenheit“ lautet die Devise heute: Christen mögen verschiedene Bräuche haben und auch unterschiedlichen Organisationen angehören. Aber sie müssen sich gegenseitig respektieren und möglichst viel miteinander statt gegeneinander arbeiten.

Eine Kirche, die sich auf den Gott der Liebe beruft, braucht immer wieder frischen Wind. Es sollte aber niemand meinen, dass jede Reform auch eine Besserung sei. Gerade die Reformer des 16. Jahrhunderts waren in dieser Hinsicht sehr pessimistisch. Egal was Menschen tun, nie habe ihr Werk vor Gott Bestand, lehrten sie. Der Mensch sei ganz auf Gottes Gnade angewiesen. In ihrem Reformeifer ließen sie sich davon allerdings nicht bremsen.

 

Allerheiligen (katholisch)

Als Ankündigungszeit des drohenden Winters spielten die Tage im November vor allem im nördlicheren Europa schon in den vorchristlichen Kulturen eine wichtige Rolle, in denen man sich rituell vor den dunklen Geistern und Gefahren der Kälte schützen wollte. Die Bezugnahme auf die wachsende Schar der Heiligen, die den einfachen Menschen oft näher schienen als der doch sehr abstrakte Eingott, bot sich dafür als christliche Alternative an.

Ob die Päpste Gregor III. und Gregor IV. diese Zusammenhänge sahen, als sie im 8. und 9. Jahrhundert das jährliche Aller-Heiligengedenken aus dem Frühsommer (wo es heute noch von den Ostkirchen gefeiert wird) auf den 1. November verlegten, ist unklar. Sicher aber ist, dass der Festtag weithin aufgegriffen und bald europaweit begangen wurde: Nun konnten die bekannten und auch unbekannten Heiligen als Schutzmächte gegen den drohenden Winter beschworen werden!

Allerheiligen (lateinisch Festum Omnium Sanctorum) ist ein christliches Fest, zu dem aller Heiligen gedacht wird – auch solcher, die nicht heiliggesprochen wurden −, sowie der vielen Heiligen um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott. Es wird in der Westkirche am 1. November begangen, in den orthodoxen Kirchen am ersten Sonntag nach Pfingsten. Allerheiligen ist ein stark österlich geprägtes Hochfest der katholischen Kirche und ein Principal Feast der anglikanischen Kirche. Die liturgische Farbe ist weiß. Die lutherischen Kirchen feiern es als Gedenktag der Heiligen, ähnlich auch weitere protestantische Kirchen.

Den frühen Reformatoren waren freilich Heiligenanrufungen oft ein besonderes Ärgernis, gebot doch nach ihrer Lesung die Bibel ausschließlich die bildlose Anbetung Gottes. Luthers echter oder legendärer Thesenanschlag am Tag vor Allerheiligen war also durchaus gut platziert, um maximale Erregung zu erzielen.

Doch in den vergangenen Jahrhunderten ist auch diese Abgrenzung wieder langsam weicher geworden. Die katholische Kirche schränkte die Heiligenverehrung ein und „unterdrückte“ auch viele umstrittene oder historisch nicht belegbare Heilige. Umgekehrt erkannten auch evangelische Traditionen, dass Menschen nach anderen, menschlichen Vorbildern mit oft faszinierenden Geschichten hungerten. Heilige wie Martin, Nikolaus oder Valentin drangen in die Alltagskulturen auch protestantischer Bürgerfamilien ein. Heute begehen auch immer mehr evangelische Kirchen Allerheiligen – als Gedenktag, nicht zur Anrufung oder gar Anbetung der Verstorbenen.

 

Gedenktag der Heiligen (evangelische Sichtweise)

An diesem Tag freuen sich (alle) Christen, dass Gott sich seine Kirche in dieser Welt erwählte und sie in diese Kirche hineingerufen sind. Somit gehören alle zur Gemeinschaft der Heiligen, die keinen Anfang und kein Ende hat, es sei denn in Gott selbst.

Allerheiligen steht auch für den Abschluss des Sommers und den der Ernte. Der Lohn wird gezahlt und man deutet die Zukunft. Viel erinnert an die Wende im Kirchenjahr.

 

Allerseelen (katholisch)

Keine evangelische Gnade und auch nachlassendes katholisches Interesse verzeichnet der auf Allerheiligen folgende Allerseelen-Tag. Dabei wird der armen Seelen gedacht, die noch im Fegefeuer ihre zeitlichen Sünden abbüßen, bevor sie vor Gott gelangen.

