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Das Glaubensbekenntnis

Es gibt so gut wie keinen Gottesdienst, in dem nicht das Glaubensbekenntnis im Gottesdienst vorkommt. Oftmals wird es „heruntergeleiert“. Doch was steckt tatsächlich im Glaubensbekenntnis und was „bekennen“ wir da eigentlich alles?

Ein Glaubensbekenntnis ist in einer Religion ein öffentlicher Ausdruck des persönlichen und kollektiven Glaubens, zu dem der oder die Sprecher sich bekennen.

Ein Glaubensbekenntnis hat verschiedene Funktionen:

  • Es ist Anerkennung und Ausdruck der Gemeinschaft, die durch diesen Glauben gegeben ist (z. B. beim gemeinsamen Sprechen im Rahmen eines Gottesdienstes).
  • Es fasst die wesentlichen Punkte ihrer Glaubenslehre zusammen.
  • Es enthält eine Selbstverpflichtung, nach diesem Glauben zu leben (z. B. bei der Ordination eines kirchlichen Amtsträgers).
  • Es markiert die zentralen Glaubensinhalte, die eine Religion oder Überzeugung gegen andere Religionen oder Konfessionen abgrenzen.
  • Es gibt die Richtung an, in der diese Glaubensinhalte, oft in Heiligen Schriften dargelegt, verstanden werden (sollen).

Das Credo (lateinisch credo „ich glaube“) ist einer der Hauptbestandteile des christlichen Gottesdienstes und stellt ein gemeinsames Glaubensbekenntnis der versammelten Gemeinde dar.

Das Credo – in welcher Form auch immer – ist ein wuchtiger, tiefschichtiger Text, von dem der Theologieprofessor Helmut Gollwitzer einmal sagte, dass ein Menschleben nicht reicht, um es wirklich zu verstehen. Das Credo ist wie ein Markstein oder Grenzstein (Jan M. Lochmann). In alten Zeiten gingen die Bewohner eines Dorfes einmal im Jahr über die Äcker und sahen nach, ob die Grenzen der Äcker und Wiesen noch mit den Mark- oder Grenzsteinen übereinstimmten, oder ob es Unregelmäßigkeiten an den Grenzen gab. So ist das Credo Markstein/Grenzstein für unseren Glauben und wir können an ihm prüfen, ob unser Glaube noch in der richtigen Façon ist.

Dabei wird sich auch feststellen lassen, dass nicht immer und zugleich alle Teile des Credo meine Aufmerksamkeit erfahren und ich nicht immer und zu jeder Zeit hinter jedem Satz voll stehen kann, denn das, was als Glaube im Credo ausgedrückt ist, ist immer größer als mein eigener Glaube je sein kann. Und insofern vermittelt das Credo in seiner Würde und Ehrwürdigkeit so etwas wie „Geschmack am Heiligen“.

Kein Mensch kann das Glaubensbekenntnis allein verantworten, kein Mensch kann zu allen Zeiten hinter jedem Wort des Credo stehen. Aber eine Gemeinde – die Gemeinschaft der Heiligen – kann dies, weil jedes Gemeindeglied einen Satz oder ein Wort des Credos für sich gelten lassen und glauben kann. So verbürgen wir nur gemeinsam den Wahrheitsgehalt dieses alten Bekenntnisses unseres Glaubens. Und so macht das Credo – gemeinsam verantwortet – auch deutlich, dass die Kirche mehr ist, als bloß ein Verein von subjektiv Gläubigen.

 

Judentum

Die prägendste Grunderfahrung Israels aber die Befreiung aus Ägypten und die Verheißung eines eigenen Landes. Daraus entwickelte sich ein „Geschichtsbekenntnis“ (kleines geschichtliches Credo), das dann im Erntedankfest seinen kultischen Ort fand. Das ausdrückliche Bekennen des eigenen Glaubens vor Gott und der volkhaften Gemeinde ist im Judentum seit seinen Anfängen zentral. Ein altes biblisches Credo der Israeliten lautet:

„Ein umherziehender Aramäer war mein Vater; er zog nach Ägypten hinab und hielt sich dort als Fremdling mit wenigen Angehörigen auf; aber er wurde dort zu einem großen, starken und zahlreichen Volk. Doch die Ägypter misshandelten uns; sie quälten uns und legten uns harten Frondienst auf. Da schrien wir zu JHWH, dem Gott unserer Väter. JHWH erhörte unser Rufen und sah unsere Qual, unsere Mühsal und Bedrängnis. Und JHWH führte uns heraus mit starker Hand und ausgestrecktem Arm, mit großen, furchterregenden Taten, mit Zeichen und Wundern. Er brachte uns an diesen Ort und gab uns dieses Land; ein Land, das von Milch und Honig überfließt.“ (Deuteronomium 26,5–9)

Das Bekenntnis zu den befreienden Geschichtstaten Gottes wurde zum gemeinsamen Glauben Israels, der die Zwölf Stämme Israels zum erwählten Volk Gottes einte, das nur einen Gott kannte und verehrte (Jos 24,18). Ein Großteil der biblischen Geschichtsüberlieferung hat daher Bekenntnischarakter und enthält Credo-artige Texte.

Das „Schma Jisrael“ (Höre, Israel) wurde zum wichtigsten Glaubensbekenntnis dieses Volkes, das seine Existenz den Befreiungstaten JHWHs in der Geschichte verdankt:

„Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all Deiner Kraft.“ (Deuteronomium 6,4–5)

Dieses Bekenntnis enthält als Anrede an die versammelte Gemeinde zuerst die Zusage des Bundes Gottes mit seinem Volk: „JHWH ist unser Gott!“, sodann das alle Volksangehörigen beschlagnahmende Gebot: „Und Du sollst…“ Damit antwortet das Bekenntnis auf das erste der Zehn Gebote, das lautet:

„Ich bin JHWH, Dein Gott, der Dich aus Ägypten, aus der Sklaverei geführt hat. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ (Ex 20,2–3 und Dtn 5,6–7)

Diese besondere, gemeinschaftliche und konzentrierte Antwort des Glaubens auf den einzigen Gott, der sich seinem Volk offenbart, hat das Judentum an das Christentum und den Islam „vererbt“.

