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Das Abendmahl

Das (letzte) Abendmahl, die Eucharistiefeier, das Herrenmahl – viele Begriffe für eine Sache. Nicht in jedem Gottesdienst wird Abendmahl gefeiert – warum eigentlich nicht? Und warum feiern wir im Gottesdienst überhaupt ein Abendmahl? Und es stellt sich ja auch die Frage, warum feiern wir das Abendmahl am Morgen? Und: Ist das „letzte“ Abendmahl nicht schon vorbei? Und überhaupt: Wer darf wann daran teilnehmen?

 

Als Abendmahl, auch als das letzte Abendmahl, wird das Mahl bezeichnet, das Jesus von Nazaret nach jüdischem Vorbild am Vorabend des Passahfestes mit seinen zwölf Aposteln feierte. Bei diesem Mahl stiftete er kurz vor seinem Tod mit dem Auftrag „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (1. Kor 11,24.25) das gemeinsame Mahl als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart in seiner Gemeinde. Durch Jesus Christus hat somit das „alte“ Sedermahl eine neue Bedeutung – zumindest durch seine Auferstehung für Christen – bekommen.

Quellen für das Wissen über den Ursprung dieser Feier sind die folgenden Bibelstellen: Mt. 26, 21-30; Mk. 14, 12-26; Lk. 22, 7-28; Joh. 13, 1 – 17, 26; 1. Kor. 11, 13-26. Ob es sich bei diesem gemeinsamen Mahl ursprünglich um ein feierliches Essen nach dem Passah-Ritus handelte, ist in der Forschung umstritten; die Mehrheit der heutigen Exegeten[1] tendiert eher zu der Ansicht, dass die Vorbereitung des Passah-Mahles (Mk. 14, 12-16) nicht im Hinblick auf den Vollzug des jüdischen Ritus geschah, sondern auf Jesus, der sein persönliches Passah erfüllte.

 

Gemeinsam Essen

Ein Essen ist immer mehr als ein Essen. Wir werden satt (hoffentlich), haben möglicherweise vorher zusammen gekocht und lassen es uns anschließend „schmecken“. Dabei sitzen wir zusammen und haben (hoffentlich) einen schönen gemeinsamen Abend, mal alltäglich, mal feierlich – aber auf jeden Fall gehen wir (hoffentlich) gestärkt aus diesem Mahl heraus.

Das gemeinsame Essen bildet auch einen Höhepunkt einer Begegnung Gottes mit den Menschen. Es lässt uns Gott in dreifacher Weise erfahren, wie es auch im Glaubensbekenntnis festgehalten ist:

 

  • Als Vater und Schöpfer schenkt er Sättigung und festlichen Genuss (vgl. die Speisung der Fünftausend oder die Hochzeit zu Kana).
  • Als Sohn und Versöhner sucht er mit Einsamen, Vernachlässigten, Ausgestoßenen oder Fremden Gemeinschaft und versöhnt sie mit ihren Mitmenschen (Hochzeitsmahl mit den zunächst nicht Eingeladenen, Mahl mit Zöllnern wie Zachäus, Speisung der Fünftausend in einer „ausländischen“ Gegend, in der Juden sonst nie Tischgemeinschaft mit Nichtjuden gehabt hätten).
  • Als Heiliger Geist, der befreit und vollendet, stiftet er einen Vorgeschmack auf das Reiches Gottes, in dem Menschen selbstständig im Namen des Auferstandenen und in der Kraft des Heiligen Geistes die Gemeinschaft Verschiedener suchen und verteidigen (Tischgemeinschaft in der Urgemeinde zwischen Juden- und Heidenchristen, Abendmahlsfeier von Armen und Reichen).

 

Jede der drei Erfahrungen – satt werden, angenommen sein und einladend auf andere zugehen – findet in Gemeinschaft statt bzw. hat Gemeinschaft zum Ziel. Abendmahl feiern muss jedoch im Kontext dieses hervorgehobenen Aspektes die weiteren Aspekte Sünde, Schuld, Vergebung und Befreiung mit bedenken.

 

Aspekte des Abendmahles

Die verschiedenen Aspekte des letzten Abendmahles werden auch deutlich an den verschiedenen Worten, die es benennt:

 

  • Messopfer: (Sendung): Abendmahl wird als „Opfer“ (Wiederholung des Kreuzesopfers) in jedem Gottesdienst gefeiert und erfahren. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein neues Opfer neben dem Kreuzesopfer Christi, sondern um eine Vergegenwärtigung eben dieses Kreuzesopfers in der Eucharistiefeier durch Priester und Gemeinde: Durch den Akt der Gläubigen bringt sich Christus im katholischen Verständnis Gott selbst dar. D.h., die eine Opfergabe, die am Kreuz dargebracht wurde, besteht als Opfer in der täglichen Wiederholung der sakramentalen Handlung fort.

In der katholischen Kirche war es im Mittelalter üblich geworden, dass den Gläubigen nur noch die Hostie/das Brot, nicht aber mehr der Wein gereicht wurde. Als Begründung wurde angeführt: Das Brot ist als Leib Christi zu verstehen, in dem das Blut enthalten sei. Überdies war die Befürchtung groß, durch Verschütten des Weins das Blut Christi zu vergeuden. Noch heute wird in der römisch-katholischen Kirche den Gläubigen meist nur die Hostie/das Brot gereicht, wenngleich das Zweite Vatikanische Konzil die Austeilung von Brot und Wein erlaubt hat.

Demgegenüber trennen sich die evangelischen Konfessionen ganz vom Opfergedanken. Dieser stellte einen zentralen Angriffspunkt der Reformatoren dar, die betonten, dass sich mit dem einmaligen Opfer Christi am Kreuz alle weiteren Opfer – also auch das im Abendmahl – erübrigt hätten. Stattdessen tritt der Vergebungsaspekt in den Vordergrund: Nach protestantischer Auffassung vergewissern sich die Gläubigen im Abendmahl der Vergebung der Sünden.

 

  • Eucharistie: (Danksagung): Er nahm das Brot und dankte und brach´s …
  • Kommunion: (Gemeinschaft): Es kommt die Gemeinschaft unter den Christen genauso wie die Gemeinschaft mit Gott zum Tragen.
  • Abendmahl: Es wird an das letzte Passahmahl Jesu am Vorabend seiner Kreuzigung (Gründonnerstag) erinnert.
  • Sakrament: (Gottes Zeichen): Im Mittelpunkt stehen die Vergebung der Sünden und die Erfahrung, Gottes Zuspruch zu erhalten.

Die evangelische Kirche kennt nur zwei Sakramente: die Taufe und das Abendmahl. Die katholische Kirche dagegen kennt sieben Sakramente: Taufe, Eucharistie bzw. Firmung, Buße, Krankensalbung bzw. »letzte Ölung«, Priesterweihe und Ehe. Luther hat diese sieben Sakramente der katholischen Kirche auf zwei reduziert und dabei die Bibel als Maßstab angelegt. Ein Sakrament muss zwei Bedingungen erfüllen: Es muss ausdrücklich von Jesus Christus eingesetzt und befohlen sein. Und es muss etwas Materielles mit dem Sakrament verbunden sein.

Die Taufe hat Jesus Christus in Mt. 28,18-20 selbst befohlen: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Die Taufe ist mit Wasser verbunden.

Auch das Abendmahl geht auf einen Befehl Jesu zurück: „Nehmet hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.“ Das Abendmahl ist mit Brot und Wein verbunden.

 

  • Herrenmahl: dieser Begriff hat sich in ökumenischen Dialoggesprächen durchgesetzt, um zum Ausdruck zu bringen: Jesus Christus, der Herr hat das Mahl eingesetzt und ist auch dessen Gastgeber.