Allerseelen wird am 2. November begangen. Falls das jedoch ein Sonntag ist, wird Allerseelen auf den 3. November verschoben. Der Feiertag war schon im frühen Mittelalter bekannt. Der Tag des zweiten Novembers geht auf den heiligen Abt Odilo von Cluny zurück. Seit dem 15. Jahrhundert ist dieser Gedenktag zu Ehren der Toten in der Kirche festgelegt. Mancherorts wird allerdings der ganze November als Monat zum Gedächtnis der Toten begangen.

Früher glaubte man, dass Tote, die auf besondere Weise betrogen oder geschädigt wurden, als Seelengeister, Hexen, Kröten oder Ähnliches erscheinen könnten um an die Schuld zu erinnern. Um ihnen zur endgültigen Erlösung zu verhelfen entstanden Stiftungen und Spenden wurden verteilt. Man wollte besonders den Armen Gutes tun und damit den armen Seelen im Jenseits helfen.

(Katholische) Christen bekunden heute: Es gibt ein Leben nach dem Tode! Zum Gedenktag werden die Gräber der Verstorbenen hergerichtet und Lichter werden aufgestellt. Es finden Prozessionen statt, auf den Friedhöfen werden Gottesdienste abgehalten und man opfert viele Kerzen für die Toten. Da Allerseelen heute ein gewöhnlicher Arbeitstag ist, sind die Bräuche stark im Schwinden.

 

Sankt Martinstag (katholisch-ökumenisch)

Unter den frühen Heiligentagen hielt sich bei katholischen wie evangelischen Christen der Martinstag am 11. November. Dabei konnte der Name kaum weniger christlich sein: Martinus wurde als Sohn eines römischen Offiziers um 316 n. Chr. im heutigen Ungarn geboren und nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt. Schon als junger Mann wandte er sich dem Christentum zu, konnte sich jedoch dem für Offizierssöhne bis zum Alter von 40 Jahren verpflichtenden Militärdienst nicht entziehen. Mit 36 ließ sich der Schlachten erprobte Militär taufen und wurde nach seinem Ausscheiden als Mönch und Seelsorger schnell bekannt: Auch die Geschichte vom Bettler, mit dem er seinen Offiziersmantel geteilt hatte (worauf ihm Jesus im Traum erschienen sei; gekleidet in den Mantel), eilte dem Ex-Soldaten voraus. 372 wurde Martin ein erfolgreicher und umtriebiger Bischof von Tours, der eine ärmliche Holzhütte vor der Stadt (die später zu einem Martinskloster anschwoll) einem Bischofssitz vorzog. Nach seiner Beerdigung am 11. November 397 wurde er als verständliches, lebensnahes Vorbild populär.

Der zuerst treu dem Staat und dann der Kirche dienende Martin erwies sich dabei auch als idealer Gewährsmann für den abzuliefernden Zehnten, der vielerorts an Martini fällig wurde und oft in (ohnehin schwer durch den Winter zu bringenden) Gänsen entrichtet wurde: Daran erinnert die bis heute regional verbreitete Tradition der Martinsgans.

Auch lutherischen Christen fiel zudem die fortdauernde Akzeptanz dieses Heiligen leichter, da auch der am 10. November geborene Luther bei seiner Taufe am 11. November klassisch nach dem Tagesheiligen benannt wurde: Als Martin Luther.

Am Abend gibt es dann den Martinszug mit Liedern und Martinsfeuer, dort wird oft die Bettlerszene nachgespielt – später bekommen die Kinder eine Martinstüte mit Weckmann. Das historische Vorbild des Laternenlaufens waren die Lampen der Nachtwächter, die durch die mittelalterlichen Städte zogen und die Kinder natürlich faszinierten. Da der Martinstag in die dunkelnde Jahreszeit fiel, wurden auch die Martinszüge von wegleuchtenden Nachtwächtern angeführt. Schließlich wurden die ersten Kinder selbst mit kleinen Nachtlichtern ausgestattet: den Vorläufern der heutigen Papierlaternen. So leuchten heute Kinder Jahr für Jahr an und um den Martinstag gegen die drängende, kalte Nacht an und erschaffen eine Atmosphäre, die das Leid des Bettlers und die Nächstenliebe des Ritters zum Leuchten bringt.