 

Christentum

Christliche Glaubensbekenntnisse gibt es seit dem Entstehen der christlichen Kirche. Ein Glaubensbekenntnis, auch als Credo oder Symbolum bezeichnet, ist eine kurzgefasste, feststehende Formulierung von wesentlichen Punkten der christlichen Lehre, und ist gewöhnlich von einer kirchlichen Autorität abgesegnet. Christliche Glaubensbekenntnisse entstanden jeweils in bestimmten historischen Situationen beispielsweise als Taufbekenntnis oder als Abgrenzung gegen als Häresie[1] verstandene Lehren.

Die Situation der ersten christlichen Gemeinden war schwierig, da es vielfach Anfeindungen von Seiten des Staates und der Bevölkerung gab, denn die Christen fielen mit ihrem Lebensstil und ihren Gottesdiensten auf. Man unterstellte ihnen Unglaube und Gotteslästerung. Die Notwendigkeit, zum eigenen Glauben zu stehen und ihn zu bekennen, war für die Märtyrer der jungen Kirche ein Akt auf Leben und Tod. Die Märtyrer sahen sich in der Nachfolge Jesu, wenn sie ihren Glauben fest vertraten (1 Tim 6,12f.; Mt 10,32f.).

Das kürzeste und populärste frühchristliche Bekenntnis, das im Neuen Testament oft wiederholt wird, ist:

Jesus ist der Herr.

Dieses Bekenntnis hatte im römischen Reich auch eine politische Bedeutung. Der Gegensatz wurde in den Christenverfolgungen im Römischen Reich akut: Bekannten Christen sich nicht zum Kaiser als Gott, wie man es von ihnen verlangte, dann lieferte sie das dem sicheren Tod aus. Das Bekenntnis zu Jesus Christus gewann so nicht selten den Rang einer endgültigen Entscheidung zum Martyrium und damit eines nicht zu überbietenden Glaubenszeugnisses.

In den Evangelien gibt es Aussagen über Jesus, die Bekenntnischarakter haben:

  • Du bist Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! (Mt. 16,16)
  • Herr, ja, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. (Joh. 11,27)
  • Mein Herr und mein Gott! (Joh. 20,28).

 

Eines der ältesten christlichen Zusammenfassungen der christlichen Glaubenslehre findet sich bei Paulus im ersten Korintherbrief 15,3ff.:

Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:

Christus ist für unsere Sünden gestorben gemäß der Schrift, und ist begraben worden.

Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,

und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.

 

Ein frühes Bekenntnis ist auch der Christushymnus aus Philipper 2,6-11:

Er, der in göttlicher Gestalt war,

hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an,

ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode,

ja zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht

und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,

dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,

die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist,

zur Ehre Gottes, des Vaters.

 

Eine ähnliche Zusammenfassung findet sich auch im ersten Timotheusbrief 3,16:

Er ist offenbart im Fleisch,

gerechtfertigt im Geist,

erschienen den Engeln,

gepredigt unter den Heiden,

geglaubt in der Welt,

aufgenommen in die Herrlichkeit.

 

Neues Testament

Im Neuen Testament zitiert Jesus Christus das israelitische Schma Jisrael als sein eigenes Credo, und zwar bereits in der Gestalt, in der es im Judentum bis heute gebetet wird: indem er dem ersten Gebot der Gottesliebe das Gebot der Nächstenliebe gleichrangig zur Seite stellt (Mk 12,29–31). Damit ist der Gott Israels auch für alle Christen der einzige Gott, den sie mit aller Kraft zu lieben haben wie sich selbst. Bekennen, Beten und Nachfolgen sind im christlichen wie im jüdischen Glauben eins.

Das urchristliche Bekenntnis wird ebenfalls als Rückblick auf Gottes rettende Taten und als Lobpreis seines Handelns verkündet:

„Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen! … So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Kyrios und Christus gemacht hat.“ (Apostelgeschichte 2,14–36)

 

Eines der ältesten christlichen Glaubensbekenntnisse findet sich bei Paulus im 1 Kor 15,3ff.:

„Christus ist für unsere Sünden gestorben gemäß der Schrift, und ist begraben worden.

Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“

 

[1] Ketzerei, Irrlehre

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Christliche Glaubensbekenntnisse

Lange Zeit stand im Gottesdienst das Nicänische Glaubensbekenntnis (Nicänum), das auch als Ökumenisches Glaubensbekenntnis bezeichnet wird. Es befindet sich ganz hinten im Evangelischen Gesangbuch. Es wurde auf den Synoden von Nicäa (im Jahre 325) und Konstantinopel (381) beschlossen und heißt daher genaugenommen das „Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel“. Es wurde im 11. Jahrhundert als Hymnus – vom Chor gesungen – in die römisch-katholischen Gottesdienste aufgenommen, in denen man bis zu diesem Zeitpunkt kein Glaubensbekenntnis fand. Auch nach der Reformation behielt es lange diese Stellung. Wir sprechen es heute noch an besonderen Festtagen oder speziell in Gottesdiensten mit Abendmahl.

In der Regel hat das Apostolische Glaubensbekenntnis (ebenfalls im Textteil des EG) das Nicänum abgelöst. Es hat sich seit dem 2. Jahrhundert entwickelt, bis schließlich im 5. Jahrhundert die jetzige Form festlag. Man meinte, es sei von den Aposteln verfasst, daher erhielt es den Namen „Apostolikum“. Es ist ursprünglich ein Taufbekenntnis und war lange Zeit nur Taufgottesdiensten vorbehalten. Luther nahm es als Taufbekenntnis in den Katechismus auf. Im Messgottesdienst hielt er dagegen am gesungenen Nicänischen Bekenntnis – vor der Predigt, dem Evangelium folgend – fest bzw. bot sein Credolied „Wir glauben all an einen Gott (EG 183) an.