 

Das Abendmahl steht ganz sicher in der Tradition der Mahlzeiten, die Jesus mit Zöllnern und Sündern eingenommen hat (z. B. Mk. 2,15-17). Indem Jesus etwa mit Zachäus isst, nimmt er ihn in seine Gemeinschaft hinein und verwandelt ihn: aus dem unehrlichen und unbeliebten Zöllner wird ein rechtschaffener und anerkannter Mensch, der ein neues Leben beginnt. Das Abendmahl nimmt auch die Sünder mit in die Mahlgemeinschaft hinein in dem Zutrauen, dass Jesus Christus sie auf neue Wege führen kann. Das Beispiel Zachäus zeigt: Man muss nicht schon ein guter Mensch sein, wenn man an den Tisch des Herrn kommt.

 

Was geschieht im Abendmahl?

Diese Frage wird höchst unterschiedlich beantwortet und ist eines der wesentlichen Unterschiede zwischen den Konfessionen; sie trennt im Grunde seit dem Mittelalter und wird die Konfessionen (hoffentlich nicht) noch lange weiter trennen.

Strittig war und ist die Frage, wie es denn zu verstehen ist, dass Jesus in seinen Stiftungsworten Leib und Blut mit Brot und Wein gleichsetzt. In der Alten Kirche hatten die Menschen damit keine Verständnisprobleme, denn im antiken Denken wurde nicht zwischen Symbol und Wirklichkeit unterschieden. Zudem kennt das Aramäische, die Sprache Jesu, keine Hilfszeitworte. Wie sollte man also „das mein Leib“ übersetzen? Entweder: Das ist mein Leib. Oder: Das bedeutet mein Leib. Nach katholischer Lehre werden Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt (Transsubstantiation, lat.: Wesensverwandlung). Nach lutherischer Auffassung ist Christus in Brot und Wein körperlich zugegen (Realpräsenz), während nach reformiertem Verständnis das Abendmahl lediglich und rein als Zeichen (Symbol) der Gegenwart Gottes zu sehen ist.

 

Neben allen interkonfessionellen Differenzen gibt es jedoch auch grundlegende Gemeinsamkeiten:

  • So wird in allen christlichen Traditionen Gott für seine Taten gedankt und des Todes und der Auferstehung Jesu gedacht.
  • Brot und Wein werden als Zeichen für den Leib und das Blut Christi gedeutet und
  • in der Feier wird ein leibhaftiger „Vorgeschmack“ der künftigen, neuen Welt Gottes gesehen. (Reich Gottes)

 

Für das Abendmahl gibt es nicht nur eine Deutung. Das Abendmahl erinnert uns gleichzeitig an verschiedene Dinge:


1. Wir werden satt

Alle Menschen brauchen Nahrung. Gott lässt Getreide und Trauben wachsen. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.

Die Geschichte von Elia in der Wüste, 1. Könige 19,2-8, erzählt, wie Gott einen Menschen durch Essen und Trinken stärkt.

 

2. Wir sind nicht perfekt, aber wir sind eingeladen

Wir machen Fehler. Darunter leiden unsere Mitmenschen. Wir vergessen auch Gott. Er lädt uns trotzdem ein. Wir können an seinen Tisch kommen, so wie wir sind.

Die Geschichte vom wiedergefundenen Sohn, Lukas 15,11-24, erzählt, wie einer, der einen Fehler gemacht hat, mit offenen Armen empfangen wird.

 

3. Wir sind eine Gemeinschaft

Es ist schön, mit Freunden zu essen und zu trinken. Jesus hat sich mit allen Menschen an einen Tisch gesetzt, auch mit denen, von denen niemand etwas wissen wollte. Deshalb feiern auch wir zusammen, obwohl wir verschieden sind. Menschen, die danken können und versöhnt sind, begegnen anderen offen und friedfertig. Deshalb sollen auch die mitfeiern, die wir persönlich nicht besonders mögen.

Die Geschichte von Jesus und dem Zolleinnehmer Matthäus, Matthäus 9,9-13, erzählt, wie Jesus mit Menschen gegessen hat, die unbeliebt waren.

 

4. Wir feiern ein Fest

Die Bibel vergleicht das Leben bei Gott mit einem großen Festessen. Davon können wir heute schon etwas spüren, wenn wir zusammen feiern. Auch Jesus hat gerne gefeiert und gegessen.

Die Geschichte von der Hochzeit in Kana, Johannes 2,1-10, erzählt, wie Jesus bei einem Fest für ausreichend Wein gesorgt hat.

 


Anmerkungen:

[1] Bibelausleger

 

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Teilnahme am Abendmahl

Trotz vieler Übereinstimmungen in Lehre und Praxis des Abendmahls feiern die Kirchen es nicht gemeinsam. Zur Praxis der evangelischen Landeskirchen, alle Getauften einzuladen, gibt es in der römisch-katholischen Kirche sowie in den orthodoxen Kirchen keine Entsprechung. Diese allgemeine Einladung an alle Christen darf aber, vor allem bei ökumenischen Gottesdiensten bzw. bei unüberschaubarer konfessioneller Herkunft der Teilnehmenden, nicht zu einer unterschwelligen Nötigung führen. Jede und jeder muss sich frei fühlen können, (auch) nicht teilzunehmen. Viele Katholiken z.B. fühlen sich an das Kirchenrecht gebunden, das die Teilnahme an nicht von katholischen Priestern geleiteten Eucharistiefeiern untersagt bzw. stark einschränkt.

Traditionell war in der evangelischen Kirche die Zulassung zum Abendmahl mit der Konfirmation verbunden. Inzwischen sind viele Gemeinden dazu übergegangen, Eltern auch mit ihren Kindern an den Tisch des Herrn einzuladen. Alle, die für sich nach ihrem Verständnis Inhalt und Bedeutung des Abendmahls bejahen, sind eingeladen. Nach dem Kirchenrecht würde man sagen: alle Getauften. Umso weniger ist es zu verstehen, dass in einigen Gemeinden die Konfirmanden zumindest anfangs nicht zum Abendmahl zugelassen werden, bis sie im Konfirmandenunterricht richtig unterwiesen wurden! Es mag damit zusammenhängen, dass die in den ersten Jahrhunderten in den westlichen Kirchen eingeführten Altersgrenzen (erstes Abendmahl als Erstkommunion in der katholischen bzw. bei der Konfirmation in der evangelischen Kirche) ihren Grund in der vorausgesetzten, mit der Säuglingstaufe aber noch nicht erfolgten christlichen Unterweisung haben und diese z.B. in der Konfirmation nachgeholt werden (müssen).

Es darf m.E. aber nicht um eine Gesinnungsüberprüfung der Beteiligten durch andere gehen, sondern darum, die Gestaltung der Feier würdig, d.h. dem Evangelium gemäß, vorzunehmen. Demnach gilt sogar: Wer andere als „unwürdig“ ausschließen will, disqualifiziert sich höchstwahrscheinlich selbst als jemand, der die Verantwortung zur evangeliumsgemäßen Gestaltung der Feier unwürdig wahrnimmt, d.h. das Evangelium verdunkelt, indem er Gottes freie Gnade und das Geschenk des Glaubens an Vorbedingungen knüpft. Hätte Jesus so gehandelt, hätte er nie mit Judas oder Petrus das letzte Mahl gefeiert. Auch für die nachösterliche Feier des Abendmahls ist zu bedenken, was die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland im Januar 2004 deutlich gemacht hat: Christus selbst ist der Einladende, der Gastgeber. Dies allein muss beim Abendmahl klargestellt sein; jemanden vom Abendmahl auszuschließen, kann demnach nicht Sache derer sein, die selbst Gäste Christi sind!

Beim Abendmahl kommen Menschen zusammen, um Gottes Gegenwart zu feiern. Sie genießen, was er ihnen schenkt. Gemeint ist, dass Jesus sich aus Liebe für seine Jüngerinnen und Jünger, also auch für uns, hingegeben hat. Er hat sein Leben hingegeben für die, die er liebt. Das ist unbegreiflich und gleichzeitig ein einzigartiges Geschenk. So ist es mit der Liebe: unbegreiflich und einzigartig. Wer also vom Brot isst und aus dem Kelch trinkt, dem wird nichts anderes geschenkt, als Gottes bedingungs- und grenzenlose Liebe. Das Abendmahl ist ein Liebesmahl Gottes mit uns Menschen!