Früher war „Martini“ ein äußerst wichtiger Tag. Es war der Be­ginn der adventlichen Fastenzeit, die, wie die öster­liche Fastenzeit, vierzig Tage dauerte. Heute gehört der Martinstag untrennbar zur Adventszeit und ist damit Beginn für die Weihnachtsvorbereitungen, was ganz im Sinne des christlichen Kirchenjahres ist.

 

Buß- und Bettag (evangelisch)

Urformen von „Buß- und Bettagen“ gab es bereits in vorchristlicher Zeit, als z.B. die Römer den Göttern Sühneopfer darboten, um sie gnädig zu stimmen. Auch aus Angst vor Seuchen- und Kriegsgefahr und Unwetterkatastrophen wurden die Bußtage angeordnet. Später waren gemeinsame Bußtage üblich, damit die Kirche über die Sünden der jeweiligen Zeit wachen konnte und um dem Einzelnen die Möglichkeit zu geben, sein Gewissen vor Gott zu prüfen.

Am Mittwoch vor Totensonntag wird in der evangelischen Kirche der Buß- und Bettag begangen. Im Jahr 1532 wird der Buß- und Bettag zum ersten Mal in Straßburg genannt. Auf Anordnung des Kaisers sollte Gott gnädig gestimmt und Unheil abgewehrt werden.

Das Wort Buße lässt möglicherweise unrichtige Assoziationen aufkommen. Es geht bei diesem Tag nicht um „Buße“ für begangene Vergehen, sondern um eine Haltungsänderung, eine Umkehr zu Gott hin. Buß- und Bettag nennt man auch schon mal den „Stopp-Tag“. Ein Tag, an dem sich jeder mal Gedanken machen sollte, ob er mit seinem Leben auf dem richtigen Weg oder in einer Sackgasse gelandet ist. Früher haben immer die Kaiser, Könige und Fürsten die Buß- und Bettage ausgerufen – und zwar immer dann, wenn Krieg und Not herrschte.

Der Buß- und Bettag ist in Deutschland ein Feiertag der evangelischen Kirche, der auf Notzeiten zurückgeht. Im Lauf der Geschichte wurde er für besondere Anliegen angesetzt, aber zumeist nicht am selben Datum. Heute ist er seit der Einführung der Pflegeversicherung 1995 in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag mehr. Jeder Arbeitnehmer kann jedoch an diesem Tag mit Lohnverzicht frei nehmen, um seine religiösen Pflichten zu erfüllen. Nur in Sachsen besteht er als gesetzlicher Feiertag weiter. Der Buß- und Bettag fällt immer auf den Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, bzw. 11 Tage vor dem ersten Adventssonntag.

 

Ewigkeitssonntag/Totensonntag (evangelisch)

Gedenktage für die Toten gibt es in fast allen Kulturen, der Toten- bzw. Ewigkeitssonntag in unseren Kirchen ist im 19. Jahrhundert entstanden. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ordnete 1816 den letzten Sonntag des Kirchenjahres als „allgemeinen Feiertag zur Erinnerung an die Toten“ an. Er wurde dabei insbesondere von der Erinnerung an die Gefallenen der Befreiungskriege bewegt.

Er ist heute immer noch von Trauer und Abschied bestimmt. Hinzu kommt der Gedanke an den anderen Anfang nach dem Tode. Man erinnert an das Leben der Verstorbenen und wendet sich der Ewigkeit zu. Der Totensonntag beendet das Kirchenjahr, mit dem ersten Advent beginnt das neue. An diesem Tag werden in der evangelischen Kirche häufig die Namen aller Gemeindeglieder aufgerufen, die im abgelaufenen Kirchenjahr gestorben sind.

Viele Menschen denken an diesem Tag an ihre verstorbenen Angehörigen und besuchen den Friedhof. Die Gräber werden geschmückt und oft auch eine Kerze angezündet. Ewigkeitssonntag bedeutet, dass Christen glauben, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist. Sie hoffen, dass sie nach dem Tod bei Gott sind. Deshalb ist dieser Sonntag nicht nur ein Trauertag, sondern auch ein Hoffnungstag.

 

Christ-König-Sonntag (katholisch)

Am letzten Sonntag des Kirchenjahres, also dem letzten Sonntag vor dem Advent, feiert die katholische Kirche das Hochfest vom Königtum Christi und bekundet damit Jesus Christus als den einzig wahren Herrn und König dieser Welt.