Erst König Friedrich Wilhelm III. gab dem Apostolikum 1821 seine jetzige Bedeutung und Stellung im Gottesdienst, indem er es als festen Teil in die Agende der Altpreußischen Union aufnahm.

„Ich glaube“ heißt lateinisch „credo“, deshalb nennen wir diesen Teil des Gottesdienstes „Credo“ – unabhängig davon, welches Bekenntnis gewählt wird. Neben den erwähnten gibt es eine Vielzahl von Glaubensbekenntnissen in Text- und Liedform. Sie haben üblicherweise drei Teile; denn die Gemeinde bekennt sich damit zum dreieinigen Gott,

  • der immer schon war (1. Artikel)
  • der in Jesus Mensch wurde (2. Artikel)
  • und dessen Geist immer sein wird (3. Artikel).

Sie reiht sich damit in das Bekenntnis aller christlichen Kirchen an allen Orten und zu allen Zeiten ein.

Das Credolied (EG 184), das Te Deum (EG 191) und Luthers Glaubenslied (EG 183) kann an Stelle des gesprochenen Credos berücksichtigt werden. In der gesungenen Form wird besonders deutlich, dass es nicht nur Bekenntnis, sondern gleichermaßen Lob und Anbetung ist. Helmut Kornemann schlägt darüber hinaus vor, dass das Lied EG 184 („Wir glauben Gott im höchsten Thron“) melodienmäßig dem Kirchenjahr angepasst werden kann, indem man es auf Melodien anderer Lieder singt. Dazu eignen sich z.B. EG 7 (Advent), EG  24 (Weihnachten), EG 72 (Epiphanias), EG 79 (Passion), EG 106 – mit Halleluja (Ostern), EG 140 (Michaelis) und EG 193 (Reformationstag).

Bei ökumenischen Gottesdiensten kommt es manchmal vor, dass die einen „die heilige christliche …“ und die anderen „die heilige katholische …“ Kirche sprechen. Die ökumenische Fassung bietet einen Ausweg: „… allgemeine christliche Kirche“. Zudem muss man wissen, dass das Wort „katholisch“ - entsprechend seinem griechischen Ursprung – „weltumfassend“ bedeutet.

 

Das apostolische Glaubensbekenntnis

Das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ geht der Tradition nach auf die Lehre der Apostel zurück und gehört zu den Bekenntnisschriften der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR).

Das Apostolische Glaubensbekenntnis, auch Apostolikum genannt, ist eine Form der christlichen Glaubensbekenntnisse; eine fortgebildete Variante des altrömischen Glaubensbekenntnisses. Es ist umstritten, ob seine Ursprünge in einer frühen Ausformulierung oder in einer Weiterentwicklung von Tauffragen zu suchen ist.

 

Funktion

Ein Glaubensbekenntnis wie das Apostolische Glaubensbekenntnis benennt die wichtigsten Glaubensinhalte zum Zwecke des liturgischen (gottesdienstlichen) Betens und Bekennens. Das Apostolische Glaubensbekenntnis wird von den westlichen Kirchen allgemein anerkannt. In der Kirche von England hat es eine herausragende Bedeutung, da es morgens und abends zu rezitieren ist. In der römisch-katholischen Kirche wird es in der Heiligen Messe an Sonn- und Feiertagen gesprochen bzw. gesungen, es sei denn es wird das „große“ Nicänisch-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis vorgezogen. Zudem ist es das Taufbekenntnis (in Frage- und Antwortform, auch bei der Tauferneuerung) sowie der Anfang des Rosenkranzgebets. In den reformierten Kirchen findet es ausschließlich im Taufritus und nicht im Gottesdienst Anwendung. In den östlichen Kirchen ist es im Allgemeinen unbekannt; dort wird stattdessen das Nicänische Glaubensbekenntnis verwendet. Das Apostolische Glaubensbekenntnis enthält aber keine Aussagen, die in der Ostkirche irgendwie umstritten wären.

Im 20. Jahrhundert wuchs seine Bedeutung sowohl infolge der ökumenischen Bewegung als auch der Liturgiereform. Hierzu wurde 1971 eine dem heutigen Sprachgebrauch angepasste Form erstellt, die neben der lateinischen Fassung zitiert wird.

 

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

 

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige katholische Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

Amen.

 

Übersetzung, die am 15./16. Dezember 1970 von der Arbeitsgemeinschaft für liturgische Texte der Kirchen des deutschen Sprachgebietes verabschiedet wurde.

 

Kontroversen

In der Passage „die heilige katholische Kirche“ wird in evangelischen Kirchen des deutschen Sprachraums der inzwischen zur Konfessionsbezeichnung gewordene Begriff „katholisch“ (von griechisch katholikos ‚allgemein‘, ‚weltumspannend‘ oder ‚universal‘) vermieden und durch Formulierungen wie „christliche Kirche“ (vor allem in lutherischen Kirchen), „allgemeine Kirche“ oder „allgemeine christliche Kirche“ (vor allem in unierten Kirchen) ersetzt. Der evangelische Pfarrer Herbert Goltzen formulierte, dass die Zeile „die heilige katholische Kirche“ entsprechend der ursprünglichen Bedeutung auch in den evangelischen Kirchen verwendet werden sollte.

1974 äußerte die Theologische Kommission der Vereinigung selbständiger evangelisch-lutherischer Kirchen zur Neuformulierung der ökumenischen Fassung, sie sei „nicht frei von sinnverändernden Übersetzungsfehlern“, wobei vor allem die Artikel „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ und „Auferstehung der Toten“ strittig sind. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2004 heißt es dagegen, diese Artikel seien zwar sachgerechte Übersetzungen, die Formulierungen „niedergefahren zur Hölle“ bzw. „Auferstehung des Fleisches“ dennoch vorzuziehen. Eine schärfere Kritik der ökumenischen Übersetzung und ihres Zustandekommens veröffentlichte 1989 Heinrich Kraft.