 

Gemeinsam oder getrennt nach Konfession zum Abendmahl?

Ein bis heute ungelöstes Problem zwischen den Konfessionen ist die Frage nach der Leitung der Abendmahls- bzw. Eucharistiefeier im Gottesdienst. Diese Frage ist eng mit dem jeweiligen Kirchenverständnis der Konfessionen verknüpft: Nach katholischer Auffassung kann die Feier nur von einem Priester vollzogen werden, der von einem in apostolischer Sukzession[1] stehenden Bischof geweiht wurde. Nur er kann stellvertretend für Christus handeln und das Messopfer darbringen. Aus protestantischer Sicht ist die Leitungsfrage zweitrangig – entscheidend ist, dass Christus der Abendmahlsfeier vorsteht und dazu einlädt. Das protestantische Abendmahl kennt daher auch kaum konfessionelle Grenzen – jeder, der getauft ist, kann daran teilnehmen.

Ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken ist nach offizieller katholischer Auslegung weiterhin (leider) nicht gestattet. In seiner Abendmahls-Enzyklika von 2003 betonte Papst Johannes Paul II. noch einmal unmissverständlich, dass Katholiken nicht an protestantischen Abendmahlsfeiern teilnehmen dürften. Demgegenüber setzen sich die ökumenischen Forschungsinstitute dafür ein, die Abendmahlsgemeinschaft im Sinne einer eucharistischen Gastfreundschaft zuzulassen. Dies sei schon heute möglich, ohne dass zuvor eine völlige Übereinstimmung im Abendmahls- bzw. Eucharistieverständnis sowie im Amts- und Kirchenverständnis erreicht sein müsse.

 

Können evangelische Christen denn in einer katholischen Kirche zum Abendmahl gehen? So richtig geht das eigentlich nicht …

… aber immer mehr Menschen wünschen sich, wenigstens gastweise bei der anderen Konfession teilnehmen zu können. Dadurch wird die Kirche eines Tages auch wieder zusammenwachsen … Abendmahl bedeutet schließlich Tischgemeinschaft!

  • mit anderen teilen
  • arm und reich
  • aus aller Welt

(Nicht nur) aus der Distanz betrachtet ist das ein skurriler Sachverhalt: Christen, die sich auf die Bibel berufen, dürfen nicht gemeinsam »an den Tisch des Herrn treten«, wie es in der kirchlichen Sprache heißt. Wo doch Jesus der biblischen Überlieferung zufolge seine zwölf Jünger, sogar seinen Verräter Judas, zu Brot und Wein einlud. »Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird«, sagte Jesus am Abend vor seiner Gefangennahme seinen Jüngern, »das tut zu meinem Gedächtnis.«

 

Warum soll ich zum Abendmahl gehen? 

Das Abendmahl bringt Menschen mit Gott ins Reine. Gott schenkt seine Liebe und Menschen wollen diese Liebe für sich annehmen, so wie sie Brot und Wein annehmen.  Wenn ein Mensch so beschenkt wurde, dann kann er anderen Menschen auch etwas schenken. Das Abendmahl macht mich bereit in meinem Alltag anderen Menschen neu zu begegnen. „Ich bin ein geliebtes Kind Gottes“ habe ich im Abendmahl erfahren, und das gilt auch für die Menschen um mich herum. Das Abendmahl lässt mich das erkennen und dadurch Menschen ebenfalls anders betrachten und behandeln. Das Essen und Trinken stärkt einen Menschen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Gott ist in den Speisen des Abendmahls gegenwärtig und macht Menschen stark, stark im Glauben und stark in der Liebe zu anderen.

 

Anmerkungen

[1] Die Apostolische Sukzession im vollen Sinne besagt die ununterbrochene rechtmäßige Nachfolge der Apostel durch die Bischöfe von den Aposteln her bis heute.

 

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Warum Brot & Wein?

(und nicht Chips & Cola)

Wenn Brot und Wein nur symbolisch den Leib bzw. das Blut Christi repräsentieren, dann kann ich doch auch andere Lebens-Mittel nehmen!? Möglicherweise tut diese Verfremdung dem Ursprungsgedanken ganz gut, um „das Wesentliche“ wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Zurück zu Brot und Wein: Was können, was sollen diese beiden alltäglichen Dinge an „mehr“ transportieren, wie können sie uns (auch) heute Jesu Botschaft von damals näher bringen?

 

Bodenbild zum Abendmahl

 

Anhand des Schaubildes ist zu erkennen, dass Brot und Wein zunächst einmal in natürlicher, von Gottes Schöpfung kreierter Form als Getreide und Trauben vorhanden sind. Um Brot zu backen, muss  der Mensch durch Arbeit das Korn geerntet, gemahlen und zu Brot verarbeitet haben. Ähnliches gilt für den Wein. Aus der Natur wird Kultur – durch Arbeit wird aus dem Göttlichen etwas Irdisches. Dabei steht das Brot für das alltägliche Grundnahrungsmittel, während der Wein für das Besondere, für das Festliche. Somit kommt hier neben dem Alltag als zweites das Fest in den Blick. Es wird nicht durch Brot, sondern „Wein“ symbolisiert. Neben das Grundnahrungsmittel tritt das Genussmittel. Neben zweckbestimmte Arbeit tritt die Unterbrechung, das Feiern, das sich selbst Zweck ist.

Mit diesem Hintergrund ausgerüstet können wir die besondere und gewachsene Bedeutung der beiden Symbole Brot und Wein erkennen – eine solche Entsprechung haben Chips und Cola nicht. Eine kleine Randbemerkung: Wenn Wein für das Festliche steht, kann ich dann den Wein durch Saft ersetzen, um z.B. Kinder oder (Alkohol-)Kranke am Abendmahl teilnehmen zu lassen? Ich denke Ja, denn bei Matthäus 26,29 steht „Frucht des Weinstockes“ Die Regel ist der Wein, aber es spricht nichts für den „guten Saft“, der ja ebenfalls den festlichen Charakter unterstützt.

 


Worte über Brot und Wein in der Bibel

  • Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen. (1. Mose 3,19)
  • Melchisedek brachte Brot und Wein heraus. (1. Mose 14,18)
  • Sieben Tage lang sollt ihr ungesäuertes Brot essen. (2. Mose 12,15)
  • Die Raben brachten ihm Brot. (1. Könige 17,6)
  • Du bereitest vor mir einen Tisch. (Psalm 23,5)
  • Der Wein erfreue des Menschen Herz. (Psalm 104,15)
  • Brich mit dem Hungrigen das Brot! (Jesaja 58,7)
  • Ich bin das Brot des Lebens. (Joh. 6,35)
  • Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. (Mt. 4,4)
  • Unser tägliches Brot gib uns heute. (Mt. 6,11)
  • Sauft euch nicht voll Wein. (Epheser 5,18)

 

Die Bibel ist voller Worte über Brot und Wein. Die berühmteste und wichtigste Geschichte aber … ist das Passahmahl, das Jesus kurz vor seinem Tod mit seinen Freunden feiert. Das Passahfest erinnert an den Auszug Israels aus der Knechtschaft in Ägypten.

 

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Warum feiert Jesus das Passahmahl?

Jesus ist damals nach Jerusalem gekommen, um dort das Passahfest zu feiern.