Das Christkönigsfest ist recht jung: Papst Pius XI. führte den Feiertag 1925 ein, wenige Jahre nach dem Untergang von Königs- und Kaiserreichen mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, etwa in Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland. Er wollte mit der Anerkennung der Königswürde Christi den zerstörenden Kräften der Zeit entgegenwirken. Zunächst lag der Termin am ersten Sonntag nach Pfingsten, am Dreifaltigkeitssonntag. Das II. Vatikanische Konzil verschob das Datum jedoch auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr.

nach oben

 

„Christliche“ Farben und ihre Feiertage

Den Zeiten und Festen im Kirchenjahr sind besondere Farben zugeordnet. In der Kirche erkennt man die jeweils geltende Farbe an den Paramenten (Behänge an Altar und Kanzel).

 

Farbsymbolik und die liturgischen Farben

Weiß – ist die Christusfarbe, die alle Farben in sich vereinigt. Es ist die Farbe des Lichts, der Reinheit und Freude über Jesus. Deshalb werden weiße Paramente z.B. von Weihnachten bis Epiphanias oder am Gründonnerstag verwendet.

  • Christfest, Weihnachtszeit
  • Erscheinungsfest
  • Gründonnerstag
  • Osterfest, Osterzeit und Himmelfahrt
  • Trinitatis

 

grün – steht für den gewöhnlicher Sonntag im Jahreskreis. Sie ist die Farbe der Schöpfung und steht somit für das Wachstum und Reifung.

  • Epiphaniaszeit
  • Trinitatiszeit

 

rot – Mit der roten Farbe werden Heiliger Geist (Feuer), die Kirche und die Märtyrer (Blut) beschrieben. Sie erinnert an die Gründung der Kirche.

  • Pfingsten
  • Kirchweih
  • Reformation
  • Konfirmation

 

violett/lila – steht für innere Einkehr und Umkehr. Violett ist die Kirchenfarbe. Sie steht für alle Buß-, Besinnungs- und Vorbereitungszeiten.

Adventszeit

  • Passionszeit
  • Buß- und Bettag

 

schwarz – Die Farbe Schwarz bedeutet Trauer, Tod, Ende.

  • Karfreitag, Karsamstag
  • Trauergottesdienst
  • Ewigkeitssonntag (Totensonntag)

 

 

nach oben

 

Literatur

 

Bibel – Luther-Übersetzung, Stuttgart 1999

Binotto, Thomas – Vom Osterhasen zum Christkind. Christliche Feste im Jahreslauf, 2010

Blume, Dr. Michael – Weihnachtsbaum & Osterhase, sciebook 2013

Frede, Zita – So steht es in der Bibel: Weihnachten - Ostern – Pfingsten, 2009

Horn, Reinhard – Mit dem Friedenskreuz durch das Kirchenjahr, Lippstadt 2011

Hülsmann, Matthias – Konfession: evangelisch. Basiswissen, Gütersloh 2009

Kirchhoff, Hermann – Christliches Brauchtum, München 1995

Klocke, Thomas – Mit Kindern durch das Kirchenjahr, Augsburg 1998

Knipp, Martina – Evangelische Religion an Stationen. Das Kirchenjahr, 2013

Meis, Peter – Auf der Spur des Lebens. Den Reichtum des Glaubens im Kirchenjahr entdecken, München 2011

Reuter, Thomas – Das Kirchenjahr mit Kindern feiern (Ein Vorlesebuch mit lustigen Geschichten, Backrezepten und Spielen), Offenbach 1997

Sigg, Stephan – Wir entdecken das Kirchenjahr, Ernst-Kaufmann-Verlag 2010

 

im Internet:

http://www.christliche-feiertage.ch/weihnachten/artikel.html

http://www.bernhardpeter.de/Feste/christfeste.htm

http://taschenhirn.de/politik-und-religion/kirchliche-feiertage/

http://www.katholisch.de/de/katholisch/glaube/unser_kirchenjahr/osterfestkreis/verteilerseite_osterfestkreis.php

 

Christentum in Zahlen:

http://taschenhirn.de/politik-und-religion/christentum-in-zahlen/

http://erezjisrael.wordpress.com/die-wahrheit-uber-die-christlichen-feste/

 

Seite mit Symbolen:

http://www.evlks.de/leben_und_glauben/feiertage/#friedensdekade

 

nach oben