Die Übersetzung der Aussage communionem sanctorum wurde stets dreifach verstanden:

  1. als Gemeinschaft der Heiligen, das heißt der Kirchenglieder untereinander,
  2. als Neutrum, „Gemeinschaft am Heiligen“, das heißt an den Sakramenten oder sogar allen Gütern der Kirche (Thomas von Aquin),
  3. als „Gemeinschaft mit den Heiligen“, also den bereits Vollendeten/Ge­storbenen.

 

Nicäno-Konstantinopolitanum

Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel gehört wie das Apostolische Glaubensbekenntnis zu den sogenannten altkirchlichen Bekenntnissen.

Das Nicäno-Konstantinopolitanum (auch Nicaeno-Konstantinopolitanum oder Nizäno-Konstantinopolitanum) ist das wichtigste christliche Glaubensbekenntnis, das oft als Credo in der Liturgie Verwendung findet. Dort wird es oft (nicht korrekt) als Nicänisches Glaubensbekenntnis (lateinisch fides Nicaena oder symbolum Nicaenum) bezeichnet. Die römisch-katholische Kirche nennt es in der Liturgie (etwa im Gotteslob Nr. 356) das Große Glaubensbekenntnis. In den lutherischen Kirchen ist es das Bekenntnis, das an Festtagen von der Kirchengemeinde bekannt wird. Im Evangelischen Gesangbuch zählt es zu den Grundtexten des Gottesdienstes.

Das Nicäno-Konstantinopolitanum ist dasjenige christliche Bekenntnis, das in der Ökumene nach der Version des originalen Bekenntnisses von Nicäa am weitesten anerkannt ist. Es wurde von der christlichen Kirche seit 451 als autoritativ bezeichnet und ist es seither geblieben. Alle Bekenntniskirchen erkennen es an, gemeinsam mit dem Apostolikum. Die Kirchen westlicher Tradition beziehen sich außerdem noch auf das Athanasianum.

In den altkatholischen und orthodoxen Kirchen ist es ohne den Zusatz des Filioque in Geltung.

 

Geschichte

Nach der populären Annahme handelt es sich dabei um eine Erweiterung des Glaubensbekenntnisses des ersten Konzils von Nicäa (325), die auf dem ersten Konzil von Konstantinopel (381) beschlossen wurde. Dabei soll der Religionspolitik des Kaisers Theodosius I. Rechnung getragen worden sein, der das Konzil einberufen hatte. Seine tatsächliche Entstehungsgeschichte und literarische Grundlage ist jedoch bis heute nicht gesichert.

Der Text ist erstmals überliefert vom Konzil von Chalcedon (451), wo er öffentlich verlesen und als Glaubensbekenntnis von Konstantinopel („Bekenntnis der 150 heiligen Väter“) bezeichnet wird. Dabei werden sowohl das Bekenntnis von Nicäa als auch das Nicäno-Konstantinopolitanum bestätigt:

„Wir haben durch gemeinsames Urteil die Lehren des Irrtums verjagt und den irrtumslosen Glauben erneuert; wir haben das Glaubenssymbol der 318 [Väter] allen verkündet und diejenigen Väter als die unsrigen anerkannt, die diese Kurzformel des rechten Glaubens angenommen haben; es sind die 150 [Väter], die danach im großen Konstantinopel zusammengekommen sind und ihrerseits denselben Glauben besiegelten … Um ihnen [=den Häretikern] alle Machenschaften gegen die Wahrheit zu verwehren, hat deshalb diese jetzt versammelte heilige, große und ökumenische Synode, die lehrt, was von Anfang an unerschütterlich verkündet wird, entschieden, dass vor allem der Glaube der 318 heiligen Väter unangetastet bleibt. Ferner bestätigt sie wegen der Kämpfer gegen den Heiligen Geist die Lehre über das Wesen des Geistes, die einige Zeit später von den 150 in der Kaiserstadt versammelten Vätern überliefert wurde.“

Als „Lehren des Irrtums“ wurden hier und in den Verdammungszeilen am Ende des Nicänischen Bekenntnisses Arius und seine Anhänger verurteilt, die in der Frage des Verhältnisses zwischen Gottvater und Sohn Gottes eine andere Auffassung vertraten.

Vom sechsten Jahrhundert an wird das Nicäno-Konstantinopolitanum als eine Revision des Bekenntnisses von Nicäa bezeichnet, das in den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen bis heute verwendet wird.

In späteren Zeiten hat die westliche Kirche beim Heiligen Geist den Zusatz „und dem Sohn“, lateinisch: filioque, hinzugesetzt. Dieser Zusatz kam zuerst bei den Goten im frühmittelalterlichen Spanien vor und wurde – nach einer Zeit der Ablehnung – auf Bitten Kaiser Heinrichs II. auch von Papst Benedikt VIII. akzeptiert, ohne dass dieser die übrigen vier Patriarchate konsultierte. Dieser Zusatz ist einer der theologischen Hauptgründe für die Aufrechterhaltung des Morgenländischen Schismas[1] zwischen der West- und der Ostkirche.

Abgesehen von diesem Streitpunkt ist das Nicäno-Konstantinopolitanum das Glaubensbekenntnis, das alle Kirchen, die die ersten beiden ökumenischen Konzilien anerkennen, verbindet.