Mit dem Sederabend beginnt jedes Passahfest. Seder bedeutet Ordnung, Reihenfolge. Das heißt: das, was an diesem Abend geschieht, folgt einer Ordnung, die Jahr für Jahr wiederholt wird. Den Sederabend feiert man in den Familien. Alle Familienmitglieder kommen zusammen, so wie bei uns an Heiligabend oder in den USA an Thanksgiving. Das Fest erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten etwa 1200 Jahre vor Christus (2. Mose 10-13). Es werden Texte über die Gefangenschaft der Israeliten in Ägypten und den Auszug vorgelesen. Diese Geschichte ist durch symbolische Speisen auf einen Teller oder eine Schüssel „gepackt“:

  • Bittere Kräuter: als Erinnerung an die Bitterkeit der Knechtschaft.
  • Charosset – eine Mischung aus Apfel- bzw. auch Feigenstückchen und Datteln, Nüssen oder Mandeln, mit etwas Rotwein zusammengeknetet, mit Zimt oder Ingwer bestreut, als Symbol für den Lehm, aus dem die Israeliten in den Zeiten der Knechtschaft Ziegel herstellen mussten.
  • Lammbraten: Eine angebratene Lammkeule mit wenig Fleisch, die an die biblische Vorschrift der Opferung eines Pessachlamms im Jerusalemer Tempel erinnert.
  • Ungesäuertes Brot (Mazzen): als Symbol der Eile, in der die Juden aus Ägypten geflohen sind, so dass sie nicht einmal den Brotteig säuern konnten und dieser konnte so nicht aufgehen.
  • Wein, der für den Propheten Elija bestimmt ist. Vier Becher Wein stehen auf dem Tisch, die im Laufe der Feier zu bestimmten Zeitpunkten getrunken werden und ein Fünfter für den Propheten Elia. Elia wird nach jüdischer Überlieferung an einem Sederabend kommen, um die Ankunft des Messias zu verkünden.

 

Das Sederabend ist eine Wurzel für das Abendmahl. Es gibt eine weitere Wurzel. Das Abendmahl ist nicht das erste Essen mit Jesus, von dem die Bibel berichtet. Immer wieder wird erzählt, dass Jesus mit anderen Menschen gegessen hat.

 

Jesus gibt dem alten Brauch eine neue Bedeutung: Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach es und gab es den Jüngern und sprach: „Nehmt und esst. Das ist mein Leib.“ Nach dem Essen nahm er den Kelch, dankte, gab ihn seinen Jüngern und sprach: „Trinkt alle daraus. Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“

Nach diesem Essen wurde Jesus verhaftet und zum Tode verurteilt. Am nächsten Tag wurde er durch Kreuzigung hingerichtet. Er starb also kurz nach dem Seder(abend)mahl. (Lukas 23)

Das war Freitag abends. Am Sonntagmorgen aber war das Grab leer. Der tote Jesus Christus ist auferstanden. (Lukas 24,1-12) Zwei Jünger, die das noch nicht wussten, waren gerade auf dem Weg nach Emmaus. Ein Dritter gesellte sich dazu und sie luden ihn zu sich ein: Als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da erkannten sie, dass es Jesus war. (Lukas 24,13-35)

Das war sozusagen die erste Abendmahlsfeier nach Jesu Auferstehung. Viele, viele sollten folgen. Immer wenn die ersten Christen zusammenkamen, feierten sie dieses Mahl, wie uns berichtet wird: Sie hielten fest an der Lehre der Apostel und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten (Apg. 2,42)

 

 

Wer war beim Abendmahl damals dabei?

Jesus hat das Abendmahl wohl mit den 12 Jüngern gefeiert. Hier sind kurze Steckbriefe von ihnen:

 

Simon Petrus

Er war von Beruf Fischer und ist der herausragende Jünger. In Jesus erkennt er den Christus und will im gleichen Moment nicht wahrhaben, dass Jesus leiden wird.

 

Judas

Er war wahrscheinlich der einzige Jünger, der nicht aus Galiläa kam. Vermutlich war er für die Finanzen des Jüngerkreises zuständig. Er hat Jesus verraten. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Nach Jesu Kreuzigung beging er Selbstmord.

 

Jakobus (Sohn des Zebedäus)

War von Beruf Fischer. Wegen ihres Eifers wurden er und sein jüngerer Bruder Johannes „Donnersöhne“ genannt.

 

Johannes

War von Beruf Fischer. Wegen ihres Eifers wurden und sein älterer Bruder Jakobus „Donnersöhne“ genannt. Er ist als einziger der Jünger bei der Kreuzigung Jesu nicht fortgelaufen.

 

Andreas

Bruder von Petrus, der diesen zu Jesus gebracht hat. War Fischer und bevor er zu Jesus kam, soll er Jünger bei Johannes dem Täufer gewesen sein. Kennzeichen: X-förmiges Kreuz, wird immer ohne Schuhe dargestellt.

 

Bartholomäus

Er war vermutlich Schriftgelehrter oder Schriftgelehrtenschüler.

 

Philippus

Er stammt aus Bethsaida und ist mit Andreas befreundet. Nur er hat neben Andreas einen griechischen Namen. Seine Töchter sollen prophetisch begabt gewesen sein.

 

Thomas

Er ist bereit mit Jesus in den Tod zu gehen. Aber den Berichten der anderen Jünger von Jesu Auferstehung glaubt er zunächst nicht, sondern erst, als er selbst sieht. Deshalb wird er gerne der „ungläubige“ Thomas genannt.

 

Jakobus (Sohn des Alphäus)

Wird zur Unterscheidung von Jakobus, dem Sohn des Zebedäus, auch Jakobus der Jüngere genannt.

 

Simon Kanaanäus

Er war ursprünglich ein Zelot. Die Zeloten waren „Eiferer“. Das galt für den Kampf gegen die jüdische Besatzungsmacht wie für die Befolgung der jüdischen Gesetze.

 

Thaddäus

Über ihn weiß man von allen Jüngern am wenigsten. Nicht einmal sein Name ist wirklich gesichert.

 

Matthäus (auch Levi)

Er war Zöllner und war Jesu Ruf – „Folg mir nach!“ – gefolgt.

 

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Wie feiern wir heute das Abendmahl?

Während beim Abendmahl ein Dankgebet, die Einsetzungsworte, das Austeilen und der Empfang von Brot und Wein nie fehlen dürfen, entscheiden Tradition, Anlass und Thema oft nicht nur über die Inhalte von Gebeten und anderen Texten, sondern auch darüber, ob bestimmte Stücke vorkommen oder nicht. Meist wird das Abendmahl in der evangelischen Kirche mindestens einmal im Monat gefeiert und in den morgendlichen Sonntagsgottesdienst integriert.

 

Ablauf eines Abendmahles

nach Martin Evang

 

Liturgie – das ist die geordnete Folge von bestimmten Worten, Gesängen und Handlungen im Gottesdienst. Die Abendmahlsliturgie ist also die regelmäßige Folge von Worten, Gesängen und Handlungen, aus denen der Abendmahlsteil des Gottesdienstes besteht. Sie ist nicht völlig starr, aber auch nicht beliebig.

Es gibt nicht nur eine Abendmahlsliturgie, sondern unzählig viele. Alle lassen sich jedoch grundsätzlich zwei Grundformen zuordnen. Grundform I ist der Typ der römischen Messe. Auf evangelischer Seite findet man diese Form in den lutherischen Kirchen. Man kann diesen Liturgietyp vor allem daran erkennen, dass die Gemeinde liturgische Gesänge singt (s.u.).

Der andere Typ der Abendmahlsliturgie nach Grundform II ist knapper, ohne Gesänge. Das ist – im Anschluss an die spätmittelalterliche Gemeindekommunion – reformierte Tradition. In der rheinischen Kirche gibt es lutherische und reformierte Gemeinden, deshalb auch beide Typen der Abendmahlsliturgie. Und es gibt unierte Gemeinden, in denen beide evangelischen Traditionen verbunden sind. Logisch, dass dort auch bei den Abendmahlsliturgien Mischformen vorkommen.

Eingeleitet wird das Abendmahl oft schon im Hauptteil des Gottesdienstes, denn dort werden den Gottesdienstbesuchern die Sünden vergeben.

 

LiturgIn: Ist das euer aufrichtiges Bekenntnis und begehrt ihr die Vergebung eurer Sünden um Christi willen, so antwortet mit „Ja“

Gemeinde: „Ja“. (und bekräftigt dies durch das „Kyrie“)

 

Der vorausgegangenen allgemeinen Beichte kann als Sündenvergebung eine ausdrückliche Lossprechung folgen:

LiturgIn: „Auf dieses euer Bekenntnis verkündige ich euch anstatt und im Auftrag unseres Herrn Jesus Christus die Vergebung aller eurer Sünden. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

Ob lutherisch, ob reformiert, ob uniert: Im Übergang zum Abendmahlsteil des Gottesdienstes singt die Gemeinde meist ein Abendmahlslied. Ein altes: „Schmücke dich, o liebe Seele.“ Oder ein neues: „Komm, sag es allen weiter.“ Ein getragenes: „Er ist das Brot, er ist der Wein.“ Oder ein rhythmisch bewegtes: „Kommt mit Gaben und Lobgesang.“

„Mit Gaben und Lobgesang?“ Ja – zu Beginn der Abendmahlsfeier wurde in der Frühzeit der Kirche die Kollekte eingesammelt, die „Gaben“ für Arme und Bedürftige, das „Dankopfer“. Das kann man heute immer noch so machen. Und während des Liedes kann auch der Abendmahlstisch gedeckt werden: mit Brot und mit Wein (oder Traubensaft). Dabei können Kleine und Große mitmachen.

 

Nach dem lutherischen Typ beginnt die eigentliche Abendmahlsliturgie mit einem (gesungenen oder gesprochenen) Wortwechsel zwischen dem Liturgen bzw. der Liturgin und der Gemeinde:

LiturgIn: „Der Herr sei mit euch.“ (Das ist ein liturgischer Gruß in Form eines Segenswunsches.)

Gemeinde: „Und mit deinem Geist.“ (Das ist der Gegengruß, der Gegenwunsch – gemeint ist übrigens mit „deinem Geist“ die Person des Liturgen / der Liturgin.)

LiturgIn: „Erhebet eure Herzen!“

(D.h. erhebt nicht nur eure Augen in die Höhe, nicht nur eure Stimmen zu Gott, sondern wendet euch ganz und gar, auch innerlich, Gott zu! So würde man es heute nicht mehr ausdrücken, wenn man es neu formulieren müsste – aber so ist es nun einmal formuliert seit frühester Zeit: so poetisch, so anschaulich und geheimnisvoll zugleich.)

Gemeinde: „Wir erheben sie zum Herrn.“

(„Okay, machen wir“, würde man heute vielleicht sagen.)

LiturgIn: „Lasst uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gott!“

Gemeinde: „Das ist würdig und recht.“

(„Geht voll in Ordnung“, sagt oder singt die Gemeinde wieder mit ehrwürdigen Worten.)

 

Und das tut der Liturg bzw. die Liturgin jetzt im Namen der ganzen Gemeinde: Gott danken. Und zwar in einem festlichen, erhebenden Gebet. Das geht etwa so los:

„Wahrhaftig, es ist würdig und recht, dass wir dir danken …“

Das Gebet heißt Präfation, zu Deutsch: das, was als erstes, was vorneweg gesagt wird. Es folgen nämlich noch weitere Gebete. Aber dieses Lobgebet macht den Anfang.

Apropos „lasst uns danken“ und „dass wir dir danken“: Dank heißt auf Griechisch Eucharistie. Von dem Dank, der die Abendmahlsfeier einleitet und – wie wir noch sehen werden – beschließt, hat das Abendmahl in der römisch-katholischen Kirche seinen Namen: Eucharistie.

Das Lobgebet, das der Liturg / die Liturgin spricht, mündet ins Sanctus („Heilig“), das die ganze Gemeinde singt. Aber nicht nur sie! Denn im Sanctus stimmt sie ein in den ewigen Lobgesang der „himmlischen Heerscharen“, von dem die Bibel berichtet. In der Abendmahlsliturgie klingt das so:

 

„Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herre Zebaoth. [1]

alle Lande sind seiner Ehre voll.

Hosianna[2] in der Höhe.

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.

Hosianna in der Höhe.“

 

Beide Teile dieses Gesangs stammen textlich aus dem Alten Testament (Jesaja 6,3 und Psalm 118,25f.) und sind im Neuen Testament aufgenommen (Offenbarung 4,8 und Matthäus 21,9). Mit diesem Gesang wird Gott gefeiert.

Statt mit Präfation und Sanctus beginnt die Abendmahlsliturgie nach Grundform II mit einer vom Liturgien bzw. von der Liturgin gesprochenen Abendmahlsbetrachtung. Da wird die Gemeinde kurz daran erinnert, was sie tut, wenn sie nun das Abendmahl feiert – und warum sie es tut.

Früher sprach man von Abendmahlsvermahnung. Dieses Wort lässt noch die Strenge spüren, mit der die Gemeinde zu einem geziemenden Abendmahlsernst ermahnt wurde. Im Hintergrund stand eine Warnung des Apostels Paulus an die Korinther: „Wer nun unwürdig von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. Denn wer so isst und trinkt, dass er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht“ (1. Korinther 11,27-29).

Deshalb haben früher viele mit der ängstlichen Frage am Abendmahl teilgenommen, ob sie dazu würdig genug wären. Heute wissen wir, dass Paulus mit „unwürdig“ keinen Mangel an Schuldbewusstsein, sondern ein liebloses Verhalten gegenüber anderen in der Gemeinde (die Paulus als den „Leib Christi“ versteht) meinte. Deshalb ist die Stimmung bei Abendmahlsfeiern heute meistens zum Glück gelöster und fröhlicher als in früheren Zeiten.

 

Nach diesen verschiedenen liturgischen „Intros“ treffen sich beide Grundformen der Abendmahlsliturgie in den Einsetzungsworten. Sie fassen die geringfügig voneinander abweichenden biblischen Berichte vom letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern zusammen. In ihrer geprägten Fassung lauten sie so:

„Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward,

nahm er das Brot, dankte und brach’s

und gab’s seinen Jüngern und sprach:

Nehmet hin und esset.

Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.

Solches tut zu meinem Gedächtnis.

 

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl,

dankte und gab ihnen den und sprach:

Nehmet hin und trinket alle daraus.

Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut,

das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.“

 

Zu meinem Gedächtnis“ meint nach dem Sprachgebrauch der Bibel nicht die bloße Erinnerung an etwas Vergangenes, sondern dessen Gegenwärtigwerden. Indem die Gemeinde das Abendmahl feiert, vergegenwärtigt sich Jesus Christus selbst, ist Jesus da – in seinem für die Menschen hingegebenen Leben. Genau dies kommt ja zum Ausdruck, wenn alle von einem Brot essen, alle aus einem Kelch trinken. Die Gegenwart Christi in der Mahlfeier kann nicht an der Substanz der Gaben – Brot und Wein – festgemacht werden. Sie ist eine dem Glauben zugängliche, vom Heiligen Geist gewirkte Wirklichkeit.

 

In der Liturgie nach Grundform I kann die Gemeinde auf die Einsetzungsworte hin ein Christuslob (nach 1. Timotheus 3,16 und 1. Korinther 11,26) sprechen oder singen:

 

„Groß ist das Geheimnis des Glaubens!

Deinen Tod, o Herr, verkünden wir

und deine Auferstehung preisen wir,

bis du kommst in Herrlichkeit.“

 

Nach Grundform I können die Einsetzungsworte (und das Christuslob) auch in ein großes Abendmahlsgebet eingebunden sein. Darin wird der Leben und Heil schaffenden Taten Gottes „gedacht“ (Anamnese), und Gottes Geist wird auf die Abendmahl feiernde Gemeinde „herabgerufen“ (Epiklese).

In Liturgien nach Grundform II folgt auf die Einsetzungsworte ein knapperes Abendmahlsgebet. Dann betet die Gemeinde das Vaterunser. Im Zusammenhang der Abendmahlsfeier wird es zum Tischgebet am Tisch des Herrn. Die Einzelbitten „Unser tägliches Brot gib uns heute“ und „Vergib uns unsere Schuld …“ weisen ja auch deutliche Bezüge zu den Einsetzungsworten auf.