Nicänisches Bekenntnis

Nicäno-Konstantinopolitanum

Wir glauben an einen Gott,

Wir glauben an einen Gott,

den allmächtigen Vater,

den allmächtigen Vater,

 

der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,

den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.

den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,

Und an den einen Herrn Jesus Christus,

den Sohn Gottes,

den Sohn Gottes,

der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist d. h. aus dem Wesen des Vaters

der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist vor aller Zeit,

Gott von Gott, Licht vom Licht,

Licht vom Licht,

wahrer Gott vom wahren Gott,

wahrer Gott vom wahren Gott,

gezeugt, nicht geschaffen,

gezeugt, nicht geschaffen,

eines Wesens mit dem Vater;

eines Wesens mit dem Vater;

durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;

durch den alles geworden ist;

der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen

der für uns Menschen und wegen unseres Heils vom Himmel herabgestiegen

und Fleisch geworden ist,

und Fleisch geworden ist durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria,

Mensch geworden ist,

Mensch geworden ist,

 

der für uns gekreuzigt wurde unter Pontius Pilatus

gelitten hat

gelitten hat und begraben worden ist,

und am dritten Tage auferstanden ist

und am dritten Tage auferstanden ist nach der Schrift

und aufgestiegen ist zum Himmel,

und aufgestiegen ist zum Himmel,

 

Er sitzt zur Rechten des Vaters

und wird wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten;

und wird wiederkommen in Herrlichkeit, um die Lebenden und die Toten zu richten;

 

und seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

und an den Heiligen Geist.

Und an den Heiligen Geist,

Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“
und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“,
und er sei aus dem Nichtseienden geworden,
oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Person oder Wesenheit,
oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar,
die verdammt die katholische Kirche.

der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

 


Bekenntnis von Nicäa

Das Bekenntnis von Nicäa wurde vom ersten Konzil von Nicäa 325, dem ersten ökumenischen Konzil herausgegeben.

Es ist nicht zu verwechseln mit dem bekannteren und nahe verwandten Nicäno-Konstantinopolitanum, dem Bekenntnis des ersten Konzils von Konstantinopel, das ebenfalls oft als Nicänisches Glaubensbekenntnis oder Nizänisches Glaubensbekenntnis bezeichnet wird. Im Gegensatz zu diesem wird das hier beschriebene Bekenntnis auch von allen alt-orientalischen Kirchen anerkannt. Damit ist es das prinzipiell meistanerkannte Bekenntnis im Christentum, spielt aber in der Bekenntnis- und Frömmigkeitspraxis jener Kirchen, welche auch das Nicäno-Konstantinopolitanum anerkennen, de facto keine Rolle.

 

Geschichtlicher Hintergrund

Mit dem Bekenntnis zur Wesenseinheit Christi und des Vaters bezog das erste nicht-lokale Konzil der Kirchengeschichte Stellung gegen den Arianismus, dessen Lehre auf dem Konzil von Nicäa (Nicäa entspricht dem heutigen İznik/­Türkei) abgelehnt wurde.

In der Folge wurde das Bekenntnis von Nicäa oft als der Glaube der 318 heiligen Väter (318 Bischöfe, die am ersten Konzil von Nicäa teilgenommen haben sollen nach der Anzahl der Knechte mit denen Abraham in Genesis 14,14 auszieht) bezeichnet – sowohl die wörtliche Form als auch verschiedene orthodoxe Glaubensbekenntnisse, die nach dem Prinzip von Nicäa formuliert wurden (z. B. das Nicäno-Konstantinopolitanum).

Auf dem Konzil von Ephesos im Jahre 431 wurde dann das wörtliche Glaubensbekenntnis von Nicäa ausdrücklich bestätigt und erklärt, dass es nicht verändert werden dürfe.

 

Wir glauben an den einen Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,

den Sohn Gottes,

der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,

Gott aus Gott, Licht aus Licht,

wahrer Gott aus wahrem Gott,

gezeugt, nicht geschaffen,

eines Wesens mit dem Vater;

durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;

der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,

Mensch geworden ist,

gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,

aufgestiegen ist zum Himmel,

kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;

Und an den Heiligen Geist.

 

Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“ und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“, und er sei aus dem Nichtseienden geworden, oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit, oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar, die verdammt die katholische Kirche. [richtig: die belegt die katholische Kirche mit dem Anathema]

Heutige Übersetzungen und die lateinische Version enthalten eingeboren oder einziggeboren, unigenitum, davon ausgehend, dass es von geboren kommt. Allerdings übersetzen ältere lateinische Manuskripte des neuen Testaments als unicus, einzigartig. So bleibt der Urtext mehrdeutig.

 

Vergleich mit älteren Bekenntnissen

Literarisch lässt sich das Bekenntnis von Nizäa auf ältere östliche Glaubensbekenntnisse zurückführen. Da jedoch von Jerusalem, Cäsarea, Antiochia und Alexandria sehr ähnliche Bekenntnisse überliefert sind, lässt sich nicht eindeutig feststellen, welches dieser Bekenntnisse die Grundlage für das nizäanische war.

Die trinitarische Formulierung des Bekenntnisses (Wir glauben an einen Gott … Und an den einen Herrn Jesus Christus … Und an den Heiligen Geist …) ist sowohl im Apostolikum als auch in vielen anderen Taufbekenntnissen der damaligen Zeit zu finden. Dieser Aufbau des Bekenntnisses war am Konzil kein Thema.

Die oben kursiv gesetzten Teile sind Zusätze des Konzils, die sich in keinem früheren Bekenntnis finden. In ihnen hat die Kirche Formeln gesucht, die die christologische Lehre der Kirche so ausdrückten, dass der Arianismus sie nicht arianisch interpretieren konnte – ältere Bekenntnisse wurden auch von den Arianern akzeptiert, da sie sie in ihrem Sinn auslegen konnten.

Strittig war am Konzil der Begriff homoousios (dt. wesensgleich/wesenseins), der in der Bibel nicht vorkommt – er wurde von Kaiser Konstantin I. oder dessen Berater Ossius von Córdoba vorgeschlagen. Da gerade dieser Ausdruck für die Arianer in einem Glaubensbekenntnis inakzeptabel war, entschied sich das Konzil trotz Bedenken dafür.