„… wir auch wir vergeben unsern Schuldigern“, heißt es im Vaterunser weiter.

Die Bereitschaft der Abendmahlsgäste, den Menschen zu verzeihen, die an ihnen schuldig geworden sind, wird im Friedengruß und in einer damit verbundenen Friedensgeste rituell – d.h. symbolisch, aber für die realen Lebensbeziehungen verbindlich – vollzogen: Die Menschen erklären einander mit Worten (z.B. „Friede sei mit dir“) und Gesten (z.B. durch einen Händedruck oder eine Umarmung) den Frieden, biblisch „Schalom“.

 

Es folgt – wieder nur in der Liturgie nach Grundform I – das Agnus Dei („Lamm Gottes“), ein an Christus gerichtetes (zumeist gesungenes) Gebet, das ein Zeugniswort Johannes des Täufers über Jesus aufnimmt (vgl. Johannes 1,29). Es hat in der bei uns verbreitetsten Fassung diesen Wortlaut:

„Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser.

Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser.

Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen Frieden.

Amen.“

 

Die etwas befremdliche Vorstellung, dass ein Lamm durch seine Opferung Entsündigung und Befriedung bewirkt, stammt aus dem Alten Testament. Mit ihr hat das Neue Testament die zentrale Entdeckung des christlichen Glaubens bekundet: In Jesu gewaltsamem Tod gipfelt die Selbsthingabe Gottes an die Welt. Mit dem Agnus Dei bekennt die Gemeinde, dass sie auf das Erbarmen und den Frieden, deren Präsenz sie im Abendmahl feiert, bleibend angewiesen ist.

 

Einladung: Kommt, denn es ist alles bereit, schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist. Amen.

Und dann folgt die Austeilung, die Kommunion („Gemeinschaft“): Am Tisch des Herrn, um den (oder an dem) sie sich versammeln, empfangen die Abendmahlsgäste ein Stück von dem einen Brot, einen Schluck aus dem einen Kelch. Schade, dass oft Oblaten (Hostien) und Einzelbecher verwendet werden; das beeinträchtigt die Anschauung, dass die Vielen aus dem Einen leben. Die Spendeformeln „Christi Leib, für dich gegeben“ und „Christi Blut, für dich vergossen“ beziehen sich nicht auf die Materie des Brotes und des Weines; sie verkündigen jedem und jeder persönlich, dass er bzw. sie das Leben empfängt, das Christus hingegeben hat. Die Formeln sind auch nicht vorgeschrieben. Sie können z.B. auch lauten: „Das Brot des Lebens – Christus für dich“ und „Der Kelch des Heils – Christus für dich“.

 

Apropos Wein: Im Neuen Testament ist vom „Gewächs des Weinstocks“ die Rede. Damit ist vergorener Traubensaft – also Wein – gemeint, der zu der Zeit Jesu mit Wasser verdünnt getrunken wurde. Es spricht nichts dagegen, mit Rücksicht auf Kinder und alkoholgefährdete Menschen Traubensaft zu nehmen. Die Ausnahme braucht die Regel nicht zu verdrängen, doch auch wer auf den Schluck aus dem Kelch verzichtet, hat gültig am Abendmahl teilgenommen.

 

Es hat sich eingebürgert, dass jede am Abendmahlstisch versammelte Gruppe nach dem Empfang der Gaben mit einem biblischen Votum und dem Sendungswort „Geht hin im Frieden“ entlassen wird. Dazu nehmen die Gäste einander gern an den Händen – Ausdruck der Gemeinschaft des „Leibes Christi“, zu der alle durch die Teilhabe am „Leib Christi“ verbunden sind.

 

Die Abendmahlsfeier wird mit einem Dankgebet, oft auch mit einem Danklied, abgeschlossen – wodurch sich der mit „Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott“ eröffnete eucharistische Kreis schließt.

 

Formen der Austeilung

Hier folgt ein Überblick über die verschiedenen Formen:

 

  • Die Form des gemeinschaftlichen Halbkreises (oder Kreises, wenn hinter dem Altar genug Platz ist) betont die Gemeinschaft mit gegenseitigem Zuspruch. Allerdings ist meist eine Teilung in mehrere Gruppen hintereinander oder (zusätzlich) in parallele Gruppen nötig.
  • Bei der so genannten Herrnhuter Form werden Brot und Wein durch die Sitzreihen gereicht. Diese Form wird gerne bei großer Zahl der Teilnehmenden, z.B. bei Konfirmationsgottesdiensten gewählt.
  • Alternativ dazu gibt es das traditionell vor allem in der katholischen Kirche gebräuchliche „Wandelabendmahl“, bei dem die Teilnehmenden nacheinander in zwei Reihen aus der Mitte nach vorne gehen und nach Empfang der Elemente auf der rechten bzw. linken Seite zurückkehren. Um das Gemeinschaftsbewusstsein bei dieser Form zu stärken, kann man den Bezug zum wandernden Gottesvolk (unterwegs, in der Wüste, von Gott wunderbar ernährt) herstellen.
  • In Form einer richtigen Mahlzeit (Sättigungsmahl) gibt es das Abendmahl als Feierabendmahl (oder Agapemahl = Liebesmahl), normalerweise an Tischen, z.B. am Gründonnerstag mit einer an das jüdische Passahfest erinnernden Liturgie oder einfach in Anlehnung an die Praxis, die auch hinter Jesu Einsetzungsworten steht: Brotbrechen und Dankgebet vor dem Mahl, Dankgebet über dem Kelch „desgleichen nach (!) dem Mahl“.

 

Anmerkungen:

[1] Zebaoth heißt „Heerscharen“

[2] „hilf doch“

 

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Szenisches Spiel

Alle an einem Tisch

Dieses szenische Spiel zeigt, wie es vielleicht abgelaufen sein könnte – keiner war dabei und wir können Vieles nur vermuten. Fest steht, dass Jesus auch mit von Schuld beladenen zusammen das letzte Mahl begangen hat. Schuld und Vergebung gehören somit unmittelbar dazu, wenn wir das Abendmahl in der Kirche feiern…

 

Sprecher: Es ist am Abend vor Jesu Tod. Wir sehen eine Gruppe von Jüngern am Tisch sitzen. Sie waren gerade nach Jerusalem gekommen. Sie wollten zusammen das Abendmahl feiern. Irgendwie war die Stimmung bedrückt.

 

 

Petrus: Ich bin beunruhigt. Beim Einzug nach Jerusalem, da hatten sie noch alle Hosianna gerufen, aber jetzt ist die Stimmung irgendwie gekippt.

 

Stephanus: Du hast Recht, Petrus. So sind die Menschen. Heute Jubel, am nächsten Tag deprimiert. Morgen kann das ganze schon wieder ganz anders sein.

 

 

Sprecher:  Jesus erhebt die Hand. Zeichen, dass er etwas sagen möchte.

 

 

Jesus: Wir haben uns hier versammelt, weil wir noch einmal das Abendmahl feiern wollen. Es ist  mein  Abschiedsmahl.

 

Stephanus: Wieso Abschiedsmahl, Meister?

 

Andreas: Ich glaube, es gibt Pläne, Jesus zu töten.

 

Petrus: Das müssen wir unbedingt verhindern. Wir verstecken dich, mein Rabbi.

 

Jesus: Nein Petrus. Es ist, wie Andreas gesagt hat. Mein Weg ist vorgezeichnet. Ich muss diesen Leidensweg gehen.

 

Johannes: Herr, das lassen wir nicht zu.

 

Jesus: Ihr müsst das aber. Denn, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten. Einer, der mit mir hier am Tisch sitzt.

 

Simon: Unmöglich. Wir halten alle zu dir.

 

Stephanus: Das musst du gerade sagen. Am See Genezareth als sie alle Jesus bedrängten, da hast du zugeschaut. Hattest wohl Angst, den Meister zu verteidigen.

 

Andreas: Nun streitet euch nicht. Wir müssen den Verräter finden und rausschmeißen. Der kann nicht länger Jünger sein.

 

Petrus: Den mache ich fertig. Jakobus, du sagst ja gar nichts. Hast wohl ein schlechtes Gewissen. Dir würde ich so etwas zutrauen, um noch ein paar Sesterzen dazu zu verdienen.

 

Jesus: Schluss jetzt Petrus. Du bist auch keine Leuchte. Es wird sich ja zeigen, wie lange du zu mir hältst.

 

Jakobus: Meister, das geht zu weit. Petrus soll sich erst entschuldigen, sonst gehe ich raus. Dann könnt ihr alleine ohne mich Abendmahl feiern.

 

Petrus: Bei dir, entschuldigen? Was war denn das, als wir die Netze ans Ufer gezogen haben. Da musste ich mit Johannes alles alleine machen. Du denkst immer nur an dich.

 

Jesus: Jetzt ist gut. Ich bleibe dabei. Einer von euch wird mich verraten. Aber er muss sich selbst zu erkennen geben. Lasst uns jetzt Abendmahl feiern. Wenn ihr euch nicht vergeben könnt, ich kann euch vergeben, auch dem Verräter.

 

Andreas:  Jesus, ich halte diesen Druck nicht aus. Gut, wenn du meinst, wir sollen das jetzt mit dem Verräter nicht klären, dann lass uns wenigstens zusammen beten. Dann kann ja jeder still für sich beten. Vielleicht kommen wir so zur Ruhe.

 

Simon: Ich finde den Vorschlag von Andreas gut. Im Gebet werden wir wieder eine Gemeinschaft. Und dann können wir auch für den Verräter beten, wenn er unter uns ist.

 

 

Sprecher: Es wird plötzlich ganz still am Tisch. Die Jünger beten tatsächlich. Jesus beendet das stille Gebet mit einem Tischgebet. Dazu  nimmt er das Brot und den Kelch.

 

 

Jesus:  Ihr habt um Vergebung gebeten. Ich spreche euch die Vergebung zu. Dieses Brot ist ein Zeichen dafür, dass ich immer in eurer Mitte bin, wenn ihr das Brot brecht. Das ist mein Leib. Und wenn ihr noch so zerstritten seid, haltet zusammen.

 

 

Sprecher: Und Jesus teilt das Brot, gibt es ihnen. Danach nimmt er den Kelch.

 

 

Jesus: Dieser Kelch ist ein Zeichen dafür, dass der Wein euch an mein Blut erinnern soll.  Ich werde für euch sterben. Mein Blut wird vergossen zur Vergebung eurer Sünden. Immer wenn ihr aus diesem Kelch trinkt, sollt ihr daran  denken.

 

 

Sprecher: Nach dem Abendmahl sieht man die Jünger bedrückt davon gehen. Petrus bricht das Schweigen.

 

 

Petrus (flüsternd zu Johannes:) Und ich sage dir, den Verräter finden wir. Der wird was erleben. Das kriegt Jesus gar nicht mit.

 

Johannes: Petrus, hast du denn eben durch das Abendmahl nichts begriffen? Du sollst vergeben können.

 

Andreas: Willst du dich mit irgendeiner unüberlegten Tat selber ins Unrecht setzen?

 

Simon: Die Situation ist jetzt so wie sie ist. Irgendwie haben wir alle mit Schuld. Da müssen wir jetzt gemeinsam durch. Mir hat das Abendmahl Mut gemacht.

 

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Martin Luther und das Abendmahl

Was Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus über das Abendmahl sagt, steht hier:

Lutherrose

Das Fünfte Hauptstück

Das Sakrament des Altars oder das Heilige Abendmahl

 

ZUM ERSTEN

Was ist das Sakrament des Altars?

Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesus Christus, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt.

 

Wo steht das geschrieben?

So schreiben die heiligen Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und der Apostel Paulus: „Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis.

 

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches tut, sooft ihr's trinket. zu meinem Gedächtnis.“

 

ZUM ZWEITEN

Was nützt denn solch Essen und Trinken?

Das zeigen uns diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden; nämlich, dass uns im Sakrament Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit durch solche Worte gegeben wird; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit.

 

ZUM DRITTEN

Wie kann leiblich Essen und Trinken solch große Dinge tun?

Essen und Trinken tut's freilich nicht, sondern die Worte, die da stehen: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Diese Worte sind neben dem leiblichen Essen und Trinken das Hauptstück im Sakrament. Und wer diesen Worten glaubt, der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich: Vergebung der Sünden.

 

ZUM VIERTEN

Wer empfängt denn dieses Sakrament würdigt?

Fasten und leiblich sich bereiten ist zwar eine feine äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, wer den Glauben hat an diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Wer aber diesen Worten nicht glaubt oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt; denn das Wort Für euch fordert nichts als gläubige Herzen.

 

VOM AMT DER SCHLÜSSEL UND VON DER BEICHTE.

(Das Stück von Beichte und Vergebung findet sich ursprünglich nicht im Kleinen Katechismus, geht aber zum Teil auf Martin Luther zurück.)

 

Was ist das Amt der Schlüssel?

Es ist die besondere Gewalt, die Christus seiner Kirche auf Erden gegeben hat, den bußfertigen Sündern die Sünden zu vergeben, den unbußfertigen aber die Sünden zu behalten, solange sie nicht Buße tun.

 

Wo steht das geschrieben?

Unser Herr Jesus Christus spricht bei Matthäus im sechzehnten Kapitel zu Petrus: Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

 

Desgleichen spricht er zu seinen Jüngern bei Johannes im zwanzigsten Kapitel: Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

 

Was ist die Beichte?

Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: eins, dass man die Sünde bekenne, das andere, dass man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger empfange als von Gott selbst und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel. Welche Sünden soll man denn beichten?

 

Vor Gott soll man sich aller Sünden schuldig bekennen, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vaterunser tun. Aber vor dem Beichtiger sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen.

 

Welche sind die?

Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter bist, in welchem Beruf und Dienst du stehst: ob du ungehorsam, untreu, unfleißig, zornig, zuchtlos, streitsüchtig gewesen bist, ob du jemand Leid getan hast mit Worten oder Werken, ob du gestohlen, etwas versäumt oder Schaden getan hast.

 

Wie bekennst du deine Sünden vordem Beichtiger?

So kannst du zum Beichtiger sprechen:

 

Ich bitte, meine Beichte zu hören und mir die Vergebung zuzusprechen um Gottes willen.

 

Hierauf bekenne dich vor Gott aller Sünden schuldig und sprich vor dem Beichtiger aus, was als besondere Sünde und Schuld auf dir liegt. Deine Beichte kannst du mit den Worten schließen:

 

Das alles ist mir leid. Ich bitte um Gnade. Ich will mich bessern.

 

Wie geschieht die Lossprechung (Absolution)?

Der Beichtiger spricht:

 

Gott sei dir gnädig und stärke deinen Glauben. Amen. Glaubst du auch, daß meine Vergebung Gottes Vergebung ist?

 

Antwort:

Ja, das glaube ich.

 

Darauf spricht er:

Wie du glaubst, so geschehe dir.

 

Und ich, auf Befehl unseres Herrn Jesus Christus, vergebe dir deine Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Gehe hin in Frieden!

 

Welche aber im Gewissen sehr beschwert oder betrübt und angefochten sind, die wird ein Beichtvater wohl mit mehr Worten der Heiligen Schrift zu trösten wissen und zum Glauben reizen. Dies soll nur eine Weise der Beichte sein.

 

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Das letzte Abendmahl in der Kunst

Für die Christen ist das letzte Abendmahl der wichtigste und gleichzeitig tragischste Moment im Leben des Jesus, denn es war die Nacht, in der er ankündigte, dass ihn einer seiner Jünger verraten würde. Zahlreiche Künstler haben dieses letzte Abendmahl gemalt, doch das Gemälde des Leonardo da Vinci hat alle an Berühmtheit übertroffen, unter anderem auch durch seine unglaubliche Realität. Statt einfach die Szene an sich zu malen, hat er in jedes Gesicht Emotionen gelegt, scheint jedes einzelne porträtiert zu haben. Dadurch sieht man in jedem der Jünger seine Gefühle, die mit dieser ungeheuerlichen Ankündigung in ihnen aufsteigen, Gefühle, die extrem gespalten sein mussten, war es doch einer ihrer selbst.