 


Ökumenisches Bekenntnis

 

Wir glauben an Gott, den himmlischen Vater,

den Schöpfer der Welt, der uns geschaffen hat,

damit wir Leben erhalten, Frieden entwickeln und Sorge tragen

für den Bestand der Erde,

weil die Menschen zusammengehören in Gleichheit und Gerechtigkeit.

 

Wir glauben an Jesus Christus, unseren Herrn,

geboren als Mensch in Israel von Maria,

erwählt, mit seinem Leben die Nähe Gottes zu bezeugen.

Er verkündigte den Gefangenen Freiheit,

den Blinden, dass sie sehen,

den Unterdrückten und Armen Befreiung.

Er litt, wurde gefoltert und getötet

am Kreuz mit Gewalt von den Mächtigen unter Pontius Pilatus.

Auferweckt zum Leben und zur Hoffnung für alle.

 

Wir glauben an den Heiligen Geist,

die Kraft des neuen Lebens in Jesus Christus,

der auch uns und alle Verhältnisse ändert,

der uns reich macht im Glauben

und der uns sendet mit dem Ziel,

allen Menschen Hoffnung zu bringen

auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.

 


[1] Kirchenspaltung

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Martin Luthers Katechismus

Das Zweite Hauptstück

Der Glaube

 

DER ERSTE ARTIKEL: VON DER SCHÖPFUNG

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

 

Was ist das?

 

Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit: für all das ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin.

Das ist gewisslich wahr.

 

DER ZWEITE ARTIKEL: VON DER ERLÖSUNG

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

 

Was ist das?

 

Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit.

Das ist gewisslich wahr.

 

DER DRITTE ARTIKEL: VON DER HEILIGUNG

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Was ist das?

 

Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird.

Das ist gewisslich wahr.

 

 

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Das Glaubensbekenntnis - wie Luther es sah

Nach Luthers Auffassung legt das Bekenntnis alles das vor, was man von Gott erwarten darf, und ist Hilfsmittel, um die Gebote einhalten zu können.

 

Der erste Artikel: Von der Schöpfung

Während der erste Artikel des Glaubensbekenntnisses das Wesen Gottes als Vater, Allmächtiger und Schöpfer benennt, konzentriert Luther sich in seiner Auslegung ganz auf die Bedeutung für den Menschen: Er erlebt sich als Geschöpf Gottes, das ohne eigene Verdienste von Gott umfassend versorgt wird und darauf mit Dank, Lob und Gehorsam antworten kann. Der Artikel ist für ihn die Antwort auf das 1. Gebot, es stellt Gott als Schöpfer vor. Luther betont die Menschenschöpfung und die kontinuierliche Schöpfung, die wir täglich neu erleben können. Gott ist aber nicht nur derjenige, der dem Menschen die Lebensgrundlagen gibt, er ist auch der Beschützer gegen Gefahr und Unfall. Das versteht Luther unter dem Begriff „Allmächtiger“. Mit deutlichen Worten fordert er ein, dass die Menschen dar­aus Konsequenzen ziehen sollen und den Artikel ernst nehmen sollen.

 

Der zweite Artikel: Von der Erlösung

Hier finden wir nun den Kern von Luthers Theologie; die Rechtfertigung durch Jesus Christus. In Anlehnung an eine Glaubensformel, die auf dem Konzil von Chalcedon verabschiedet worden ist, betont Luther, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist.

Aber es geht ihm nicht ausschließlich um das Wesen Jesu, sondern hauptsächlich um die Bedeutung seines Handelns für den Menschen. Jesus hat den Menschen durch seinen Tod erlöst; er hat ihn nach Luthers Über­zeugung förmlich aus dem Machtbereich der Sünde, des Teufels herausgerissen. Luther denkt in starken Gegen­sätzen: Jesus Christus ist der Erlöser, der den Menschen vom Teufel zu Gott, vom Tod zum Leben, von der Sünde zur Gerechtigkeit gebracht hat. So ist das Leben Jesu, sein Leiden und Sterben, seine Auferstehung und Himmel­fahrt bis hin zu dem von ihm erwarteten End-Gericht am Jüngsten Tag ausschließlich darauf ausgerichtet, den Menschen zu erlösen. Der Mensch hat mit dem Glauben auf dieses Geschenk zu antworten und kann Jesus als Herrn annehmen.

 

Der dritte Artikel: Von der Heiligung

Hier setzt sich Luther mit einer Frage auseinander, die ihn immer wieder beschäftigt und über die er manchen Streit geführt hat: Hat der Mensch einen eigenen Willen und kann er sich selbst zum Glauben entscheiden?

Luther bestreitet ausdrücklich, dass der Mensch aus ei­gener Kraft zum Glauben finden könne. Dies kann nur durch den Heiligen Geist als Teil des dreieinigen Gottes geschehen. Mit geradezu bestechender Logik erklärt Lu­ther, der Heilige Geist heiße heiliger Geist, weil er heilig macht. Er ist der Übermittler des Glaubens, er bewirkt den Glauben, der durch die Predigt angeboten wird. Dies kann aber nur in der christlichen Gemeinde entstehen, wo rich­tig von Christus gepredigt wird. Offenbar ist diese wahre Kirche für Luther noch Utopie, denn er wendet sich vehement gegen das Papsttum. Er bestreitet dessen Anspruch, christliche Kirche zu sein.

Wie verhält es sich nun mit der Erlösung von der Sünde und der Vergebung der alltägli­chen Sünden? Für Luther ist der Mensch immer beides: Sünder und Gerechter. Denn der Mensch ist zwar gehei­ligt, aber er bleibt der Erde durch sein Menschsein – Lu­ther nennt es das Fleisch – verhaftet. Er weist aber auch darauf hin, dass Evangelium und Sakrament die einzigen Möglichkeiten zur Vergebung der Sünden sind, nicht der Versuch, durch Werke und Taten gerecht zu werden. Die vollständige Heiligkeit ist für Luther erst mit der Auferstehung möglich.