Leonardo arbeitete drei Jahre an dem Gemälde, das er 1495 begann. Es war der Herzog Ludovico Sforza, der es für die Kirche Santa Maria delle Grazie in einem Mailänder Dominikanerkonvent in Auftrag gab. Hier befindet es sich heute noch.

Die Szenerie zeigt Jesus mit seinen 12 Jüngern, die alle einen der Ankündigung entsprechenden Gesichtsausdruck machen, der eine geschockt, der andere böse, der nächste vollkommen überrascht. Wenn auch nicht alle Jünger sofort zu identifizieren sind, so ist doch der Judas im Schatten sofort zu erkennen, wie er eine Tasche an sich drückt, offensichtlich diejenige, die er mit den Silbermünzen des Verrats zu füllen gedenkt.

Doch eine neue Technik - Ölfarbe auf Putz, die hauptsächlich aus Pflanzenfarbe bestand - ließ es nicht in der Zeit überdauern und es zeigten sich noch zu Lebzeiten Leonardos die ersten Risse. Es wurde immer wieder restauriert, unzählige Male nachgemalt, auf Gobelins festgehalten, als Mosaik verewigt. Heute ist es komplett restauriert, geschützt vor Umwelteinflüssen und nur mehr 100 Personen dürfen es in einer Stunde besichtigen. Johannes, der an Jesus rechter Seite sitzt, ist in den letzten Jahren polemisiert worden, sei in Wirklichkeit Maria Magdalena, da die außerordentlich feinen Züge und das lange, seidige Haar auf eine Frau schließen lassen. Wahr oder nicht wahr - das Wandgemälde ist eines der beeindruckendsten in der Kunstgeschichte.

vgl.: hier

Abendmahl - Da Vinci

Bildquelle

 

Jesus sitzt im Zentrum. Seine Arme sind geöffnet, die Hände berühren den Tisch. Sein Kopf und seine Hände bilden ein Dreieck – das Zeichen für Göttlichkeit.

Da Vinci hat die zwölf Apostel in vier Gruppen zu je drei Personen angeordnet. Jede Gruppe steht für eine menschliche Wesensart nach der Temperamentenlehre des Hippokrates: Phlegmatiker (die Bequemen), Melancholiker (die Nachdenklichen), Choleriker (die leicht Reizbaren) und Sanguiniker (die Aktiven).

Der Betrachter sieht links außen die Gruppe der Phlegmatiker (die Bequemen). Von links nach rechts sitzen zusammengekauert die Jünger Bartholomäus, Jakobus und Andreas. Alle drei sind überrascht von dem, was Jesus behauptet.

Die Gruppe der Melancholiker (die Nachdenklichen) sieht der Betrachter links von Jesus sitzen: Petrus, Judas und Johannes (von links nach rechts). Vor allem die Körperhaltung und die Gestik von Johannes zeigen, dass dieser ruhig und in sich zurückgezogen reagiert.

Die Jünger Thomas, Jakobus und Philippus sitzen zur Linken Jesu. Sie reagieren cholerisch (leicht reizbar). Aufgebracht und fassungslos spreizt Jakobus die Arme. Thomas, der später auch der ungläubige Thomas genannt wird, streckt den Zeigefinger, als wollte er sagen: „Nein, das glaube ich nicht!“.

Die letzte Gruppe, die Sanguiniker (die Aktiven), hat Leonardo ganz rechts auf dem Bild angeordnet. Matthäus (links) und Thaddäus (Mitte) wenden sich Simon zu. Er soll eine Antwort geben, auf das, was Jesus gerade offenbart hat.

Salleck vermutet, dass Da Vinci mit der Figur des Simon eigentlich den griechischen Philosophen Platon darstellen wollte. Dafür würde auch sprechen, dass der Apostel ein griechisches Gewand trägt. Platon hat die Lebensgeschichte Sokrates aufgeschrieben und der ist – wie Jesus – für eine größere Sache gestorben, nämlich für die Philosophie. Deshalb erhoffen sich Matthäus und Thaddäus von ihm eine Antwort.

Judas, der Verräter (links), ist an dem Säckchen zu erkennen, das er mit seiner rechten Hand fest umschließt. Es ist das Säckchen voll Geld, das ihm die Hohepriester für den Verrat an Jesus gezahlt haben.

Der Ausschnitt des Abendmahls von Da Vinci zeigt Johannes, den jüngsten Apostel. Viele meinen, Da Vinci habe in Wahrheit Maria Magdalena zur Rechten Jesu verewigt.

Diese Vermutung untermauern einige Experten damit, dass der Leerraum zwischen Johannes und Jesus ein umgekehrtes Dreieck bildet – das Zeichen für den weiblichen Schoß oder die Weiblichkeit.

Da Vinci hat sich auf dem Gemälde auch selbst verewigt. Er ist Thaddäus, der zweite Apostel von rechts.

Da Vinci stellte mit dem Gemälde aber nicht nur die Szene an sich dar. Er arbeitete laut Salleck seine ganze Weltanschauung in das „Letzte Abendmahl“ mit ein. Die drei zu sehenden Wände des Raumes stehen je für eine Abteilungen der Philosophie: Logik, Ethik und Naturlehre.

Die drei Fenster an der Rückwand des Raumes stehen für die drei Urteilsformen der Logik: Ja, Nein und unbestimmt. Das linke Fenster ist vollkommen frei, keiner der Jünger sitzt davor. Es steht also für Nein. Vor dem rechten Fenster befinden sich zwei Jünger, einer aus der Dreiergruppe wird ausgeschlossen. Es steht für unbestimmt. Jesus sitzt im Zentrum und damit innerhalb des mittleren Fensters. Es steht für Ja.

Die Urteilsformen der Logik kann der Betrachter auch in jeder Dreiergruppe wiederfinden. Zum Beispiel steht Jakobus (Mitte) für unbestimmt, denn seine Hände liegen auf den Schultern zweiter unterschiedlicher Personen. Bartholomäus (links) stützt sich mit beiden Händen auf den Tisch als wollte er sagen: „So ist es!“ Er steht für Ja. Andreas (rechts), der mit beiden Händen von sich weist, steht für Nein.

Die Naturlehre wird mithilfe der vier Teppiche an der linken, dunkleren Wand dargestellt. Sie stehen laut Salleck für die vier Gründe alles Seienden: Materialursache, Formursache, Zweckursache und Zielursache.

Jesus neigt seinen Kopf nach rechts, in die hellere Seite des Raumes, dem Licht, also dem Guten zu. Seine linke Hand zeigt nach oben, sie ist offen für die Kardinaltugenden. So wollte Da Vinci wohl ausdrücken, dass es im Sinne Jesu ist, dass der Mensch auf sein Gewissen hört.

Jesus rechte Hand zeigt nach unten. Er spreizt die Finger, als würde er etwas wegschieben wollen. Mit dieser Geste weist er die vier Gründe alles Seienden (Geld, Status, Zweck und Nutzen) von sich. Sie sollen nicht das Handeln bestimmen. Vielmehr soll sich der Mensch der Ethik zuwenden – wie Jesus auf dem Bild.

 

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Literatur

 

EKD

Das Abendmahl: Eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis des Abendmahls in der evangelischen Kirche (auch als download)

 

Evang, Martin

Seibt, Ilsabe

Der Gottesdienst: Ein Leitfaden durch die Liturgie, 2011

 

 

Küstenmacher, Werner Tiki

Chris die Kerze: Die Geschichte vom Abendmahl, Stuttgart 2009

 

 

im Internet:

Publikationen auf ekd

kurzes Video (2:29) auf ekd

 

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