Eindrücklich betont Luther, das 2. Hauptstück fasse die Weisheit der Christen zusammen. Gleichzeitig un­terscheide das christliche Glaubensbekenntnis die Chris­ten von den anderen Menschen. Während die 10 Gebote quasi allen Menschen ins Herz geschrieben seien, kann das Glaubensbekenntnis nur durch den Heiligen Geist verstanden werden.

So ergibt sich ein Zirkel: Durch die Gebote erkennt der Mensch, dass er durch den Glauben an Christus er­löst werden muss. Durch den Glauben an die Erlösung bekommt er Lust, die Gebote einzuhalten. Gott der Vater unterstützt den Menschen mit seiner Schöpfung, Chris­tus mit seinen Werken und der Heilige Geist mit seinen Gaben.

 

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Dreieinigkeit - Trinität

Glauben wir an einen oder an drei Götter? Immer wieder gibt es Diskussionsstoff über diese Frage.

Einige Erklärungsversuche:

 

Wie ist Gott? Dreieinig:

Gott ist bereits in sich eine gesellige Gottheit. Er ist

  • über uns (mütterlicher Vater),
  • unter uns (königlicher Diener & Sohn),
  • in uns (geschwisterlicher Geist).

Er ist wie die drei Grundfarben (rot-gelb-blau), mit denen das unerschöpfliche Farbspiel der Fülle beginnt.

 

Wir glauben an den dreieinigen Gott,

  • der immer schon war (1. Artikel)
  • der in Jesus Mensch wurde (2. Artikel)
  • und dessen Geist immer sein wird (3. Artikel).

Sie reiht sich damit in das Bekenntnis aller christlichen Kirchen an allen Orten und zu allen Zeiten ein.

 

„Du hast sie ja nicht mehr alle!“

„Du hast sie ja nicht mehr alle!“ Doch – jetzt mit dem Heiligen Geist sind alle zusammen. Alle drei. Wir nennen es heute Trinität und wir sprechen es im Glaubensbekenntnis aus. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Viele Missverständnisse und Probleme gab und gibt es mit diesem Wort. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Trinität ist das kongeniale Zusammenwirken von Gott, Jesus und dem Heiligen Geist. Und am Ende kommt das Christentum heraus. Oder anders gesagt:

  • Ohne Gott gäbe es kein Christentum. Gott ist absolut. Wichtig.
  • Jesus, sein Leben, seine Worte & Taten sowie der Auferstehungsglaube sind Voraussetzungen für das Christentum. Ohne Jesus würde es das Christentum nicht geben.
  • Ohne den Pfingstglauben, den Heiligen Geist und den damit verbundenen Aufbruch zur Glaubensgemeinschaft gäbe es ebenfalls kein Christentum.

Es ist die logische Folge eines individuellen Auferstehungsglaubens: Die Ideen Jesu hat er jedem Einzelnen von uns zur Aufgabe gemacht. Aber nur gemeinsam können sie aufgegriffen und bewältigt werden. Alleine schaffen wir es nicht. Wir sind Gemeinwesen. Und so wurde die (christliche) Kirche gegründet. Vom Menschen für Menschen durch die tatkräftige Unterstützung von Gott, Jesus und dem Heiligen Geist.

 

Ich kenne – ich bekenne (mich) – ich glaube

an den Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist

 

 

Die eine Brücke aus drei Pfeilern

Eine Erfahrung

Moslems und Christen hatten sich in unserem Gemeindezentrum getroffen. Das Gespräch plätscherte harmlos dahin. Plötzlich stand eine Frage im Raum. Einer der türkischen Gäste hatte sie gestellt.

Er fragte: „Sagt mal ehrlich: glaubt ihr an die drei Götter: Gott Vater, Maria und den Sohn oder nicht? Wir glauben nämlich nur an einen Gott: Allah.“

Die Frage hatte ich irgendwo gefürchtet. Das war die Frage nach der Trinität! Wie soll man so etwas Kompliziertes, das selbst Christen kaum verstehen, einem Moslem erklären?

Bevor ich zu einer Antwort ansetzte, legte ein anderer aus unserer Gesprächsgruppe schon los.

„Das ist doch ganz einfach: wir Christen glauben an e i n e n Gott, nämlich den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Das sind drei. Und die drei sind eins. Und das nennen wir Trinität.“

Es war still.

„Also doch drei Götter, oder was denn nun?“, wiederholte der muslimische Frager etwas verwirrt. Er war mit dieser Schnellschuss-Theologie nicht zufrieden.

„Ich will versuchen, es mit einem Bild zu erklären“, bekam er jetzt zur Antwort. „Die Trinität das ist wie mit einer großen Brücke. Diese Brücke hat drei Pfeiler. Ja, diese Pfeiler bilden mit ihren drei großen Brückenbögen die eine Brücke. Drei und eins zugleich, wie bei der Trinität.“

Ich als Theologe hatte innerlich Bedenken gegen diese einfache und simple Erklärung. Aber ich behielt meine Zweifel bei mir.

Und als ob er meine Bedenken gespürt hätte, fuhr er fort: „Natürlich ist sowohl bei der Trinität wie bei der Brücke alles viel komplizierter. Es gibt eine sehr anspruchsvolle Theorie und Lehre vom Brückenbau. Die Fachleute beschäftigen sich ausführlich mit dieser schweren Materie. Da geht es um komplizierte Dinge wie Reißfestigkeit von Stahl, Druckfestigkeit von Beton, um Fragen der Fundamente, um die Statik bei Wind und Wellen. Es gibt dicke Bücher drüber, viele sogar. Aber für mich ist das nicht so wichtig. Ich muss mich nur darauf verlassen können, dass die Brücke trägt, wenn ich darüber gehe.“

Er machte eine kleine Pause in seinem Vortrag, bevor er schließlich in die Kurve zur Trinität einbog: „Ganz ähnlich ist es mit der Trinität. Die Theorie und die Theologie dazu ist kompliziert und viele gelehrte Leute haben dicke gelehrte Bücher geschrieben. Aber das ist wirklich etwas für Fachleute. Das muss ich nicht verstehen. Für mich ist nur wichtig, dass Gott wie eine verlässliche Brücke aus drei starken Pfeilern ist.“

Ich weiß nicht mehr, wie das Gespräch damals weiterging. Aber das Bild von Gott als Brücke mit den drei Pfeilern ist mir immer wieder in den Sinn gekommen.

Alle Achtung, so einfach, so verständlich kann man die Trinität beschreiben! Gott ist wie eine Brücke. Das habe ich mir in meiner Phantasie ausgemalt.

Ich sehe den ersten Pfeiler der Brücke, groß und stabil, und darauf steht mit dicken Buchstaben: „Heiliger Geist“. Dies wäre dann der Brückenpfeiler, der dafür sorgt, dass wir uns überhaupt trauen, auf die Brücke zu gehen und den Graben zu überschrei­ten, also uns Gott anvertrauen. Der zweite Pfeiler heißt in meiner Phantasie „Jesus Christus“. Ich blicke über das Geländer nach unten und sehe ihn mitten in einem Abgrund von Hass und Bosheit stehen. Die Brücke „Jesus“ führt da heraus, überwindet die Gräben der Not und des Elends. Und der dritte Pfeiler trägt die Aufschrift „Schöp­fer der Welt“. Jetzt sind wir schon fast drüben und sehen, wohin uns diese Brücke führt: nicht in den Himmel, nicht die Abgeschiedenheit einer Kapelle oder die Freuden eines Paradieses. Sondern sie führt mitten in unsere Welt hinein, wo wir uns als Christen nach Gottes Willen durchaus nützlich machen sollen.

Ich weiß nicht, wie Sie sich das vorstellen mit der Trinität, aber das Bild von der einen Brücke aus den drei Pfeilern ist zumindest eine Möglichkeit, und nicht mal die schlechteste.

 

Burkhard Müller, Morgenandacht im Westdeutschen Rundfunk, Juni 2004

 


Trinität in Bildern ausgedrückt

 

Trinität 1

Trinität 2

Trinität 3


Ich nehme ein Bild, das allen vertraut ist: den Tanz. Die drei göttlichen Personen sind wie Tänzer in einem gemeinsamen Tanz. Drehen sich ineinander, wechseln die Plätze, durchdringen sich, spielen Rollen, mal der eine, mal der andere. Ich sehe die Tanzenden als eines, eng verschlungen, und doch sind es zwei oder drei. Und sie tanzen diesen göttlichen Tanz nicht selbstvergessen, exklusiv, sie tanzen uns auf, sie tanzen für uns, sie tanzen, damit wir mittanzen.

Das ist nicht nur Communio / Gemeinschaft.

Das ist Communicatio / Austausch, gegenseitige Mitteilung.

In phantastischer Ausformung wird hier ein exzentrischer Tanz gezeigt, bei dem sich die drei Verzückten geradezu akrobatisch an Händen und Füßen fassen, in der Mitte mit den sich verschlungen überlagernden Armen und Beinen ein gleichseitiges Dreieck bildend. ... Schaut man genauer hin, erschließen sich dem Betrachter die dargestellten Personen als ausgeprägte Individuen: Einer hat einen Bart, ist also ein alter Mann; ein anderer hat ein junges Gesicht und Knöpfe an seinem Rock, ein Kind. Vater und Sohn? Was wäre dann die Darstellung des Heiligen Geistes? Es ist eine Narrengestalt, mit Zipfelmütze und Harlekin-Kragen! Oder soll die Narrengestalt Jesus Christus sein, was zum mittelalterlichen Bild des Christus als Narr passen würde?

Jedenfalls „tanzt“ die Trinität ihren „göttlichen Lebenstanz“.

Die so wesentliche Lehre von der Dreieinigkeit Gottes erschließt sich mir, wenn ich mich hineinnehmen lasse in das, was die drei Personen im Wesen eint:

 

Liebe, Gemeinschaft und Gespräch.

 

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Glaubensbekenntnis und die christlichen Feiertage

Im (apostolischen) Glaubensbekenntnis finden sich viele christliche Feiertage wieder:

 

Ich glaube an Gott, den Vater,

 

den Allmächtigen,

 

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Erntedankfest

 

 

Und an Jesus Christus,

 

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

 

empfangen durch den Heiligen Geist,

Weihnachten

geboren von der Jungfrau Maria,

 

gelitten unter Pontius Pilatus,

 

gekreuzigt, gestorben und begraben,

Karfreitag

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

 

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

Ostern

aufgefahren in den Himmel;

Christi Himmelfahrt

er sitzt zur Rechten Gottes,

 

des allmächtigen Vaters;

 

von dort wird er kommen,

 

zu richten die Lebenden und die Toten.

 

 

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,

Pfingsten

die heilige christliche Kirche,

 

Gemeinschaft der Heiligen,

 

Vergebung der Sünden,

 

Auferstehung der Toten

 

und das ewige Leben.

 

 

 

Amen.

 

 

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Literatur

Adler, Heinz

Teamer in der Konfirmandenarbeit, Gütersloh 2007

Butt, Christian

Evangelisch – Was ist das? Eine kleine Kirchenkunde, 2011

Dennerlein, Norbert

Luthers Kleiner Katechismus – für Leute von heute, Gütersloh 2007

Jasch, Susanne u.a.

Konfi 3. Werkbuch für Gruppenbegleiterinnen und Gruppenbegleiter (mit CD) sowie Begleit-Heft, calwer 2012

 

Video: Das apostolische Glaubensbekenntnis

 

Internet:

Bekenntnisse auf ekd

Wikipedia - Apostolisches Glaubensbekenntnis

Wikipedia - Nicäno-Konstantinopolitanum

 

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